Niederorschel

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Niederorschel
Niederorschel
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Niederorschel hervorgehoben
Koordinaten: 51° 22′ N, 10° 26′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Eichsfeld
Verwaltungs­gemeinschaft: Eichsfelder Kessel
Höhe: 275 m ü. NHN
Fläche: 19,67 km2
Einwohner: 3082 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 157 Einwohner je km2
Postleitzahl: 37355
Vorwahl: 036076
Kfz-Kennzeichen: EIC, HIG, WBS
Gemeindeschlüssel: 16 0 61 074
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bergstraße 51
37355 Niederorschel
Webpräsenz: www.eichsfelder-kessel.de
Bürgermeister: Ingo Michalewski (CDU)
Lage der Gemeinde Niederorschel im Landkreis Eichsfeld
NiedersachsenHessenKyffhäuserkreisLandkreis NordhausenUnstrut-Hainich-KreisAm OhmbergAm OhmbergAm OhmbergArenshausenAsbach-SickenbergBerlingerodeBernterode (bei Heilbad Heiligenstadt)BirkenfeldeBodenrode-WesthausenBornhagenBrehmeBreitenworbisBüttstedtBuhlaBurgwaldeDeunaDieterodeDietzenrode/VatterodeDingelstädtEcklingerodeEffelderEichstruthFernaFreienhagen (Eichsfeld)FretterodeGeisledenGeismarGerbershausenGernrode (Eichsfeld)GerterodeGlasehausenGroßbartloffHausen (Eichsfeld)HaynrodeHeilbad HeiligenstadtHelmsdorf (Eichsfeld)HeuthenHohengandernHohes KreuzKallmerodeKefferhausenKellaKellaKirchgandernKirchworbisKleinbartloffKreuzebraKrombach (Eichsfeld)KüllstedtLeinefelde-WorbisLenterodeLindewerraLutter (Eichsfeld)Mackenrode (Landkreis Eichsfeld)MarthNiederorschelPfaffschwendeReinholterodeRöhrigRohrberg (Eichsfeld)RustenfeldeSchachtebichSchimbergSchönhagen (Eichsfeld)SchwobfeldSilberhausenSteinbach (Eichsfeld)Sonnenstein (Gemeinde)SteinheuterodeTastungenTeistungenThalwendenUderVolkerodeDeunaWachstedtWahlhausenWehndeWiesenfeld (Eichsfeld)WingerodeWüstheuterodeKarte
Über dieses Bild

Niederorschel ist eine Gemeinde im thüringischen Landkreis Eichsfeld. Sie ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Eichsfelder Kessel.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindegliederung

Die Gemeinde liegt im nordwestlichen Teil Thüringens, rund fünf Kilometer östlich von Leinefelde im Eichsfelder Kessel zwischen Ohmgebirge und Dün. Zur Gemeinde gehören die Ortsteile Niederorschel, Oberorschel und Rüdigershagen. Nachbarorte sind Gernrode im Norden, Bernterode in Nordosten, Deuna im Südosten, das zum Unstrut-Hainich-Kreis gehörende Hüpstedt im Süden, Kleinbartloff im Südwesten und Hausen im Nordwesten.

Durch Niederorschel fließt die Ohne, die kurz hinter der Ortslage in die Wipper mündet. Innerhalb der Gemarkung münden kleinere Bäche in die Ohne, unter anderm der Ahlenbach und der Schwarzburger Laubach. In der hügeligen Landschaft des Eichsfelder Kessels sind die höchsten Erhebungen der Gemeinde der Galgenberg (330,3 m), der Lewedesberg (331,5 m) und der Rote Berg (bis 355 m), an der Schichtstufe des Dün werden Höhen bis etwa 450 bis 500 Meter erreicht. Die Landschaft um Niederorschel wird überwiegend landwirtschaftlich genutzt, nur südlich der Ortsteile Rüdigershagen und Kleinbartloff am Nordhang des Dün bestehen größere Waldflächen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort Niederorschel wurde erstmals 1221 in einer Schenkungsurkunde des Klosters Beuren als Asla erwähnt. Der Name lässt darauf schließen, dass Niederorschel zu den ältesten Dörfern im Eichsfeld gehört und bereits im 5. bis 6. Jahrhundert gegründet wurde. Der Ort war 1525 Ausgangspunkt des Bauernaufstands im Eichsfeld.

