Nikolaikirche (Leipzig)

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Die Nikolaikirche von Nordosten mit der Nikolaisäule (August 2010)

Die Nikolaikirche (offiziell: Stadt- und Pfarrkirche St. Nikolai) ist die älteste und größte Kirche in Leipzig sowie neben der Thomaskirche die bekannteste Kirche der Stadt. Der nach dem heiligen Nikolaus benannte Sakralbau ist Hauptkirche der evangelisch-lutherischen St.-Nikolai-Kirchengemeinde Leipzig. Die Umgestaltung und Ausstattung des Innenraumes der Nikolaikirche stellt eine bedeutende Schöpfung des Klassizismus dar.

Im Herbst 1989 war die Nikolaikirche zentraler Ausgangspunkt der friedlichen Revolution in der DDR mit dem anschließenden Mauerfall in Berlin am 9. November 1989 und der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990.

Geschichte und Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Pfarrkirche St. Nikolai wurde ab 1165 nach der Verleihung des Stadt- und Marktrechtes an Leipzig im romanischen Stil erbaut. An der Westseite der Kirche ist der romanische Ursprung bis heute sichtbar. Im 15. und 16. Jahrhundert erfolgten Erweiterungen und der vollständige Umbau zur dreischiffigen spätgotischen Hallenkirche.[1]

Am 25. Mai 1539 wurde durch die Predigten der Reformatoren Justus Jonas der Ältere und Martin Luther die Reformation in Leipzig begonnen. Die Kirche wurde damit Sitz des ersten Superintendenten der Stadt Johann Pfeffinger.

In der Nikolaikirche führte Johann Sebastian Bach zahlreiche seiner Kantaten und Oratorien zum ersten Mal mit dem Thomanerchor auf, darunter auch die Johannespassion, sein bis dahin umfangreichstes Werk, am Karfreitag, dem 7. April 1724.

Der Mittelturm mit Türmerwohnung, erbaut 1730–1734 von Johann Michael Senckeisen, ist 75 m hoch.[2] Er wurde bis 1932 von einem Türmer bewohnt.[3]

Im Zuge der Aufklärung und Revolutionsarchitektur wurde der Innenraum der Kirche zwischen 1784 und 1797 nach dem Ideal der Urhütte (Bäume (Säulen), Blätterdach usw.) umgestaltet. Darauf weist auch die 1999 errichtete Palmsäule vor der Kirche hin. Die letzten großen baulichen Veränderungen erfolgten von 1901 bis 1902 an der Außenfassade. Das spätgotische Aussehen wurde beibehalten.

Die Nikolaikirche auf einer Briefmarke der DDR von 1990

Die Montagsdemonstrationen, die gegen das DDR-Regime gerichtet waren, entwickelten sich aus den Montagsgebeten, die in der Nikolaikirche bereits Anfang der 1980er-Jahre stattfanden und anfänglich nur von einigen wenigen Menschen besucht wurden (vgl. Friedliche Revolution (Leipzig)). In den späten Novembertagen 1982 wurde in der Nikolaikirche zum ersten Mal in der DDR eine große Schautafel mit dem Symbol für Schwerter zu Pflugscharen öffentlich aufgestellt. Ende der 1980er-Jahre gingen allwöchentlich Zehntausende, manchmal sogar über 100.000 Menschen, während der Montagsdemonstrationen auf die Leipziger Straßen, um für Demokratie, freie Wahlen, Reisefreiheit und die Einheit Deutschlands zu demonstrieren.

Auf dem Nikolaikirchhof neben der Kirche wurde 1999 nach Entwürfen des Leipziger Künstlers Andreas Stötzner die Nachbildung einer Dautheschen Säule errichtet, die als Friedenssäule an die Montagsdemonstrationen und die Friedhaftigkeit der Revolution erinnern soll. Im Jahr 1995 drehte Frank Beyer einen nach der Kirche benannten Film, der die Geschehnisse des Jahres 1989 künstlerisch aufarbeitete.

