Niedenstein

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Niedenstein
Niedenstein
Deutschlandkarte, Position der Stadt Niedenstein hervorgehoben
Koordinaten: 51° 14′ N, 9° 19′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Schwalm-Eder-Kreis
Höhe: 337 m ü. NHN
Fläche: 30,61 km²
Einwohner: 5311 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 174 Einwohner je km²
Postleitzahl: 34305
Vorwahlen: 05624, 05603
Kfz-Kennzeichen: HR, FZ, MEG, ZIG
Gemeindeschlüssel: 06 6 34 018
Stadtgliederung: 5 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Obertor 8
34305 Niedenstein
Webpräsenz: www.niedenstein.de
Bürgermeister: Frank Grunewald (parteilos)
Lage der Stadt Niedenstein im Schwalm-Eder-Kreis
Kassel Landkreis Fulda Landkreis Hersfeld-Rotenburg Landkreis Kassel Landkreis Marburg-Biedenkopf Landkreis Waldeck-Frankenberg Vogelsbergkreis Vogelsbergkreis Werra-Meißner-Kreis Knüllwald Homberg (Efze) Frielendorf Schwarzenborn (Knüll) Neukirchen (Knüll) Oberaula Ottrau Schrecksbach Willingshausen Schwalmstadt Gilserberg Jesberg Neuental Bad Zwesten Borken (Hessen) Morschen Malsfeld Wabern (Hessen) Felsberg (Hessen) Spangenberg Melsungen Körle Guxhagen Edermünde Gudensberg Niedenstein FritzlarKarte
Über dieses Bild
Blick vom Hessenturm auf Niedenstein (Kernstadt)

Niedenstein ist eine Kleinstadt und ein staatlich anerkannter Luftkurort[2] im Schwalm-Eder-Kreis in Nordhessen (Deutschland).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niedenstein liegt im Südosten des Naturparks Habichtswald. Die Kernstadt erstreckt sich am Westhang der waldreichen Langenberge. Die nächste Großstadt ist das 15 km nordöstlich gelegene Kassel. Zu den Bergen rund um Niedenstein gehören der Schwengeberg (557 m ü. NN, höchster Berg des Stadtgebiets) und der Niedensteiner Kopf (475 m ü. NN, mit dem Hessenturm), die beide zu den Langenbergen gehören, der als Flächennaturdenkmal ausgewiesene Sengelsberg (448 m ü. NN) nördlich der Kernstadt, und der beim Ortsteil Kirchberg gelegene Wartberg (306 m ü. NN). Teile der Kernstadt werden vom östlichen Ems-Zufluss Wiehoff durchflossen, der Ortsteil Kirchberg von der Ems.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden grenzt Niedenstein an die Gemeinde Schauenburg (Landkreis Kassel), jenseits der Langenberge im Osten bzw. Südosten an die Stadt Gudensberg. Im Süden liegt Fritzlar, deren Kernstadt etwa 15 km von der Kernstadt Niedenstein entfernt ist, und im Westen befindet sich die Gemeinde Bad Emstal; Gudensberg und Fritzlar liegen im Schwalm-Eder-Kreis, Bad Emstal gehört zum Landkreis Kassel.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt hat etwa 5.300 Einwohner. Sie besteht aus fünf Ortsteilen. Neben der Kernstadt Niedenstein (etwa 2.500 Einwohner) sind das Ermetheis, Metze (etwa 1000 Einwohner), Kirchberg (etwa 900 Einwohner) und Wichdorf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Niedensteiner Gegend war schon früh besiedelt, was durch den am Wartberg befindlichen Hauptfundort der jungsteinzeitlichen Wartberg-Kultur nachgewiesen ist. 1254 ist die erste urkundliche Erwähnung der Burg Niedenstein auf dem Niedensteiner Kopf, als Konrad II. von Elben sie für die Herzogin Sophie von Brabant und ihren Sohn Heinrich gegen Truppen des Mainzer Erzbischofs Gerhard von Dhaun hielt. Die Burg wurde 1387 durch Truppen des Mainzer Erzbischofs Adolf I. verwüstet, danach nur teilweise wieder hergerichtet, schließlich aufgegeben und 1631 vollends zerstört. Von ihr ist heute nichts mehr zu finden.

Es war Konrad von Elben, der in Herzogin Sophies Auftrag auf dem ihm selbst gehörenden Gebiet der Urgemarkung Wichdorf die neue, bereits 1259 als Stadt (oppidum) bezeichnete[3] Siedlung Niedenstein („Nydensteyne“) gründete.

Im Jahre 1554 zählte die Stadt 87 Haushalte mit etwa 400 Einwohnern. 1578 verlieh Landgraf Wilhelm IV. Niedenstein das Recht, zwei Märkte pro Jahr abzuhalten.[3]

Der Dreißigjährige Krieg brachte beinahe völlige Zerstörung: Im Jahre 1631 eroberten Kroatische Reiter des Generals Tilly die Stadt, raubten sie aus und steckten sie in Brand; mehr als ein Drittel der Häuser fielen den Flammen zum Opfer, und die Burg wurde vollends zerstört. Als der Krieg 1648 vorbei war, lebten gerade noch vier Personen in Niedenstein, und nur 14 Häuser standen noch.

