Niedersachsentarif

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Der Niedersachsentarif ist ein im Schienenpersonennahverkehr von Niedersachsen, Bremen und Hamburg gültiger Beförderungstarif, der am 9. Juni 2013 eingeführt wurde.[1] Er löste damit den vorher auf den Verbindungen innerhalb seines Geltungsbereiches gültigen DB-Tarif im Nahverkehr ab.

Geltungsbereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der räumliche Geltungsbereich des Niedersachsentarifs erstreckt sich auf den Schienenpersonennahverkehr im gesamten Land Niedersachsen. Weiterhin gilt der Tarif im Land Bremen und Hamburg. Einbezogen sind auch einige Streckenabschnitte benachbarter Bundesländer:

Zu den Nachbarländern Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg endet der Geltungsbereich am jeweils letzten Bahnhof vor der Landesgrenze, wobei nach Brandenburg kein grenzüberschreitender Bahnverkehr besteht.

Anwendung findet dieser Gesamtbereich nur für relationsbezogene Fahrkarten und die „Fahrradtageskarte Niedersachsentarif“. Der Geltungsbereich des Niedersachsen-Tickets als einem Fahrkartenangebot des Niedersachsentarifs weicht auf einigen Strecken außerhalb Niedersachsens davon ab. Zusätzlich sollten auch relationsbezogene Fahrkarten des Niedersachsentarifs ab dem 14. Januar 2018 bis nach Hengelo in den Niederlanden erworben werden können, jedoch bieten die elektronischen Auskunftssysteme der Deutschen Bahn hierfür aktuell (Stand: Januar 2018) noch den Flexpreis des DB-Tarifs an.

Der Niedersachsentarif ist grundsätzlich nur anzuwenden bei Fahrten auf Strecken, die nicht vollständig im Geltungsbereich eines regionalen Verkehrsverbundes oder einer Tarifgemeinschaft liegen, die über deren Geltungsbereich hinausgehen oder die in verschiedenen Verkehrsverbünden bzw. Tarifgemeinschaften beginnen und enden.

Im sonstigen öffentlichen Personennahverkehr abseits der Schiene bzw. im Anschluss daran bietet der Niedersachsentarif bisher (Stand: Januar 2018) nur eingeschränkte und regional begrenzte Angebote im Rahmen des Niedersachsen-Tickets und der sogenannten „Anschlussmobilität[2] für relationsbezogene Fahrkarten (deren Ausbau nach eigenen Angaben einer der Schwerpunkte der Niedersachsentarif GmbH ist).[3] Hierfür kooperiert er mit verschiedenen regionalen Verkehrsverbünden und Tarifgemeinschaften, wie z. B. dem Großraum-Verkehr Hannover oder den Öffis in Hameln.

Verkehrsunternehmen, Verbünde und Tarifgemeinschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Niedersachsentarif beteiligt sind folgende Eisenbahnverkehrsunternehmen[4]:

Im Geltungsbereich liegen folgende regionale Verbünde und Tarifgemeinschaften, die mit dem Niedersachsentarif kooperieren (durch die „Anschlussmobilität“ oder Anerkennung des Niedersachsen-Tickets):

a) mit Anerkennung des Niedersachsen-Tickets in allen öffentlichen Verkehrsmitteln

b) ohne Anerkennung des Niedersachsen-Tickets außerhalb des Schienenpersonennahverkehrs

Im Übergangsbereich zu Nordrhein-Westfalen liegen außerdem Teile folgender Tarifverbünde (Anerkennung von Fahrkarten aus Niedersachsen nur im Schienenpersonennahverkehr, Fahrkarten des NRW-Tarifs bzw. der jeweiligen regionalen Verbünde auch in allen Bussen und Stadtbahnen):

Eine Besonderheit ist der Raum Osnabrück. Hier haben Tickets des Niedersachsen- und des NRW- bzw. Münsterlandtarifs Gültigkeit. Eine Anerkennung von Fahrkarten des Schienenverkehrs im Stadtbus von Osnabrück besteht nur für NRW-Tickets; das Niedersachsen-Ticket wird nur für Fahrten in der Tarifzone 100 anerkannt.

Fahrkarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fahrpreise im Niedersachsentarif werden kilometergenau berechnet. Die Fahrscheine gelten jeweils ausschließlich für die auf der Fahrkarte genannte Relation. Die Nutzung weiterer, parallel laufender Strecken ist damit nicht möglich.

