Niddapark

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Infotafel im Park mit Beschreibung, Parkordnung und detailliertem Lageplan

Der Volkspark Niddatal, meist kurz Niddapark genannt, ist mit etwa 168 Hektar der größte Park in Frankfurt am Main und nach dem Stadtwald Frankfurts zweitgrößte Grünfläche. Der Name rührt vom Fluss Nidda her. Die Nidda umfließt Frankfurts Innenstadt von Nordosten kommend im Norden und Westen, mündet nahe dem Stadtteil Höchst in den Main und bildet die Nordgrenze des Niddaparks.

Lage und heutiger Zustand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historischer Grenzstein von 1770 (Dreimarkstein) der Gemarkungen Praunheim, Hausen und Ginnheim mit dem Wappen der Grafschaft Hanau[1]

Der Niddapark liegt im Nordwesten des Frankfurter Stadtgebietes rund 5 Kilometer vom Zentrum entfernt. Er grenzt an mehrere Stadtteile an: an die Nordweststadt und die Siedlung Römerstadt im Norden, an Ginnheim im Osten, an Bockenheim und Hausen im Süden sowie an Praunheim im Westen. Das gesamte Parkgelände bildet einen westlichen Abschnitt des Frankfurter Grüngürtels.[2] Der Park umfasst eine Reihe sehr unterschiedlich gestalteter und genutzter Flächen. Weitläufige, überwiegend naturnah angelegte Wiesenflächen, ältere und neu angelegte Gehölze und Feuchtbiotope wechseln sich mit Spiel- und Sportplätzen ab.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Europaturm vom Niddapark aus gesehen
Wiesen und Gehölze im Niddapark. Im Hintergrund der Europaturm

Die ersten Ideen, in den Niddaauen im Nordwesten Frankfurts einen Park anzulegen, sind für 1914 nachweisbar. Es sollte ein Park für Freizeitaktivitäten geschaffen werden. Erste Voraussetzungen für die geplante Nutzung und Gestaltung des Geländes wurden im Jahr 1927 mit der Begradigung der Nidda geschaffen, die zuvor bei Hochwasserständen regelmäßig über die Ufer getreten war und Überschwemmungen des Geländes verursacht hatte. Dennoch blieben die Nidda-Auen in den folgenden Jahrzehnten überwiegend teils Brachland, teils landwirtschaftlich genutzte Fläche. In der Zeit des Nationalsozialismus war vorgesehen, die Fläche als Hauptgelände des Reichsarboretums zu nutzen. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg waren knapp 70 % des heutigen Parkgeländes in Privatbesitz und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.[3]

In den 1960er Jahren hatte sich die Stadt Frankfurt erfolgreich um die Veranstaltung der Bundesgartenschau beworben und traf mit der Errichtung von Künstlerhäusern und der Randgestaltung des Geländes erste Maßnahmen. Aus finanziellen Gründen nahm die Stadt jedoch Abstand von der Veranstaltung der Bundesgartenschau 1969.[4]

In den 1980er Jahren griff die Stadt Frankfurt den Gedanken der Nutzung des Geländes als ein der Allgemeinheit zugänglicher Park wieder auf. Aus einem 1981 von der Stadt ausgeschriebenen, bundesweiten Ideenwettbewerb für Landschaftsarchitektur-Büros ging der Entwurf des Berliner Teilnehmers Norfried Pohl als Sieger hervor. Der Entwurf diente als Grundlage für das Konzept zur Gestaltung des geplanten Volksparks.[3]

Im Jahr 1989 richtete die Stadt Frankfurt auf dem noch kaum gestalteten Parkgelände die Bundesgartenschau (BUGA) aus. Die Investitionen der Stadt beliefen sich auf 185 Millionen D-Mark.[5] Unter anderem wurden anlässlich der BUGA an der U-Bahn-Strecke A die Station Niddapark sowie an der Main-Weser-Bahn ein Bahnhof mit der provisorischen S-Bahn-Haltestelle Bundesgartenschau errichtet. Letztere wurde nach der Bundesgartenschau wieder abgebaut, ein Neubau unter der Bezeichnung Bahnhof Frankfurt-Ginnheim ist wieder im Gespräch (unter anderem für die bessere Anbindung des neuen Stadtteils Riedberg).

Die Frankfurter BUGA erwies sich nach 171 Öffnungstagen im Sommer 1989 als wirtschaftlicher Misserfolg: Da die Besucherzahlen mit rund vier Millionen Gästen um 50 % hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren, hatte die Stadt lediglich 28 Millionen D-Mark an Eintrittsgeldern eingenommen.[5] Nach dem Rückbau der aufwändig gestalteten Blumenanlagen wurde das Gebiet ab 1990 zu einem Landschaftspark umgestaltet und so erneut der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Frankfurter Volksmund lebt die Erinnerung an die Bundesgartenschau fort in der Bezeichnung BUGA-Gelände für den Niddapark.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der zentrale Teil des Niddaparks besteht hauptsächlich aus parkartig gestalteten Wiesenflächen mit festen Wegen, um den herum sich die anderen Flächen gruppieren: Im Nordwesten und Norden das kleine Praunheimer Wäldchen, daran im Uhrzeigersinn anschließend die Schaudergärtchen und das ältere ca. 9 Hektar große Ginnheimer Wäldchen, dahinter im Nordosten die Niedwiesen, im Südosten Kleingärten, hinter denen Sportanlagen angelegt wurden. Der weiter südöstlich anschließende Neue Friedhof Bockenheim ist vom Niddapark durch die Main-Weser-Bahn getrennt. Im südlichen Teil des Parks befinden sich mehrere Biotope, die südlich an die Bundesautobahn 66 grenzen, die den südlichsten Teil des Volksparks vom Hauptteil optisch (aber nicht faktisch) trennt und in dem sich unter anderem Sportanlagen des Instituts für Sportwissenschaften der Goethe-Universität befinden. Im Westen grenzt das Parkgelände an Wiesen und Kleingärten an, außerdem steht hier ein Wasserwerk für Gebrauchswasser. Der zentrale Teil des Volksparks ist als einziger Teil vollständig parkartig angelegt. Im westlichen Hausener Teil des Parks befand sich ein großer Wasserspielplatz, dessen Sprühfeld zugunsten eines Spielplatzes zurückgebaut wurde. 2013 wurde für 500.000 € ein neuer Wasserspielplatz an der Parkachse Lindenallee angelegt.[6]

früheres Schrankenwärterhäuschen, Gleis des ehemaligen Bahnhofs Bundesgartenschau an der Main-Weser-Bahn

