Nienhagen (Landkreis Celle)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Nienhagen
Nienhagen (Landkreis Celle)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Nienhagen hervorgehoben
52.5510.141Koordinaten: 52° 33′ N, 10° 6′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Celle
Samtgemeinde: Wathlingen
Höhe: 41 m ü. NHN
Fläche: 17,57 km²
Einwohner: 6661 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 379 Einwohner je km²
Postleitzahl: 29336
Vorwahl: 05144
Kfz-Kennzeichen: CE
Gemeindeschlüssel: 03 3 51 018
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Dorfstraße 41
29336 Nienhagen
Webpräsenz: gemeinde-nienhagen.de
Bürgermeister: Jörg Makel (SPD)
Lage der Gemeinde Nienhagen im Landkreis Celle
Landkreis Celle Niedersachsen Landkreis Heidekreis Landkreis Uelzen Landkreis Gifhorn Region Hannover Faßberg Südheide Eschede gemeindefreies Gebiet Lohheide Bergen Winsen Wietze Hambühren Celle Adelheidsdorf Hagen Wathlingen Bröckel Eicklingen Wienhausen Langlingen Hohne Langlingen Eldingen Ahnsbeck Beedenbostel LachendorfKarte
Über dieses Bild

Nienhagen ist eine Gemeinde in der Samtgemeinde Wathlingen im Landkreis Celle in Niedersachsen. Die Gemeinde hat gegenwärtig 6.279 Einwohner und erstreckt sich auf einer Fläche von 17,57 km². Der Ort wird von der Burgdorfer Aue mit dem Abschnitt der Alten Aue durchflossen.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Zusammen mit ihrem Gemahl hatte Herzogin Agnes von Landsberg († 1266) südlich des Ortes in den Wäldern an der Aue, einem Nebenfluss der Fuhse, 1227 ein Zisterzienserinnenkloster gestiftet. Als die Mückenplage in den sumpfreichen Waldungen der Aueniederungen den Nonnen den Aufenthalt in dem Kloster unmöglich machte, verlegte sie dieses 1231 nach Wienhausen an der Aller. Die Nonnen aber nahm sie für ein halbes Jahr bis zur Fertigstellung des neuen Klosterbaues bei sich auf der Burg auf.

Im Sinne der kolonisatorischen Bestrebungen des Zisterzienserordens gab die Herzogin den bei der verlassenen Klosterstätte gelegenen Wald Siedlern zum Anbau frei und gründete so das Dorf Nienhagen.[3]

Eine Freiwillige Feuerwehr wurde 1933 gegründet.[4]

Zur Gemeinde Nienhagen gehören die Ortsteile Papenhorst und Nienhorst. In der jüngeren Vergangenheit kam Nienhagen durch ergiebige Erdölvorkommen zu Wohlstand.

Seit 1985 besteht in Nienhagen ein Heimatverein, der Ausstellungen und Wanderungen organisiert und eigene Publikationen herausgibt.

Erdöl[Bearbeiten]

1889 wurde erstmals im Gemeindegebiet durch Bohrungen Erdöl entdeckt. Ende der 20er Jahre gründete der Bohrpionier Anton Raky aus Salzgitter die Gewerkschaft Nienhagen. 1931 verkaufte er den größten Teil seiner Firma an die Wintershall. Es entstand das Raky - Wintershall - Konsortium. Am 15. Februar 1935 übernahm Wintershall von Raky die restlichen Anteile seiner Gewerkschaft. Das Unternehmen nannte sich nun Wintershall AG Erdölwerke Nienhagen.

Raky hatte seit 1930 verschiedene, erfolgreiche Bohrungen angesetzt, teils im Überflutungsgebiet der Aue. Das Material zur Errichtung des Bohrturmes Aue 1 musste mit einem Floß über die angestaue Aue geschafft werden. Die Bohrung Aue 1 war 1931 mit einer Teufe von 1322 m die tiefste Bohrung Deutschlands und förderte von 1932 bis 1937 Erdöl. Das erschlossene Ölfeld bei Nienhagen war sehr ergiebig. Bereits im ersten Jahr wurden 2324 t gefördert.[5] Die Bohrung N (Nienhagen) 14 förderte von 1933 bis zu ihrer Verfüllung 1993 101.585 t Erdöl, überwiegend im Tiefpumpenbetrieb.

