Nils Holgerssons wunderbare Reise (Film)

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Filmdaten
OriginaltitelNils Holgerssons wunderbare Reise
ProduktionslandDeutschland/Schweden
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2011
Länge230 Minuten
AltersfreigabeFSK ohne
Stab
RegieDirk Regel
DrehbuchDavid Ungureit, Gerd Lurz, Meibrit Ahrens, Martina Müller
ProduktionClaudia Schröder
MusikStefan Hansen
KameraPhilipp Timme, Alex Lindén
SchnittFriederike Weymar, Sebastian Lipp
Besetzung

Menschliche Rollen

Tierstimmen

Nils Holgerssons wunderbare Reise ist ein deutsch-schwedischer Fernsehfilm von 2011. Der ursprünglich als Vierteiler konzipierte Film wurde am 25. und 26. Dezember 2011 in der ARD als Zweiteiler erstausgestrahlt. Ab Mitte April 2012 und am 27. und 28. Dezember 2015 bei rbb wurde der Film als Vierteiler wiederholt. Der Film basiert frei auf dem Roman Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen der schwedischen Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Selma Lagerlöf.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teil eins „Der Aufbruch“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nils lebt auf einem Bauernhof und hat den Ruf, ein Taugenichts zu sein, da er Aufgaben nur widerwillig oder unzureichend erfüllt. Tieren gegenüber ist er nicht sehr freundlich. Als eine Milchlieferung misslingt, darf Nils nicht mit zu einer Familienfeier fahren. Er muss zuhause bleiben und die Tiere hüten. Åsa, die Tochter des Apothekers, ist Nils' einzige Freundin. Sie kommt ihn besuchen und die beiden gehen fischen.

Nach einem Streit mit Åsa kehrt Nils auf den Bauernhof zurück. Er bemerkt, dass der Fuchs Smirre eine Gans gerissen hat, und fährt verbotenerweise mit dem Traktor. Dabei zerstört er einen Zaun und begegnet dem Hofkobold. Nils fängt den Kobold und verlangt von ihm, die tote Gans wieder herbeizuzaubern. Darüber ärgert dieser sich so sehr, dass er Nils in einen kleinen Wichtel verzaubert. Plötzlich versteht er die Sprache der Tiere. Er hört, wie sich die Wildgänse unterhalten und die letzte verbliebene Gans namens Martin mit ihnen nach Lappland fliegen will. Bei dem Versuch, Martin aufzuhalten, wird Nils mit in die Luft gehoben, und die beiden schließen sich den Wildgänsen mit ihrer Leitgans Akka an. Der Kobold möchte Nils wieder zurückverwandeln, da er keine Menschen verzaubern darf, aber Nils befindet sich schon außer Reichweite für seine Zauberkräfte.

Während Nils und Martin mit den Gänsen fliegen, macht sich Åsa auf die Suche nach Nils. Auch der Fuchs Smirre verfolgt die Gruppe. Nils lernt, Verantwortung zu übernehmen und rettet einen kleinen Jungen vor dem Ertrinken, indem er in seiner Wichtelgestalt dessen Mutter sagt, wo der Junge zu finden sei. Åsa kommt währenddessen Nils und der Gruppe immer näher. Bei einer Begegnung der Gänse mit Smirre verrät der Fuchs, dass Nils die Gruppe in einer Notsituation verraten habe, um sich selbst zu retten.

Teil zwei „Die Bewährung“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nils gibt seinen Verrat der Gänse an den Fuchs Smirre zu, was bei diesen zu Überlegungen führt, Nils an Smirre auszuliefern und somit in Zukunft von diesem unbehelligt zu bleiben. Akka spricht sich dagegen aus, setzt sich durch und die Gänse fliehen mit Nils. Wegen eines heftigen Sturms werden sie gezwungen, nach Gotland zu fliegen. Dort entdeckt Martin die Gans Daunenfein, die verletzt ist. Nils kann den Flügel wieder einrenken und Martin verliebt sich in sie. Während Åsa weiter nach Norden reist, wird Nils von zwei Landstreichern gefangen und an einen Zirkus verkauft. Die Gänse suchen überall nach Nils und Smirre erzählt ihnen, dass er Nils gefressen habe. Traurig fliegen die Gänse weiter nach Lappland.

