Nieder-Beerbach

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Nieder-Beerbach
Gemeinde Mühltal
Wappen von Nieder-Beerbach
Koordinaten: 49° 47′ 28″ N, 8° 40′ 37″ O
Höhe: 223 m ü. NHN
Fläche: 8,3 km²
Einwohner: 2050 (30. Jun. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 247 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 64367
Vorwahl: 06151
Blick vom Burgstall Alte Burg
Blick vom Burgstall Alte Burg

Nieder-Beerbach (mundartlich: Beerwisch) ist ein Ortsteil der Gemeinde Mühltal (Hessen) im Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung Nieder-Beerbachs erfolgte im 14. Jahrhundert.
1402 verleiht König Ruprecht das Dorf Nieder-Beerbach und die Dorenbach Konrad von Frankenstein.
1442 belehnt König Friedrich III. Philipp von Frankenstein und seine Vettern Konrad und Hans mit Nieder-Beerbach und Zubehör.
1545 belehnt Landgraf Philipp von Hessen die von Wallbrunn mit ihrem Teil an den Gefällen zu Ober- und Niederbeerbach.
1662 verkaufen die Herren von Frankenstein Nieder-Beerbach als Zubehör des vom Kaiser zu Lehen rührenden Hauses Frankenstein.
1682 belehnt Kaiser Leopold I. Landgräfin Elisabeth Dorothea als Vormünderin des Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen mit Nieder-Beerbach, wie es zuletzt die von Frankenstein als Reichslehen innehatten.[2]

In den historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt:[2]

Berbach (1318)
Niedernbeerbach (1363)
Berbach (1467)
Nieddern Berbach (1485)
Nyddern Berbach (1485)
Berbach (1549)
Bernbach, under (1553)
Niedern Berbach; Unterbeerbach (1613)

Die übergeordneten Verwaltungseinheiten sind wie folgt dokumentiert:[2]

Bis 1662 zur Herrschaft Frankenstein
Bis 1820: Amt Pfungstadt, das ab 1806 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte.
1821 bis 1832: Landratsbezirk Bensheim der Provinz Starkenburg.
1832 bis 1848: Kreis Bensheim, mit der Einführung von Kreisen im Großherzogtum Hessen.
1848 bis 1852: Regierungsbezirk Heppenheim, während der Einteilung der Provinz Starkenburg in Regierungsbezirke.
1852 bis 1938: Kreis Darmstadt mit der Wiedereinführung von Kreisen in der Provinz Starkenburg.
1938 bis 1977: Landkreis Darmstadt. Im Zuge der Gebietsreform 1938 werden die drei hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen in Kreise aufgelöst.
ab 1977: Landkreis Darmstadt-Dieburg, in den der Landkreis Dieburg im Zuge der Gebietsreform in Hessen aufgeht

Die zuständige Gerichtsbarkeit war:[2]

Zentgericht: Pfungstadt
1821: Landgericht Zwingenberg
1853: Landgericht Darmstadt
1879: Amtsgericht Darmstadt II
1932: Amtsgericht Darmstadt

Belegte Einwohnerzahlen sind dabei:[2]

1629: 26 Hausgesessene
1630: 7 Zweispännige, 1 Einspänniger,
11 Einletzige
1829: 552 Einwohner
1939: 930 Einwohner
1961: 1301 Einwohner
1970: 1376 Einwohner
Nieder-Beerbach: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
575
1840
  
645
1846
  
665
1852
  
665
1858
  
611
1864
  
661
1871
  
673
1875
  
691
1885
  
764
1895
  
830
1905
  
894
1910
  
905
1925
  
949
1939
  
930
1946
  
1.330
1950
  
1.306
1956
  
1.228
1961
  
1.301
1967
  
1.433
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schloss sich am 1. Januar 1977 die bis dahin selbstständige Gemeinde Nieder-Beerbach mit den Gemeinden Frankenhausen, Nieder-Ramstadt und Traisa per Gesetz zur neuen Gemeinde Mühltal zusammen.[3]

Wappen

Das Wappen wurde am 17. Februar 1955 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Wappen von Nieder-Beerbach
Wappenbeschreibung: „In goldenem Schild ein schwarzer, rot bewehrter, aufrechter Bär, über sechs blaue Steinzwacken schreitend und in der Rechten ein rotes Frankensteiner Beileisen haltend.“[4]

