Niederstotzingen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Niederstotzingen
Niederstotzingen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Niederstotzingen hervorgehoben
Koordinaten: 48° 32′ N, 10° 14′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Heidenheim
Höhe: 473 m ü. NHN
Fläche: 29,81 km2
Einwohner: 4611 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 155 Einwohner je km2
Postleitzahl: 89168
Vorwahl: 07325
Kfz-Kennzeichen: HDH
Gemeindeschlüssel: 08 1 35 027
Adresse der
Stadtverwaltung:
Im Städtle 26
89168 Niederstotzingen
Webpräsenz: www.niederstotzingen.de
Bürgermeister: Marcus Bremer
Lage der Stadt Niederstotzingen im Landkreis Heidenheim
Alb-Donau-Kreis Ostalbkreis Landkreis Göppingen Niederstotzingen Sontheim an der Brenz Hermaringen Giengen an der Brenz Dischingen Nattheim Heidenheim an der Brenz Steinheim am Albuch Königsbronn Herbrechtingen Herbrechtingen Gerstetten BayernKarte
Über dieses Bild

Niederstotzingen ist eine kleine Stadt im Landkreis Heidenheim in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederstotzingen liegt am südöstlichen Rand der Schwäbischen Alb zwischen dem Donautal und dem Lonetal, in 450 bis 542 Metern Höhe über NN; im Süden liegt das Schwäbische Donaumoos.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederstotzingen grenzt im Norden an die Stadt Giengen an der Brenz, im Osten an Sontheim an der Brenz, im Süden an die bayerische Stadt Günzburg, im Westen an Asselfingen im Alb-Donau-Kreis und an die Stadt Herbrechtingen.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Niederstotzingen besteht aus den Stadtteilen (Wohnbezirken im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung) Niederstotzingen (Wohnbezirk I), Oberstotzingen (Wohnbezirk II), Stetten ob Lontal (Wohnbezirk III), Lontal (Wohnbezirk IV mit dem Weiler Reuendorf). Die offizielle Benennung der Stadtteile erfolgt durch vorangestellten Namen der Stadt und, durch Bindestrich getrennt, nachgestellt der Name der Stadtteile. Im Stadtteil Stetten ob Lontal liegt die abgegangene Ortschaft Kaltenburg.[2][3]

Flächenaufteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemarkung von Niederstotzingen ist bereits seit dem Jungpaläolithikum besiedelt, wie Funde aus der nahegelegenen Vogelherdhöhle zeigen.

Aus keltischer Zeit stammen die Reste einer Viereckschanze und aus römischer Zeit die Reste einer Villa Rustica zwischen Niederstotzingen und Sontheim oberhalb der alten Donaunordstraße, die von Urspring nach Regensburg führte.

Bei Bauarbeiten im Süden der Stadt wurde 1962 ein kleines Gräberfeld aus der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts entdeckt, auf dem einige alamannische Adlige zusammen mit ihren Tieren und äußerst wertvollen Beigaben bestattet worden waren.

Der Name „Stotzingin“ tauchte 1143 erstmals urkundlich auf; über seine Deutung ist sich die Wissenschaft nicht sicher. Nach dem Ort benannte sich im Hochmittelalter das niedere Adelsgeschlecht Stotzingen, das noch besteht und in Niederstotzingen bis um 1330 saß. Die Herrschaft ging dann an die Herren von Riedheim über. Kaiser Karl IV. gestattete Wilhelm von Riedheim 1366, Niederstotzingen zur Stadt auszubauen und zu befestigen; das Stadtrecht hat der Ort mit einer kurzen Unterbrechung im 19. Jahrhundert behalten.

Um 1400 erwarben die Herren von Leimberg die Herrschaftsrechte, von denen sie 50 Jahre später als Erbe an die Ritter von Westernach übergingen. Diese tauschten Niederstotzingen 1457 mit den Herren vom Stain gegen deren Herrschaft Konzenberg ein. Die Stain bauten die Herrschaft in den folgenden Jahrhunderten aus, erwarben u. a. wichtige Privilegien wie die Befreiung von fremden Gerichten und führten zielstrebig eine Entwicklung zur freien Reichsritterschaft herbei. 1550 teilten die Erben des Bernhard vom Stain die Herrschaft in zwei Teile: die „burgschlossische“ (nach dem älteren Sitz der Ortsherrschaft, dem Burgschloss, benannt) und die „steinhausische“ Hälfte, benannt nach dem Steinhaus, einem jüngeren Herrschaftssitz. 1565 führte Heinrich vom Stain, ein bedeutender Kriegsmann, in seinem Teil der Stadt die Reformation ein, während sein Bruder mit der steinhausischen Hälfte der alten Religion treu blieb. So war die Untertanenschaft über Jahrhunderte hinweg religiös gespalten; die Niederstotzinger Kirche wurde bis 1960 simultan benutzt.

