Nicolas Steiner

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Nicolas Steiner gewinnt CH-Filmpreis 2016, @Schweizer Filmakademie

Nicolas Steiner (* 1984 in Sitten, Wallis) ist ein Schweizer Filmregisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent. 2016 wird er zweifach mit dem deutschen Filmpreis (Lola) und dreifach mit dem Schweizer Filmpreis (Quartz) für seinen Diplomfilm Above and Below ausgezeichnet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicolas Steiner ist im Wallis in Sitten geboren und im 1200-Seelen Dorf Turtmann-Unterems aufgewachsen. Er ging im Kollegium Spiritus Sanctus in Brig zur Schule und erlangte dort die gymnasiale Maturität. Während seinem Studium arbeitete er nebenbei als Totengräber, spielte als Drummer in verschiedenen lokalen Musikgruppen und absolvierte seine Militärdienstpflicht als Schlagzeuger/Perkussionist in der Militärmusik.

Seine erste Aktivität im Filmbereich übte er als Schauspieler (Rekrut Schlönz) in der Schweizer RS-Komödie Achtung, fertig, Charlie! (Regie: Mike Eschmann, mit Melanie Wininger, Marco Rima, Martin Rapold etc) aus, einer der erfolgreichsten Schweizer Filme. Obwohl er noch in ein paar anderen CH-Filmen mitspielt, entscheidet er sich bewusst für die Arbeit hinter der Kamera. Mehrfach in Interviews sagt er, dass er kein ausgebildeter und begnadeter Schauspieler ist, dies aber eine grossartige Chance war, das Filmgeschäft kennen zu lernen.

2005/06 besucht er das European Film College in Ebeltoft (Dänemark) und studierte danach für ein Jahr an der Universität Zürich Ethnologie und Filmwissenschaft. Ab 2007 lernt er das Regie-Handwerk an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg und schliesst sein Regiestudium mit dem Film „Above and Below“ ab. Es ist zugleich sein Debütfilm.

2010 erhält er das prestigeträchtige FULBRIGHT Stipendium und studiert für ein Jahr am San Francisco Art institute, wo er sich vor allem der analogen Fotografie und Entwicklung von Brettspielen widmet.

2014 verbringt er als Artist in Residence des Kanton Wallis in der Toy Factory in Brooklyn, NYC.

Über die Prägung durch seine Heimat, das Wallis, in dem auch viele seiner Filme spielen, sagte Steiner: «Ich bin durch und durch ein Walliser Regisseur, der seine Wurzeln liebt. Und trotzdem, das Wallis als Ort ist beängstigend schön. Charmant und doch so gefährlich lodernd in hübschen, trügerischen Postkartenidyllen. Kühe gibt’s. Puffs auch. […] Die steilen Berge schützen, ziehen aber auch eine klare Trennlinie. Sie isolieren. Sie winken einem stolz zu, wenn sie dich nicht furchteinflössend einengen. Das Wallis hat mich geprägt und wird es auch weiterhin tun. Ich freu mich drauf.»

Seit 2016 ist Nicolas Steiner Mitglied der European Film Academy wie auch der Schweizer Filmakademie. Er unterrichtet Master Classen oder Seminare in der Schweiz, Deutschland, Holland und vor allem in den USA. Er war Jury Mitglied bei verschiedenen Filmfestivals wie Locarno, Kansk (Sibiria), Kurzfilmfestival Dresden.  

Er arbeitet zurzeit an einem Spielfilm mit den Produzenten Erich Lackner und Brigitte Hofer.

Seine dokumentarischen Arbeiten wird er weiterhin verfolgen.

Im September 2016 erhält er den RÜNZI Preis 2016. Der Preis geht jedes Jahr seit 1972 an eine Walliser Persönlichkeit und wird von der jeweiligen Staatsratspräsidentin/präsident übergeben. 

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Diplomfilm von der Filmakademie Baden-Württemberg, Above and Below, porträtiert fünf sehr unterschiedliche „Überlebenskünstler“, die jenseits der Strukturen des Alltags leben. Der Film zeigt April, ein Mitglied der Mars Desert Research Station in Hanksville, Utah. Dort wird erforscht, wie menschliches Leben auf anderen Planeten funktionieren soll. Dave ist ein Einwohner der öden Wüste im Imperial County in Kalifornien, in der Nähe von Slab City. Dann ist noch Rick und Cindy, ein Pärchen, welches zusammen mit vielen anderen als Tunnelmenschen im Untergrund von Las Vegas ums tägliche Überleben kämpfen. Auch Lalo, der Pate genannt, lebt dort in einem kleinen Tunnel. Der Dokumentarfilm lief auf über 80 Festivals rund um den Globus.

Above and Below (2015) wurde vielfach ausgezeichnet, darunter mit zwei goldenen LOLA’s (Deutscher Filmpreis für besten Dokumentarfilm und beste Kamera) 2016 und mit drei Quartz (Schweizer Filmpreis für besten Dokumentarfilm, besten Schnitt, beste Mischung) 2016. Gleichzeitig erhielt der Film den Preis für die beste Musik in einem deutschen Dokumentarfilm 2015.

Im Jahre 2009 gewann sein im Wallis spielender Kurzfilm „Ich bin's, Helmut“ den Preis für den besten Schweizer Kurzfilm an den Internationalen Kurzfilmtagen in Winterthur. Es folgten Nominierungen für den besten deutschen Kurzfilm 2010, der Gewinn des Internationalen Grand Prix des grössten Asiatischen Kurzfilmfestivals in Tokyo 2011 und er kam auf die Shortlist für die Oscars 2011. Ich bin’s Helmut wurde insgesamt an über 280 Festivals in allen fünf Kontinenten gezeigt und erhielt 42 Preise und lobende Erwähnungen.

Diesen Film wie auch seine vorigen Arbeiten drehte er noch auf Filmmaterial (meist 16 mm).

Sein in Schwarz/Weiss gedrehter dokumentarischer (Anti)Heimatfilm „Kampf der Königinnen“ handelt über den Kuhkampf. Ein archaischer, schweizerischer Brauchtum, welcher hauptsächlich im Kanton Wallis ausgetragen wird. Steiner fing diese Stimmung mit einem «spannenden Spagat zwischen Tradition und Moderne mit einem Augenzwinkern»[1] ein. Auch dieser Film lief auf vielen Festival (u. a. Berlinale 2011, Perspektive Deutsches Kino) und gewann mehrere Auszeichnungen.

Filmographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Schauspieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Drehbuchautor und/oder Regisseur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2008: Schwitze (Drehbuch, Regie)
  • 2009: Blitz, Donner, Windgefauch (Drehbuch, Regie)
  • 2009: Ich bin's, Helmut (Drehbuch, Regie)
  • 2011: Kampf der Königinnen (Drehbuch, Regie, Produzent)
  • 2015: Above and Below

Als Produzent[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2008: Schwitze (Producer)
  • 2009: Blitz, Donner, Windgefauch (Producer)
  • 2009: Ich bin's, Helmut (Producer)
  • 2011: Kampf der Königinnen (Co-Producer)
  • 2015: Above and Below

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2010 Bester Kurzfilm für Ich bin's, Helmut (CineMAiubit - International Student Film Festival)
  • 2010 Promotionspreis der Kulturministerin für Ich bin's, Helmut (Dresden Film Festival)
  • 2011 Taurus Studio for Innovation Award für Ich bin's, Helmut (Neuchâtel International Fantasy Film Festival)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]