Erdbeben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 17. Mai 2014 um 18 Uhr 48 (MESZ) erschütterte ein Erdbeben mit dem Magnitutenwert von 4,2 auf der Richterskala Nieder-Beerbach. Das Epizentrum lag in einer Tiefe von ca. sechs Kilometern. Das Beben verursachte zahlreiche leichte Gebäudeschäden.[5]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nieder-Beerbach ist durch seine Lage am Rande des Odenwalds eher ländlich geprägt. Aufgrund der Tatsache, dass die meisten Bewohner im nahe gelegenen Rhein-Main-Gebiet arbeiten, werden dort auch die meisten Geschäfte getätigt. Darunter leidet auch Nieder-Beerbachs Infrastruktur. Jedoch beginnt sich am nördlichen Ortsrand ein kleines Industriegebiet zu etablieren. Hier sind vor allem Unternehmen aus dem Handwerk und der IT-Branche angesiedelt.

Ein weiteres wichtiges Unternehmen für Nieder-Beerbach ist der im Osten liegende Steinbruch der Odenwälder Hartstein-Industrie (OHI). Die OHI wurde 1957 von der regionalen Konkurrenz, der Mitteldeutschen Hartstein-Industrie AG (MHI) erworben, die den Steinbruch noch heute betreibt. Der Nieder-Beerbacher Steinbruch ist der einzige Ort in Deutschland, an dem noch Silber gefördert wird.[6] Ebenso wird in diesem und in einem weiteren, nur wenige hundert Meter entfernten, Steinbruch in Waschenbach Gabbro gewonnen.[7]

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereinsleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nieder-Beerbach verfügt, gemessen an seiner relativ geringen Einwohnerzahl, über ein sehr ausgeprägtes und buntes Vereinsleben, das die dörfliche Gemeinschaft fördert.

Neben verschiedenen Sportstätten und Vereinsheimen wird in Nieder-Beerbach auch ein Walderlebnispfad rund um die Burg Frankenstein unterhalten, der den Benutzern die Nähe zwischen Mensch und Wald näherbringen soll.

Frankenstein-Bergturnfest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Frankenstein-Bergturnfest

Auf der Wald-Sportanlage (Felsing-Anlage des Turnvereins) in der Nähe der Burg Frankenstein findet seit dem Jahr 1902 alljährlich das Frankenstein-Bergturnfest des Turngaus Main-Rhein statt.

Unser Dorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nieder Beerbach nahm 2005 zum zweiten Mal am Wettbewerb des Landes Hessen „Unser Dorf“ teil (früher „Unser Dorf soll schöner werden“). Wie bereits bei der ersten Teilnahme, Anfang der 1990er, konnte Nieder-Beerbach hier den zweiten Platz belegen.

Kunststatt Nieder-Beerbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kunststatt Nieder-Beerbach - dies meint nicht „Stadt“, sondern „Stätte“ der Kunst, oder auch: Arbeitsstätte, Werkstatt der Kunst. Auf Initiative der Künstlerin Erika Liefland fanden sich 10 Künstler aus Nieder-Beerbach im Sommer 2002 zu einer Ausstellung zusammen und bereichern seither das Dorfbild mit ihren Werken, die in Nieder-Beerbach allgegenwärtig sind. Seitdem wird sogar am Ortseingang auf eigenen Verkehrsschildern darauf hingewiesen, dass sich der Besucher einer Kunststätte nähert.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • September: Kerb[8]
  • Oktober: Oktoberfest[9]
  • Fastnacht: Zwei Herren- und Damen-Sitzungen (veranstaltet durch die SKG Niederbeerbach) und „Närrisch’im TV“ (veranstaltet durch den TV 1894 Nieder-Beerbach)

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mühltal in Zahlen: EWZ mit NW
  2. a b c d e Nieder-Beerbach, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 23. Juli 2012, abgerufen am 1. Oktober 2012.
  3. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt vom 26. Juni 1974 In: GVBl.I 1974/22
  4. Staats-Anzeiger für das Land Hessen. 1955, Amtsblatt Nr. 10, Seite 213
  5. Darmstädter Echo, 19. Mai 2014, S. 1 ff.
  6. Petra Lochmann: Silberfund im Steinbruch 9. Juni 2010 in echo-online.de, [1]
  7. Andreas Wollny: Hessen ist ein steinreiches Land. 23. Dezember 2006 in echo-online.de, [2]
  8. Darmstädter Echo, Mittwoch, 30. September 2015, S. 22
  9. Darmstädter Echo, Montag, 26. September 2016, S. 21