Niederdieten

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Niederdieten
Gemeinde Breidenbach
Ehemaliges Gemeindewappen von Niederdieten
Koordinaten: 50° 52′ 13″ N, 8° 26′ 29″ O
Höhe: 340 (340–539) m ü. NHN
Fläche: 6,2 km²[1]
Einwohner: 645 (30. Jun. 2013)
Bevölkerungsdichte: 104 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35236
Vorwahl: 06465
Luftaufnahme von Niederdieten
Luftaufnahme von Niederdieten

Niederdieten ist ein Ortsteil der Gemeinde Breidenbach im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Die Siedlungsform des Dorfes wird als geschlossenes Haufendorf bezeichnet.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederdieten liegt etwa acht Kilometer südwestlich von Biedenkopf und ist ein zweigeteiltes Haufendorf. Der südöstliche Teil bildet den größeren, ursprünglichen Ortskern. Mitten durch den Ort, talseitig, führt die stark befahrene Bundesstraße B 253. Der nördliche Teil ist eher moderner Bebauung, hauptsächlich nach 1945.

Fast die Hälfte der Gemarkung ist Waldfläche, vorwiegend Mischwald.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klimatisch liegt Niederdieten wie der gesamte Breidenbacher Grund im Grenzbereich der beiden Klimaräume Nordwest- und Südwestdeutschland, die sich im Bereich Mittelhessen trennen. Das heißt, es gibt sowohl maritime als auch festländische Einflüsse. Das Klima wird daher durch verhältnismäßig kühlere Sommer, aber auch nicht-alpine Wintertemperaturen gekennzeichnet, wobei Niederschläge von durchschnittlich ca. 900 mm ganzjährig fallen.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die geologischen Verhältnisse zeugen vorwiegend von Verwitterungsböden, Grauwacke und Grauwackeverschieferungen. Vereinzelt sind auch Diabasverwitterungen anzutreffen.

Die Böden insgesamt sind steinig und nährstoffarm.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das exakte Alter Niederdietens lässt sich nicht genau bestimmen, eine erste Besiedlung ist spätestens im 11. Jahrhundert anzunehmen. Im Jahr 1299 wird in einem Gerichtsprozess Wiegand von Didenau urkundlich erwähnt.[1] Daher gilt dieses Jahr, ebenso wie im benachbarten Oberdieten, als offizielles Gründungsjahr.

Seit fast ursprünglicher Zeit gehörte Niederdieten als hessisches Lehen zum Gericht Breidenbach.

Die Namensformen gehen im Laufe der Zeit von Nyderndydena (1339), Nedirdydenawe (1403), Niddern Diedenaw (1492) über Niederndieden (1630) auf das heutige Niederdieten über.

Mitte des 18. Jahrhunderts gab es „am Hallenberg“ eine Bergbaugrube.

Von größeren Katastrophen blieb Niederdieten, im Gegensatz zu den meisten Dörfern in der Umgegend, verschont. Am 6. März 1878 brach hier ein Feuer aus, welches bei dem zu dieser Zeit herrschenden heftigen Sturm schnell um sich griff und mehrere Häuser in Schutt und Asche verwandelte.

1889 erhielt Niederdieten eine Telegrafenhilfsstelle. Seit 1904 bereits gibt es hier eine zentrale Wasserversorgung und seit 1909 die elektrische Stromversorgung. Die beiden Weltkriege brachten auch den Einwohnern Niederdietens die allgemein üblichen Schreckensmeldungen und Verluste. In den Kriegen starben insgesamt 37 junge Männer aus Niederdieten bzw. sie wurden vermisst.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Niederdieten ebenso wie fast überall in den westlichen Besatzungszonen die Einquartierungen von Evakuierten, Heimatvertriebenen und Flüchtlingen aus den ehemals ostdeutschen Gebieten, besonders aus der damaligen Tschechoslowakei, aus Ungarn und dem ehemaligen Jugoslawien.

Am 1. Juli 1974 wurde Niederdieten in die Gemeinde Breidenbach eingegliedert, letzter Bürgermeister war Gerhard Born.[2]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Niederdieten unterstand im Überblick:[3][1]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1577: 25 Hausgesesse
• 1630: 24 Hausgesesse. 2 zweispännige, 19 einspännige Ackerleute, 3 Einläuftige.
• 1677: 20 Männer, 3 Jungmannschaften, 13 ledige Mannschaften
• 1742: 38 Haushalte
Niederdieten: Einwohnerzahlen von 1791 bis 1967
Jahr  Einwohner
1791
  