Zum Fahrkartenangebot des Niedersachsentarifs gehören

  • Einzelfahrkarten
  • Hin- und Rückfahrkarten
  • Fahrscheine für Kinder
  • Gruppen-Fahrkarten (ab sechs Personen)
  • Niedersachsen-Ticket und Niedersachsen-Ticket plus Groningen
  • Fahrradtageskarten.

Einzel-, Hin- und Rückfahrkarten sowie das Niedersachsen-Ticket können als Handy-Ticket erworben werden. Beim Kauf von Einzel, Hin- und Rückfahrkarten mit einer gültigen BahnCard 25 oder 50 wird der jeweilige Preisrabatt gewährt. Dagegen ist die Gutschrift von bahn.bonus-Punkten beim Kauf nicht möglich, da die BahnCard ein Marketinginstrument der Bahn und nicht des Niedersachsentarifs ist.[5]

Weiterhin bietet der Niedersachsentarif eine übliche Auswahl an Zeitkarten an:

  • übertragbare/persönliche Wochen- und Monatskarten, auch als Jahres-Abonnement; erweiterbar durch Abo-XL
  • Wochen- und Monatskarten für Schüler/Praktikanten/Volontäre/Studenten, auch als Jahres-Abonnement sowie
  • für ausgewählte Strecken Bus/Schiene-Zeitkarten (nicht immer mit dem gesamten Zeitkartensortiment).

Monatskarten (auch im Abo) für Jedermann berechtigen an Samstagen zur Mitnahme von einer Person sowie drei eigenen Kindern/Enkeln von 6 bis 14 Jahren.

Tarifliche Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niedersachsen-Ticket[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das als Niedersachsen-Ticket bezeichnete Länderticket für Niedersachsen ist ein Fahrkartenangebot des Niedersachsentarifs. Mit dem Niedersachsen-Ticket können die Nahverkehrszüge in Niedersachsen, Bremen und Hamburg am Geltungstag beliebig oft genutzt werden. Der Geltungsbereich deckt sich dabei größtenteils mit dem Gesamtbereich des Niedersachsentarifs, es gibt jedoch einige Abweichungen bei Fahrtstrecken nach Nordrhein-Westfalen.

So ist das Niedersachsen-Ticket zusätzlich auf folgenden Streckenabschnitten gültig:

Dagegen sind diese Abschnitte nicht im Geltungsbereich enthalten:

Das Niedersachsen-Ticket gilt für die Verbindung Osnabrück–Münster folglich nur über Rheine, alternativ stehen für die direkte Verbindung über Natrup-Hagen die TagesTickets des Westfalentarifs oder das „SchönerTagTicket NRW“ (mit Gültigkeit auch im Stadtbus Osnabrück) zur Verfügung. Da das Niedersachsen-Ticket auch die über hessisches Gebiet führende Bahnstrecke bis Staufenberg (Haltepunkt Speele) einbezieht, reicht von dort aus ein Stadtticket Kassel plus als Ergänzung, um die Großstadt Kassel zu erreichen. Für den grenzüberschreitenden Verkehr bis in die Niederlande wird über Winschoten bis nach Groningen das Niedersachsen-Ticket plus Groningen angeboten. Weiterhin gilt das Niedersachsen-Ticket ab dem 14. Januar 2018 auch von Bad Bentheim weiter über Oldenzaal bis nach Hengelo.

Die Tickets gibt es für bis zu fünf Personen, zusätzlich können unabhängig von der Anzahl der zahlenden Personen bis zu drei Kinder von 6 bis 14 Jahren mitgenommen werden; bei diesen muss es sich auch nicht um eigene Kinder oder Enkel handeln. Bei dieser Regelung überzählige Kinder sind als weitere zahlende Personen zu berücksichtigen. Kinder unter 6 Jahren werden nicht berücksichtigt. Die Kindermitnahme ist somit seit dem 11. Juni 2017 nicht mehr analog zu den Ländertickets anderer Bundesländer oder dem Quer-durchs-Land-Ticket bzw. Schönes-Wochenende-Ticket des DB-Tarifs geregelt.[6]

