Nikolaus Gelpke

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Nikolaus K. Gelpke [1] (* 3. Oktober 1962 in Zürich [2]) ist ein Schweizer Meeresbiologe und Verleger. Er ist Herausgeber und Chefredaktor der Zeitschrift mare in Hamburg.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gelpke ist ein Sohn neben zwei weiteren Geschwistern des Basler Architekten und Städteplaners Wendel(in)[3] Gelpke[4] und dessen Frau Christa, geborene Engelhorn,[5] einer Fotografin, die Porträt- und Reportageaufnahmen für Magazine machte,[6] darunter auch für die Kulturzeitschrift Du.[7] „Die Liebe zur Fotografie, die mare ja auch widerspiegelt, kommt natürlich von der Mutter und von meinen Jahren in der Dunkelkammer.“[8] Die Eltern ließen sich 1965 scheiden, ihr Sohn Nikolaus wuchs bei der Mutter in der Schweiz und später teilweise in Italien beim Vater auf.[9] Mit 15 Jahren machte er seinen ersten Tauchschein.[10] Noch vor dem Abitur machte er „alle Tauchscheine“.[6]

1997 wurde seine Mutter Teilerbin des deutschen Pharmakonzerns Boehringer Mannheim, die ihr Vermögen einer gemeinnützigen Stiftung vermachte.[11]

Nach dem Abitur 1982 lebte er bei Elisabeth Mann Borgese in ihrem Strandhaus 60 Kilometer außerhalb vom kanadischen Küstenort Halifax,[8] wo sie an der Dalhousie University eine Professur für Ocean Policy hatte. Bei seinem ersten Aufenthalt blieb er einige Monate lang und kam „ab da immer wieder, 20 Jahre lang“.[12] Gelpke war tief beeindruckt von ihrem Engagement für ein gerechteres internationales Seerecht,[8] das die Souveränität der Staaten in der Dritten Welt gestärkt hatte.[13] Seine „strenge Mentorin“[14] wurde für ihn „wie eine zweite Mutter“.[15] Elisabeth Mann Borgese machte ihn mehreren international bekannten Persönlichkeiten bekannt, u. a. vermittelte sie ihn mit Jacques Piccard und durfte später als zweiter Steuermann in einem seiner U-Boote fahren.[6] Auf ihre Anregung hin studierte er ab 1984 Meeresbiologie und internationales Seerecht an der Universität Kiel und schloss mit dem Diplom als Meeresbiologe ab.[14] Gelpke sagt über seine Mentorin: „Ich habe ihr eigentlich alles zu verdanken, was ich heute habe und mache und eben auch die ganzen Möglichkeiten, die ich heute habe.“[8]

Jacques Piccards Tauchboot F.-A. Forel, mit dem Gelpke tauchte.

Er war Berufstaucher bei einer kanadischen Austernfarm, Forschungstaucher für die Universität Zürich und Greenpeace sowie in Jacques Piccards Mini-Tauchboot F.-A. Forel.[9] Drei Jahre lang schrieb Gelpke eine Dissertation über den Einfluss von Licht auf die Verfügbarkeit von Eisen für Phytoplankton, die er auch abgab, doch das Rigorosum, die letzte Prüfung, machte er nicht mehr.

Gelpke hat zwei Kinder, ist verheiratet und lebt in Hamburg.

