Nicolas Hulot

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Nicolas Hulot (2015)
Nicolas Hulot (2008)

Nicolas Jacques André Hulot (* 30. April 1955 in Lille) ist ein französischer Fernsehmoderator, Umweltschützer, Filmemacher und Politiker. Seit dem 17. Mai 2017 war er stellvertretender Premierminister (Ministre d’État, „Staatsminister“) und Umweltminister („Minister für den ökologischen und solidarischen Übergang“) von Frankreich. Am 28. August 2018 kündigte er an, sein Amt mit sofortiger Wirkung niederzulegen und sich aus dem politischen Leben zurückzuziehen.[1]

Karriere als Journalist und Moderator[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1973 arbeitete Hulot als Fotojournalist für die französische Bildagentur Sipa Press. Später war er Radiojournalist und Produzent bei France Inter. Von 1987 bis 2012 präsentierte er auf dem Fernsehsender TF1 Dokumentationsserien mit Themenschwerpunkt Natur und Umweltschutz: Zunächst Ushuaïa, le magazine de l’Extrême, dann kurzzeitig Opération Okavango und ab 1998 Ushuaïa Nature. Inspiriert von diesen Serien sendet die TF1-Gruppe seit 2005 den Spartensender Ushuaïa TV.

Im Jahre 2009 erschien der Dokumentarfilm Unsere Welt (Originaltitel: Le Syndrome du Titanic) von Nicolas Hulot und Jean-Albert Lièvre (mit Ulrich Wickert als Synchronsprecher in der deutschen Version).[2]

Politisches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hulot engagierte sich politisch insbesondere im Vorfeld von Präsidentschaftswahlen für ökologische Themen:

Umweltminister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 17. Mai 2017 ernannte Präsident Emmanuel Macron Hulot zum Umweltminister im Kabinett Philippe.[7] Dieses Übergangskabinett trat (wie in Frankreich üblich) kurz nach dem zweiten Wahlgang der Parlamentswahl (18. Juni 2017) zurück. Hulot wurde auch im Kabinett Philippe II Umweltminister.

Hulot mahnt „realistische und erfüllbare Szenarien“ beim Rückbau der Kernenergie in Frankreich an. Es gebe bislang keine klare Strategie, wie ein Anteil von 50 Prozent Atomstrom am Energiemix erreicht werden könne.

Seit der Verabschiedung des Gesetzes zum Atomausstieg am 22. Juli 2015 sei kaum etwas unternommen worden. Nun müsse ein Plan zum weiteren Vorgehen aufgestellt werden.[8][9]

Am 28. August 2018 kündigte er im französischen Radiosender France Inter an, sein Amt niederzulegen und sich aus dem politischen Leben zurückzuziehen.[10] Er begründete diesen Schritt mit den Worten: „Ich mag nicht länger lügen.“ Die Umwelt und der Klimawandel hätten für Macron keine Priorität.[11]

Wörtlich sagt Hulot im Interview: « Je ne veux plus me mentir. [...] Je sais que seul je n’y arriverai pas. [...] J’ai un peu d’influence, je n’ai pas de pouvoir. » (deutsch: „Ich will mich nicht länger selbst belügen.(…) Ich weiß, dass ich alleine nichts erreichen werde. […] Ich habe ein bisschen Einfluß, aber keinerlei Macht.“) Unter anderem beklagt er « la présence des lobbys dans les cercles du pouvoir » (deutsch: „die Anwesenheit von Lobbyisten in den Kreisen der Macht“).[12]

Stiftung Ushuaïa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1990 gründete Nicolas Hulot die Stiftung Ushuaïa. Sie widmete sich der Umweltbildung und bot dazu insbesondere pädagogisch aufbearbeitetes Unterrichtsmaterial für Lehrer und Vereinen an. Seit 1995 heißt sie Stiftung Nicolas Hulot für die Natur und den Menschen (französisch: Fondation Nicolas-Hulot pour la nature et l’homme) und ist Mitglied der IUCN. Ein Beispiel für eine Kampagne der Stiftung ist « SOS – Mer Propre » zur Sensibilisierung der Bevölkerung für den Meeresschutz im Jahr 1998. Zusammen mit der Fondation de France wurde im Jahr 2004 in Le Guerno, Département Morbihan, ein Bildungszentrum zum Thema Biodiversität unter dem Namen École Nicolas Hulot pour la Nature et l’Homme eröffnet. Beim Grenelle de l’environnement, einem im Jahr 2007 von Präsident Nicolas Sarkozy initiierten Diskussionsforum über Umweltthemen, war die Fondation aktiv beteiligt.