Niedenstein, die nach Einwohnerzahl kleinste Stadt im kurzlebigen napoleonischen Königreich Westphalen (1807–1813), war in der „Franzosenzeit“ Verwaltungssitz des Kantons Niedenstein. Die kleine Stadt erlebte erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nennenswertes Bevölkerungswachstum, als individueller Personenverkehr und Pendlerarbeit zunahmen. Im Jahre 1834 gab es 610 Einwohner, und noch im Jahre 1939 betrug die Einwohnerzahl lediglich 630.

Jüdische Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niedenstein war im 19. Jahrhundert und bis zum Zweiten Weltkrieg Heimat einer prozentual beträchtlichen jüdischen Gemeinde;[4] in den 1880er Jahren machte sie mehr als 22 Prozent der gesamten Einwohnerschaft aus, und noch 1933 waren etwa 10 Prozent der Einwohner jüdischen Glaubens. Diejenigen von ihnen, denen die Flucht aus Deutschland nicht rechtzeitig gelang, wurden Opfer des NS-Regimes: Von den in Niedenstein geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen kamen in der NS-Zeit mindestens 61 namentlich bekannte ums Leben.[5]

Historische Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stadtarchiv Niedenstein wird im Hessischen Staatsarchiv Marburg aufbewahrt (Bestand 330 Niedenstein). Der Bestand ist nahezu vollständig erschlossen und ist online recherchierbar.[6]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. September 1970 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Ermetheis eingegliedert. Am 31. Dezember 1971 kamen Kirchberg, Metze und Wichdorf hinzu.[7]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[8] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[9][10]

Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung 2016
    
Von 23 Sitzen entfallen auf:
Parteien und Wählergemeinschaften  %
2016
Sitze
2016
 %
2011
Sitze
2011
 %
2006
Sitze
2006
 %
2001
Sitze
2001
FWG Freie Wählergemeinschaft Niedenstein 40,0 9 19,6 4 23,7 5 18,7 6
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 30,9 7 41,8 10 46,7 11 51,3 16
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 18,5 4 20,8 5 20,9 5 23,0 7
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 10,6 3 17,8 4 8,6 2 7,0 2
Gesamt 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 60,9 57,1 57,4 66,3

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niedenstein unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu der französischen Gemeinde Saint-Germer-de-Fly (im Departement Oise), etwa 80 km nordwestlich von Paris, in der Picardie.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Altenburg- und Stadtmuseum
  • Wichdorfer Heimatmuseum
  • Heimatmuseum Kirchberg
  • Heimatstuben Metze und Archiv für Dorfgeschichte

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche Niedenstein
  • Die evangelische Kirche von 1777 ist ein Saalbau mit eingestelltem Turm. Der Innenraum ist durch Kanzel, Pfarrstand und dreiseitig umlaufende Empore sowie eine Orgel von 1830 geprägt, bis auf letztere ist die Ausstattung neogotisch, wozu auch Reste einer historistischen Verglasung gehören.
  • Ehemalige Synagoge
  • Altenburg, eine auf dem gleichnamigen Berg nordwestlich von Niedenstein gelegene befestigte vorgermanische Höhensiedlung, die bereits um Christi Geburt aufgegeben wurde. Die früher angenommene Gleichsetzung mit dem chattischen Hauptort Mattium ist unzutreffend. Zahlreiche Ausgrabungsexponate aus dem Bereich der Altenburg befinden sich heute im Hessischen Landesmuseum in Kassel.
  • Burgruine Falkenstein in der westlichen Nachbargemeinde Bad Emstal auf dem bei Niedenstein gelegenen Berg Falkenstein.

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hessenturm auf dem Niedensteiner Kopf
  • Niedensteiner Kopf (475 m ü. NN, mit Hessenturm)
  • Tanz- und Gerichtslinde (ca. 500 m unterhalb des Rathauses)
  • Jüdischer Friedhof (an der Friedensstraße)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Niedenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Niedenstein in Merians Topographia Hassiae – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung in Hessen nach Gemeinden am 31.12.2015 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. 79. Sitzung des Fachausschusses für Kurorte Erholungsorte und Heilbrunnen in Hessen vom 21. November 2012. In: Staatszeiger für das Land Hessen. Nr. 9, 2014, ISSN 0724-7885, S. 187.
  3. a b „Niedenstein“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 26. März 2014, abgerufen am 3. November 2014.
  4. Karl E. Demandt: Bevölkerungs- und Sozialgeschichte der jüdischen Gemeinde Niedenstein 1653-1866.
  5. Listen von Yad Vashem in Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945".
  6. Übersicht über den Bestand „Stadtarchiv Niedenstein“; HStAM Bestand 330 NiedensteinIn: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen), abgerufen am 18. Juli 2011.
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 391 und 392.
  8. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016
  9. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  10. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006