Jahrzehntelang stellte die Nikolaigemeinde ihre Kirche dem Leipziger Propsteichor als Probe- und Aufführungsstätte zur Verfügung. Die Propsteikirche war im Zweiten Weltkrieg beschädigt und später gesprengt worden. Selbst als die Propsteigemeinde in den 1980er-Jahren am Rand der Innenstadt, am Rosenthal, in eine neue Kirche ziehen konnte, trat ihr Chor weiterhin auch in St. Nikolai auf.

Bis zum 30. März 2008 war Christian Führer Pastor der Nikolaikirche. Sein Nachfolger ist Bernhard Stief.

Innenraum und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1521 stammt die sogenannte Lutherkanzel in der Nordkapelle. Sie stand bis 1785 am dritten südlichen Pfeiler des Hauptschiffes. Von 1784 bis 1797 wurde der Innenraum im klassizistischen Stil durch den Leipziger Stadtbaumeister Johann Carl Friedrich Dauthe grundlegend umgebaut. Die Gemälde der klassizistischen Ausstattung schuf der Leipziger Akademiedirektor Adam Friedrich Oeser. Dauthes Umgestaltung ist beeinflusst durch die Architekturtheorie von Marc-Antoine Laugier. Das Gesamtkonzept folgt Laugiers Forderungen im Kapitel De la difficulté de décorer les églises gothiques seiner Observations sur l’architecture (Den Haag 1765). Laugier äußert sich positiv über die gotischen Kirchenbauten, will sie aber in klassischen Formen korrigieren und mittelalterliche Ausstattungselemente beseitigen.

Der Niedergräfenhainer Altar

Dauthe deutete nach Laugiers Vorstellungen die Pfeiler der spätgotischen Hallenkirche durch Abarbeitung bzw. Antragung eines Stuckmantels in kannelierte Säulen von rötlichem Farbton um. Die aus ihren Palmenkapitellen aufsprießenden hellgrünen Blätter kaschieren den Ansatz der gotischen Kreuzgewölbe. Deren Gewölbefelder sind zu klassischen, mit Rosetten besetzten Kassetten geworden. Alles ist auf den Farbakkord Weiß-Rosa-Hellgrün abgestellt. Die von Doppelsäulen korinthischer Ordnung getragenen Emporen orientieren sich hingegen mehr an Laugiers Essai sur l’architecture (Paris 1753, 2. Aufl. 1755). Im Chor wurde ein hölzernes Tonnengewölbe unterhalb des mittelalterlichen Gewölbes eingezogen.

1903 erwarb die Kirchengemeinde St. Nikolai den zweiflügeligen sogenannten Niedergräfenhainer Altar. Der 1510 von unbekanntem Meister geschaffene Schnitzaltar stand bis 1943 in der Nordkapelle und fand erst lange nach dem Zweiten Weltkrieg dort wieder seinen Platz.

Neben dem Hauptaltar wurde 1982 für das erste Friedensgebet auf einem Ständer aus Metall ein einfaches Holzkreuz aufgestellt.

Mit mehr als 1400 Sitzplätzen gehört die Nikolaikirche zu den größten Kirchen Sachsens.

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zustand der Orgel 1785

Erstmals wird eine Orgel im Jahr 1479 erwähnt, die im südlichen Seitenschiff errichtet war. Mehrfach arbeitete Hermann Raphael Rodensteen an dem Instrument. Johann Lange baute 1597–1598 Werk ein neues Werk (II/P/27), Valentin Silbermann das Gehäuse und Thomas Lichtenstein und sein Geselle Heinrich Eckersen die Seitenflügel. Das Gehäuse wurde 1625–1626 erneuert und das Werk nach Kriegsschäden 1638–1639 durch Andreas Werner instandgesetzt. Zacharias Thayßner erweiterte das Instrument 1693–1694 auf III/P/36. Nach einer Renovierung durch Johann Scheibe im Jahr 1725 folgten Reparaturen durch Zacharias Hildebrandt 1739–1740 und 1750–1751.