Mare[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Mare (Zeitschrift)

Parallel dazu hatte er begonnen, die Publikation der Zeitschrift Mare vorzubereiten. Als Auslöser dazu gibt er die Lektüre des Inhaltsverzeichnisses des Hamburger Magazins Der Spiegel im Jahr 1994 an. Dessen Einteilung der Welt durch subjektiv gewählte Rubriken[14] und der gleichzeitige Anspruch auf Vollständigkeit forderte ihn heraus, dasselbe auch mit dem unerschöpflichen Thema Meer zu versuchen.[6] Seiner Erinnerung nach wurde ihm die thematische Vielfalt der Meere erstmals schlagartig bewusst mit dem Umkippen der überladenen Bücherregale von Elisabeth Mann Borgese, die er daraufhin sichtete und neu einsortierte. „Ich musste sie komplett neu ordnen. Ein System finden für diese Riesensammlung. Fast alle Bücher handelten vom Meer.“[6]

Seit April 1997 gibt er die Zeitschrift Mare heraus. Dazu gründete er 1995 in Kiel den Dreiviertel Verlag („weil dreiviertel der Erdoberfläche von Wasser bedeckt sind“)[16] und verlegte mit dem Erscheinen des ersten Heftes den Redaktionssitz in das Hamburger Zollfreigebiet. Die Ästhetik von mare beschreibt er als die „klassische Magnum-Fotografie“ – „einer Fotografie, in der man Bilder nicht beschneidet, spiegelt oder sonst wie manipuliert.“[7] 2001 gründete er mit Nikolaus Hansen den marebuchverlag, bei dessen Ausgaben er einen ebenso großen Wert auf eine ästhetisch anspruchsvolle Ausstattung legt. Nach dem Ausscheiden von Hansen 2007 wurden beide Verlage 2008 zum Mare Verlag mit Sitz in der Speicherstadt Hamburg vereint. 2001 rief Gelpke die Dokumentationsreihe mareTV im Norddeutschen Rundfunk ins Leben.

Weitere Unternehmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2012 betreibt Gelpke in Hamburg eine Trattoria, die sein Stammlokal war, und daneben seit 2014 ein Feinkostgeschäft.[17] Seit 1972 führen Gelpkes Vater und die Familie Goldschmidt seiner Tante Katerina einen Hof mit 140 Hektar in der Toskana, die Fattoria Corzano e Paterno, und produzieren dort „exzellenten“[18] Wein, Olivenöl und Schafskäse.[3] Viele Produkte für die Gaststätte und das Ladengeschäft bezieht er von dem toskanischen Familienhof.

Im Dezember 2017 kaufte er das 12-Personen-Expeditionsschiff „MS Cape Race“ für Kreuzfahrten in das Polarmeer für Urlaubsgäste.[19]

Soziales Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gelpke engagiert sich im Meeresschutz und ist Präsident zweier von Mann Borgese gegründeter Einrichtungen, dem International Ocean Institute und der Ocean Science and Research Foundation.[20] Er ist Initiator des World Ocean Review, die seit 2010 jährlich gratis erscheint,[21] und gehört dem Beirat der Deutschen Umweltstiftung sowie dem Evaluationsteam des Exzellenzclusters Ozean der Zukunft in Kiel an. Außerdem war er Mitglied der Jury für die Vergabe des Elisabeth-Mann-Borgese-Meerespreises, den die schleswig-holsteinische Landesregierung von 2006 bis 2009 vergab.