Im Zirkus soll Nils den Adler Gorgo ersetzen, der bisher die Attraktion war, aber seit einiger Zeit zu lustlos zum Fliegen ist. Als sich die beiden unterhalten, erzählt Gorgo, dass er vor langer Zeit von Akka aufgezogen wurde, bis sie sich gestritten hatten. Ein Zirkusmitarbeiter ermöglicht Nils und Gorgo die Flucht, und sie fliegen nach Lappland, wo sie die anderen Gänse wiedertreffen. Diese brüten bereits und auch Martin und Daunenfein erwarten Nachwuchs. Åsa ist auch in Lappland angekommen und wohnt bei einer kleinen Gruppe Lappen. Nils entdeckt Åsa und beobachtet sie aus einiger Entfernung, traut sich aber noch nicht, sich zu erkennen zu geben. Durch kleine Zeichen gibt er Åsa aber das Gefühl, dass er da ist. Der Rabe Bataki teilt Nils mit, dass es die Möglichkeit gibt, wieder zurückverwandelt zu werden. Dazu müsse er allerdings zur Tagundnachtgleiche gemeinsam mit Martin auf den Holgersson-Hof sein. Als Nils Martin dies erzählt, zerstreuen sich all seine Hoffnungen, denn Martin will nicht zurück. Tief enttäuscht gibt sich Nils Åsa zu erkennen, die ihm sagt, dass sie ihn sehr mag. Da Nils nicht als Wichtel nach Hause möchte, muss Åsa allein zurückreisen.

Die Gänse haben ihre Jungen aufgezogen (Nils betreut einen Gänsejungen, der ihn als erstes nach dem Schlüpfen gesehen hat) und rüsten zum Rückflug. Doch Smirre holt sich noch ein Junges von Martin. Trotzdem brechen die Gänse mit Nils auf, da sie nicht warten können. Nils schwört, Smirre unschädlich zu machen. Bei einer Rast gelingt es Nils, Martin und einem Hund, den Fuchs an einer Hundehütte anzuketten. Nils lernt noch Selma Lagerlöf kennen, der er seine ganze Geschichte erzählt.

