Niederweyer

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Niederweyer
Stadt Hadamar
Koordinaten: 50° 26′ 58″ N, 8° 4′ 55″ O
Höhe: 225 (220–240) m ü. NHN
Fläche: 1,36 km²[1]
Einwohner: 204 (13. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 150 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 65589
Vorwahl: 06433
Luftbild des Orts aus Norden
Luftbild des Orts aus Norden

Niederweyer ist der kleinste Stadtteil von Hadamar im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederweyer liegt am nordöstlichen Rand des Limburger Beckens. Rund 500 Meter östlich des Ortes verläuft die Bundesstraße 54 von Nordosten nach Südwesten.

Die Gemarkung des Orts ist ebenfalls in Nordost-Südwest-Richtung gestreckt. Im Westen grenzt sie an die Gemarkung der Kernstadt Hadamar, im Norden an Oberzeuzheim und im Osten an Oberweyer, im Süden an den Limburger Stadtteil Ahlbach. Südlich des Orts fließt der Faulbach nach Westen. Das Gemarkungsgebiet besteht fast ausschließlich aus Landwirtschaftsfläche, ohne geschlossene Waldgebiete. Das Gelände weist kaum Höhenunterschiede auf und steigt lediglich nach Nordwesten zum Galgenberg (in der Gemarkung Hadamar) hin leicht an.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kapelle

Niederweyer wurde 772 erstmals in einer Schenkungsurkunde im Lorscher Codex als „Wilere“ erwähnt. Bedeutend für die Ortsentwicklung war seine Lage an einer Altstraße, der „Hohen Straße“, zwischen Koblenz und Wetzlar. Der älteste Teil des Orts nimmt noch heute die Form eines Straßendorfs entlang der Hohen Straße an, in Niederweyer als „Ortsstraße“ bezeichnet. Ein Münzenfund in der Niederweyerer Gemarkung aus dem Jahr 1961 lässt sich auf das erste Viertel des 13. Jahrhunderts datieren.

Ab 1567 gehörte Niederweyer kirchlich zur Pfarrei in Oberweyer. Die erste Kapelle ist aus dem Jahre 1898 überliefert. Im Jahre 1962 bekam Niederweyer dann eine neue Filialkapelle mit einer ungewöhnlichen Architektur. Sie ist dem Heiligen Geist gewidmet. 1971 erhielt Niederweyer einen eigenen Friedhof. Zuvor waren alle Verstorbenen in Oberweyer beerdigt worden.

Für 1805 sind 14 Familien im Ort verbürgt, 1939 waren es 98 Einwohner und 1972 170. Im Zweiten Weltkrieg waren 13 Gefallene aus dem Dorf zu beklagen.

Aus dem Jahr 1882 wird von einem größeren Brand eines Anwesens am 1. September in Niederweyer berichtet, zu dem Feuerwehren aus der Umgebung mit ihren von Pferden gezogenen Feuerspritzen anrückten.[2]

1993 wurde ein Dorfgemeinschaftsraum eröffnet.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Dezember 1971 wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen mit Niederweyer, die bis dahin kleinste Gemeinde in Hessen, nach Hadamar eingegliedert. Die ehemaligen Gemeinden Hadamar, Niederweyer, Niederzeuzheim, Oberweyer, Oberzeuzheim und Steinbach bildeten die neue Stadtgemeinde Hadamar. Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Hadamar.[3]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Niederweyer lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[4][5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederweyer: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1970
Jahr  Einwohner
1834
  
115
1840
  
118
1846
  
113
1852
  
118
1858
  
125
1864
  
123
1871
  
111
1875
  
127
1885
  
139
1895
  
135
1905
  
130
1910
  
132
1925
  
135
1939
  
116
1946
  
153
1950
  
148
1956
  
139
1961
  
151
1967
  
166
1970
  
170
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [4]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[4]

• 1885: 2 evangelische (= 1,44 %), 137 katholische (= 98,56 %) Einwohner
• 1961: 2 evangelische (= 1,32 %), 149 katholische (= 98,68 %) Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die politische Vertretung des Ortsteils wird vom Oberweyerer Ortsvorsteher mit übernommen. Der Ortsvorsteher von Oberweyern ist Jeck Heribert (Stand Januar 2017).[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmalgeschützte Scheune im Ortskern
Flurkreuz am Ortseingang

Unter Denkmalschutz stehen ein steinernes Flurkreuz kurz hinter dem Ortsausgang in Richtung Hadamar und eine Felssteinscheune in der Ortsstraße.

Der Sockel des Kreuzes wurde laut Inschrift 1846 von einem privaten Stifter aus hellgrauem Marmor errichtet. Das heute vorhandene Kreuz selbst und der Christuskorpus sind jüngeren Datums. Bis vor wenigen Jahren war das Kreuz von zwei Linden flankiert, die vermutlich aus der Zeit der Errichtung des Sockels stammten.

Die Scheune wurde Berichten zufolge um 1900 erbaut. Der helle Kalkstein wurde ungewöhnlich sorgfältig vermauert, Basaltsäulen bilden das Traufgesims.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort gibt es die „Dorfgemeinschaft“ als einzigen Verein, unter deren Dach sich unter anderem ein Kochclub und einige Sportgruppen befinden, die jedoch nicht zu offiziellen Wettbewerben oder Turnieren antreten. Den abwehrenden Brandschutz für Niederweyer stellt bereits seit vielen Jahrzehnten die Freiwillige Feuerwehr Oberweyer sicher, der auch Einwohner aus Niederweyer angehören. Ähnlich sind Einwohner aus dem Ort vornehmlich auch in anderen Vereinen mit Sitz in Oberweyer organisiert.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirmes wird zu Pfingsten gefeiert und alle zwei Jahre ein Oktoberfest.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b „Zahlen/Daten/Fakten“ im Internetauftritt der Stadt Hadamar, abgerufen im September 2015.
  2. Franz-Josef Sehr: Die Gründerjahre der Freiwilligen Feuerwehr Obertiefenbach. In: Jahrbuch für den Kreis Limburg-Weilburg 1995. Der Kreisausschuss des Landkreises Limburg-Weilburg, Limburg-Weilburg 1994, S. 170–171.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 369.
  4. a b c Niederweyer, Landkreis Limburg-Weilburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 8. Juni 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Ortsbeirat Stadtteil Steinbach. Stadt Hadamar, abgerufen am 21. Januar 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]