Nieder Neuendorf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

52.60833333333313.19888888888931Koordinaten: 52° 36′ 30″ N, 13° 11′ 56″ O

Nieder Neuendorf
Höhe: 31 m ü. NN
Eingemeindung: 1923
Kirche

Kirche

Nieder Neuendorf, gelegentlich auch Niederneuendorf geschrieben, ist ein Ortsteil der Stadt Hennigsdorf und liegt nordwestlich von Berlin.

Lage[Bearbeiten]

Nieder Neuendorfer See von Berlin-Heiligensee aus gesehen, 1982

Der Ort erstreckt sich entlang der hier zum Nieder Neuendorfer See aufgeweiteten Havel, in deren Mitte die Landesgrenze zwischen den Bundesländern Brandenburg und Berlin verläuft. Auf dem östlichen Seeufer liegt der Berliner Bezirk Reinickendorf (Ortsteil Heiligensee). Im Süden grenzt Nieder Neuendorf an den Berliner Bezirk Spandau (Ortsteil Hakenfelde). Im Norden wird Nieder Neuendorf vom Ortsteil Hennigsdorf durch den Havelkanal getrennt.

Geschichte[Bearbeiten]

Gut Nieder Neuendorf um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Im Mittelalter gewann der Ort Bedeutung durch den Fährverkehr nach Heiligensee. Das Gut Nieder Neuendorf wurde 1885 von dem Verleger Emil Cohn erworben, der nach und nach weitere Grundstücke ringsum aufkaufte. Dessen Kinder verkauften das Gut und einen Teil der Grundstücke ab 1909 an die AEG, die wenig später hier und im angrenzenden Hennigsdorf einen ihrer größten Produktionsstandorte errichtete. Emil Cohns Erben planten 1932, die restlichen Grundstücke zu parzellieren und als Bauland für den Bau von Einfamilienhäusern zu verkaufen. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten verhinderte die weitere Fortführung des Projektes. Die Erben wurden 1938 gezwungen, ihre Grundstücke unter Wert an die GEWOBAG zu verkaufen. Viele Mitglieder der Familie Cohn kamen in den Vernichtungslagern um. Nach 1945 wurde die GEWOBAG verstaatlicht, der schon zu Beginn der 1940er-Jahre angefangene Bau des Cohnschen Viertels (damals für „Rüstungsarbeiter der AEG“) wurde in den 1950er-Jahren fortgesetzt (Nauener, Hirsch- und Fasanenstraße).

Nieder Neuendorf wurde 1923 nach Hennigsdorf eingemeindet.

Mit dem Bau des Havelkanals wurde 1951 unter dem Namen „Paretz-Niederneuendorfer Kanal“ begonnen, um den Schiffsverkehr um West-Berlin herumführen zu können. Nach der Fertigstellung 1953 hieß er zunächst „Kanal des Friedens“.

Die evangelische Gemeinde Nieder Neuendorf gehört zum Kirchenkreis Berlin Nord-Ost (bis 2008: Berlin-Pankow) im Sprengel Berlin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg–schlesische Oberlausitz.

Bauwerke[Bearbeiten]

Alter Grenzturm in Nieder Neuendorf

Mittelpunkt des Ortskerns ist die aus Feldsteinen errichtete Dorfkirche, die älteste im Stadtgebiet von Hennigsdorf. Das Altarkreuz und die Leuchter entwarf Karl Friedrich Schinkel. Den Innenraum prägt seit 1948 die sparsame Glasmalerei von Charles Crodel.

Aus der Zeit der Teilung Deutschlands und der Abriegelung West-Berlins durch die DDR zwischen 1961 und 1989 ist ein Grenzturm erhalten, in dem eine Ausstellung zur Berliner Mauer untergebracht ist. Im südlich gelegenen Waldstück Papenberge, unweit von diesem Grenzturm, liegen zwei ehemalige Exklaven West-Berlins, Fichtewiese und Erlengrund. Diese wurden zu DDR-Zeiten von West-Berliner Bürgern als Gartenkolonie genutzt. Die Exklave Erlengrund ließ sich nur per Boot aus dem gegenüberliegenden Berliner Stadtteil Konradshöhe erreichen, die Exklave Fichtewiese bis zu einem Gebietsaustausch am 1. Juli 1988 nur durch ein Tor im Grenzzaun.[1]

Sonstiges[Bearbeiten]

In Nieder Neuendorf mündete der im Zusammenhang mit der Entwässerung des Havelländischen Luchs angelegte Nieder Neuendorfer Kanal in die Havel. Mit dem Mauerbau direkt an der Havel wurde der Mündungsbereich des Kanals aufgegeben.

Zur Zeit der Wende war die Einwohnerzahl des Ortsteils aufgrund der Lage an der DDR-Grenze auf 300 gesunken. Seitdem wurden durch umfangreiche Planungsmaßnahmen neue Gebiete erschlossen, insbesondere ein Wohngebiet am Yachthafen. Die Einwohnerzahl ist bis Ende 2008 auf fast 4500 gestiegen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nieder Neuendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Berliner Mauerweg: Übersichskarte der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin (PDF; 678 kB)