In den Jahren 1785–1787 ersetzte der Orgelbauer Johann Gottlob Trampeli das abgängige Instrument durch einen Neubau.[4] Das Schleifladen-Instrument hatte 48 Register auf drei Manualwerken und Pedal. Die Trakturen waren mechanisch.[5]

Eine kleine Orgel ist 1506 bezeugt. Sie wurde 1577 durch ein Instrument von Rodensteen (I/8) ersetzt, das 1693 von Thayßner abgetragen wurde.[6]

Ladegast-Instrument von 1862[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heutige Orgel geht zurück auf ein Instrument, das 1862 von dem Orgelbauer Friedrich Ladegast (Weißenfels) mit mechanischen Trakturen und 83 Registern auf vier Manualen und Pedal erbaut wurde.[7] Ladegasts Klangbild unterschied sich deutlich von dem französischer Orgeln jener Zeit, bspw. von Cavaillé-Coll. In Ladegasts Orgel waren neun Zungenstimmen, davon fünf durchschlagende, und unter den Manualregistern nur eine einzige aufschlagende Zunge, eine Trompete, vorhanden. Das E des Principalbass 32` ist die größte Prospektpfeife.[8]

Die ganze Orgel enthielt eine Barker-Maschine. Die Orgel war damals (und ist es auch heute wieder) die größte Orgel Sachsens und hat die romantische Interpretation der Orgelkompositionen Johann Sebastian Bachs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mitgeprägt. Später baute Ladegast die Orgel um, stattete sie mit weiteren Barker-Maschinen aus, und stimmte sie etwas tiefer, auf den um 1885 gängigen Stimmton.

In den Jahren 1902 bis 1903 wurde die Orgel durch die Firma Wilhelm Sauer (Frankfurt/Oder) umgebaut und erweitert. Dabei änderte sich das Klangbild von einem hochromantischen zu einem typisch deutsch-spätromantischem. Das Pfeifenwerk blieb dabei weitgehend erhalten, die ursprünglich mechanischen Schleifladen wurden gegen pneumatische Kegelladen ausgetauscht, ein moderner Spieltisch installiert, und die Windanlage in das Hauptgehäuse verlegt. Gutachter empfanden einige Sauer-Register als missraten und kritisierten, dass Sauer es nicht geschafft habe, aus Ladegasts Werk eine typische Sauer-Orgel zu machen.

1934 versuchte man, von der Orgelbewegung inspiriert, auch die Ladegast–Sauer-Orgel zu barockisieren. Dabei tauschte man zwölf Register gegen neobarocke aus. Diese mischten sich aber schlecht mit dem restlichen Pfeifenbestand, so dass sie eher als Fremdkörper eine Klangaufhellung bewirkten. Außerdem waren sie zu schwach, um das grundtönige Klangbild in solch einem Maße, dass es einem barocken gleichkommt, aufzuhellen.

Im Zuge einer Restaurierung des Instruments in den Jahren 1986 bis 1988 wurden die Trakturen durch VEB Orgelbau Sauer (Frankfurt/Oder) elektrifiziert.

