Nieder-Ofleiden

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Koordinaten: 50° 45′ 14″ N, 8° 58′ 14″ O

Nieder-Ofleiden
Höhe: 208 (199–234) m
Einwohner: 762 (30. Jun. 2014)[1]
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 35315
Vorwahl: 06429

Nieder-Ofleiden ist ein Ortsteil der Stadt Homberg (Ohm) im Vogelsbergkreis, Hessen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Nieder-Ofleiden, einer von 13 Ortsteilen der Stadt Homberg a.d. Ohm, liegt etwa 15 km südöstlich von Marburg, am Südostrand des Amöneburger Beckens (Ohmtalsenke) am Fuße des 358 m hohen Hochberges. Unterhalb des Ortes fließt der Fluß „Ohm“, ein Nebenlauf der Lahn. Nieder-Ofleiden ist überwiegend ländlich strukturiert.

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mardorf Langenstein Lehrbach
Rauischholzhausen Nachbargemeinden Dannenrod
Deckenbach Homberg Maulbach

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nieder-Ofleiden wird vermutlich erstmals 1151, sicher aber 1264 erwähnt, als Guntram Schenck zu Schweinsberg der Zisterzienserabtei Haina einige Höfe in Nieder-Ofleiden schenkte. Ein späterer Brief der Schencken Johannes und Heidenreich zu Schweinsberg, an den Landgräfliche Landgraf Volpracht von Schwalbach vom 8. Juni 1395 erwähnt, dass Nieder-Ofleiden im 13. und 14. Jahrhundert Zehnten sowie Zinsrenten an den bischhöfflichen Kellerer von Amöneburg entrichtet. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges nahm die Einwohnerzahl zu, während andere Dörfer über große Verluste zu klagen hatten, man vermutet, dass Nieder-Ofleiden von der Pest verschont blieb. Eine kurze Beschreibung des Dorfes gibt es aus dem Jahre 1830 vom großherzoglich-hessischen Geometer Georg Wagner: Die Gemeinde Nieder-Ofleiden hat 79 Häuser, 503 Einwohner, eine Schule und einen Steinbruch mit weißen Sandsteinen.

Geschichte des Schulwesens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 17. Jahrhundert erhielt die Gemeinde Nieder-Ofleiden eine eigene Schule. Die erste Schule befand sich auf dem Anwesen von Familie H. J. Lanz, später im Hause der Familie Karl Pfeil, beide in der Mittelstraße gelegen. Der Lehrer, zugleich Handwerker, unterrichtete im Sommer auf 2, im Winter 6 Stunden. Es folgte der Bau eines separaten Lehrerhauses in der Schulstraße 1. 1912 wurde ein zweiklassiges Schulgebäude erbaut, welches zudem die Bürgermeisterei beherbergte. Mit dem Neubau der „Ohmtalschule“ in Homberg/Ohm wurde der Schulbetrieb 1974 in Nieder-Ofleiden eingestellt.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde in Nieder-Ofleiden die erste wirtschaftliche Frauenschule Deutschlands gegründet, von Dorette Freifrau Schenck zu Schweinsberg und Fräulein Ida von Korzfleisch. Gelehrt wurden Kochen, Hausarbeit, Wäschepflege, Gartenarbeit, Geflügelzucht sowie Wirtschaftsverwaltung. 1898 kamen ein Kindergarten sowie eine Hauswirtschaftsschule für die weibliche Landjugend hinzu. Die Ausbildung der Landjugend ist noch heute unter dem Namen „Reifenstein’scher Verband wirtschaftlich orientierter Frauenschulen“ bekannt.

Geschichte des Steinbruchs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bauunternehmer Busch erwarb für 2.700 Reichsmark das Gelände und eröffnete einen Basaltsteinbruch. Im Jahr 1909 dieser für über 51.000 Reichsmark an die Mitteldeutsche Hartstein Industrie AG verkauft, 1928 waren über 400 Arbeiter beschäftigt. Der Abbau geschah bis 1948 vorwiegend manuell und war mit schwierigen Arbeitsbedingungen verbunden.

Mit dem Bergbau hing auch die Bevölkerungszunahme zusammen, die seit Anfang des 20. Jahrhunderts zu beobachten ist. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise mussten viele Mitarbeiter entlassen werden, bevor der Bau der Reichsautobahn den Aufschwung brachte. Während des Zweiten Weltkrieges mussten im Steinbruch französische Kriegsgefangene Zwangsarbeit leisten. Von 1948 an wurde mit der Teilmechanisierung des Abbaues begonnen. Heute umfasst die Belegschaft etwa 40 Mitarbeiter. Der Steinbruch zählt zu den größten und modernsten Anlagen weltweit.

Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Reichstagswahlen von 1933 wählte fast die Hälfte der Nieder-Ofleider Bürger die beiden Links-Parteien SPD und KPD. Wie die Oberhessische Zeitung berichtete kam es am 17.06.1932 zu einer Auseinandersetzung, als Angehörige der kommunistischen Partei 54 Anhänger der SA Alsfeld überfielen, was zu zahlreichen Verhaftungen im Dorf führte.

Im Zweiten Weltkrieg wurde zwischen dem Basaltwerk und dem Bahnhof ein vollbeladener Munitionszug von Tieffliegern angegriffen, zerstörte jedoch nur dessen Lokomotive. Weiter wurde lediglich ein Bombenabwurf zu verzeichnen, ein Blindgänger.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Zeiten des Wirtschaftswunders wurden alle Straßen asphaltiert und mit Beleuchtung versehen. Gemeinschaftsbauten folgten, wie eine Gefrieranlage, eine Feuerwache mit Bauhof, ein Zuchtbullenstall, sowie eine Feuerlöschzisterne.

1972 folgte dann im Zuge der Gebietsreform die Eingemeindung als Ortsteil in die Stadt Homberg/Ohm, was bei vielen Einwohnern Unmut hervorbrachte. In den Jahren 2010–2016 verzeichnete die Gemeinde den größten Zuwachs von Gewerbetreibenden im Stadtgebiet.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das kulturelle Leben im Dorf prägen folgende Vereine:

Firmen im Ort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben einem großen Industriepark der Firma INO, der auch das Containerterminal Rhein/Ruhr beherbergt, befindet sich auf dem Gemeindegebiet noch Europas größter Basaltsteinbruch der Firma MHI, der alle drei Jahre Schauplatz der weltweit größten Demonstrationsmesse „Steinexpo“ ist. Ferner gibt es im Ort noch eine Großbäckerei, eine Tankstelle, ein Hotel mit angrenzendem Cafe und zahlreiche kleinere Unternehmen.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Daten und Fakten von Homberg (Ohm)