Nach dem Tod des kinderlosen Heinrich vom Stain 1605 fiel sein Niederstotzinger Teil an seinen Cousin Leopold Karl, der auf dem benachbarten Bächingen saß. Dieser teilte 1624 seine Niederstotzinger Hälfte unter seinen Söhnen noch einmal auf, sodass nun innerhalb der engen Stadtmauern Niederstotzingens drei näher oder entfernter verwandte Herren regierten. Es gab nebeneinander die katholische steinhausische, die burgschlossische und die neue freihausische Herrschaft (benannt nach einem weiteren Herrenhaus in der Stadt).

Während der steinhausische Teil 1661 an das Kloster Kaisheim verkauft wurde, wurde der jüngste Teil, der freihausische, nach dem Ableben des kinderlosen letzten Besitzers 1799 wieder mit dem burgschlossischen in der Hand des inzwischen zum Grafen aufgestiegenen Karl Leopold vom Stain vereint. Als auch der 1809 ohne Nachkommen starb, erbte sein Neffe Joseph Alexander Graf von Maldeghem die Territorien (neben Niederstotzingen auch Riedhausen) und sein neu erbautes Schloss. Das Schloss Niederstotzingen ist noch in Händen dieser Familie, die im Laufe der Zeit ihre Besitzungen durch den Ankauf der benachbarten Güter Oberstotzingen und Stetten beträchtlich erweitern konnte.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der überwiegende Teil der Gemeinde ist katholischer Konfession (die Hälfte von Niederstotzingen, Oberstotzingen, Stetten, Lontal). Die evangelische Gemeinde entstand 1565. Es existiert auch eine neuapostolische Gemeinde.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze).

Jahr Einwohner
1. Dezember 18711 1983
1. Dezember 18801 2142
1. Dezember 18901 1958
1. Dezember 19001 1905
1. Dezember 19101 1957
16. Juni 19251 2027
16. Juni 19331 2050
17. Mai 19391 2120
13. September 19501 3105
Jahr Einwohner
6. Juni 19611 3407
27. Mai 19701 3662
31. Dezember 1980 3870
25. Mai 19871 4012
31. Dezember 1990 4326
31. Dezember 1995 4812
31. Dezember 2000 4913
31. Dezember 2005 4905
31. Dezember 2010 4645
31. Dezember 2015 4611

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1. März 1972: Oberstotzingen, Stetten ob Lontal[5]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederstotzingen um 1900

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Niederstotzingen wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Niederstotzingen hat nach der letzten Wahl 19 Mitglieder (vorher 21). Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
 %
50
40
30
20
10
0
40,3 %
34,4 %
25,2 %
BWI
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   2
   0
  -2
  -4
+0,2 %p
-0,4 %p
± 0,0 %p
BWI
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands-Wählerblock 40,3 8 40,1 9
BWI Bürger- und Wählerinitiative 34,4 6 34,8 7
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 25,2 5 25,2 5
Gesamt 100 19 100 21
Wahlbeteiligung 52,2 % 52,7 %

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 2016 wurde Marcus Bremer mit 72,2 % der Stimmen im ersten Wahlgang zum neuen Bürgermeister gewählt. Zuvor hatte Gerhard Kieninger 28 Jahre das Amt des Bürgermeisters inne.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: „In Grün ein silberner Trink-Stotzen mit silbernem Beschlag und links abgebrachtem silbernem Ring.“

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederstotzingen unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu Stotzing im Burgenland in Österreich seit 1983 und zu Bages in der Nähe von Perpignan in Frankreich seit 1992.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt ist über die sieben Kilometer entfernte Auffahrt Niederstotzingen der Bundesautobahn 7 (FlensburgFüssen) an das überregionale Straßennetz angebunden. Landes- und Kreisstraßen schaffen die Verbindung zu den Nachbarorten.

