Nikolausspiel

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Das Nikolausspiel oder Nikolospiel ist ein Brauch im österreichischen, bayrischen und Südtiroler Alpenland, welcher während der Adventzeit begangen wird. Im Mittelpunkt einer solchen Veranstaltung steht die Figur des heiligen Nikolaus, sowie die des Krampus. Als Volksschauspiel gehört das Nikolausspiel in verschiedenen Orten zu den traditionellen Aufführungen.

Im Rahmen dieser Veranstaltung führt eine Gruppe mehrere Szenen auf, die schließlich mit der Ankunft des Nikolaus ihren Höhepunkt finden. Oftmals finden vor dem Spiel Umzüge durch die Orte statt, und stets sind diese von einer Schar von Krampussen begleitet.

Während der Begriff „Krampusspiel“ für manche ähnliche Veranstaltungen existiert, bezeichnen sich die traditionell gehaltenen Veranstaltungen dieser Art selbst als Nikolausspiele, da die Figur des Nikolaus im Zentrum steht.

Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Nikolausspiel entstand wahrscheinlich aus dem Einkehrbrauch bei Familien mit Kindern, der im Mittelalter betrieben worden war. Hier besuchte ein Bischof oder Vertreter des Bischofs die Familien, um die Kinder über gute Lebensführung zu belehren und sie gegebenenfalls zu belohnen, wenn sie sich an die Regeln gehalten hatten. Erst Ende des 13. Jahrhunderts war der heilige Nikolaus als Schutzpatron der Kinder zur Titelfigur dieses Brauchs geworden.[1]

Spätestens im 16. Jahrhundert, im Laufe der Gegenreformation, dürfte der Nikolaus-Brauch, wie er heutzutage noch betrieben wird, entstanden sein. Als pädagogischer und katechetischer Erzieher setzte sich der Nikolaus endgültig und schriftlich nachgewiesen durch. Diese Spiele stehen in klarer Abgrenzung zu den sogenannten „Mirakelspielen“, welche sich hauptsächlich um das Leben und Wirken des heiligen Nikolaus von Myra drehten. Das Nikolausspiel, wie es heute betrieben wird, hat nicht mehr das Leben des Bischofs Nikolaus zum Inhalt, sondern zeigt in revue-haften Szenen Ausschnitte aus dem Alltagsleben, teilweise sogar mit satirischem Anhauch.[2]

Der typische Ablauf eines Nikolausspiels[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Nikolausspiel ist als Aufführung mit einzelnen, kaum zusammenhängenden Szenen, welche alle durch ein konkretes Auftreten und Abtreten der Figuren markiert sind. Bei den meisten Nikolausspielen lässt sich eine gewisse Abfolge der Szenen erkennen:

Die Ankünder, das sind die "Schab", sowie Einzelpersonen oder Gruppen, die vor dem Auftritt des Nikolaus ihre Szenen aufführen. Manche dieser Szenen stammen wahrscheinlich von anderen Festen, wurden jedoch ins Nikolausspiel integriert.[4] Die Schab selbst sind stumme, in Stroh gekleidete Gestalten, welche den Umzug akustisch durch das Knallen ihrer "Goaßl", der Peitsche, ankündigen. Neben den Schab ist nur der Jäger selbst ein Ankünder, er informiert die Zuschauer über die baldige Ankunft des heiligen Nikolaus.

Dann kehrt der Bischof Nikolaus ein, belehrt die Zuschauer und teilt eventuell Geschenke an die Kinder aus. Auf die Predigt des Nikolaus folgt die Jedermann-Szene. Im Gegensatz zum namensgebenden Stück wird jedoch hier nicht ein reicher, sondern ein armer Mensch vor seinem Tod mit seinen Sündern konfrontiert. Daraufhin treten die Krampusse erstmals auf, angeführt von Luzifer, der ebenfalls in Krampusgestalt dargestellt wird. Eventuell folgen noch Zwischenszenen, und die Krampusse werden auf die Zuschauer losgelassen.

