Niederberg (Erftstadt)

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Lage von Niederberg in Erftstadt

Niederberg ist der südlichste und zweitkleinste Stadtteil von Erftstadt im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederberg liegt am rechten Ufer des Rotbachs. Im Westen führt die A 1 in einem km am Ort vorbei und weitere zwei km weiter die Erft. Das Autobahnkreuz Bliesheim mit der A 61 liegt etwa vier km nordöstlich. Auffahrten sind nicht weit entfernt bei Weilerswist (A 61) oder Euskirchen (A 1). Der Ort liegt im Einzugsbereich von Köln (20 km nordöstlich) und Bonn (35 km südöstlich).

Niederberg (Erftstadt), links Burg Niederberg, Luftaufnahme (2015)

Römische Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gegend um Niederberg war bereits in römischer Zeit besiedelt. Römische Gräber, Grabbeigaben, auch Töpferöfen im Rotbachtal, in denen Tongeschirr für Militär und Zivilbevölkerung gebrannt wurde, belegen die römische Siedlung.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die folgenden Jahrhunderte mit vielen Veränderungen ist nichts bekannt. Sehr wahrscheinlich gehörte Niederberg zur Villikation Friesheim, die Graf Emundus um 830 der Kölner Kirche schenkte und die bei der Güterteilung zwischen Erzbischof Gunthar und den Domkanonikern 866 an die Domkanoniker gefallen war. Wenige Jahre nach der Schenkung wurde in Niederberg eine Wassermühle gebaut. Im Jahre 2005 entdeckte man bei der Anlage des Hochwasserrückhaltebeckens im Rotbachtal bei Niederberg die Reste einer Getreidemühle aus karolingischer Zeit, die um 833 entstanden ist. Sie gilt als die älteste nachgewiesene Wassermühle im Rheinland. Niederberg wird erstmals um 1193 als Berg oder Berghe bei Friesheim erwähnt.

Hochwasserrückhaltebecken

Besitzer/Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Laufe der Jahrhunderte war der Besitz in Niederberg dem Domdekan zugefallen und entwickelte sich zu einer eigenen Grundherrschaft. Mittelpunkt der Grundherrschaft war der Fronhof, der von einem Villicus oder Schultheißen verwaltet wurde. Die heutige Burg Niederberg ist ein Nachfolgebau des früheren Fronhofes, zu dem auch eine Kirche gehörte, die Pfarrkirche wurde, und eine spätere Mühle in der Nähe der Burg, die Dreikönigenmühle. Sie wird 1407 erstmals genannt. In der Säkularisation wurde sie 1802 als geistlicher Besitz beschlagnahmt und verkauft. Heute ist das alte Mühlenhaus abgerissen, und die Hofgebäude sind zu einer Wohnanlage umgebaut worden.

Da das Domkapitel als geistliche Institution keine Todesurteile fällen durfte, setzte es Vögte ein, zu deren Aufgaben der Schutz der Menschen und die Rechtsprechung gehörten. In Niederberg war der Graf, später der Herzog von Jülich Vogt. Bei der Einteilung der jülichschen Ämter kam Niederberg daher zum Amte Nideggen. Vergebens versuchte der Kölner Kurfürst Ernst nach dem Tode des Herzogs Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg 1609, die Vogtei als heimgefallenes Lehen zu erklären und Niederberg ins Amt Lechenich zu ziehen. Das Amt Nideggen mit Niederberg blieb beim Herzogtum Jülich-Berg.