Bei Bohrung N 22 an der Langerbeinstraße brach am 29. September 1934 das bislang größte Ölfeuer in Deutschland aus, die Flammen sollen bis zu 50 m hoch gewesen sein. [6] Zahlreiche Arbeiter wurden schwerverletzt, sechs verunglückten tödlich.

Als weiters Erdölunternehmen betätigte sich die Gewerkschaft Elwerath.

In Nienhagen fanden über 1000 Bohrungen nach Erdöl statt, mehr als 300 Fördertürme waren aufgebaut. Noch heute wird Erdöl gefördert.

Betriebsgelände Wintershall AG[Bearbeiten]

Anton Raky mietete 1930 im Schloß und Rittergut des Baron von Campe einige Büroräume an. Später kaufte er das Gebäude und umliegende Gelände für seinen Betrieb. 1935 übernahm die Wintershall den Komplex. Im Zweiten Weltkrieg war der Betrieb mehrmals Ziel von Luftangriffen; 1940 wurde einer der beiden Nienhagener 15.000 Kubikmeter Erdöltanks zerstört und am 8. April 1945 wurde das Schloss stark beschädigt und deshalb später abgerissen. Die Wintershall unterhielt nach dem Krieg weiterhin ihr Betriebsgelände in Nienhagen.

Heute befindet sich hier der Herzogin Agnes Platz und eine Seniorenresidenz.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde Nienhagen setzt sich aus 19 Abgeordneten zusammen.

CDU SPD Arbeitsgemeinschaft Christlicher Demokraten FDP UWG Grüne BL Gesamt
2001 12 5 0 0 2 0 19 Sitze
2006 11 6 0 1 1 0 19 Sitze [7]
2010 9 6 2 1 1 0 19 Sitze [8]
2011 3 7 0 2 2 5 19 Sitze

letzte Kommunalwahl am 11. September 2011[9]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister ist zurzeit Jörg Makel (SPD).

Wappen[Bearbeiten]

Wappen von Nienhagen (Landkreis Celle)
Blasonierung:

„„In Grün ein goldenes Schildhaupt, darin ein roter Hachmeisterstab, darunter ein goldener Fischschwanzmeißel.“

Dieser Meißel wurde beim Erdölbohren verwendet.

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

Das Heimatmuseum Nienhagen befindet sich in der 1849 errichteten ehemaligen Dorfschule. Im Museum befindet sich ein Erdölzimmer.

Heimatmuseum in Nienhagen
Ehemaliger Erdölbohrturm in Nienhagen
Turm der St. Laurentius-Kirche Nienhagen
St. Marien-Kirche in Nienhagen

Bauten[Bearbeiten]

  • Sehenswert ist der 27 m hohe Erdöl-Förderturm mit Pumpenbock und Gleiswinde, der von der Gemeinde in einem Park an der Aue neu aufgestellt wurde, etwa 50 m nördlich der historischen Bohrung Aue 1.
  • Eine seltene Architektur weist auch der vom Kirchenschiff getrennte Kirchturm der evangelischen St.-Laurentius-Kirche auf.
  • Die katholische St. Marien-Kirche wurde 1961 errichtet (Klosterhof 28) und gehört heute zur Pfarrgemeinde St. Ludwig in Celle.

Kultur[Bearbeiten]

Unter dem Namen NI-KU (Nienhagen Kultur) finden seit Anfang 2012 in Nienhagen regelmäßig Veranstaltungen aus den Bereichen Kunst, Unterhaltung und Edutainment statt.

