Niedersächsische Akademie für Brand- und Katastrophenschutz

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Niedersächsische Akademie für Brand- und Katastrophenschutz
Landesfeuerwehrschule Celle
Schulform Feuerwehrschule
Gründung 1931
Ort Celle und Loy
Land Niedersachsen
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 38′ 15,3″ N, 10° 3′ 12,6″ OKoordinaten: 52° 38′ 15,3″ N, 10° 3′ 12,6″ O
Träger Niedersachsen
Schüler jährlich 7000
Lehrkräfte 86
Leitung Oliver Moravec
Website Portal Akademie für Brand- und Katastrophenschutz

Die Niedersächsische Akademie für Brand- und Katastrophenschutz ist eine Einrichtung des Landes Niedersachsen auf der Grundlage des Niedersächsischen Brandschutzgesetzes vom 1. April 1978. Zum 1. Januar 2011 wurde aus der bisher selbstständigen Landesfeuerwehrschule Celle und der Landesfeuerwehrschule Loy die neu gegründeten Niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Zusammenlegung der beiden Landesfeuerwehrschulen folgt das Land Niedersachsen einer Empfehlung des Abschlussberichtes zur Sicherstellung des Brandschutzes in Niedersachsen unter besonderer Berücksichtigung des demografischen Wandels des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres und Sport aus dem Jahr 2010.[2] Die beiden Standorte in Celle und Loy werden weiter betrieben.

Geschichte des Standortes Celle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als der damalige Vorsitzende der Stiftung „Feuerwehrfachschule zu Celle“ die Einladungen zu der Eröffnungsfeierlichkeit verschickte, war man sich zunächst keineswegs darüber klar, wie diese Einrichtung gedeihen und sich auswirken würde: Am 26. April 1931 wurde in Celle die erste Feuerwehrschule der Provinz Hannover feierlich eröffnet. Dort hatten fortan alle mit Dienstgraden „belegten“ Feuerwehrmänner ihre vorgeschriebenen Lehrgänge zu absolvieren. Die Schule prangte im Flaggenschmuck. Hoch oben auf dem Dach leuchtete nach der Bahnseite weithin sichtbar auf einem Gitterwerk die Schrift:

Hannoversche Provinzial-Feuerwehrschule

Walter Schnell wurde vom Vorsitzenden des Provinzialfeuerwehrverbandes Hannover Senator Carl Freundel aus Peine, die örtliche Leitung der Schule übertragen.

Einziger fest angestellter Mitarbeiter war seinerzeit Brandmeister Wilhelm Flachsbart von der Freiwilligen Feuerwehr Celle, der mit seiner Frau und zwei weiblichen Hilfskräften dafür sorgte, dass der innere Dienstbetrieb einschließlich der schuleigenen Küche funktionierte. Die übrigen Lehrkräfte waren in den ersten Jahren ehrenamtlich tätig. Hierzu zählten Persönlichkeiten aus den Bereichen, die dem Gedanken des Brandschutzes nahestanden (wie der Feuerwehrverband, die Brandkasse, die Unfallversicherung, die Forstverwaltung und Führungskräfte der Freiwilligen Feuerwehren und Berufsfeuerwehren).

Bei Beginn der Schulung standen der Schule lediglich zwei Tragkraftspritzen und eine Handdruckspritze zur Verfügung. Für die Ausbildung an Löschfahrzeugen wurden bis zum Jahre 1934 Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Celle zur Verfügung gestellt. Am 25. November 1932 gab der Verbandsgeschäftsführer, Kreisbrandmeister des Kreises Osterholz Friedrich Windhorst aus Grohn bei Vegesack, die Verlegung des Verbandsbüros von Lüneburg nach Celle in die Feuerwehrfachschule bekannt. Im Herbst 1934 wurde mit dem Bau eines Flammenhauses begonnen. Anfang 1935 wurde das Haus der Handelsvertretung Karl Stelter, Wittinger Str. 9, erworben. Wenig später wurde an der Erweiterung des Schulhauses gebaut. Am 14. Mai 1935 wurde das Flammenhaus im Beisein zahlreicher Vertreter städtischer und staatlicher Behörden sowie in Gegenwart des Oberpräsidenten Viktor Lutze seiner Bestimmung übergeben. Zum 1. September 1938 erhielt die Schule mit dem 38-jährigen Hermann Freiherr von dem Bussche einen hauptamtlichen Feuerwehrschuldirektor.