Bis zur Säkularisation gehörte Niederorschel zu Kurmainz, von 1816 bis 1945 war er Teil des Landkreises Heiligenstadt in der preußischen Provinz Sachsen. 1847 erhielt der Ort Marktrechte.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten ab 1940 mehr als 250 Kriegsgefangene, Frauen und Männer aus Polen, der Ukraine, Frankreich, Großbritannien, Kanada und Italien, in der Mechanischen Weberei, im Sperrholzwerk Hermann Becher Gernrode, auf dem Rittergut Oberorschel, bei der Fa. Backhaus & Co. und Fa. Josef Dirk in Rüdigershagen Zwangsarbeit verrichten. 1944 wurde in der Mechanischen Weberei das Außenkommando Niederorschel des KZ Buchenwald eingerichtet, in dem mehr als 600 Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen eingesetzt wurden. Fast alle wurden 1945 auf einen Todesmarsch geschickt. Durch den Einsatz des politischen Gefangenen Otto Herrmann, der als Kapo des Lagers im Auftrag des illegalen Lagerkomitees für eine Verbesserung der Haftbedingungen sorgte, kamen vergleichsweise wenig Insassen zu Tode.[2] Ein Gedenkstein in der Bahnhofstraße erinnert seit 1965 an sie. Seit 2002 ist eine Tafel mit den Namen von 19 umgekommenen Häftlingen angebracht.[3]

Am 10. April 1945 wurde der Ort kampflos von US Army besetzt. Anfang Juli 1945 kam er zur Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und war ab 1949 Teil der DDR. Hier gehörte er seit 1952 zum Kreis Worbis im Bezirk Erfurt, der 1990 im Land Thüringen aufging.

Am 1. Januar 1996 wurde Rüdigershagen eingemeindet.[4]

Adelsgeschlecht von Asla[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Niederorschel war das nach dem Ort Asla (oder auch Orschel) benannte eichsfeldisch-thüringische Adelsgeschlecht sesshaft. Erstmals wurde 1225 mit Hermann von Asla ein Adliger genannt.[5] Ob sie dort einen befestigten Herrensitz oder eine Burg besaßen, ist nicht bekannt. Im 15. Jahrhundert ist die Adelsfamilie erloschen. Das Wappen zeigt eine Krähe oder einen Raben. Folgende weitere Vertreter der Familie sind nachgewiesen:[6][5]

  • 1302 Friedrich (von Orschel), Vogt zu Worbis[7] und 1311 mit seinem Bruder Eckard
  • 1324 Heinrich von Orschel, in einer Urkunde des Erzbischofs Mathias als Zeuge genannt
  • 1339 Eckard in einer Schlotheimer Urkunde
  • 1396 Eckard in einer Mühlhäuser Urkunde und eventuell nochmals der gleiche Eckard 1432

Nach Siebmacher gibt es noch eine weitere Familie derer von Asla (II) als Vasallen der Grafen von Hohnstein, deren Wappen zwei gestürzte Angelhaken zeigt. Dieses Wappen hat aber eine deutliche Übereinstimmung mit dem Wappen des im benachbarten Rüdigershagen sesshaften Adelsgeschlecht von Hagen. Dieses Geschlecht soll Anfang des 15. Jahrhunderts erloschen sein. Als Vertreter werden hier genannt:

  • 1279 bis 1292 Gottfried
  • 1285 Dietrich
  • 1340 Knappe Tiliko
  • 1356 bis 1378 die Brüder Tizelo (ev. der oben genannte), Dietrich, Heinrich und Hugo auf Vockkstedt
  • 1365 Heinrich als Schwarzburgischer Vasall

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember):

  • 1994: 2.867
  • 1995: 2.877
  • 1996: 3.562
  • 1997: 3.574
  • 1998: 3.569
  • 1999: 3.575
  • 2000: 3.594
  • 2001: 3.573
  • 2002: 3.534
  • 2003: 3.494
  • 2004: 3.469
  • 2005: 3.438
  • 2006: 3.384
  • 2007: 3.367
  • 2008: 3.338
  • 2009: 3.274
  • 2010: 3.258
  • 2011: 3.114
  • 2012: 3.095
  • 2013: 3.086
  • 2014: 3.073
  • 2015: 3.095
  • 2016: 3.082
Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[8]
Wahlbeteiligung: 56,8 % (2004: 54,6 %)
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
60,0 %
17,8 %
14,5 %
7,7 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
+4,5 %p
+2,8 %p
-6,1 %p
-1,2 %p

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat von Niederorschel setzt sich aus 16 Gemeinderatsmitgliedern zusammen.

