Niedergrenzebach

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Niedergrenzebach
Koordinaten: 50° 54′ 50″ N, 9° 15′ 23″ O
Höhe: 224 m ü. NHN
Fläche: 6,29 km²[1]
Einwohner: 1040 (31. Dez. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 165 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 34613
Vorwahl: 06691
Niedergrenzebach
Niedergrenzebach

Niedergrenzebach ist nach Einwohnerzahl der drittgrößte Stadtteil von Schwalmstadt im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis.

Geographie und Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niedergrenzebach liegt im Übergangsbereich der Westausläufer des Knüllgebirges in die Landschaft Schwalm am Unterlauf des Schwalm-Zuflusses Grenzebach. Am südwestlichen Ortsrand führt im Verlauf der alten Köln-Leipziger Messestraße die Bundesstraße 454 vorbei. Am Ortsausgang Richtung Schönborn ist das Tal des Grenzebachs schluchtartig ausgebildet. Dies ist auf die Durchquerung eines tertiären Lavastroms zurückzuführen, der vom Kessel, östlich von Niedergrenzebach, Richtung Nordwesten geflossen ist.[3][4]

Ortsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit den zahlreichen großen Bauernhöfen und stattlichen Fachwerkbauten zählt Niedergrenzebach zu einem der schönsten Dörfer in der Landschaft Schwalm. Östlich der Kirche befindet sich der älteste Teil des Dorfes.

Für die unter Denkmalschutz stehenden Kulturdenkmäler des Ortes siehe die Liste der Kulturdenkmäler in Niedergrenzebach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wird im Jahr 1015 erstmals erwähnt. Um 1238 übertrugen die Herren von Uttershausen dem Kloster Haina zwei Hufen in Grenzebach unter Vorbehalt zur lebenslangen Nutzung. 1254 übertrugen sie die Hälfte und 1257 die andere Hälfte ihres Allods dem Kloster Haina. 1266 übertrug Graf Ludwig II. von Ziegenhain ein Viertel des Zehnten zu Grenzebach, das sein Burgmann Bruno von Heimbach zu Lehen hielt, dem Kloster Haina. 1269 erfolgt eine Bestätigung dieses Legats durch die Grafen. Das Kloster Haina übertrug 1279 einem Ludwig genannt Waltvogel die ehemaligen Güter derer von Uttershausen in Grenzebach. 1293 bestätigte König Adolf dem Kloster Haina seine Besitzungen, Rechte und Freiheiten, unter anderem auch hinsichtlich des Zehnten zu Grenzebach. Gleiches bestätigte König Heinrich VII. im Jahre 1309, darunter auch den Zehnten zu Nieder-Grenzebach. Weitere Besitzbestätigungen erfolgten bis 1354 auch durch die Erzbischöfe von Mainz. Graf Gottfried VII. von Ziegenhain erwarb vor 1372 durch Schenkung einen halben Gutshof in Nieder-Grenzebach durch die Gebrüder von Linden; 1378 war dieser Besitz an den ziegenhainischen Ministerialen Fritz Stock verpfändet. Ab 1380 beanspruchten die Grafen von Ziegenhain ebenso wie das Kloster Haina den Rottzehnten zu Niedergrenzebach; gegen Zahlung einer nicht näher benannten Summe Geldes nahm Haina diesen in Pfand. In den Jahren 1383 und 1391 war das Gut des Ziegenhainer Burgmanns Mengoz von Radenhausen zu Nieder-Grenzebach an die ziegenhainische Burgmannenfamilie Biszigel verpfändet. 1415 verkaufte Agnes von Radenhausen, Tochter des Mengoz, dieses Gut an die Grafen von Ziegenhain. Die Gebrüder Kurt und Heinrich von Römershausen tauschten im Jahre 1420 ihr Gut mit den Ziegenhainer Grafen. 1501 wurde dem Kloster Haina der Besitz des halben Zehnten zu Nieder-Grenzebach bestätigt. Hingegen wurden gräflich-ziegenhainische Rechte, die der Frühmesser des Apostelaltars in Ziegenhain aufgrund einer alten Urkunde der Grafen geltend machte, in diesem Zusammenhang abgewiesen. Um 1585 war der Feldzehnte zur Hälfte landgräflich-hessisches Mannlehen der Herren Rau von Holzhausen, zur anderen Hälfte landgräflicher (ehemaliger Hainaer) Besitz.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf am 14. November 1640, am Tage vor dem Gefecht am Riebelsdorfer Berg, ebenso wie Steina, Leimbach, Loshausen, Ransbach, Zella und Salmshausen, von kaiserlichen Truppen des Generals Hans Rudolf von Breda vollständig niedergebrannt.[5] Danach erholte sich der Ort nur sehr langsam von dieser Zerstörung.