Heutiges Instrument[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht der heutigen Orgel

Nach der Wende stand eine Innenraumsanierung an. Nach dieser war eine Orgelreinigung fällig, so dass überlegt wurde, wie man die Orgel, die zu jener Zeit 94 Register enthielt, bei der Gelegenheit verbessern könne. Unter anderem führte der Platzbedarf der von Sauer installierten Windanlage und der Kegelladen dazu, dass die Orgel im Innern "total verbaut" war, was die Klangabstrahlung behinderte.[9][8] In den Jahren 2002–2003 wurde das Instrument dann durch die Orgelmanufaktur Hermann Eule in Bautzen, in Orientierung an der historischen Orgel und unter Wiederverwendung der erhaltenen historischen Substanz im Stil Ladegasts, mit Schleifladen und mechanischen Spieltrakturen, technisch neu gebaut und in dem historischen Gehäuse von 1862 wieder aufgestellt:

a) Die originale Disposition Ladegasts von 1862 wurde wiederhergestellt, wozu neun Register rekonstruiert werden mussten. Kennt der Organist diese Disposition, kann er nun einen Klang, wie die Orgel ihn 1862 erzeugte, registrieren.

b) Man wollte jedoch keinen radikalen Rückbau auf den Zustand von 1862, sondern betrachtete die von Sauer hinzugefügten Register als historisch gewachsenen Bestandteil, der erhalten werden soll. Da die Sauer-Register aber einem anderen Klangideal als dem von Ladegast entsprachen, und auf einen höheren Winddruck eingestellt waren, wäre es ungünstig gewesen, diese unverändert mit Ladegasts Originaldisposition zu mischen.

c) Fa. Eule errichtete ein neues, fünftes Manualwerk (das Schwellwerk), hauptsächlich, um schwer integrierbare Sauer-Register unterzubringen.

d) Zur klanglichen Verbindung der Sauer-Register mit der Ladegast-Disposition baute Fa. Eule elf zusätzliche, neue Register, hauptsächlich aufschlagende Zungenstimmen, in die gesamte Orgel verteilt ein.[10]

Der neue Spieltisch wurde von Designern der Firma Porsche AG entworfen und gesponsert. Der Spieltisch besitzt runde Winddruckanzeiger, die an ein Armaturenbrett erinnern. Die Registrieranlage ist elektrisch, die Traktur mechanisch, und teilweise durch Barker-Maschinen unterstützt. Die Orgel hat 102 Register auf fünf Manualwerken und Pedal.[11]

Während der Umbau- und Restaurierungsarbeiten an der Ladegast-Orgel stand das op. 644 von Firma Eule, eine 2002 nach italienischen Vorbildern gebaute, zweimanualige Orgel mit 17 Registern nahe dem Chorraum aufgestellt als Interimsorgel zur Verfügung. Diese Orgel steht seit 2012 in der Marienkapelle des Naumburger Doms.[12][8][13] An Stelle der Interimsorgel hatte zuvor lange Zeit eine Kleinorgel der Fa. Alexander Schuke aus den 1950er-Jahren gestanden.

Organisten und Kantoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1964: Eine der zwei Glocken der Glockengießer-Familie Schilling in Apolda wird aufgezogen.

1452 erhielt die Nikolaikirche mit der im Nordturm aufgehängten Osanna ihre erste Glocke, von Nikolaus Eisenberg verziert mit Darstellungen des gekreuzigten Jesus und der vier Evangelisten, des heiligen Martin und des Schutzpatrons dieser Kirche, des heiligen Nikolaus.[15] Die Glocke läutete nicht nur die Gottesdienste ein, sondern wurde auch als Feuerglocke genutzt. 1633 durch Beschuss beschädigt und kurz darauf beim Läuten zersprungen, schmolz Jakob König (Erfurt) sie 1634 ein und goss sie neu. Nachdem die "114 Centner" schwere Glocke 1867 sprang, goss die Leipziger Glockengießerei Gustav Adolph Jauck 1869 ein komplettes, neues Geläut mit den Tönen g0 – h0 – d­1 – g1. Die größte Glocke (4055 kg) hing ab nun im Südturm und stürzte 1917 infolge eines Seilrisses bei der zwangsweisen Ablieferung an die Rüstungsindustrie ab. Sie drang einen halben Meter tief ins Straßenpflaster ein,[16] soll jedoch ohne Schaden geblieben sein.[17][18] Sie sowie die h0- und g1-Glocken wurden zum Einschmelzen abtransportiert, die d­1-Glocke und die Uhrschlagglocke konnten mit einem Schutzschein des Kunstgewerbemuseums gerettet werden. Der Glockenstuhl und das Holzjoch im Südturm blieben erhalten und tragen nach einer Instandsetzung nun die neue Osanna von 2019.