Das Niedersachsen-Ticket gilt montags bis freitags ab 9:00 Uhr morgens bis 3:00 Uhr morgens des Folgetages. An Samstagen, Sonntagen, den niedersächsischen Feiertagen sowie am 24. Dezember und 31. Dezember gilt das Ticket bereits ab 0:00 Uhr (auf den festgelegten Strecken außerhalb Niedersachsens nur, wenn der Feiertag in Niedersachsen gesetzlicher Feiertag ist). Das Niedersachsen-Ticket für eine Person kostet 23 Euro zuzüglich jeweils vier Euro für jede weitere Person; im personalbedienten Verkauf wird ein Aufschlag von zwei Euro pro Ticket erhoben (Stand: Januar 2018). Anstelle von Personen dürfen auch Hunde mitgenommen werden. Für die Mitnahme von Fahrrädern ist zusätzlich pro Fahrrad eine „Fahrradtageskarte Niedersachsentarif“ zu lösen. Gegebenenfalls sind weitere Fahrkarten für die Fahrradmitnahme notwendig (z. B. für Fahrten in den Verkehrsverbünden oder die Stellplatzreservierung im IC/EC zwischen Bremen Hbf und Norddeich Mole).

Für die Gültigkeit des Niedersachsen-Tickets sind vor Fahrtantritt die Namen aller zahlenden Fahrgäste einzutragen. Diese Eintragung nehmen die Reisenden selbst vor. Das Niedersachsen-Ticket wird erst mit dieser Namensauflistung in den dafür vorgesehenen Feldern gültig. Kostenfrei mitfahrende Kinder sind nicht aufzunehmen. Reisen weniger als fünf Personen mit einem Ticket, werden die nicht benötigten Linien (sofern vorhanden) durchgestrichen. Nicht bei allen Ausgabestellen wird derzeit jeweils eine eigene Linie pro Fahrgast aufgedruckt. Bei solchen Niedersachsen-Tickets sind die Namen der Mitreisenden an einer geeigneten Stelle (meist auf der Rückseite des Tickets) zu vermerken.

Weiterhin kann das Niedersachsen-Ticket im Anschluss an die Ländertickets der angrenzenden Bundesländer (Hessenticket, Sachsen- / Sachsen-Anhalt- / Thüringen-Ticket, Schleswig-Holstein-Ticket und „SchönerTagTicket NRW“) genutzt werden, ohne für den grenzüberschreitenden Streckenabschnitt ein zusätzliches Ticket lösen zu müssen.

Anschlussmobilität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die sogenannte „Anschlussmobilität“ bietet gegen einen Aufpreis die Möglichkeit, mit den Verkehrsmitteln ausgewählter regionaler Verkehrsverbünde und Tarifgemeinschaften in einigen Städten Niedersachsens im Nachlauf zu einer Fahrkarte des Niedersachsentarifs weiter zu fahren.[2]

Abo-XL[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 01. Januar 2018 bietet der Niedersachsentarif das Abo-XL als kostenpflichtige Erweiterung des regulären Jahres-Abonnements für Jedermann an.[7] Für einen Aufpreis ab 9,90 Euro monatlich (Stand: Januar 2018) kann damit der reguläre Geltungsbereich an Samstagen bis 3 Uhr morgens des Folgetages auf den gesamten Geltungsbereich des Niedersachsentarifs ausgedehnt werden. Auch die an Samstagen mögliche Mitnahme weiterer Personen entspricht dem erweiterten Geltungsbereich.

Der Aufpreis ist abhängig von der gewählten Fahrtstrecke und fällt mit zunehmender Länge der Fahrtstrecke geringer aus. Eine Erweiterung von Schüler-Zeitkarten durch das Abo-XL ist nicht möglich. Ebenfalls ist die Nutzung von Bussen, Straßen- und U-Bahnen ausgeschlossen.

Mitnahme von Fahrrädern und Tieren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Mitnahme eines Fahrrades ist im Niedersachsentarif eine Fahrradtageskarte Niedersachsentarif für 5,00 Euro (Stand: Januar 2018) zu lösen, die einen Tag lang zur Mitnahme des Fahrrades auf beliebig vielen Fahrten berechtigt. Weiterhin dürfen Fahrräder unter folgenden Umständen kostenfrei mitgenommen werden:

  • Das Fahrrad ist demontiert, zur Fahrt untauglich und verpackt und kann wie Reisegepäck verstaut werden oder
  • es handelt sich um ein zusammengeklapptes Fahrrad (dieses kann, aber muss nicht verpackt sein), das wie Reisegepäck verstaut werden kann oder
  • es handelt sich um ein Kinderfahrrad, das von einem Kind unter 6 Jahren mitgenommen wird.

