Nicolai von Ruckteschell

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Nicolai Karl Sergius von Ruckteschell (* 21. Dezember 1853jul. / 2. Januar 1854greg. in Simferopol; † 19. Oktober 1910 in Hamburg) war ein deutschbaltischer[1] lutherischer Pastor.

Grabstätte Nicolai von Ruckteschell, Friedhof Ohlsdorf

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicolai von Ruckteschell wurde im Jahr 1854 auf der Krim geboren. Er war der Sohn von Alwill Eduard Reinhold von Ruckteschell und Marie Juliane Luise geb. Sellheim. Die Mutter veranlasste, dass er in Neuendettelsau von Wilhelm Löhe unterrichtet und konfirmiert wurde. Unter dem Eindruck der Persönlichkeit Löhes entschloss er sich zum Theologiestudium, das er in Dorpat absolvierte.

Eilbeker Gemeindehaus (1908–1943)

Nach dem Studium wurde von Ruckteschell Pastor der deutschen lutherischen Gemeinde in St. Petersburg. Da er einen orthodoxen Russen in die lutherische Kirche aufgenommen hatte, wurde er zur Verbannung nach Sibirien verurteilt. Er wurde begnadigt, musste aber Russland sofort verlassen. So wurde er zuerst vertretungsweise Hilfsprediger, dann 1890 Pastor der Friedenskirche in Eilbek. Er erwarb sich einen Ruf als „gewaltiger Prediger“.[2] Von Ruckteschell wich vom Herkömmlichen ab. Beispielsweise führte er einen jährlichen „Gemeindeausflug“ ein. Auch gründete er den sogenannten Freitagabend, eine wöchentliche Begegnungsstätte für Arbeiter und andere Bevölkerungsgruppen. Gemeinsam lasen von Ruckteschell und Interessierte im Rahmen der „Klassischen Abende“ in der Friedenskirche klassische Literatur.[3] Auf Betreiben von Ruckteschell wurde zudem ein neues Gemeindehaus errichtet, welches einen Treffpunkt für alle darstellen sollte. Es wurde 1908 eingeweiht und 1943 bei alliierten Luftangriffen zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschloss die Gemeinde, anstelle des Gemeindehauses ein Altenheim zu errichten.

Nicolai von Ruckteschell war der „geistige Vater“ der Primus-Stiftung, welche die Hinterbliebenen der Opfer der „Primus-Katastrophe“ im Jahr 1902 finanziell unterstützte.[4]

Von Ruckteschell war verheiratet mit Baronin Catherina Helene von Engelhardt. Das Paar hatte vierzehn Kinder. Zu diesen gehörten Walter[5] und Hellmuth von Ruckteschell.

Am 19. Oktober 1910 starb von Ruckteschell in Hamburg an Krebs.[6] Sein Grabmal befand sich auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg, Planquadrat AD 18 (südwestlich Kapelle 7). Die Grabstelle wurde bereits vor längerer Zeit aufgelassen, dort befinden sich heute Urnen- und Sarggräber.[7]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruckteschell-Heim in Hamburg-Eilbek
Info-Tafel am Ruckteschell-Heim

1908 ehrte die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel von Ruckteschell mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde. Diese wurde ihm zugesprochen, weil er theoretisch und praktisch die Bedeutung der einzelnen Gemeinde für die Kirche herausgestellt habe.[8]

In Eilbek ist das Ruckteschell-Heim nach ihm benannt worden, ein Alten- und Pflegeheim, das auch Kurzzeitpflege anbietet. Das Haus wird von der diakonischen Stiftung Eilbeker Gemeindehaus geführt, die einst auf Ruckteschells Betreiben gegründet wurde. Auch der Ruckteschellweg in Eilbek wurde 1948 nach ihm benannt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ruckteschell, von; Saaga EAA.1674.2.174:10. Eestimaa Üldkasuliku Ühingu matriklikomisjon: Kogutud genealoogilised materjalid ja tabelid. In: Saaga Digitalised archival sources. Rahvusarhiiv, the National Archives of Estonia, abgerufen am 21. Dezember 2020 (estnisch).
  2. 125 Jahre Ev.-Lutherische Friedenskirche Eilbek 1885–2010. Festschrift, S. 6, abgerufen am 30. August 2018.
  3. Rainer Hering: Christentum, Volkstum und Arbeiterjugend. Walter Classen 1874–1954. In: Norbert Friedrich/Traugott Jähnichen (Hrsg.): Sozialer Protestantismus im Kaiserreich: Problemkonstellationen – Lösungsperspektiven – Handlungsprofile (Bochumer Forum zur Geschichte des sozialen Protestantismus 6). LIT Verlag, Münster 2005, ISBN 978-3-825-88559-5, S. 231–256, hier: S. 232–233.
  4. 125 Jahre Ev.-Lutherische Friedenskirche Eilbek 1885–2010. Festschrift, S. 6, abgerufen am 30. August 2018.
  5. Walter von Ruckteschell, abgerufen am 30. August 2018.
  6. 125 Jahre Ev.-Lutherische Friedenskirche Eilbek 1885–2010. Festschrift, S.5, abgerufen am 31. August 2018.
  7. Schriftliche Auskunft der Friedhofsverwaltung vom 7. Dezember 2020.
  8. Günther Severin: Wer war Nicolai v. Ruckteschell?, abgerufen am 30. August 2018.