Im Juli 1925 goss Otto Schilling (Apolda) zwei neue Bronzeglocken mit den Durchmessern 2150 und 1280 mm und den Schlagtönen h0 und e1.

Somit hatte die Nikolaikirche vor dem 2. Weltkrieg drei Läuteglocken, von denen die zwei größten (h0 von 1925 und d­1 von 1869) im Dezember 1941 wiederum für die Rüstungsindustrie beschlagnahmt wurden. Der Nikolaigemeinde sollte lediglich die e1-Glocke von 1925 bleiben, Auch die Uhrschlagglocke war zum Einschmelzen vorgesehen. Ein Ablassen derselben hätte jedoch ein die Standsicherheit des Turms gefährdendes Aufstemmen von Gewölben erfordert, so dass man diese Glocke ebenfalls im Turm hängen ließ.[18]

1964 goss Franz Schilling zwei neue Glocken, aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Aufhängung im Glockenstuhl jedoch in einer eher leichten Rippe. Sie sind, wie die beiden 1941 beschlagnahmten Glocken, auf die Töne h0 und d1 gestimmt, und tragen die Inschriften: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“. Es sind die Worte, die das Geläut von 1869 trug.[19]

Seit dem 30. Juni 2019 hat die Nikolaikirche acht bronzene Glocken (die zwei von 1964 und sechs neue) in ihren Türmen.

Die Kirchgemeinde hatte sich das Ziel gesetzt, dass zum 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution am 9. Oktober 2019 ein neues Geläut mit acht Glocken erklingen soll.[20][21]

Dazu lief eine Spendensammelaktion mit dem Ziel von 136.000 Euro.[22] Die Namen und die Aufschriften für die Glocken standen fest.[23][24] Die neuen Glocken gelten in gusstechnischer und klanglicher Hinsicht als gelungen. Bei der tontiefsten Glocke Osanna[25] maß man eine Abklingdauer von über 300 Sekunden.[26] Sie wurde aus Bronze mit 78 % Kupfer und 22 % Zinn gegossen und am 30. Juni 2019 in den Südturm gehoben, wozu das straßenseitige Schallloch des Turms aufgestemmt werden musste.[27] Da die Osanna mit 6700 kg deutlich schwerer als vorgesehen (ca. 6000 kg) geriet, waren zusätzliche, teure Arbeiten am Klöppel und am Joch, sowie eine Überarbeitung der Tragwerksplanung, erforderlich geworden.[26] Die anderen sieben Läuteglocken hängen im Nordturm.[28][29] Die e1-Glocke von 1925 passt nicht zum neuen Geläut. Sie wurde in einem kirchlichem Lagerraum untergestellt, bis ein neuer Einsatzort für sie gefunden ist.[30]

Nr. Name Gussjahr Gießer Durchmesser
(mm)
Gewicht
(kg)
Nominal
(16tel)
Inschrift, Anmerkungen
1 Osanna 2019 A. Bachert, Neunkirchen ~ 2.120 6.700[26] g0 −3 Festtagsglocke
Inschrift: Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren. (Lukas 11,28)
2 Gloria 1964 F. Schilling 1.584 2.342 h0 −3 Auferstehungsglocke
Selig seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen. (Lukas 6,21)
3 Kyrie 1964 Glockengießer-Familie Schilling in Apolda 1.310 1.284 d1 −4 Gebetsglocke
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. (Matthäus 5,6)
4 Credo 2019 A. Bachert, Neunkirchen ~ 1.225 1.065 e1 −3 Bekenntnisglocke
Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich. (Matthäus 5, 10)
5 Pax ~ 1.150 900 fis1 −3 Friedensglocke
Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen. (Matthäus 5, 9)
6 Benedictus ~ 1.060 710 g1 −1 Segnungsglocke
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. (Matthäus 5,7)
7 Sanctus ~ 965 545 a1 −1 Trauglocke
Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. (Matthäus 5, 8)
8 Agnus Dei ~ 880 420 h1 −1 Taufglocke
Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! (Johannes 20, 29)

