Nicolaus von Minckwitz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Nicolaus (auch: Nikolaus, Nickel) von Minckwitz (* etwa 1485; † 1549) war ein deutscher Ritter der Renaissance, aus dem sächsischen Adelsgeschlecht derer von Minckwitz. Er wurde u.a. als Förderer der Reformation bekannt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nickel war u.a. Herr auf Schloss Sonnewalde und zudem Landvogt der Lausitz. Als weltläufiger, studierter Jurist (Universitäten zu Paris, Padua, Genf u. Prag) und persönlicher Freund Martin Luthers, setzte er mit seinen ebenfalls in der Lausitz ansässigen Brüdern Georg und Kaspar von Minckwitz 1522, entsprechend den modernen Ideen der Aufklärung und Renaissance, auf Ihren Ländereien evangelisch-lutherische Pastoren ein. 1530 gefolgt von einer eigenen lutherischen Kirchenordnung.

1528 kam es zu einer, zunächst juristischen Auseinandersetzung mit dem katholischen Bischof von Lebus, Georg von Blumenthal in Fürstenwalde. (Die Konfession ist deshalb erwähnenswert, da sie im Kontext mit der damals heftigen Abneigung der katholischen Kirche gegen die Ideen der Aufklärung sowie die Reformvorschläge Martin Luthers und seiner Unterstützer zu der Fehde vermutlich beigetragen hat.)

Der lutherische (sic!) Heinrich von Queiß auf Plössin (jetzt Blossin) führte Beschwerde über Brandstiftungen eines Schäfers beim zuständigen katholischen Bischof von Lebus, Blumenthal. Der Bischof befasste sich, nach Ansicht von Queiß, zu nachlässig mit diesem Prozess, insbesondere da nichts unternommen wurde um den brandschatzenden Schäfer festzunehmen und die Gefahr zu bannen. Queiß bat daher seine einflussreichen Freunde Nickel von Minckwitz und Otto von Schlieben um Hilfe, die wiederum beim Kurfürsten von Brandenburg Joachim I. Nestor in dieser Sache vorstellig wurden und sich über die nachlässige Amtsführung des Bischofs beschwerten.

Daraufhin fühlte sich der sehr stolze, aber weniger fleissige Bischof übergangen und verzögerte seine amtlichen Pflichten weiterhin mehrfach, willkürlich, sodass schließlich die Situation eskalierte. So wurde dem Bischof nach damaligem Recht die Fehde erklärt und in der Nacht vom 8. zum 9. Juli 1528 belagerte Nickel von Minckwitz mit seinen Truppen die bischöfliche Residenzstadt Fürstenwalde. Er übernahm mit seinen Truppen die Stadt, wodurch der Dom, die bischöflichen Gebäude und einige Bürgerhäuser entsprechend den damaligen Gepflogenheiten in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der Domschatz wurde von Nickel von Minckwitz nicht angetastet.

Ein hübsches Diorama im Stadtmuseum von Fürstenwalde zeigt die damalige Übergabe der Schlüssel durch die Ratsherren der Stadt an Nicolaus von Minckwitz.

Übergabe der Schlüssel der Stadt Fürstenwalde durch die Ratsherren

Bischof Georg von Blumenthal gelang es allerdings aus Fürstenwalde nach Grimnitz (heute Joachimsthal) zu fliehen, wo sich der brandenburgische Kurfürst aufhielt. Der streng katholische Kurfürst Joachim I. verurteilte die Minckwitzsche Fehde gegen den Bischof, ebenso wohl auch Martin Luther.

Joachim I. sah sich nun gezwungen seinerseits ein Heer aufzustellen und schaffte es zudem, gegen Nickel von Minckwitz die Reichsacht verhängen zu lassen. Den Kampf haben aber beide Seiten vermieden. Einige Jahre später konnte Nickel mit seiner formalen Unterwerfungserklärung gegenüber dem Kurfürsten, die Aufhebung der Reichsacht erreichen. Dies wurde anschließend auf Einladung des Kurfürsten ausgiebig im Schloss zu Cölln an der Spree (heutiges Berliner Statdtschloß) gefeiert. Überliefert ist von den zeitgenössischen Festlichkeiten noch die Frage des Kurfürsten an Nickel, was er denn nun mit dem Bischof gemacht hätte, wenn er ihn zu fassen gekriegt hätte? Überlieferte Antwort: "...testiculos ipsem amputasset"...(nicht verbürgt!)[1]

Die Fehde des Ritters Nickel von Minckwitz gegen den Bischof von Lebus wurde so zu einem frühen Beispiel der Rechtsgeschichte in Deutschland und literarisch von Theodor Fontane bearbeitet.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Florian Wilke: Bischofsresidenz Fürstenwalde/Spree. Fürstenwalde 1993.
  • Georg F.G. Goltz: Diplomatische Chronik Fürstenwalde. Fürstenwalde 1837.
  • Günther H. Wiege: Nickel von Minckwitz. 1999.
  • Ralf Gebuhr: Nickel von Minckwitz und der frühneuzeitliche Schlossbau in der Niederlausitz. In: Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit, Bulletin 5, 2002, S. 61–67.
  • Ingo Materna, Wolfgang Ribbe, Kurt Adamy: Brandenburgische Geschichte. Berlin 1995, T.2, S. 263.
  • Siegmund Wilhelm Wohlbrück: Geschichte des ehemaligen Bistums Lebus und des Landes dieses Namens. Berlin 1829, S. 272ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ingo Materna, Wolfgang Ribbe, Kurt Adamy: Brandenburgische Geschichte. Akademie-Verlag, 1995, ISBN 3-05-002508-5, S. 263, Google-Buchvorschau
  2. Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Vierter Teil: Spreeland. In: Projekt Gutenberg-DE.