Niederwerrn

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Niederwerrn
Niederwerrn
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Niederwerrn hervorgehoben

Koordinaten: 50° 4′ N, 10° 10′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Schweinfurt
Höhe: 240 m ü. NHN
Fläche: 9,77 km2
Einwohner: 8289 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 848 Einwohner je km2
Postleitzahl: 97464
Vorwahlen: 09721, 09726Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: SW, GEO
Gemeindeschlüssel: 09 6 78 160
Gemeindegliederung: 2 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schweinfurter Str. 54
97464 Niederwerrn
Website: www.niederwerrn.de
Erste Bürgermeisterin: Bettina Bärmann (FW)
Lage der Gemeinde Niederwerrn im Landkreis Schweinfurt
SchweinfurtLandkreis Main-SpessartLandkreis Bad KissingenLandkreis Rhön-GrabfeldLandkreis HaßbergeLandkreis KitzingenLandkreis WürzburgLandkreis BambergNonnenkloster (Unterfranken)StollbergerforstBürgerwaldVollburgWustvieler ForstHundelshausen (gemeindefreies Gebiet)Geiersberg (gemeindefreies Gebiet)BergrheinfeldDingolshausenDittelbrunnDonnersdorfEuerbachFrankenwinheimGeldersheimGerolzhofenGochsheimGrafenrheinfeldGrettstadtKolitzheimLülsfeldMichelau im SteigerwaldNiederwerrnOberschwarzachPoppenhausen (Unterfranken)RöthleinSchonungenSchwanfeldSchwebheimSennfeldStadtlauringenSulzheim (Unterfranken)ÜchtelhausenWaigolshausenWasserlosenWerneckWipfeldKarte
Über dieses Bild

Niederwerrn ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt. Sie grenzt an den Ortsteil Hainig der Stadt Schweinfurt. Niederwerrn ist die nach Einwohnern zweitgrößte Gemeinde (nach Werneck) des Landkreises. Der gleichnamige Hauptort ist heute ein typischer Wohnvorort mit großen Neubausiedlungen und relativ kleinem Ortskern.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederwerrn ist ein nordwestlicher Vorort von Schweinfurt in der Region Main-Rhön. Der Ort liegt an der namensgebenden, aber anders geschriebenen Wern. Eine der längsten und wichtigsten Straßen Schweinfurts, die Niederwerrner Straße, führt zum Ort. Im Gemeindegebiet liegt der nördliche Teil der einstigen Kaserne Conn Barracks der 2014 aufgelösten U.S. Army Garrison Schweinfurt.

Geologie und naturgeographische Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Nordwesten des Naturraums Schweinfurter Becken, eine topographisch relativ tiefliegende Einheit mit geringem Relief innerhalb der Mainfränkischen Platten. Dort hat sich der Oberlauf der Wern seit dem Pliozän in das Gestein des Mittleren und Unteren Keuper eingetieft. In den Eiszeiten wurde Löss angeweht, mit dem sich im Holozän fruchtbare Böden entwickelten. Diese werden seit Jahrhunderten intensiv genutzt und prägen das regionale Landschaftsbild.

Nach der Kulturlandschaftsgliederung des BfN gehören die besiedelten Bereiche der Gemeinde noch zum naturfernen Verdichtungsraum 309 Schweinfurt, die ackerbaulich genutzten Flächen zur Kulturlandschaft 13600 Schweinfurter Becken.[2]

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt zwei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[3]

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nachbargemeinden sind:

Poppenhausen Dittelbrunn
Euerbach Nachbargemeinden
Geldersheim Schweinfurt

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei 8 °C, die mittlere Niederschlagsmenge bei 650 mm, die Hauptwindrichtung ist West-Südwest.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Niederwerrn leitet sich vom Fluss Wern ab, der die Gemeinde durchfließt und bei Gemünden in den Main mündet. Der Zusatz Nieder sollte den Ort vom gleichnamigen, nordwestlich liegenden Dorf unterscheiden.[4]

Frühere Schreibweisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[4]

  • 1123 „Werne“
  • 1230 „Werna“
  • 1268 „Werne“
  • 1327 „Unterwerrn“
  • 1339 „Nidern Werne“
  • 1356 „Nidernwern“
  • 1383 „Nydern Wern“
  • 1387 „Nidern-Werne“
  • 1557 „Niderwehrn“
  • 1820 „Niederwerrn“

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche in Niederwerrn
Bleiglasfenster in der Dorfkirche
Gemeindebibliothek in Niederwerrn – ehemalige Synagoge
St. Bartholomäus in Oberwerrn

Bis zum 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt ist Niederwerrn seit dem Mittelalter durch die Burg Wiesenburg, die nur noch Ruine ist. Mit ihr kam es am 17. Juni 1137 zur ersten urkundlichen Erwähnung von Niederwerrn.

Während Oberwerrn im Herrschaftsbereich des Fürstbistums Würzburg blieb, kam Niederwerrn im 15. Jahrhundert unter die Herrschaft der Familie von Münster. Freiherr Eyrich von Münster leitete 1565 oder 1566 die Reformation im Dorf ein.[5]

1806 wurden die Reichsritterschaften aufgelöst; Niederwerrn kam an das Königreich Bayern, zunächst aber nur für ein Jahr. 1807 wurde das Dort in das neu gebildete Großherzogtum Würzburg eingegliedert, mit welchem es 1814 an Bayern zurückfiel.[6]