Während des Zweiten Weltkriegs hatte die Feuerwehrschule veränderte Aufgaben wahrzunehmen. Aus einigen noch vorhandenen Unterlagen ist zu entnehmen, dass die Lehrstoffpläne und die Lehrgangsarten auf die Kriegsereignisse abgestimmt werden mussten. Aufgabenschwerpunkte lagen in der Brandschutzausbildung der Kräfte für den Luftschutz und in der Wahrnehmung des Brandschutzdienstes durch das Aufstellen einer mobilen Einheit (Bereitschaft). Männer und später auch Frauen mussten in besonderen Lehrgängen für den Luftschutz ausgebildet werden. Ausbildungskräfte wurden zur Bildung von so genannten mobilen Einheiten herangezogen, die bei verschiedenen Schadenereignissen, wie beispielsweise bei den im Celler Raum vielfach auftretenden Mineralöllagerbränden, aktiv wurden. Die Lehrgangsteilnehmerzahl sank 1945 vorübergehend auf den Stand von 1931. Noch Mitte März 1945 wurde ein Lehrgang I mit 45 Teilnehmern durchgeführt.

Gegen Ende des Krieges, am 12. April 1945, wurde das im Keller sich aufhaltende Personal der Feuerwehrbereitschaft von den britischen Truppen kurzfristig gefangen genommen. Die Gebäude waren durch Sprengungen an der Hafenbahnbrücke beschädigt worden. Das Inventar wurde teils geplündert, teils zerstört, und zwar durch die Polen, welche in der Baracke an der Wittinger Straße, Ecke Bremer Weg, auf dem Gelände der OHE gelebt hatten. Die vorhandenen Geräte und auch die Unterlagen der Schule gingen fast restlos verloren. Der Schulbetrieb kam zwangsläufig zum Erliegen.

Hermann von dem Bussche musste mit einigen Helfern am 18. April 1945 mit den britischen Soldaten in das KZ Bergen-Belsen, um dort die Not bei der Wasserversorgung, im Rahmen der Gefangenenbefreiung, mildern zu helfen. Er wurde kommissarischer Leiter der vorläufigen Feuerwehrbereitschaft, und man baute in Kooperation mit den Briten provisorisch das regionale Feuerlöschwesen wieder auf.

Nach Kriegsende startete man mit den alten Lehrkräften, wie Direktor von dem Bussche, den Brandmeistern Künnecke, Wehner, Fuchs, Schmidt, Niehoff usw., sowie diversen Fachkräften für die technischen und verwaltenden Bereiche. Noch im Dezember 1945 erschienen die ersten 23 Teilnehmer zu einem Maschinistenlehrgang.

Über 43 Jahre hatte sich die Einrichtung in den Gebäuden der ehemaligen Lederfabrik an der Biermannstraße befunden. Am 14. Oktober 1974 konnte dann ein großzügiger Neubau am Bremer Weg 164 bezogen werden. Einige Tage später, am 20. Oktober 1974, begrüßte Schulleiter Branddirektor Dipl.-Ing. Heinz Bartels den ersten Lehrgangsteilnehmer in dem neuen Gebäude.[3] 2012 wurde die Feuerwehrschule Celle auf dem Gelände der ehemaligen Freiherr-von-Fritsch-Kaserne im Celler Stadtteil Scheuen neu gebaut und bis 2020 soll sie schrittweise bezogen werden.[4]

Geschichte des Standortes Loy[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Oldenburgische Landesfeuerwehrverband e.V. (OLV) erwarb am 22. Oktober 1929 das damalige Gutshaus "Haus Osterberg" inklusive eines ca. 3,5 Hektar großen Grundstückes. Die erforderlichen Um- und Ausbauten wurden ebenso wie die Beschaffung des Lehr- und Anschauungsmaterials einschließlich Kraftspritzen durch Ausgabe von Anteilscheinen sowie durch eine Lotterie finanziert.

Am 9. August 1930 konnte die Heim- und Ausbildungsstätte des OLV durch den damaligen Landesbrandmeister Ibo Koch in feierlicher Form im Beisein vieler Ehrengäste ihrer Bestimmung übergeben werden. Lehrgänge wurden mit Rücksicht auf den landwirtschaftlich strukturierten Freistaat Oldenburg nur in den Monaten Oktober bis April abgehalten. In der übrigen Zeit des Jahres diente die Anlage der Abhaltung von Tagungen und Sitzungen des Verbandes sowie als Heimstätte (Erholungsheim) für Feuerwehrmänner mit ihren Familien. Durch Gesetz vom 10. September 1933 wurde der OLV aufgelöst und die Nachfolgeorganisation „Landesfeuerwehrverband Oldenburg“ direkt dem Oldenburgischen Ministerium des Innern unterstellt.

Auch wenn der Freistaat Oldenburg diesem einen eigenen Etat zubilligte, waren die kommenden Baumaßnahmen nur über Sammlungen und Spenden finanzierbar. In der Folgezeit entstanden so 1935 eine Übungshalle mit Lehrsälen und ein Brandhaus, 1936 ein Feuerlöschteich, Geräteunterkünfte und der Schlauchtrockenturm sowie 1937 ein Garagen- und Wohngebäude. Nach dem Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 23. November 1938 ging dann das Schulgelände auf den Freistaat Oldenburg über, wobei eine Änderung der Verwaltung nicht eintrat. So konnte die feuerwehrtechnische Ausbildung auch während des Krieges fortgesetzt werden.

