Niederscheld

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Niederscheld
Wappen Niederscheld
Koordinaten: 50° 43′ 21″ N, 8° 18′ 30″ O
Höhe: 217 m ü. NHN
Fläche: 9,29 km²
Einwohner: 2020 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 217 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 35687
Vorwahl: 02771

Niederscheld ist ein Stadtteil von Dillenburg im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis mit rund 2000 Einwohnern.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft liegt im Dilltal, das zum Westerwald gehört. Es befindet sich südlich der Dillenburger Kernstadt Niederscheld und ist von den Erhebungen Hohes Rad, Horst und Gleichen am Westrand des Schelder Waldes umgeben. Durch das Dorf fließen die namensgebende Schelde und die Dill, sowie zahlreiche kleine Bäche, wie Lützelbach und Hustenbach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche Niederscheld

Die Ortschaft wird erstmals am 22. Oktober 1274 als Schelt erwähnt. Dabei verkaufte Heydenreich von Dernbach Besitzungen im Ort an das Kloster Keppel.[2] Zwischen 1470 und 1490 beherrschte die Pest das Dorfleben. Im Jahre 1472 wurde ein Siechenhaus errichtet. Um 1530 erreichte die Reformation den Ort.

1604 erbaute man den Schelder Hammer, das der Eisenverhüttung diente. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Niederscheld mehrfach durch Truppen überfallen und ausgeplündert, die das Dillenburger Schloss belagerten. Niederscheld war 1629–1630 von Hexenverfolgung betroffen. Drei Frauen gerieten in Hexenprozesse und wurden hingerichtet.[3]

Nachdem sich 1756 ein großer Dorfbrand ereignet hatte, kam Niederscheld 1806 zum Großherzogtum Berg und gehörte dem Département Sieg an, womit der Ort zwischenzeitlich französisch wurde. Die Gebrüder Frank kauften 1839 den Schelder Hammer und benannten ihn in Adolfshütte um. Mit der Errichtung der Dillstrecke (1862) und der Scheldetalbahn (1882) stieg die Eisenverhüttung in der Adolfshütte an.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Niederscheld mit seinen umfangreichen Bahn- und Industrieanlagen mehrfach bombardiert. Bei einem Fliegerangriff am 25. Februar 1945 wurde das Dorf größtenteils zerstört. Zu Kriegsende lebten nur noch 80 Einwohner in Niederscheld.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Niederscheld zugleich mit anderen Gemeinden am 1. Januar 1977 durch das Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen in die Stadt Dillenburg eingegliedert.[4]

Bundesweit in den Medien bekannt wurde Niederscheld durch das Scheldehochwasser 2006, welches den kleinen Ort stark getroffen hatte.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Niederscheld unterstand im Überblick:[5][6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1970 sind:[5]

  • 1840: 0663 Einwohner
  • 1905: 1507 Einwohner
  • 1939: 1726 Einwohner
  • 1961: 2195 Einwohner
  • 1970: 2559 Einwohner
Niederscheld: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
622
1840
  
663
1846
  
708
1852
  
796
1858
  
837
1864
  
955
1871
  
1.031
1875
  
1.036
1885
  
1.110
1895
  
1.190
1905
  
1.507
1910
  
1.640
1925
  
1.595
1939
  
1.726
1946
  
1.676
1950
  
2.067
1956
  
2.096
1961
  
2.195
1967
  
2.356
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbeirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsbeirat von Niederscheld besteht aus fünf Mitgliedern. Nach den Kommunalwahlen in Hessen 2016 besteht er aus drei Mitgliedern der CDU und zwei Mitgliedern der SPD. Ortsvorsteher ist Frank Müller (CDU).[7]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 6. Juli 1967 wurde der Gemeinde Niederscheld im damaligen Dillkreis, Regierungsbezirk Wiesbaden, durch den Hessischen Minister des Innern ein Wappen verliehen.

Blasonierung: „In Blau drei goldene Rauten schräg, darüber ein schräggestellter goldener Hammer.“[8]

Zu Ende des dreizehnten Jahrhunderts taucht zum ersten Male der Name der Familie "von Schelt" auf, die wie viele andere nassauische Geschlechter drei in Balkenform schräg gestellte Rauten im Wappen führten. Mit der Führung des Wappens derer von Schelt wird die Erinnerung an diese Sippe wachgehalten. Für das bis jetzt unerklärliche Beizeichen wurde für Niederscheld ein Hammer eingesetzt, der auf das einmal hier blühende Gewerbe der Nagelschmiede hinweist.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle zwei Jahre findet in Niederscheld traditionsgemäß die Schelder Kirmes statt. Sie umfasst drei Festumzüge und ist eines der wichtigsten Ereignisse im Kalender eines jeden Niederschelders. Die Kirmes wird erstmals 1488 erwähnt.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Jagdhaus - Neuhaus

Bekannte Gebäude in Niederscheld sind u. a. das Gleichenhäuschen und das Neuhaus, ein im Juli 1640 fertiggestelltes Jagdhaus des Grafen Ludwig Heinrich von Nassau-Dillenburg.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnviadukt Niederscheld

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am westlichen Ortsrand verläuft die vierspurige Bundesstraße 277 mit einer Anschlussstelle. Dort mündet die L 3042, die im Ort als Hauptstraße geführt wird und nach Oberscheld führt. Im Osten zweigt die K 52 in Richtung Eibach ab.

Niederscheld besitzt einen Haltepunkt an der Dillstrecke und wird vom Mittelhessen-Express bedient. Nahe dem Ort zweigte früher die Scheldetalbahn nach Wallau ab. Im Ort existierte der Bahnhof Adolfshütte sowie der Haltepunkt Niederscheld (Dillkr) Nord. Der Personenverkehr wurde am 30. Mai 1987 eingestellt.

Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort gibt es einen Kindergarten, eine Grundschule (Scheldetalschule) sowie ein Dorfgemeinschaftshaus und eine Gemeinschaftshalle. Die Freiwillige Feuerwehr verfügt über ein Löschgruppenfahrzeug 10/6, einen Gerätewagen Logistik und ein Mannschaftstransportfahrzeug.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Zahlen, Daten & Fakten“ im Internetauftritt der Stadt Dillenburg, abgerufen im August 2016.
  2. Siegener Urkundenbuch Band I, Siegen, 1887, S. 28–29, Nr. 43.
  3. Opfer des Hexenwahns aus Niederscheld auf www.niederscheld.de
  4. Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen vom 13. Mai 1974. In: GVBl. I S. 237
  5. a b Niederscheld, Lahn-Dill-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 9. Dezember 2016)
  6. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  7. Ortsbeirat Niederscheld im Internetauftritt der Stadt Dillenburg, abgerufen im Februar 2017.
  8. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 6. Juli 1967 (StAnz. S. 896) Seite 24 der tif-Datei 5,5 MB

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]