Sport[Bearbeiten]

„Auf allgemeinen Wunsch“ und auf Initiative von Schuhmachermeister Hermann Beckmann wurde am 1. August 1928 von etwa 25 Personen im Lokal des Land- und Gastwirts Wilhelm Lienau der „Sportverein Nienhagen“ gegründet. Das Ziel der Gründungsväter wurde mit „allgemeiner Leibesertüchtigung“ umschrieben.[10] Die Gemeinde hat eine Sportanlage. Zudem gibt es ein Hallenbad im Ort und in Papenhorst ein Freibad. Mehrere Sportarten werden vom SV Nienhagen angeboten, der mit Svenja Schlicht auch eine mehrfache deutsche Meisterin und zweimalige Olympiateilnehmerin im Schwimmen (1984 und 1988) hervorbrachte. Die gleichaltrige Bettina Papenburg wurde 1987 ebenfalls deutsche Meisterin im Schwimmen. Die Bogensparte des Schützenvereins nimmt an Feldbogen- und 3D-Turnieren teil und veranstaltet jeden März ein Clout-Schießen.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die im Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Willi Lochte: Hagengericht und Hachen in Nienhagen. In: Landkreis Celle (Hrsg.): Der Speicher. Faßberg 1978, S. 315 ff.
  • Willi Lochte: Aus den Erdölgebieten von Nienhagen. In: Landkreis Celle (Hrsg.): Der Speicher. Faßberg 1978, S. 376 ff.
  • Diverse: 750 Jahre Nienhagen 1978: Abhandlungen über die Entwicklung einer Siedlung vom Hagendorf zur modernen Gemeinde. Nienhagen 1978.
  • Jürgen Gedicke: Nienhagen in alten Fotos und Ansichtskarten. Celle 1989.
  • Jürgen Gedicke: Nienhagen – Geschichte eines niedersächsischen Dorfes, 2 Bde. Nienhagen 1990/1993.
  • Eckhard Hallmann: Nienhagen – Geschichte eines niedersächsischen Dorfes, Band 3. Nienhagen 2003.
  • Matthias Blazek: 75 Jahre Sportverein Nienhagen von 1928 e.V. Nienhagen 2003.
  • Matthias Blazek: Ottenhaus – Eine Spurensuche –. Celle 2005.
  • Matthias Blazek; Udo Thiel: 100 Jahre Gesangverein Nienhagen 1906–2006. Nienhagen 2006.
  • Wilfried Regener, Heimatverein Nienhagen (Hrsg.): Haniel & Lueg GmbH -Bohrbetrieb Nienhagen- – Geschichte und Geschichten, Nienhagen von 1931 bis 1965. Nienhagen 2006.
  • Wilfried Regener, Wolfgang Werner: Brandkatastrophe auf der Nienhagen 22 (N22) Gewerkschaft Nienhagen (Wintershall AG) 29. September 1934. Hrsg. vom Heimatverein Nienhagen, Nienhagen 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2. Bevölkerungsfortschreibung für die Gemeinden des Landkreises Celle, Amtsblatt für den Landkreis Celle, Nr. 21 vom 29. September 2009.
  3. Blazek, Matthias, Ottenhaus – Eine Spurensuche –, Celle 2005, S. 38 f. Vgl. Hüner, Harald, Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Grundlagen des Bauerntums in der Landschaft der mittleren Aller von etwa 1880 bis 1932, Hildesheim 1937, S. 18; Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Band 40-42, Hannover 1968, S. 106.
  4. Freiwillige Feuerwehr Nienhagen – Historisches.
  5. www.schoene-aktien.de; Karlsch, Rainer; Stokes, Raymond G., Faktor Öl: die Mineralölwirtschaft in Deutschland 1859–1974, München 2003, S. 246.
  6. Ausführlich: Blazek, Matthias, 75 Jahre Niedersächsische Landesfeuerwehrschule Celle 1931–2006, Celle 2007, ISBN 978-3-00-019333-0, S. 87 ff.
  7. Endergebnis Kommunalwahl 2006.
  8. Umbildung vom 20. Februar 2010, lt. Cellesche Zeitung vom 2. März 2010.
  9. Endergebnis der Kommunalwahl am 11. September 2011.
  10. Blazek, 75 Jahre Sportverein Nienhagen, S. 10.