Nach dem Tod seines Freundes Roger Willemsen gründete Gelpke 2016 die Roger Willemsen Stiftung [22] und kaufte dessen Haus für diese Stiftung. Bis zu zehn Stipendiaten aus mehreren Kunstbereichen sollen jährlich in der Villa Willemsen schöpferisch tätig werden können. Gelpke war einer der engsten Freunde von Willemsen, der ihm nicht nur bei geschäftlichen Angelegenheiten geholfen hatte.[23] Willemsen sei „zu hundert Prozent“ für sein berufliches und privates Glück verantwortlich gewesen: „Ohne ihn gäbe es diesen Verlag so nicht, und ohne ihn wäre ich nicht so glücklich verheiratet. Er hatte ein unfassbar großes Herz.“[24]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. kressköpfe. Nikolaus K. Gelpke. In: kressreport, aufgerufen am 12. Mai 2018.
  2. Verleger mare Verlag. Gelpke, Nikolaus. In: BR Fernsehen, 25. April 2012.
  3. a b Geschichte. Fattoria Corzano e Paterno. Familien Gelpke und Goldschmidt. In: corzanoepaterno.com, aufgerufen am 10. Mai 2018.
  4. Stefan Keller: «Wüsste man von Anfang an, was auf einen zukommt, liesse man womöglich die Finger davon». In: NZZ, 21. Juli 2001.
  5. Stammbaum Engelhorn: Descendants of Johann Friedrich Engelhorn. In: theengelhornfamily.com, aufgerufen am 20. Mai 2018.
  6. a b c d e Matthias Hannemann: Der Taucher im Speicher. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Juni 2008.
  7. a b Kerstin Zillmer: Magische Momente. Chefredakteur Nikolaus Gelpke spricht über 20 Jahre „mare“. In: Float Magazin, 26. Mai 2017, Interview.
  8. a b c d Nikolaus Gelpke, Verleger, mare Verlag, im Gespräch mit Hans-Jürgen Mende. In: alpha-Forum, Bayerischer Rundfunk, Sendung vom 15. Mai 2012 (PDF; 117 kB).
  9. a b Pressemitteilung: Handout for the press conference with subsequent panel discussion at the launch of the »World Ocean Review«. In: worldoceanreview.com, 18. November 2010, S. 4, (englisch), (PDF; 171 kB).
  10. Luca Aloisi: Ein Zürcher Seebär in Hamburg. In: Zürcher Kantonalbank (Hrsg.): Lebensträume (= Beilage zum Zürcher Wirtschaftmagazin. Nr. 2/2014). S. 4–9, hier S. 9.
  11. Profile Christa Gelpke. In: Forbes, (englisch), aufgerufen am 20. Mai 2018.
  12. Astrid Ebenhoch: Nikolaus Gelpke und Elisabeth Mann Borgese mit ihren Hunden. In: Hounds & People, 19. Dezember 2014, Interview, aufgerufen am 10. Mai 2018.
  13. Sebastian Conradt: Elisabeth Mann Borgese: Ein Leben für die Meere. In: Schweriner Volkszeitung, 21. April 2018.
  14. a b c Hans-Juergen Fink: Nikolaus Gelpke: Der Mann und das „mare“. In: Hamburger Abendblatt, 6. März 2012.
  15. Florian Siebeck: Ein Mann und das Meer. Wie die Liebe zum Meer Nikolaus Gelpke zum Verleger gemacht hat. In: Freunde von Freunden, 1. Februar 2018, abgerufen am 10. Mai 2018 (Fotoreportage).
  16. Oliver Gehrs: Das Tosen der Metaphern. In: taz, 5. April 1997.
  17. Stevan Paul: Lokaltermin Pastalozzi. In: Süddeutsche Zeitung, 31. Juli 2015.
  18. Florian Merkel: Gastro-Test. Das „Pastalozzi“: Ein Italiener unter Portugiesen. In: Hamburger Morgenpost, 28. September 2015.
  19. Expeditionsschiff MS Cape Race. In: polar-kreuzfahrten.de, 2018, aufgerufen am 10. Mai 2018.
  20. Anne Haeming: Immer Lust auf Meer. In: Der Tagesspiegel, 10. April 2007.
  21. World Ocean Review.
  22. Roger Willemsen Stiftung.
  23. Axel Schröder: „Villa Willemsen“ eröffnet. „Die Menschen ermutigen, ihre Kunst zu machen“. In: Deutschlandfunk Kultur, 3. Mai 2018.
  24. Peter Intelmann: „Villa Willemsen“. Das Haus von Roger Willemsen wird zur Künstlervilla. In: HAZ, 3. Mai 2018, mit vielen Fotos.
  25. si: DDC verleiht Grand-Prix für Mare und 14 mal Gold. In: horizont.net, 8. Dezember 2008, aufgerufen am 10. Mai 2018.