Noch vor dem offiziellen Kriegsende am 8. Mai 1945 trafen auf dem Schulgelände kanadische Truppen ein, die das Haus Osterberg und die vorderen Gebäude für sich beanspruchten. Dennoch konnten ab Herbst 1945 unter Ausnutzung aller Behelfsmöglichkeiten erneut Lehrgänge durchgeführt werden. Nach der Gründung des Landes Niedersachsen zum 1. November 1946 wurde die Ausbildungseinrichtung dem Niedersächsischen Innenministerium unterstellt. Aufgrund steigender Teilnehmerzahlen durch die Erweiterung des Einzugsgebiets bestand die Notwendigkeit, die Ausbildung wieder auf das gesamte Gelände auszudehnen. So wurden die Bemühungen zur Räumung des Hauses Osterberg verstärkt und letztendlich rückten die Besatzungsmächte am 24. März 1948 ab. Die hiernach notwendigen erheblichen Instandsetzungsarbeiten und insbesondere die erforderliche Neubeschaffung des fehlenden Inventars führten dazu, dass der Lehrbetrieb erst Ende 1948 in dem gewünschten Umfang wieder aufgenommen werden konnte.

Seit dieser Zeit dient das Gelände des Hauses Osterberg unter dem Namen „Niedersächsische Landesfeuerwehrschule Loy“ wieder ausschließlich Ausbildungszwecken für die ehrenamtlichen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren sowie für die Angehörigen der Berufs- und Werkfeuerwehren. Um den sich weiter entwickelnden Anforderungen an die Ausbildung jederzeit gerecht werden zu können, wurden immer wieder Neubau- und Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt. So entstanden in den 1950er Jahren eine kleine Fahrzeughalle und ein Wirtschaftsgebäude, welches heute als Atemschutzwerkstatt genutzt wird. In den 1960er Jahren wurden zwei neue Unterrichtsräume und die Schlauchwerkstatt errichtet. Die 1970er Jahre waren insbesondere geprägt durch die mehrmalige Erweiterung der Fahrzeughalle sowie die fahrzeugtaugliche Befestigung der Wege und Übungsflächen. Die 1980er und 1990er Jahre wurden hauptsächlich für große Sanierungs- und Umbaumaßnahmen genutzt. Während dieser Zeit entstand das heutige Erscheinungsbild der Schule, da das Haus Osterberg komplett saniert und dabei teilweise entkernt wurde. Nach Fertigstellung eines neuen Brandübungshauses im Jahr 2009 entsteht aktuell nach Abriss der Übungshalle und dem Brandhaus ein modernes Unterrichtsgebäude, das den zukünftigen Anforderungen an eine qualifizierte Ausbildung der Feuerwehrleute gerecht wird.

Lehrgänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manche Lehrgänge werden an beiden Standorten durchgeführt wie zum Beispiel:

nur am Standort Celle werden folgende Lehrgänge:

und nur am Standort Loy werden die Lehrgänge:

  • Ausbilder feststoffbefeuerte Brandübungsanlagen,
  • Einführung in die Stabsarbeit,
  • Einführung in die Stabsarbeit für Stäbe HVB,
  • Multiplikatoren in der Absturzsicherung,
  • Organisatorischer Leiter Rettungsdienst

angeboten.

Anlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die Angehörigen der Feuerwehr optimal für ihre Einsätze ausbilden zu können, findet man unter anderem auf dem Gelände in Celle eine feststoffbefeuerte Übungsanlage, in der man unter realistischen Bedingungen Extrem-Situationen bei der Brandbekämpfung trainieren kann.

Förderverein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung der schulischen Einrichtung zu unterstützen, ist das Ziel des Fördervereines, der den Weg der Niedersächsische Akademie für Brand- und Katastrophenschutz - Standort Celle seit 2004 begleitet.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.feuerwehrschulen.niedersachsen.de.
  2. Abschlussbericht (PDF-Dokument), S. 100ff
  3. Matthias Blazek: 100 Jahre organisiertes Feuerlöschwesen in Baven. 1907–2007. Ein Lesebuch und Nachschlagewerk. M. Blazek, Adelheidsdorf 2007, ISBN 978-3-00-019848-9, S. 94f.
  4. www.cellesche-zeitung.de.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Matthias Blazek: 75 Jahre Niedersächsische Landesfeuerwehrschule Celle. (1931–2006). Förderverein der Niedersächsischen Landesfeuerwehrschule, Celle 2007, ISBN 978-3-00-019333-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]