Bei Fahrten in den Verkehrsverbünden gelten für die Mitnahme von Fahrrädern teilweise andere Bedingungen, die zu beachten sind. Für die IC/EC-Nutzung zwischen Bremen Hbf und Norddeich Mole muss eine Fahrradtageskarte Niedersachsentarif und eine Stellplatzreservierung gelöst werden.

Die Mitnahme von Hunden erfordert das Lösen einer Kinderfahrkarte für die entsprechende Strecke. Hunde müssen einen geeigneten Maulkorb tragen; davon ausgenommen sind Blindenführ- und Begleithunde von Fahrgästen im Besitz eines Schwerbehindertenausweises mit den Merkzeichen „B“ oder „Bl“. Außerdem müssen Hunde im Zug angeleint sein. Weiterhin können kleine Hunde und andere Haustiere, die in verschlossenen Behältnissen in Handgepäck-Größe befördert werden, kostenfrei mitgenommen werden.

Wegen der unterschiedlichen Geltungsbereiche von Niedersachsen-Ticket und -tarif kann es vorkommen, dass für eine Verbindung durchgehend eine Fahrradtageskarte Niedersachsentarif ausreicht, der Reisende selbst aber Anschlusstickets benötigt. Beispiel: Für die Fahrt nach Paderborn genügt die Fahrradtageskarte Niedersachsentarif; das Niedersachsen-Ticket gilt aber nur bis Bad Pyrmont; für die Anschlussstrecke bis Paderborn ist ein zusätzlicher Fahrschein des Niedersachsentarifs notwendig.

Gültigkeit im Fernverkehr der Deutschen Bahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Niedersachsentarif kann seit 15. Dezember 2013 auch auf der IC/EC-Verbindung von Bremen über Emden nach Norddeich Mole der Deutschen Bahn genutzt werden.[8] Dies gilt auch für Fahrten mit dem Niedersachsen-Ticket und dem Niedersachsen-Ticket plus Groningen. Andere IC/EC-Verbindung sind davon ausdrücklich ausgenommen. Für die Fahrradmitnahme wird pro Rad eine "Fahrradtageskarte Niedersachsentarif" sowie eine Stellplatzreservierung benötigt.

Verkauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fahrkarten des Niedersachsentarifs können ausschließlich vor Fahrtantritt erworben werden. Ein Verkauf im Zug findet grundsätzlich nicht statt (ausgenommen hiervon ist der Notverkauf, z. B. im Falle eines Automatendefekts).

Die Fahrkarten können am Bahnhof über Fahrkartenautomaten und Verkaufsstellen erworben werden. Weiterhin ist eine Buchung von Online-Tickets auch über das Internet möglich. Der Erwerb von Zeitkarten im Abonnement ist auch über das von Transdev betriebene Abo-Center Niedersachsentarif möglich.

Weiterhin stehen Handy-Tickets für Einzel-, Hin- und Rückfahrkarten sowie das Niedersachsen-Ticket zur Verfügung.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Presseinformation – Der Niedersachsentarif kommt. Niedersachsentarif GmbH, 23. Mai 2013, abgerufen am 29. März 2014.
  2. a b Die neue Anschlussmobilität. Niedersachsentarif GmbH, abgerufen am 29. März 2014.
  3. Aufgaben der NITAG. Niedersachsentarif GmbH, abgerufen am 29. März 2014.
  4. Gemeinsam durch Niedersachsen – Die beteiligten Eisenbahnverkehrsunternehmen. Niedersachsentarif GmbH, abgerufen am 11. Januar 2018.
  5. Häufig gestellte Fragen zum Niedersachsentarif. Niedersachsentarif GmbH, abgerufen am 29. März 2014.
  6. Das Niedersachen-Ticket: Bahn frei für Kinder! Niedersachsentarif GmbH, abgerufen am 2. Januar 2018.
  7. Einfach unterwegs: Abo-XL. Niedersachsentarif GmbH, abgerufen am 2. Januar 2018.
  8. Mario Bartsch: Zwischen Emden und Bremen: IC-Verbindung zum Nahverkehrspreis. Oldenburger Onlinezeitung, 18. Oktober 2013, abgerufen am 29. März 2014.
  9. Mit dem Handy zum Fahrschein. Niedersachsentarif GmbH, abgerufen am 22. März 2017.