Niederbronn-les-Bains

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Niederbronn-les-Bains
Wappen von Niederbronn-les-Bains
Niederbronn-les-Bains (Frankreich)
Niederbronn-les-Bains
Region Elsass
Département Bas-Rhin
Arrondissement Haguenau-Wissembourg
Kanton Reichshoffen
Gemeindeverband Communauté de communes du Pays de Niederbronn-les-Bains
Koordinaten 48° 57′ N, 7° 39′ OKoordinaten: 48° 57′ N, 7° 39′ O
Höhe 180–577 m
Fläche 31,40 km²
Einwohner 4.336 (1. Jan. 2013)
Bevölkerungsdichte 138 Einw./km²
Postleitzahl 67110
INSEE-Code
Website www.mairie-niederbronn.fr

Rathaus

Niederbronn-les-Bains (Bad Niederbronn) ist eine Gemeinde mit 4336 Einwohnern (Stand 1. Januar 2013) im Département Bas-Rhin in der Region Elsass in Frankreich. Der Ort ist Teil des Regionalen Naturparks Nordvogesen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt am Ostrand der Nordvogesen zur Rheinebene hin am Falkensteinerbach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Römische specula in der Nähe der Ruine Wasenburg

Der Ort wurde 48 v. Chr. von den Römern gegründet, die die Heilkraft der Niederbronner Quellen entdeckten. Die ersten Nachweise römischer Badetätigkeit stammen aus dem Bereich des heutigen Casinos. Im 5. Jahrhundert fiel die Siedlung den Unruhen der Völkerwanderungszeit zum Opfer.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederbronn wurde 1331 von den Grafen von Ötingen, Landgrafen im Elsass, an die Herren von Ochsenstein verkauft[1], sowie einige Rechte dort ein Jahr später an die Herren von Lichtenberg.[2] Insbesondere besaßen die Lichtensteiner dort Gülten, die zu ihrer Burg Groß-Arnsberg gehörten[3] und die örtliche Wasserburg.[4] Dies begründete einen Dauerkonflikt um den Ort, bei dem letztendlich die Ochsensteiner die Oberhand behielten.[5] 1335 wurde eine Landesteilung zwischen der mittleren und der jüngeren Linie des Hauses Lichtenberg durchgeführt. Die Wasserburg fiel dabei an Ludwig III. von Lichtenberg, der die jüngere Linie des Hauses begründete.[6]

Der letzte Herr von Ochsenstein, Georg, starb 1485. Ihn beerbte seine Schwester Kunigunde, die Heinrich I. von Zweibrücken-Bitsch geheiratet hatte.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zentrales Büro der Société De Dietrich, vorne der Falkensteinerbach

1570 kam es zu einem weiteren Erbfall, der die Herrschaft Ochsenstein – und damit auch Niederbronn – zur Grafschaft Hanau-Lichtenberg brachte: Graf Jakob von Zweibrücken-Bitsch (* 1510; † 1570) und sein schon 1540 verstorbener Bruder Simon V. Wecker hinterließen nur jeweils eine Tochter als Erbin. Die Tochter des Grafen Jakob, Margarethe (* 1540; † 1569), war mit Philipp V. von Hanau-Lichtenberg (* 1541; † 1599) verheiratet. Zu dem sich aus dieser Konstellation ergebenden Erbe zählte auch die Herrschaft Ochsenstein. Philipp V. von Hanau-Lichtenberg führte in den ererbten Gebieten sofort die Reformation durch, die wie sein übriges Herrschaftsgebiet nun lutherisch wurden. Im späten 16. Jahrhundert wurden die Heilquellen wiederentdeckt. Die Industriellenfamilie De Dietrich ist seit dem 18. Jahrhundert Besitzerin der Quellen

Mit der Reunionspolitik Frankreichs unter König Ludwig XIV. kamen die Herrschaft Ochsenstein und Niederbronn unter französische Oberhoheit. Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., fiel das Erbe – und damit auch Niederbronn – 1736 an den Sohn seiner einzigen Tochter, Charlotte, den Erbprinzen und späteren Landgrafen Ludwig (IX.) von Hessen-Darmstadt.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altes Elektrizitätswerk

Mit dem durch die Französische Revolution begonnenen Umbruch wurde Niederbronn Bestandteil Frankreichs und in den folgenden Verwaltungsreformen aufgelöst.

Aus Niederbronn-les-Bains kommen die Niederbronner Schwestern des hier 1849 gegründeten Ordens der Schwestern vom Göttlichen Erlöser, der heute seinen Sitz in Oberbronn hat.

Von 1871 bis 1919 gehörte Bad Niederbronn zum Reichsland Elsaß-Lothringen und somit zum Deutschen Kaiserreich. Ebenso gehörte es von 1940 bis 1945 zum Deutschen Reich.

Wirtschaft und Fremdenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kasino

Niederbronn-les-Bains verfügt über zwei Heilquellen, die source romaine und die source celtique. Sie helfen vorwiegend bei rheumatischen und degenerativen Erkrankungen. Auch heute stehen Tourismus und Badebetrieb im Mittelpunkt der Wirtschaft von Niederbronn-les-Bains. Es gibt ferner ein Spielcasino.

In Niederbronn-les-Bains ist das archäologische Museum der Nordvogesen angesiedelt.

Auf der Kriegsgräberstätte Niederbronns ruhen 15.403 Gefallene, zu 95 % deutsche Soldaten, aber auch Soldaten anderer Nationen und Zivilpersonen.

Im Jahre 1993 wurde die Jugendbegegnungsstätte Centre Albert Schweitzer gegründet, um deutsch-französische Treffen zu arrangieren.

Ausflugsziele in der Umgebung sind die Burgruine Wasenburg und der Aussichtsturm auf dem Großen Wintersberg.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde besitzt einen Bahnhof an der Bahnstrecke Haguenau–Falck-Hargarten, wobei die Züge des TER Alsace heute in Niederbronn enden.[7]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Niederbronn-les-Bains wurde von 2008 bis 2010 im Frühsommer die Challenge France (ein lizenzierter Ableger der Challenge Roth) ausgetragen – ein Triathlon über die Mitteldistanz. Etwa 1.200 Athleten aus allen Kontinenten der Welt stellen sich hier der Herausforderung über die Distanzen 1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und 21,1 km Laufen. Das Schwimmen über 1,9 km findet im etwa 19 km von Niederbronn entfernt liegenden See von Mouterhouse statt, das anschließende Radfahren im Naturpark der Nordvogesen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Synagoge

Wissenswert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederbronn-les-Bains unterhält seit 2001 partnerschaftliche Beziehungen zu Bad Schönborn.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Eyer: Das Territorium der Herren von Lichtenberg 1202–1480. Untersuchungen über den Besitz, die Herrschaft und die Hausmachtpolitik eines oberrheinischen Herrengeschlechts = Schriften der Erwin von Steinbach-Stiftung 10. 2. Aufl. Bad Neustadt an der Saale 1985 [Nachdruck des Werks von 1938]. ISBN 3-922923-31-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Niederbronn-les-Bains – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eyer, S. 64.
  2. Eyer, S. 61, 64.
  3. Eyer, S. 70, 132.
  4. Eyer, S. 80.
  5. Eyer, S. 76.
  6. Eyer, S. 79f.
  7. Streckentabelle 5 TER Alsace (PDF; 109 kB)