Das Niederberger Gericht war besetzt mit dem Vogt (Untervogt) des Grafen von Jülich, mit Schultheiß und sieben Schöffen, die vom Domdekan bestellt wurden. Das Gericht hatte das Recht, Todesurteile auszusprechen. Verbrecher wurden in Nideggen vernommen aber in Niederberg verurteilt. Bei Todesurteilen musste der Domdekan den Galgen stellen, der Herzog von Jülich bezahlte den Scharfrichter. In der Franzosenzeit wurde bei der Neuordnung der Gerichte 1798 das Niederberger Gericht aufgehoben und die kleinen Rechtsfälle dem Friedensgericht in Lechenich zugewiesen. Für Kriminalfälle war das Gericht in Köln zuständig. Als 1798/1800 Verwaltungsbezirke nach französischem Vorbild geschaffen wurden, bildeten die Gemeinde Niederberg mit Borr und Friesheim eine Mairie im Kanton Lechenich. Die Mairie blieb in preußischer Zeit als Bürgermeisterei, dann als Amt weiter bestehen bis zur kommunalen Verwaltungsreform und der Bildung der Stadt Erftstadt 1969.

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert wurde durch den Ausbau der Kommunalstraße von Lommersum über Friesheim nach Lechenich ein Anschluss an die Bezirksstraße geschaffen. Auch der Feldweg nach Borr wurde als Straße ausgebaut. Die Rodung des Niederberger Busches begann. Große Teile wurden von dem Kölner Bürger Anton Guffanti erworben, der dort 1863 den Gertrudenhof erbauen ließ. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurde Niederberg an das elektrische Stromnetz angeschlossen. Um diese Zeit wurde auch eine Wasserleitung gelegt.

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederberg hat heute zwei Kirchen: St. Johannes Enthauptung wurde im 11. Jahrhundert als einfache Saalkirche erbaut. Im Innern finden sich im Chor spätgotische Malereien der Kölner Malerschule. Sie wird nur noch gelegentlich kirchlich genutzt. Die neue Kirche St. Johannes der Täufer wurde 1910–1913 nach Plänen des Kölner Dombaumeisters Bernhard Hertel als neugotische Saalkirche erbaut. Das Geld zum Bau der Kirche hatte Guffanti der Kirchengemeinde testamentarisch vermacht. 1926 veräußerte die Pfarrgemeinde ein „Tüchlein“ mit einem Krippenbild aus der Lochnerschule an das Kölner Diözesanmuseum.

Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Einführung der allgemeinen Schulpflicht besuchten die Niederberger Kinder die Schule in Borr, bis Niederberg 1859 eine eigene Schule erhielt. 1868 wurde ein Schulgebäude gebaut, das später durch einen Anbau erweitert wurde. Nach der Schulreform von 1968 wurde die Schule geschlossen. Das Schulgebäude wird heute als Dorfgemeinschaftshaus genutzt, im Anbau befindet sich ein privat betriebenes Kino.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie vor dem Ende Kurkölns, so waren auch im 19. und 20. Jahrhundert bis nach dem Zweiten Weltkrieg die Einwohner Niederbergs fast alle Kleinbauern. Die Berufe haben sich in den folgenden Jahrzehnten verändert. Die kleinbäuerlichen Familien, die sich von der Landwirtschaft ernährten, gehen heute einem anderen Broterwerb nach. Sie arbeiten überwiegend außerhalb des Ortes.

Eingemeindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1969 wurde Niederberg nach Erftstadt eingemeindet.[1]

Heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den letzten Jahrzehnten wurde in Niederberg Bauland ausgewiesen. Am Rande des alten Ortes entstanden neue Wohnhäuser. Hatte Niederberg um 1800 etwa 190 Einwohner, so sind es heute 551 (Stand 31. August 2016). [2] Dennoch wurden die wenigen Läden und Gaststätten im Dorf mittlerweile geschlossen. Die Einwohner sind zum Einkaufen auf die Nachbarorte angewiesen. Durch Busse ist Niederberg in den überörtlichen Verkehr eingebunden. Die Internet-Anbindung via DSL ist aktuell nicht gegeben. Alternativen sollen momentan eine Breitbandanbindung bis zu 16 MBit bieten.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 86.
  2. http://www.erftstadt.de/web/infos-zu-erftstadt/die-stadt-in-zahlen

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 50° 44′ N, 6° 46′ O