Dem Kobold auf dem Bauernhof von Nils' Eltern geht langsam die Zeit aus, und es droht ihm der Verlust seiner Zauberkraft durch die Kobold-Innung. Kurz vor dem Ziel beschließt Martin doch noch, Nils nach Hause zu bringen und seiner neuen Familie den Hof zu zeigen. Nils' Vater fängt Martin und will ihn schlachten. Im letzten Moment kann der Kobold den Zauber aufheben und Nils kann die Schlachtung gerade noch verhindern. Die Eltern sind glücklich darüber, dass Nils wieder zu Hause ist. Schweren Herzens verabschiedet er sich von den Gänsen und bemerkt, dass er ihre Sprache nicht mehr verstehen kann. Åsa erscheint und beide sind glücklich wieder vereint.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film weist viele inhaltliche Unterschiede und Ergänzungen zur originalen Romanvorlage von Selma Lagerlöf auf, behält jedoch Nils' Verzauberung und seinen anschließenden Aufbruch mit den Gänsen bei, samt den Gründen hierfür, und behält auch Nils' wichtigste Abenteuer auf der Reise und deren Ausgang in ungefähr bei. Die Handlung des Films orientiert sich also nur an den wesentlichen Handlungssträngen des Romans. Auch die zahlreichen Romankapitel zur schwedischen Landeskunde, die wenig mit Nils Holgersson und den Gänsen zu tun hatten, wurden weggelassen. Zudem wurde einige moderne Handlungselemente hinzugefügt. Anders als der Roman, spielt die Verfilmung chronologisch offenbar auch nicht zur Zeit der Industrialisierung von Schweden, in der das Land mit dem Bau von mit Dampfmaschinen betriebenen Fabriken erschlossen wird, sondern Jahrzehnte später. Von seiner Ausstattung her, könnte die Handlung des Films zunächst in der Zeit der 1920er- bis 1950er-Jahre angesiedelt sein, doch auf Grund unterschiedlicher Modernisierungen finden Bezüge bis in die Gegenwart statt, so dass die Geschichte offensichtlich im Jahr 2011 spielt, dem Entstehungsjahr des Films. Im ersten Teil des Film erschnüffelt zudem der Fuchs Smirre die Hausgans Martin und stellt auf Grund des Geruchs deren Geburtsjahrgang 2009 fest. Zu den Modernisierungen gehören auch das Auftauchen von Traktoren, einem Vertreter einer Kobold-Innung (KI), Busfahren und eine Nachrichtenübertragung via „Unternet“. Dabei werden die Nachrichten durch Maulwürfe übermittelt, die auch nach einer Empfangsbestätigung fragen. Auch fehlen einige Charaktere aus dem Buch, wie der Storch Ermenrich, der Kranich Trianut oder die böse Krähe Wind-Eile und seine Gattin Wind-Kora. Und vor allem ist Åsa im Film nicht mehr die schicksalsgeplagte Halbwaise, die ganz Schweden durchquert, um ihren weggegangenen Vater wiederzugewinnen – sondern die wohlbehütete Tochter aus gutem Haus, die nach dem rätselhaften Verschwinden ihres ärmeren Freundes Nils ebenfalls durchbrennt, um ihn zu suchen.

Die Autorin Selma Lagerlöf fungiert als Erzählerin, der Nils Holgersson von seiner Reise berichtet. Daraufhin bittet sie ihn, dass sie seine Geschichte für ein Buch verwenden dürfe und bringt ihn und die Gänse mit einer Kutsche von einem Ort zum anderen.

Die Dreharbeiten fanden im Frühjahr 2011 größtenteils in Trollhättan und Lappland statt.

Im Film tauchen verschiedene Gänsearten auf, Martin ist eine Hausgans, Akka eine Kanadagans, Daunenfein eine Streifengans und die meisten anderen Gänse sind Graugänse.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„… So ist ein netter Film geworden, was das Zeug zum großen gehabt hätte, wenn man sich nur die eine oder andere Anbiederei an vermeintliche Rezeptionsmuster gespart hätte. Vielleicht aber erwächst daraus ein neues Interesse am Werk Selma Lagerlöfs. Und jemand nimmt sich einmal Selma Lagerlöfs herrlichem „Gösta Berling“ an, der wie die Begegnung zwischen Dichterin und Wichtel am Frykensee spielt und die lokalen Mythen in den Roman einer Landschaft überführt, wie man nicht leicht einen zweiten findet. Es wäre die Mühe wert.“

faz.net[1]

„… Ein bezauberndes und witziges Update für eine neue Generation Holgersson-Fans … überzeugende Darsteller, tolle Dressuren“

TV-Spielfilm[2]

„… Und der (Ansatz) ist auch heute, im Zeitalter hektischer Psychologisierung und melodramatischer Reizüberflutung, äußerst modern: Nils Holgersson bestärkt voller erzieherischem Optimismus den Mut junger Menschen, der Natur beim Erwachsenwerden zu vertrauen. Das braucht längeren Atem, als ihn die übliche TV-Schnipselwelt zur Verfügung stellt.“

spiegel.de[3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Seen und Wälder, sie rauschen vorbei auf faz.net v. 23. Dezember 2011.
  2. TVSpielfilm, Ausgabe 26/11, S. 118 und 129.
  3. Gans oder gar nicht auf Spiegel-Online-Kultur v. 24. Dezember 2011.