Niederstotzingen liegt an der Brenzbahn (AalenHeidenheimUlm) und gehört dem Heidenheimer Tarifverbund an. Zwei Buslinien besorgen den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) mit den Nachbargemeinden und Städten.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gartengerätehersteller Gardena AG betreibt in Niederstotzingen ein Metall verarbeitendes Werk.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt verfügt über je einen Kindergarten in Niederstotzingen und in Oberstotzingen. In Niederstotzingen gibt es eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. Die ehemalige Grundschule in Oberstotzingen wurde im Jahr 2008 zum Kinderhaus Oberstotzingen „Villa Kaleidos“ umgebaut bzw. neu gebaut. Das Kinderhaus ist seit 12. Januar 2009 in Betrieb. Realschule und Gymnasium befinden sich in Langenau, Herbrechtingen und Giengen an der Brenz. Eine weitere Haupt- und Realschule befindet sich in Sontheim an der Brenz.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wallfahrtskirche in Stetten ob Lontal
  • Schloss Niederstotzingen, klassizistischer Bau von 1780, an Stelle der alten Burg („Burgschloss“) vom Grafen vom Stain errichtet. Obwohl das Schloss, das sich im Besitz der Gräflichen Maldeghem’schen Verwaltung befindet, 1843 zu einem „unteilbaren und unveräußerlichen Stammgut“ – einem Fideikommiss – zusammengeschlossen wurde, soll es jetzt veräußert werden.
  • Schloss Oberstotzingen, im 16. Jahrhundert von dem bayerischen Adelsgeschlecht Jarsdorf aus Jahrsdorf erbaut. 1942 diente es als Zwangsaltersheim für jüdische Senioren.[6] Heute Schlosshotel.
  • Barockkirche St. Martin in Oberstotzingen, 1761 auf römischen Mauerresten neu erbaut.
  • Andreaskirche in Niederstotzingen
  • Schloss Stetten ob Lontal, 1583 von der Familie von Riedheim erbaut, 1712 durch Valerian Brenner barock umgestaltet.
  • Barocke Wallfahrtskirche in Stetten, 1733 vollendet, mit Kopie der Schwarzen Madonna von Einsiedeln.
  • Burg Kaltenburg im Lonetal zwischen den Orten Hürben und Burgberg. Umfangreiche Mauerreste haben sich aus dem 12. Jahrhundert erhalten.

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wildpferd vom Lonetal aus der Eiszeit

Die 1931 entdeckte Vogelherdhöhle im Lonetal (5 km nordwestlich von Niederstotzingen), Fundort des berühmten Lonetalpferds, ist aufgrund der archäologischen Funde über die Region hinaus bekannt. Sie war vor 35.000 Jahren Rastplatz und Unterstand für die eiszeitlichen Menschen.

Archäopark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die besonderen eiszeitlichen Funde und die dazugehörige Vogelherdhöhle besser öffentlich zu Geltung zu bringen, wurde 2013 bei Niederstotzingen-Stetten der Archäopark Vogelherd am Rande des Lonetales eingerichtet, ein erlebnispädagogisch ausgerichtetes Urzeitmuseum. Neben einem großzügigen Freigelände mit Aktionsplätzen und dem Zugang zur Vogelherdhöhle umfasst der Park ein Besucher- und Informationszentrum, in dessen Ausstellungsraum zwei originale Vogelherd-Figuren dauerhaft präsentiert sind. Gleichzeitig stellt das Konzept der Anlage die Vogelherdhöhle im Verbund mit den anderen archäologisch wichtigen Lonetalhöhlen dar.

Der Archäopark ist ein Bestandteil des UNESCO-Projektes Höhlen der ältesten Eiszeitkunst.

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1967 wurde eine Kleinschwimmhalle eröffnet, die im Juni 2011 geschlossen wurde.[7]

Es gibt zwölf Sportvereine, 19 weitere Vereine und sieben sonstige Vereinigungen.[8]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Niederstotzingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Niederstotzingen – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alle politisch selbständigen Gemeinden mit ausgewählten Merkmalen am 30.09.2016 (3. Quartal 2016) (XLS-Datei, 4,86 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Hauptsatzung der Stadt Niederstotzingen vom 1. Oktober 2004
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 625–629
  4. Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Niederstotzingen.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 450.
  6. Ingrid Bauz, Sigrid Brüggemann, Roland Maier (Hrsg.): Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern. Stuttgart 2013, ISBN 3-89657-138-9, S. 289ff.
  7. Südwest Presse vom 6. Juni 2011 (Memento vom 18. Dezember 2015 im Internet Archive)
  8. Stand: November 2007 Webpräsenz der Stadt Niederstotzingen