Direkt an den Parkgrenzen liegen außerdem mehrere Schulen und andere öffentliche Einrichtungen: die Hermann-Luppe-Schule an der Nordwestecke des Parks, die Geschwister-Scholl-Schule an der Nordostecke, der Friedhof Bockenheim und das St.-Markus-Krankenhaus im Osten, das Institut für Sportwissenschaften im Südosten, das Elisabethenkrankenhaus im Süden, das Pflanzenschutzamt im Süden und eine private japanische Schule im Südwesten.

Der Park wird von mehreren großen Verkehrslinien durchlaufen: Die Rosa-Luxemburg-Straße führt im Nordosten als Hochstraße auf Pfeilern über den Park, die Main-Weser-Bahn begrenzt den Park im äußersten Osten und schneidet ein kleineres Gebiet des Parks im Südosten ab, das nur durch zwei erweiterte Unterführungen vom übrigen Park aus erreichbar ist. Die im Süden auf Betonpfeilern verlaufende Autobahn 66 teilt einen Teil des Parks optisch ab, obwohl dieser unter der Autobahn mit dem Hauptteil verbunden ist.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zugkreuzung an der U-Bahn-Station Niddapark. Oben U-Bahn, unten Regionalbahn

Erreichbar ist der Park von Westen her im ÖPNV durch die U-Bahn-Linie U7 (Haltestelle Hausen), vom Nordwesten her durch die Buslinien 72/73 (Haltestelle Praunheimer Brücke), vom Norden her durch die Buslinie 60 (Haltestelle Am Alten Schloß), von Osten durch die U-Bahn-Linien U1 und U9 (Haltestelle Niddapark) sowie von Süden durch die U-Bahn-Linie U7 (Haltestelle Große Nelkenstraße).[7]

Dem motorisierten Individualverkehr stehen Parkplätze unter anderem am Ginnheimer Wäldchen am östlichen Rand des Geländes sowie an der Praunheimer Brücke an der nordwestlichen Ecke des Parks zur Verfügung.[2]

Durch den Niddapark verläuft in nord-südlicher Ausrichtung ein westlicher Abschnitt des Grüngürtel-Radrundweges. Ein Teil des Grüngürtel-Rundwanderweges führt am nördlichen Rand des Parkgeländes entlang. Der Niddapark wird außerdem vom Europäischen Fernwanderweg E1 sowie vom Frankfurter Elisabethpfad[8] durchquert. Die Wege sind ausgeschildert.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein Erlebnis zum Aufblühen. Bundesgartenschau Frankfurt 1989. Darin: Kapitel Der Volkspark Niddatal – Frankfurts größter Park. Herausgeber: Bundesgartenschau Frankfurt 1989 GmbH
  • Sonja Thelen: Grünes Frankfurt. Ein Führer zu mehr als 70 Parks und Anlagen im Stadtgebiet. B3 Verlag, Frankfurt am Main 2007. ISBN 978-3-938783-19-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Volkspark Niddatal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Dörfer Praunheim und Ginnheim gehörten bis ins 18. Jahrhundert zum hanauischen Amt Bornheimerberg; das Dorf Hausen lag seit dem späten 15. Jahrhundert auf Frankfurter Territorium. Abgebildet ist die Ginnheimer Seite des Grenzsteins. Bei dem Wappen handelt sich um ein Derivativ der Wappen der im 17. Jahrhundert wiedervereinigten Grafschaften Hanau-Lichtenberg (im Mittelschild ein nach heraldisch-rechts aufsteigender Löwe) und Hanau-Münzenberg (Wappenschild mit Balken und Sparren).
  2. a b c Stadt Frankfurt am Main: Die GrünGürtel Freizeitkarte. Siebte Auflage, 2011
  3. a b Bundesgartenschau Frankfurt 1989, S. 35–42
  4. Astrid Kumpfe: Die Frankfurter Künstlerkolonie: In Frankfurt/Main Wohnen 1967, Beitrag vom 29. September 2012 auf der Website von L.I.S.A. – Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung, auch
    Astrid Kumpfe: In Frankfurt/Main wohnen 1967: Frankfurter Künstlerkolonie e. V. (1959), Henrich Editionen, Frankfurt am Main, ISBN 978-3-921606-96-4
  5. a b Frank Berger, Christian Setzepfand: 101 Unorte in Frankfurt. Darin, S. 36 f.: Kapitel Unstern – die BUGA 1989. Societäts-Verlag, Frankfurt 2011. ISBN 978-3-7973-1248-8
  6. Neuer Wasserspielplatz im Niddapark; in: FAZ vom 18. Mai 2013, S. 44
  7. Website des Rhein-Main-Verkehrsverbundes
  8. Frankfurter Elisabethpfad auf ich-geh-wandern.de, mit Landkarte (abgerufen am 19. Mai 2015)

Koordinaten: 50° 8′ 32,4″ N, 8° 38′ 0,4″ O