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das historische Hufeisen

Varia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • An der südlichen Außenseite des Chores befindet sich in einer Nische ein leicht überdimensioniertes Hufeisen. Seine Herkunft ist ungeklärt. Deshalb ranken sich Sagen darum. Eine schreibt es dem Pferd des heiligen Georg zu, das es beim Kampfe Georgs mit dem Drachen verloren habe. Eine andere bringt es mit dem Tode des Landgrafen Diezmann 1307 in Leipzig in Verbindung, dessen Pferd bei einer Verfolgung durch die Stadt ein Hufeisen verlor, das bis in die Nikolaikirche geschleudert worden sei.[31][32]
Wichtig war das Hufeisen, in welchem ein ehemaliges Zunftzeichen eines Leipziger Schmiedemeisters vermutet werden kann, für wandernde Handwerksgesellen, die mit der genauen Kenntnis der Lage dieses Wahrzeichens der Stadt nachweisen konnten, in Leipzig gewesen zu sein.[33]
  • Mit den Geschehnissen um die Nikolaikirche von 1987 bis 1989 setzt sich der Schriftsteller Erich Loest in seinem 1995 erschienenen Roman Nikolaikirche auseinander.[34] Das Buch wurde auch 1995 verfilmt.
  • Ein etwas anderes Bild aus Sicht jugendlicher Oppositioneller zeichnet der Schriftsteller Martin Jankowski, der jahrelang selbst die Friedensgebete mitgestaltete, in seinem Roman Rabet oder Das Verschwinden einer Himmelsrichtung.[35]
  • Die Heilig-Kreuz-Kirche im Leipziger Stadtteil Neustadt ist neben der Nikolaikirche das zweite Gotteshaus der Kirchgemeinde St. Nikolai.
  • Sir Colin Mawby komponierte in Erinnerung an Pfarrer Christian Führer das Oratorium Ecce homo, welches unter Leitung von Frank Steffen Elster (Gewandhaus zu Leipzig) am 26. Mai 2016 mit über 200 Mitwirkenden in der Nikolaikirche uraufgeführt wurde. Es ist „Allen Frauen, Männern und Kindern gewidmet, die versuchen, der inneren Stimme ihres Gewissens trotz Gefahr, Verfolgung und Angst zu folgen – wie die Demonstrierenden der Friedlichen Revolution am 9. Oktober 1989 in Leipzig“.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cornelius Gurlitt: Nikolaikirche. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 17. Heft: Stadt Leipzig (I. Theil). C. C. Meinhold, Dresden 1895, S. 3.
  • Heinrich Magirius: Nikolaikirche Leipzig. (= Kleiner Kunstführer. 1870). Schnell & Steiner, München 1991.
  • Karl Czok: Die Nikolaikirche Leipzig. Edition Leipzig 1992, ISBN 3-361-00390-3.
  • Heinrich Magirius: Die Umgestaltung des Innenraums der Nikolaikirche zu Leipzig durch Johann Carl Friedrich Dauthe 1784 bis 1797. In: Gebaute Vergangenheit heute – Berichte aus der Denkmalpflege. Berlin/ München 1993, ISBN 3-345-00530-1, S. 121–152.
  • Christian Dietrich, Uwe Schwabe (Hrsg.): Freunde und Feinde. Friedensgebete in Leipzig zwischen 1981 und dem 9. Oktober 1989. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 1994.