Jüdische Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mindestens seit Mitte des 18. Jahrhunderts waren jüdische Familien im Ort ansässig, die eine jüdische Gemeinde bildeten, eine Schule einrichteten und in der Schweinfurter Straße 23 eine Synagoge erbauten. Dieses Gotteshaus und die Schule wurden beim Novemberpogrom 1938 von SA-Männern verwüstet. Nach dem Krieg wurden die Gebäude von der Gemeinde erworben und seither wird die ehemalige jüdische Schule als Rathaus und die ehemalige Synagoge als Bibliothek genutzt. Gedenktafeln an den beiden Gebäuden erinnern an dieses Geschehen.[7]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Gebietsreform in Bayern war bereits vom Freistaat die Eingemeindung Niederwerrns und weiterer Vororte nach Schweinfurt beschlossen. Danach wurde auf Weisung des gebürtigen Niederwerrners Staatssekretär Erwin Lauerbach, der Beschluss komplett rückgängig gemacht.[8]

Am 1. Mai 1978 wurde die Nachbargemeinde Oberwerrn eingegliedert.[9]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1961 3810
1970 4906
1991 6656
1995 7356
2005 7964
2010 7913
2015 7871
2018 7804[10]

Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 6256 auf 7804 um 1548 Einwohner bzw. um 24,7 %. 2005 hatte die Gemeinde 7962 Einwohner. Quelle: BayLfStat

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeisterin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bettina Bärmann (Freie Wähler Niederwerrn) ist seit 1. Mai 2014 Erste Bürgermeisterin.[11] Diese wurde am 15. März 2020 bei einer Wahlbeteiligung von 56,9 % mit 64,0 % wieder gewählt.

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Wahl am 2020 erhielten die fünf Wahlvorschläge folgende Sitze und Stimmenanteile:[12]

Sitze Stimmenanteil
Freie Wähler 7 35,26 %
CSU 4 22,73 %
SPD 3 15,18 %
Grüne 3 14,16 %
Christliche Wählervereinigung Oberwerrn 3 12,68 %
Gesamt 20 100,00 %

Die Wahlbeteiligung betrug 57,07 %.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Niederwerrn
Blasonierung: „In Blau ein silberner Schrägwellenbalken, belegt mit zwei einander zugekehrten, von Rot und Silber wechselweise geteilten Flügeln.“[13]

Wappenführung seit 1961

Wappenbegründung: Die Flügel sind dem Wappen der Herren von Münster entnommen, eines alten fränkischen Adelsgeschlechts, das von 1436 bis zum Ende des Alten Reichs 1803 die Ortsherrschaft innehatte. Der Wellenbalken steht für den Fluss Wern, der durch das Gemeindegebiet fließt und dessen Name in der älteren Schreibweise „Werrn“ auch Teil des Ortsnamens ist.

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1992 besteht eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Ifs.

Interkommunale Allianz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist Mitglied der Interkommunalen Allianz Oberes Werntal.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arbeitsplätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2017 gab es in der Gemeinde 566 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Von der Wohnbevölkerung standen 3166 Personen in einem versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Damit war die Zahl der Auspendler um genau 2600 Personen größer als die der Einpendler. 130 Einwohner waren arbeitslos.

Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2016 gab es 14 landwirtschaftliche Betriebe.

Öffentlicher Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gemeindeteil Oberwerrn befindet sich ein Bahnhof der Bahnstrecke Schweinfurt–Meiningen. Von hier besteht zudem eine Verbindung nach Bad Kissingen und Gemünden.

ÖPNV[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist an das Stadtbusnetz der Stadtwerke Schweinfurt angeschlossen: die Linien 22, 24 und 25 führen von der Schweinfurter Innenstadt nach Niederwerrn, letztere auch nach Oberwerrn.

Vom Bahnhof Oberwerrn ist zudem mit der Erfurter Bahn die Schweinfurter Innenstadt (Haltepunkt Schweinfurt-Mitte) erreichbar.

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die B 19 tangiert den westlichen Rand des Ortsteils Oberwerrn.
Die B 303 tangiert den südlichen Ortsrand von Niederwerrn.
Eine Auffahrt von der B 303 zur A 71, die AS 30 Schweinfurt-West, befindet sich am südwestlichen Rand des Gemeindegebietes.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gemeindezentrum Niederwerrn, kulturelle Einrichtung mit Bühne und Nebenräumen für Erwachsenenbildung
  • Jugendtreffs in Niederwerrn und Oberwerrn
  • Festscheune in Oberwerrn

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2018 bestanden

  • vier Kindertageseinrichtungen mit zusammen 341 genehmigten Plätzen und 335 Kindern
  • zwei Volksschulen mit insgesamt 390 Schülern, nämlich

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Niederwerrn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tabellenblatt "Daten 2", Statistischer Bericht A1200C 202041 Einwohnerzahlen der Gemeinden, Kreise und Regierungsbezirke 1. Vierteljahr 2020 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. bfn.de
  3. Gemeinde Niederwerrn in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 5. Juli 2020.
  4. a b Wolf-Armin von Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken. C. H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 162–163 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Adolf Schipper: Die Familien der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Niederwerrn 1580–1900. Nürnberg 1999 (Fränkische Ahnen, 4).
  6. Bohrer, Hermann: Niederwerrn. Eine kleine Heimatkunde. Schweinfurt 1917. S. 39.
  7. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 178f.
  8. Schweinfurter Tagblatt: Schweinfurt ging bei der Gebietsreform leer aus, 22. Februar 2012
  9. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 753.
  10. Einwohnerzahlen am 31. Dezember 2018. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen am 24. Mai 2020.
  11. Grußwort der 1. Bürgermeisterin. Gemeinde Niederwerrn, abgerufen am 29. September 2020.
  12. [1], abgerufen am 5. Juli 2020
  13. Eintrag zum Wappen von Niederwerrn in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  14. Offizielle Website des Kolonialwarenmuseums Maul
  15. Kolonialwarenmuseum Maul. In: Museen-in-Bayern.de. Abgerufen am 18. Dezember 2019.