Nachdem sich die „höllischen Wesen“ eine Weile lang austoben durften, werden sie wieder zurückgerufen, und das Nikolausspiel klingt aus. Entweder ist die Veranstaltung endgültig vorbei, oder die Gruppe zieht nur zum nächsten Spielort weiter, an dem sich die Spiel-Prozedur wiederholt.[5]

Das Nikolausspiel als Volksschauspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Brauch des Nikolausspiels zählt zu den Volksschauspielen. Als Volksschauspiel werden Stücke bezeichnet, die von einer bestimmten sozialen Schicht für dieselbe dargestellt werden, ohne den Namen des oder der Verfasser zu nennen. Dieses Volksschauspiel wird als Brauch und Tradition empfunden und mit nicht-illusionsmäßig-theatralischer Aufmachung gespielt.[6]

Mit der nicht-illusionsmäßig-theatralischen Aufmachung ist die Maskierung gemeint, von der im Nikolausspiel Gebrauch gemacht wird. Die Krampusse verstecken ihre Gesichter hinter den meist geschnitzten „Larven“, die Schab sind unter ihren Strohgewändern nicht zu erkennen, und auch der namensgebende Nikolaus ist durch den Bart, der einen Großteil seines Gesichts bedeckt, nur schwer zu identifizieren. Durch das Aufsetzen der Maske wird der Rollenwechsel vom Alltagsbürger zur dargestellten Figur so stark verdeutlicht, dass kein Zweifel an der Gespieltheit dieser Figur besteht. Das ist nicht-illusionsmäßig-theatral.

Wie in der Commedia dell’arte schlüpfen die Darsteller mit dem Aufsetzen ihrer Masken in ihre Rollen – und legen diese auch gemeinsam mit den Masken wieder ab. Und ebenso wie in dieser sind die Zuschauer gleichermaßen Mit-Produzenten der Veranstaltung „Nikolausspiel“.[7] Sie sind es, die vom Nikolaus direkt in seiner Predigt angesprochen werden. Sie sind es, die von den Krampussen geschlagen werden, und sie sind es, die dann wieder erlöst werden und in ihr normales Leben zurückkehren dürfen.

Spielstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Nikolausspiele
  • Hans Schuhladen: Die Nikolausspiele des Alpenraums. Innsbruck, Universitätsverlag Wagner, 1984.
  • Leopold Kretzenbacher: Lebendiges Volksschauspiel in Steiermark, in: Anton Dörrer u. a. (Hrsg.): Österreichische Volkskultur – Forschungen zur Volkskunde – Band 6. Wien, Österreichischer Bundesverlag für Unterricht, Wissenschaft und Kunst, 1955.
  • Katharina Krenn und Wolfgang Otte: ‚Wer’s sehen will, weiß’s eh‘ – Das Tauplitzer Nikolospiel am 5. Dezember, in: Eva Kreissl (Hrsg.): Die Macht der Maske. Weitra, publication PN°1, Bibliothek der Provinz, 2007.
Über (Volks-)Schauspiel
  • Gerda Baumbach: Schauspieler – Historische Anthropologie des Akteurs – Band 1 – Schauspielstile. Köthen, Leipziger Universitätsverlag, 2012.
  • Karl Konrad Polheim: Über die Wesensgleichheit von mittelalterlichem Schauspiel und neuzeitlichem Volksschauspiel, in: Ulrich Mehler und Anton H. Touber (Hrsg.): Festschrift für Hansjürgen Linke zum 65. Geburtstag. Amsterdam, Atlanta-Verlag, 1994.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Schuhladen: Die Nikolausspiele des Alpenraums, Innsbruck, Universitätsverlag Wagner, 1984, S. 215 f.
  2. Hans Schuhladen: Die Nikolausspiele des Alpenraums, S. 230–233.
  3. Hans Schuhladen: Die Nikolausspiele des Alpenraums, S. 28 f.
  4. Katharina Krenn und Wolfgang Otte: ‚Wer’s sehen will, weiß’s eh‘ – Das Tauplitzer Nikolospiel am 5. Dezember, in: Eva Kreissl (Hrsg.): Die Macht der Maske, Weitra, publication PN°1 Bibliothek der Provinz, 2007, S. 137–140.
  5. Katharina Krenn und Wolfgang Otte: ‚Wer’s sehen will, weiß’s eh‘, S. 139–149.
  6. Karl Konrad Polheim: Über die Wesensgleichheit von mittelalterlichem Schauspiel und neuzeitlichem Volksschauspiel, in: Ulrich Mehler und Anton H. Touber (Hrsg.): Festschrift für Hansjürgen Linke zum 65. Geburtstag, Amsterdam, Atlanta-Verlag, 1994, S. 266.
  7. Gerda Baumbach: Schauspieler – Historische Anthropologie des Akteurs – Band 1 – Schauspielstile, Köthen, Leipziger Universitätsverlag, 2012, S. 251, S. 257.