  • Reinhard Wegner: Gotik und Exotik im Zeitalter der Aufklärung. Der Umbau der Nikolaikirche in Leipzig. In: Deutsche Baukunst um 1800. Böhlau, Köln u. a. 2000, S. 53–63.
  • Martin Jankowski: Der Tag, der Deutschland veränderte – 9. Oktober 1989. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2007, ISBN 978-3-374-02506-0.
  • Armin Kohnle (Hrsg.): St. Nikolai zu Leipzig. 850 Jahre Kirche in der Stadt. Imhof, Petersberg 2015, ISBN 978-3-86568-857-6.
  • St. Nikolai zu Leipzig. 850 Jahre Kirche in der Stadt. Imhof, Petersberg 2015, ISBN 978-3-86568-857-6. (Rezension:[36].)
  • Alberto Schwarz: Das Alte Leipzig – Stadtbild und Architektur. Beucha 2018, ISBN 978-3-86729-226-9, S. 85–86.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nikolaikirche (Leipzig) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nikolaikirche Leipzig: Kurze Baugeschichte, abgerufen am 6. Mai 2017.
  2. Go Vista City Guide Leipzig. Vista Point Verlag, Köln 2005, ISBN 3-88973-646-7, S. 12–13.
  3. Religion im Herzen der Stadt – Die Nikolaikirche in Leipzig. (PDF) Abgerufen am 23. Januar 2019.
  4. Christoph Wolff, Markus Zepf: Die Orgeln J. S. Bachs. Ein Handbuch. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2006, ISBN 3-374-02407-6, S. 68.
  5. Informationen zur Orgel
  6. Ulrich Dähnert: Historische Orgeln in Sachsen. Ein Orgelinventar. VEB Deutscher Verlag für Musik, Frankfurt 1980, ISBN 3-920112-76-8, S. 182.
  7. Informationen zur Disposition der Ladegast-Orgel
  8. a b c E-Mail von Jiri Kocourek (Künstlerischer Leiter der Fa. Eule-Orgelbau) an den Autor
  9. nikolaikirche.de
  10. Radiosendung „Orgelmagazin : Friedrich Ladegast zum 200. Geburtstag (4). Die große Orgel der Leipziger Nikoilaikirche (1862) – rekonstruiert und erweitert durch die Firma Hermann Eule Bautzen (2003) Gespräch mit Jiri Kocourek (künstlerischer Leiter der Firma Eule)“. MDR Kultur, 18. März 2018.
  11. Nähere Informationen zur Geschichte und Disposition der Orgel der Nikolaikirche auf der Webseite der Firma Eule.
  12. Greystyle.com – Graphic & Webdesign: Evangelische Kirchengemeinde Naumburg/Saale. Abgerufen am 4. September 2018.
  13. Hermann Eule Orgelbau Bautzen
  14. Bernhard Steif: Verabschiedung von Kantor Jürgen Wolf. In: Gemeindeblatt März–April 2019. der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde St. Nikolai, Leipzig, März 2019, S. 4.
  15. Peter Schwarz: Das tausendjährige Leipzig. Von den Anfängen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. 1. Auflage. Band 1. Pro Leipzig, Leipzig 2014, ISBN 978-3-945027-04-2, S. 153.
  16. https://www.mdr.de/entdecke/edo-nikolaikirche100.html
  17. Informationstafel mit Foto der im Pflaster steckenden Osanna, war in den 1980er Jahren in der Nikolaikirche aufgestellt.
  18. a b Ausführliche Schilderung der Glockengeschichte auf der Webseite der Nikolaigemeinde: https://www.nikolaikirche.de/newsletter/geschichten-der-glocken/
  19. Friedemann Szymanowski: Die Glocken der Nikolaikirche – Geschichte und Geschichten. In: www.nikolaikirche.de, Online-Portal. 6. Mai 2018, abgerufen am 13. Mai 2018.
