Nigel de Grey

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Nigel de Grey (* 27. März 1886; † 25. Mai 1951) war ein britischer Kryptoanalytiker. Während des Zweiten Weltkrieges trug er in der Government Code and Cypher School (G.C. & C.S.) (deutsch etwa: „Staatliche Code- und Chiffrenschule“) im englischen Bletchley Park zum Bruch der deutschen Rotor-Schlüsselmaschine ENIGMA bei.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nigel genoss seine Schulausbildung am Eton College, wo er Französisch und Deutsch lernte. Im Jahr 1907 begann er sein Berufsleben im Verlagshaus William Heinemann in London. Drei Jahre später heiratete er. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, meldete er sich zur Royal Naval Volunteer Reserve und diente an der Westfront in Belgien. Im Kriegsjahr 1915 wurde er zum heute berühmten Room 40 versetzt, einer damals geheimen nachrichtendienstlichen Abteilung der britischen Marine, die sich mit Kryptanalyse, also der Entzifferung des verschlüsselten feindlichen Nachrichtenverkehrs befasste. Zusammen mit „Dilly“ Knox und William Montgomery entzifferte er am 17. Januar 1917 das Zimmermann-Telegramm, wodurch in der Folge der amerikanische Eintritt in den Krieg gegen Deutschland ausgelöst wurde. De Grey wurde daraufhin zum Leiter des Mittelmeer-Referats des britischen Naval Intelligence Department (NID) (Marine-Nachrichtendienst) ernannt. Hier arbeitete er in Verbindung mit der italienischen Marine gegen den österreichisch-ungarischen Nachrichtenverkehr.

Während des Zweiten Weltkriegs kam Nigel de Grey nach Bletchley Park (B.P.).[1] Auf dem Gelände dieses englischen Landsitzes in der Grafschaft Buckinghamshire befand sich während des Zweiten Weltkriegs die G.C. & C.S., also die militärische Dienststelle, die sich erfolgreich mit der Entzifferung des mithilfe der ENIGMA verschlüsselten deutschen Nachrichtenverkehrs befasste. Am 28. März 1943 verfasste er, damals als die Nummer 2 von B.P., eine ironische Denkschrift, die sein Chef, Commander (Fregattenkapitän) Edward Travis, mit den Worten kommentierte, sie enthalte „eine große Menge Wahrheit“ (im englischen Original: a great many truths).[2]

Nach dem Krieg blieb er bei der G.C. & C.S., die kurz darauf in GCHQ für Government Communications Headquarters (deutsch: Regierungskommunikationszentrale) umbenannt wurde und wurde dort Deputy Director (DD) (stellvertretender Direktor) eines Teams, das sich mit verschlüsselten sowjetischen Kabelverbindungen befasste. Im Jahr 1951 wurde er pensioniert und verstarb kurz darauf an einer plötzlichen Herzattacke in der Londoner Oxford Street.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich L. Bauer: Entzifferte Geheimnisse. Methoden und Maximen der Kryptologie. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer, Berlin u. a. 2000, ISBN 3-540-67931-6.
  • Christopher Grey & Andrew Sturdy: The 1942 Reorganization of the Government Code and Cypher School. Cryptologia. Rose-Hulman Institute of Technology. Taylor & Francis, Philadelphia PA 32.2008,4 (October), S. 311–333. ISSN 0161-1194.
  • Francis Harry Hinsley, Alan Stripp: Codebreakers - The inside story of Bletchley Park. Oxford University Press, Reading, Berkshire 1993, S. 119–122. ISBN 0-19-280132-5
  • Hugh Sebag-Montefiore: ENIGMA – The battle for the code. Cassell Military Paperbacks, London 2004, S. 174–176. ISBN 0-304-36662-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Portraitfoto Abgerufen: 26. Mai 2015.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gordon Welchman: The Hut Six Story – Breaking the Enigma Codes. Allen Lane, London 1982; Cleobury Mortimer M&M, Baldwin Shropshire 2000, S. 11. ISBN 0-947712-34-8
  2. Christopher Grey & Andrew Sturdy: The 1942 Reorganization of the Government Code and Cypher School. Cryptologia. Rose-Hulman Institute of Technology. Taylor & Francis, Philadelphia PA 32.2008,4 (October), S. 312–314. ISSN 0161-1194.