Nicolaus Fest

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Nicolaus Fest (* 1. Juli 1962 in Hamburg[1]) ist ein deutscher Jurist, Journalist und Politiker (AfD).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicolaus Fest ist der Sohn des Zeithistorikers, Herausgebers und Autors Joachim Fest und der Bruder des Verlegers Alexander Fest.[2]

Fest wuchs in Hamburg auf und studierte Rechtswissenschaften. Er wurde 1995 an der Humboldt-Universität zu Berlin mit der Dissertation "Bereicherungs- und Schadensausgleich bei der Verletzung von Immaterialgüterrechten" promoviert.

Nach seinem Referendariat arbeitete Fest zunächst beim Auktionshaus Sotheby’s und bei der Ebner Pressegesellschaft in Ulm (Südwest Presse). Anfang 1995 kam er zum Verlag Gruner + Jahr. Zunächst arbeitete er für ein Projekt im Anzeigenbereich, später war er Referent für Sonderprojekte im Büro des Vorstandschefs Gerd Schulte-Hillen. Im Februar 1999 wechselte er ins Pressesprecher-Team mit Zuständigkeit für den Bereich Interne Kommunikation, Kontakt zur Regionalpresse und den Online-Auftritt.[3] Nach einem Streit mit Schulte-Hillen verließ er Ende Mai 2000 das Unternehmen.[4] Anfang 2001 begann er seine Tätigkeit bei der Bild-Gruppe des Axel-Springer-Verlags. Er war Kulturchef der Bild und von Oktober 2013 bis September 2014 als stellvertretender Chefredakteur der Bild am Sonntag zuständig für Sonderaufgaben.[5] Ende 2014 verließ Fest die Zeitung. Im März 2017 wurde er von der AfD Berlin auf Platz 5 der Landesliste für die Bundestagswahl 2017 nominiert.[6] In seinem Bundestagswahlkreis Berlin-Charlottenburg – Wilmersdorf erreichte er mit 7,2 % der abgegebenen Stimmen nur Platz 6 der Direktkandidaten. Der Einzug in den Bundestag gelang ihm auch über die Landesliste nicht.[7]

Wegen eines Blogeintrags, in dem Fest "Gruppen von arabischen, türkischen oder afrikanischen Jugendlichen" als "primitiv und bösartig" bezeichnete und in dem sich zudem der Satz "Insofern muss man das Wort von Max Frisch, dem zufolge wir Gastarbeiter riefen, aber Menschen bekamen, vielleicht korrigieren: Wir riefen Gastarbeiter, bekamen aber Gesindel" findet, wurde Fest 2017 wegen Volksverhetzung angezeigt.[8][9] Das Verfahren wurde im Juli 2017 von der Staatsanwaltschaft Berlin eingestellt.[10]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2014 verfasste Fest in der Bild am Sonntag einen Kommentar, in dem er den Islam als Integrationshindernis bezeichnete. Der Kommentar löste eine Debatte aus.[11][12][13] Der Chefredakteur der Bild, Kai Diekmann, und die Chefredakteurin von Bild am Sonntag, Marion Horn, distanzierten sich von Fests Aussagen.[14][15] Ende 2014 verließ Fest die Bild, der Verlag dementierte einen Zusammenhang mit dem islamkritischen Kommentar Fests.[16]

Fest trat im Oktober 2016 dem Berliner Landesverband der Alternative für Deutschland bei.[17] Anlässlich einer Pressekonferenz zum Parteieintritt sagte Fest, er halte den Islam weniger für eine Religion als eine totalitäre Bewegung, die mit dem Nationalsozialismus vergleichbar und nicht mit dem deutschen Grundgesetz vereinbar sei. Eine totalitäre Ideologie dürfe in der Öffentlichkeit keinen Platz haben. Dies bedeute, dass auch Moscheen geschlossen werden müssten.[18][19] Im März 2017 erweiterte er diese Forderung, indem er gegenüber dem Tagesspiegel angab, dass er alle Moscheen schließen lassen wolle.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dr. Nicolaus Fest - Alternative für Deutschland. Abgerufen am 17. September 2017.
  2. Melanie Amann, Severin Weiland: Ex-BamS-Vize tritt AfD bei. In: Spiegel Online. 5. Oktober 2016, abgerufen am 5. Oktober 2016.
  3. Peter Caspar Hamel: Dr. Nicolaus Fest verstärkt Gruner + Jahr Öffentlichkeitsarbeit. In: Gruner + Jahr AG & Co, 24. Januar 1999.
  4. Ulrike Simon: Medien. "Bild": Einstand der neuen Springer-Chefs. In: Der Tagesspiegel, 3. Januar 2001.
  5. Marion Horn übernimmt Chefredaktion von Bild am Sonntag. auf axelspringer.de am 13. September 2013, abgerufen am 10. März 2016.
  6. a b Landesparteitag in Brandenburg AfD beendet Kandidatenkür für die Wahl, Der Tagesspiegel, 7. März 2017
  7. Bericht über Ex-Journalisten AfD dementiert Personalie um Nicolaus Fest, Der Tagesspiegel, 27. Oktober 2017
  8. Menschenwürde und Logikbrüche | Nicolaus Fest. Abgerufen am 16. August 2018 (deutsch).
  9. Anzeige gegen Nicolaus Fest wegen Volksverhetzung. In: Der Tagesspiegel Online. 31. März 2017, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 16. August 2018]).
  10. Hasan Gökkaya: Ermittlungen gegen Berliner AfD-Politiker Fest eingestellt. In: Der Tagesspiegel Online. 18. August 2017, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 16. August 2018]).
  11. Nicolaus Fest: Islam als Integrationshindernis. In: Bild am Sonntag am 27. Juli 2014, abgerufen am 10. März 2016.
  12. Christian Meier: Nicolaus Fest schreibt sich mit Anti-Islam-Kommentar ins Abseits. In: Meedia, 28. Juli 2014.
  13. Grünen-Politiker Beck fordert Entschuldigung von "Bild" In: Zeit Online, 27. Juli 2014.
  14. Keine Pauschalurteile über den Islam! In: bild.de, 28. Juli 2014.
  15. Christina Hebel: "Bild"-Chefredaktion distanziert sich von Anti-Islam-Kommentar. In: Spiegel Online, 28. Juli 2014.
  16. Alexander Kissler: Ein isolierter Idiot. Nicolaus Fest flog nach einem islamkritischen Kommentar aus der Bild. Wäre das heute noch so? In: Cicero, Februar 2015 (Memento vom 2. Februar 2016 im Webarchiv archive.is), S. 104–105.
  17. Fabian Leber: Nicolaus Fest zieht es zur AfD. In: Der Tagesspiegel. 5. Oktober 2016, abgerufen am 30. Oktober 2016.
  18. Neuer AfD-Mann vergleicht Islam mit Nationalsozialismus. In: focus.de. 6. Oktober 2016, abgerufen am 30. Oktober 2016.
  19. Severin Weiland: Zum Auftakt erst mal die Moscheen schließen. In: Spiegel Online. 6. Oktober 2016, abgerufen am 30. Oktober 2016.