  20. Osanna und ihre fünf „Schwestern“ – Probeläuten: So klingen die neuen Glocken in der Leipziger Nikolaikirche. In: Leipziger Volkszeitung. 1. Oktober 2019, abgerufen am 3. Oktober 2019: „Zunächst war es ein warmer Bass-Ton, der am Dienstag über der Leipziger City schwebte. Dann kamen sieben höhere Töne hinzu. In der Nikolaikirche findet in diesen Tagen die Intonation des neuen achtstimmigen Geläuts statt. Erstmals zu hören ist dabei auch die Osanna, die neue größte Kirchenglocke der Stadt.“
  21. Christian Hans Schulz: Der Klang der Freiheit – Neue Glocken für St. Nikolai (Dokumentarfilm, 45 Minuten). Mitteldeutscher Rundfunk, Online-Portal, 5. Oktober 2019. Abgerufen am 5. Oktober 2019.
  22. Spendenaufruf: Aus 1 mach 3. In: www.nikolaikirche.de, Online-Portal. 6. Mai 2018, abgerufen am 13. Mai 2018.
  23. Susan Künzel: Nomen est omen – Die Glocken für die Nikolaikirche haben Namen. In: www.nikolaikirche.de, Online-Portal. 6. Mai 2018, abgerufen am 13. Mai 2018.
  24. Informationen zu den Glocken der Nikolaikirche und zu Plänen für ein aktualisiertes Geläut, Leipziger Volkszeitung; abgerufen am 17. April 2017.
  25. BACHERT. Abgerufen am 22. Juni 2019.
  26. a b c https://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Leipziger-Nikolaikirche-weiht-sechs-neue-Glocken-auf-einmal
  27. Ingrid Hildebrandt und Mark Daniel: Feierlicher Akt: Neue Glocken für Leipziger Nikolaikirche – Osanna am Sonntag eingehoben. In: Leipziger Volkszeitung, Online-Portal. 30. Juni 2019, abgerufen am 1. Juli 2019.
  28. Dominic Welters: Neues Super-Geläut für St. Nikolai: Die Finanzierung steht. In: Leipziger Volkszeitung, Online-Portal. 21. Januar 2019, abgerufen am 3. März 2019.
  29. dpa: Neue Glocken für Nikolaikirche in Leipzig. In: www.nikolaikirche.de, Online-Portal. 8. Januar 2019, abgerufen am 3. März 2019.
  30. Leipziger Nikolaikirche – drei Glocken gehoben, fünf gegossen. Abgerufen am 3. Oktober 2019.
  31. Wilhelm Schäfer: Das Hufeisen an der Nikolaikirche. In: Deutsche Städtewahrzeichen: Ihre Entstehung, Geschichte u. Deutung. Band 1, Verlagsbuchhandlung J. J. Weber, Leipzig 1858, S. 18–24 (Digitalisat des Buches)
  32. Johann Georg Theodor Grässe: Das Hufeisen an der Nicolaikirche zu Leipzig. (Wikisource)
  33. Claus Uhlrich: Der Marienborn und andere Geschichten aus dem alten Leipzig. ProLeipzig, 2001, ISBN 3-9807201-8-7, S. 67.
  34. Erich Loest: Nikolaikirche. Dt. Taschenbuch-Verlag, München 1997, ISBN 3-423-12448-2.
  35. Martin Jankowski: Rabet oder Das Verschwinden einer Himmelsrichtung. via verbis München 1999, ISBN 3-933902-03-7.
  36. Burkhard Kunkel: Rezension über: St. Nikolai zu Leipzig. 850 Jahre Kirche in der Stadt, Petersberg 2015. In: Neues Archiv für sächsische Geschichte. Nr. 86/15. Neustadt a. d. Aisch 2015, S. 340–342.

Koordinaten: 51° 20′ 25″ N, 12° 22′ 42,8″ O