Im Januar 2013 wurde eine Denkfabrik mit dem Ziel gegründet, durch interdisziplinäre Arbeitsweise konkrete Vorschläge für Fragen zur nachhaltigen Entwicklung auszuarbeiten.[13] Er besteht aus renommierten Experten aus verschiedenen Bereichen, etwa Jean Jouzel, Jean-Christophe Victor, Dominique Bourg und Jean Claude Ameisen.

Die Stiftung hat etwa 25 festangestellte Mitarbeiter, der Sitz ist in Boulogne-Billancourt bei Paris.[14]

Privat, Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hulot ist seit Oktober 2002 in zweiter Ehe mit Florence Lasserre verheiratet. Die beiden haben zwei Söhne. Die Familie wohnt in Saint-Lunaire (Bretagne).

Eine Enkelin des ehemaligen Staatspräsidenten François Mitterrand hat Hulot 2008 vorgeworfen, sie 1997 vergewaltigt zu haben. Die Voruntersuchung wurde jedoch wegen Verjährung eingestellt.[15]

Als Regierungsmitglied deklarierte er sein Vermögen mit gut 7,2 Millionen Euro. Hulot besitzt ein Haus auf Korsika und neun eigene Motorfahrzeuge, darunter einen Land Rover und ein Motorboot.[16] Hulot vermarktet Kosmetikprodukte unter dem Namen seiner Fernsehsendung Ushuaïa.

Zu Hulots Hobbys zählt der Motorsport. 1980 nahm er an der Rallye Dakar teil, erreichte das Ziel jedoch nicht.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. franceinter.fr: Nicolas Hulot, ministre d’État, ministre de la Transition écologique et solidaire, est l’invité du grand entretien de Nicolas Demorand et Léa Salamé à 8h20. Abgerufen am 28. August 2018 (französisch).
  2. Nicolas Hulot: Unsere Welt auf natur.de
  3. freitag.de, Politik, 22. April 2011, Rudolf Walther: Ein Retter des Planeten (26. April 2011)
  4. a b badische-zeitung.de, Nachrichten, Ausland, 13. April 2011, Axel Veiel: Nicolas Hulot: Frankreichs Liebling möchte kandidieren (26. April 2011)
  5. aargauerzeitung.ch, 13. April 2011: Umweltschützer Hulot will Frankreichs Präsident werden (26. April 2011)
  6. yahoo.com, Aktuell, 13. April 2011: Französischer Moderator Hulot kandidiert gegen Sarkozy (26. April 2011)
  7. tagesschau.de: Le Drian ist neuer französischer Außenminister. Abgerufen am 17. Mai 2017 (deutsch).
  8. www.ouest-france.fr: Interview
  9. FAZ.net 16. Juli 2017
  10. franceinter.fr: Nicolas Hulot, ministre d’État, ministre de la Transition écologique et solidaire, est l’invité du grand entretien de Nicolas Demorand et Léa Salamé à 8h20. Abgerufen am 28. August 2018 (französisch).
  11. Macrons Umweltminister Hulot knallt die Türe zu und sorgt für Eklat nzz.ch, abgerufen am 29. August 2018
  12. lemonde.fr: Remaniement après la démission de Hulot : le gouvernement sera « au complet » mardi. Abgerufen am 1. September 2018 (französisch).
  13. Think Tank – Qui sommes-nous ?
  14. www.fondation-nicolas-hulot.org, zuletzt aufgerufen 16. Juli 2017
  15. spiegel.de, 10. Februar 2018 / Georg Blume: Der Fall Hulot und die Medien
  16. Frankreichs Umweltminister besitzt neun eigene Motorfahrzeuge nzz.ch, abgerufen am 29. August 2018
  17. La première vie de Nicolas Hulot l'express.fr, abgerufen am 28. August 2018