(Stand: Kommunalwahl am 25. Mai 2014)

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehrenamtliche Bürgermeister Ingo Michalewski (CDU) gewann am 14. Juni 2015 die Stichwahl gegen den Vertreter der BI Niederorschel.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Gold ein linksgewendeter roter Greif, die rechte Vorderklaue auf einen von Silber und Schwarz gespaltenen Schild stützend, darin ein rechtsgewendeter Adler in verwechselten Tinkturen.“

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerschaftliche Beziehungen bestehen seit 1990 mit den deutschen Gemeinden Nordkirchen im Münsterland und Bestwig im Hochsauerland sowie seit 1997 mit der polnischen Stadt Nowy Dwór Mazowiecki.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Marienkirche in Niederorschel
  • Die barocke Pfarrkirche „St. Marien“ wurde 1685 vom italienischen Baumeister Dominico Bennoth erbaut.
  • Das katholische Pfarramt „St. Marien“ wurde 1694–1696 im fränkischen Fachwerkstil (Kulturdenkmal) erbaut.
  • Das Rathaus wurde 1905 im barockisierenden Fachwerkstil (Kulturdenkmal) errichtet.
  • Am Oberen und Unteren Steinweg steht ein Denkmalensemble aus mehreren im Fachwerkstil erbauten Weber- und Gewerbehäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Es wurde im Juni 2018 in das Denkmalbuch des Freistaates Thüringen eingetragen.[9]
  • Die Heimatstube Niederorschel am Marktplatz 10 zeigt eine ständige Ausstellung „KZ Buchenwald – Außenkommando Niederorschel“; in der Ortslage steht auch ein Mahnmal der Opfer des KZ Buchenwald – Aussenkommando Niederorschel.
  • Thomas Müntzer Gedenkstein
  • Der Lindenbestand auf dem Lindenplatz ist als Naturdenkmal ausgewiesen
  • Die ehemalige Bergschule, erbaut 1844, ist das Geburtshaus des Eichsfeldhistorikers Philipp Knieb mit Gewölbekeller aus dem 15./16. Jahrhundert. Heute ist das Gebäude Verwaltungssitz der Verwaltungsgemeinschaft Eichsfelder Kessel.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Staatliche Regelschule Niederorschel
  • Grundschule Sankt Marien

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Philipp Knieb: Eichsfelder Gemeindechroniken Niederorschel und Worbis. In: Maik Pinkert, Alfons Montag, André Sieland (Hrsg.): Quelleneditionen aus dem Bischöflichen Kommissariat Heiligenstadt. Band 2. Heiligenstadt 2004, ISBN 3-935782-06-3, S. 375.
  • Paul Claus: St. Marien – Quelle des Glaubens. Geistliche sowie Ordensfrauen und -männer, denen Niederorschel (Eichsfeld) Heimat war. In: Eichsfeldjahrbuch. Band 2. Mecke, Duderstadt 1994, S. 217–235.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Niederorschel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. Daniel Fraenkel, Jakob Borut (Hrsg.): Lexikon der Gerechten unter den Völkern: Deutsche und Österreicher. Wallstein Verlag, Göttingen 2005; ISBN 3-89244-900-7, S. 149 f.
  3. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 41f., ISBN 3-88864-343-0
  4. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  5. a b Johann Wolf: Eichsfeldisches Urkundenbuch nebst der Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel. Göttingen 1819 (Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel, als Beitrag zu dessen Geschichte). Seite 9.
  6. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, VI. Band, 6. Abteilung; Ausgestorbener Preussischer Adel: Provinz Sachsen; Verfasser: G.A. von Mülverstedt (1825-1914), Ad. M. Hildebrandt (1844-1918); Publikation: Nürnberg: Bauer & Raspe, 1884, S. 6.
  7. RIplus Regg. EB Mainz 1,1 n. 768, in: Regesta Imperii Online, URI: [1] (Abgerufen am 22. August 2017)
  8. Gemeinderatswahl 2009 in Thüringen - endgültiges Ergebnis Landkreis 061 Eichsfeld Gemeinde 61074 Niederorschel Thüringer Landesamt für Statistik, abgerufen am 13. Juli 2018.
  9. Thüringer Staatsanzeiger Nr. 25/2018, Seite 726