Im Jahr 1747 lebten in Niedergrenzebach ein Müller, acht Leineweber, ein Wagner, zwei Schmiede, drei Schneider, ein Wirt, vierzehn Tage- und Tagelöhnerinnen und zwei Lohnschäfer.

1961 waren 133 Personen in der Land- und Forstwirtschaft, 184 im produzierenden Gewerbe, 62 im Handel und Verkehr und 57 Personen im Dienstleistungsbereich tätig.

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurde Niedergrenzebach am 31. Dezember 1970 ein Stadtteil von Schwalmstadt.[6]

Historische Ortsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

de Grincenbach um 1015 (MGH SS 10, S. 607); Grencenbach, 1249 (vgl. auch Obergrenzebach); Nyderen Grynzenbacb, 1340; Nidern Grentzebach, 1377; Niedergrenzebach, Nieder-Grenzebach

Ehemalige Siedlungsplätze in der Gemarkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wüstung Trutzhain und Trutzborn sowie Wüstung Roppershain. Auf weitere wüstgefallene Siedlungen deuten die Flurnamen Gungelsrode, Glumersrode und Wellerode hin.

Mühle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1585 wird in Niedergrenzebach eine Dorfmühle genannt. Die von dem zu einem Mühlenteich aufgestauten Grenzebach getriebene oberschlächtige Wassermühle verfügte 1747 über einen Mahlgang.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche

Eine zur Ehre Gottes und seiner lieben Mutter geweihte Vorgängerkirche wurde 1460 erwähnt. Der erste evangelische Pfarrer versah sein Amt von ca. 1535 bis 1555.

Die Grundsteinlegung der heutigen Kirche, am Rand eines Plateaus über der Bachniederung, erfolgte am 6. Mai 1743. Die Einweihung fand am zweiten Advent, am 8. Dezember 1743 statt. Der ummauerte Kirchhof deutet darauf hin, dass es sich um eine Wehrkirche handelte.[7]

Jüdischer Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der jüdische Friedhof in Niedergrenzebach wurde von der Jüdischen Gemeinde Ziegenhain und bis 1850 auch von der Jüdischen Gemeinde Treysa belegt. Er befindet sich auf einer Anhöhe nördlich des Ortes und ist über die Fortsetzung des Kottenbergwegs erreichbar. Die Friedhofsfläche umfasst 58,37 ar. Die letzten Beisetzungen fanden in den Jahren 1946/47 statt; dies belegen die vorhandenen Grabsteine (Mazewa).[8] Der Friedhof wurde während der NS-Zeit weitgehend zerstört und in den ersten Nachkriegsjahren bis auf wenige erhaltene Grabsteine abgetragen.[9]

Anmerkung: Den Schlüssel zum Friedhof bekommt man an der Pforte des Kreiskrankenhauses in Ziegenhain (Stand: September 2008).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arnsberg II, S 442-443 (Artikel Jüdische Gemeinde Ziegenhain)
  • Engelbrecht, Bericht, S. 185–202 (Plan)
  • HOL Ziegenhain, S. 58–60
  • Landau, Wüste Ortschaften, S. 243, 252
  • Scharlau, Siedlung, S. 289 f., 298 (Gungelsrode, Glumersrode, Wellerod)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zahlen/ Daten/ Fakten im Internetauftritt der Stadt Schwalmstadt, abgerufen im Januar 2016.
  2. „Einwohnerzahlen“ im Internetauftritt der Stadt Schwalmstadt, abgerufen im Januar 2016.
  3. F. Schmidt-Döhl: Das Hessische Bergland - Die Entstehung einer Landschaft. Shaker Media, Aachen 2012, ISBN 978-3-86858-891-0.
  4. M. Blanckenhorn: Erläuterungen zur geologischen Karte von Preußen und benachbarten deutschen Ländern, Lieferung 261, Blatt Ziegenhain, Gradabteilung 68, Blatt 6. Berlin, Preußische Geologische Landesanstalt, 1926
  5. „Topographia Hassiae: Treysa“ in wikisource
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 411.
  7. Kirche Niedergrenzebach auf www.ekkw.de
  8. Jüdischer Friedhof Niedergrenzebach aus alemannia-judaica
  9. Barbara Greve: Ein Guter Ort – der jüdische Friedhof Oberaula. Forschungen zu einem Landfriedhof in Nordhessen. In: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, Band 117/118, 2012/13, S. 163