205
1830
  
268
1834
  
289
1840
  
300
1846
  
307
1852
  
273
1858
  
273
1864
  
260
1871
  
264
1875
  
271
1885
  
298
1895
  
311
1905
  
296
1910
  
322
1925
  
333
1939
  
367
1946
  
526
1950
  
521
1956
  
495
1961
  
528
1967
  
539
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; 1791:[4]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1830: 268 evangelische Einwohner
• 1885: 298 evangelische Einwohner
• 1961: 421 evangelische, 97 römisch-katholische Einwohner

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1867: Erwerbspersonen: 56 Landwirtschaft, 1 Verkehr, 1 Gesundheitspflege, 1 Erziehung und Unterricht.
• 1961: Erwerbspersonen: 116 Land- und Forstwirtschaft, 138 produzierendes Gewerbe, 17 Handel und Verkehr, 14 Dienstleistungen und sonstiges.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche

Im 15. Jahrhundert stand der Ort unter dem Dekanat Breidenbach des Archidiakonats St. Stephan zu Mainz. Nach Einführung der Reformation wurde er 1577 nach Breidenbach eingepfarrt. Seit 1965 bildet Niederdieten zusammen mit Achenbach und Oberdieten die „Ev. Kirchengemeinde Oberdieten“. Die ursprüngliche Kirche mittelalterlicher Bauart, die dem Heiligen Laurentius geweiht war, wurde wegen Baufälligkeit 1949 durch einen Neubau ersetzt.

Die Einwohner mit römisch-katholischem Glauben, deren Zahl nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich zugenommen hat, gehören zur Kirchengemeinde „Maria Himmelfahrt“ in Breidenbach.

Außerdem gibt es im Ort eine stark vertretene Freie evangelische Gemeinde und die Christliche Versammlung.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1802 werden zwei Mahlmühlen genannt, von denen sich eine am westlichen, eine am südlichen Ortsrand (Heckenmühle) befindet. Auf eine wüste Mühle östlich Niederdieten weist der Flurname „Bei der Alten Mühle“ hin.

Niederdieten war ursprünglich von der Land- und Forstwirtschaft geprägt, die jetzt aber nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Die meisten Erwerbstätigen arbeiten in Firmen der umliegenden Dörfer.

Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Breidenbach bestand bereits zu Anfang des 17. Jahrhunderts eine eigenständige „Sommer- und Winterschule“. Wann genau Niederdieten die erste eigene Schule hatte, ist nicht bekannt. Das erste Schulgebäude wurde im Jahr 1780 erbaut. 1881 wurde ein neues Schulgebäude neben der damaligen Kirche erbaut. Bereits etwa 50 Jahre später entsprach dieses allerdings nicht mehr den damaligen Anforderungen, so dass am 13. November 1935 ein weiteres neues Schulhaus eingeweiht wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Schülerzahl deutlich, es wurde eine zweite Lehrerstelle eingerichtet, die aber 1953 bereits wieder abgezogen wurde.

Seit 1960 bestand in Niederdieten nur noch die Grundschule, die 1970 wegen weiter sinkender Schülerzahlen endgültig geschlossen werden musste. Letzter Lehrer war Heinz Christ.

Im Jahre 1981 erwarb der CVJM-Kreisverband für damals 120.000,- DM das Schulgebäude von der Gemeinde Breidenbach und baute es zu einem Vereinsheim um.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen des Ortes verbindet die im Ort ehemals vorherrschende Landwirtschaft, die durch das Kleeblatt symbolisiert wird, mit den Rauten aus dem Wappen der Herren von Selbach (Waldeck), die zu den ortsadligen Geschlechtern gehörten und in Niederdieten Grundbesitz hatten.

Der Hessische Minister des Innern genehmigte das Wappen am 7. Juli 1958 mit folgender Beschreibung:

Blasonierung: In Gold ein vierblättriges grünes Kleeblatt, auf goldenem Grund, bewinkelt von vier schwarzen Rauten.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Niederdieten gibt es eine Vielzahl an Vereinen. Es gibt die DRK-Seniorengymnastik, den Feuerwehrverein, die Freiwillige Feuerwehr, eine Jugendfeuerwehr, die Interessengemeinschaft Freibad Niederdieten, den Jugendclub, den Kulturverein, eine Männergymnastikgruppe, den Obst- und Gartenbauverein und den Tennisclub (mit drei Asche-Tennisplätzen).

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort befinden sich ein Freibad, ein Dorfgemeinschaftshaus, das CVJM-Heim und ein Dorfcafé.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1972 gibt es als Mittelstandsbetrieb das Unternehmen Müller-Formenbau, welches Vorserien- und Serienformen im Druckguss-Bereich herstellt. Zurzeit sind dort ca. 60 Mitarbeiter angestellt.

Außerdem gibt es in Niederdieten das Autohaus Grebe.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Niederdieten, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 351.
  3. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  4. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 190, 275 (online bei HathiTrust’s digital library).
  5. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 430 (bei google books).
  6. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 416 (online bei Google Books).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Niederdieten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien