Nina Simone

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ron Kroon: Nina Simone (1965)
Nina Simone bei einem Konzert 1982 in Frankreich

Nina Simone (bürgerlich Eunice Kathleen Waymon; * 21. Februar 1933 in Tryon (North Carolina), USA; † 21. April 2003 in Carry-le-Rouet, Frankreich) war eine US-amerikanische Jazz- und Bluessängerin, Pianistin und Songschreiberin. Dabei vermied sie den Ausdruck Jazz, sie selbst nannte ihre Musik Black Classical Music. Sie nannte sich mit Nachnamen Simone, da sie ein Fan von Simone Signoret war.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nina Simone war das sechste von acht Kindern einer Methodistenpredigerin und eines Handwerkers. Bereits im Alter von vier Jahren begann sie mit dem Klavierspielen. Nach einem Studium an der renommierten Juilliard School in New York City wollte sie ihre Ausbildung in Philadelphia am Curtis Institute of Music abschließen, wurde jedoch aus rassistischen Gründen nicht zugelassen. Über einen Job als Klavierlehrerin kam Nina Simone zum Gesang, wobei sie von Anfang an eigene Stücke improvisierte. Ihr Gesangs- und Klavierstil war von Nellie Lutcher beeinflusst, deren Karriere ungefähr zu der Zeit endete, als Nina Simone bekannt wurde.[1]

1957 veröffentlichte sie in New York ihr erstes Album auf Bethlehem Records, ein Konzert 1959 in der New York City Town Hall machte sie in den USA und in Europa bekannt. Von ihren Fans wurde sie ehrfürchtig als „Hohepriesterin des Soul“ bezeichnet. In den 1960er Jahren engagierte sie sich in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, mit Liedern wie Mississippi Goddam und To Be Young, Gifted, and Black (Liedtext von Weldon Irvine) wurde sie eine ihrer musikalischen Leitfiguren. 1962 brachte sie ihre Tochter Lisa Celeste Stroud zur Welt, die unter dem Künstlernamen Lisa Simone als Sängerin bekannt wurde.

Ihr privates Leben zerbrach aber Stück um Stück: Sie floh aus ihren Ehen, hatte eine Affäre mit dem Premierminister von Barbados (Errol Barrow), suchte aufgrund einer Empfehlung von Miriam Makeba ihre Bestimmung in Afrika, unternahm Europatourneen, die sie ihrem politischen Kampf in den USA entfremdeten und galt in der Plattenindustrie zunehmend als schwierig. Ihr Album Baltimore (1978) wurde von der Kritik gelobt, verkaufte sich aber zunächst schlecht. In den 1980ern trat sie regelmäßig im Jazzclub von Ronnie Scott in London auf (und nahm dort auch ein Album auf). Ihre Autobiografie I Put a Spell on You erschien 1992, ihr letztes reguläres Album 1993. Im gleichen Jahr zog sie nach Südfrankreich, wo sie zehn Jahre lebte und 2003 nach langem Krebsleiden starb.

Ihre Musik in der Populärkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Titel Ain't Got No / I Got Life von ihrem 1968er Album ’Nuff Said! ist ein Medley aus zwei Songs aus dem Musical Hair. Einem größeren Publikum bekannt wurde sie vor allem durch ihren Song My Baby Just Cares for Me, der 1987 dank eines Chanel-Werbespots, 30 Jahre nach der Aufnahme des Stücks, ein Welthit wurde. An den Verkaufserlösen war sie nur minimal beteiligt. 1993 kam der Film Codename: Nina mit Bridget Fonda in der Hauptrolle in die Kinos – mit einem Soundtrack, der teilweise aus Musik von Nina Simone bestand. In dem 1999er Remake von Thomas Crown ist nicht zu fassen mit Pierce Brosnan und Rene Russo taucht das Intro ihrer Version des Gospels Sinnerman immer wieder auf, um schließlich den Höhepunkt des Films mit ihrem unverwechselbaren Gesang zu unterlegen. [2] 2009 nutzte Pandemic Studios Simones Version des Lieds Feeling Good sowie eine Remix-Version als musikalische Untermalung des im Paris des Zweiten Weltkriegs spielenden Computerspiels Saboteur.[3] Dieser Song wurde auch als Sample für New Day von Kanye West und Jay Z auf deren Kollaborationsalbum Watch the Throne verwendet.

Der Rolling Stone listete Simone 2008 auf Rang 29 der 100 besten Sänger aller Zeiten.[4]

Im Dezember 2017 wurde Simone mit der Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame geehrt. Die offizielle Veranstaltung wird voraussichtlich am 14. April 2018 stattfinden.[5]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2015 wurde der Dokumentarfilm What Happened, Miss Simone? veröffentlicht, der sich mit ihrem Leben beschäftigt. Der Spielfilm Nina (Veröffentlichung April 2016) schildert Simones Leben. Im Vorfeld der Verfilmung gab es Diskussionen, ob die Hauptdarstellerin Zoe Saldana als Amerikanerin mit dominikanischen Wurzeln für die Verkörperung der Afroamerikanerin Nina Simone geeignet sei.[6]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Nina Simone/Diskografie

Studioalben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[7] Anmerkungen
DeutschlandDeutschland DE OsterreichÖsterreich AT SchweizSchweiz CH Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich UK Vereinigte StaatenVereinigte Staaten US
1965 Pastel Blues 139 Erstveröffentlichung: 1965
I Put a Spell on You 18
(3 Wo.)
99 Erstveröffentlichung: Juni 1965
1966 Wild Is the Wind 110 Erstveröffentlichung: 1966
1967 Silk & Soul 158 Erstveröffentlichung: Oktober 1967
1969 ’Nuff Said! 11
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: Februar 1968
teilweise Live-/Studioalbum
1971 Here Comes the Sun 190 Erstveröffentlichung: 1971
1987 My Baby Just Cares for Me 46
(4 Wo.)
4
(12 Wo.)
21
(4 Wo.)
56 Gold
(8 Wo.)
Neuauflage
Erstveröffentlichung: 24. Juni 1958 als Little Girl Blue, später auch Jazz as Played in an Exclusive Side Street Club

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nina Simone, Stephen Cleary: I Put a Spell on You. The Autobiography of Nina Simone. Ebury Press, London 1991, ISBN 0-85223-895-9 (In deutscher Sprache: Meine schwarze Seele. Erinnerungen. Aus dem Amerikanischen von Brigitte Jakobeit. Hoffmann und Campe, Hamburg 1993, ISBN 3-455-08481-8).
  • Nadine Cohodas: Princess Noire. The tumultuous reign of Nina Simone. Pantheon Books, New York NY 2010, ISBN 978-0-375-42401-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nina Simone – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Independent: Obituaries: Nellie Lutcher. 11. Juni 2007. Archiviert vom Original am 6. August 2011; abgerufen am 26. Mai 2013.
  2. Auch der 2004 erschienene Film Final Call – Wenn er auflegt, muss sie sterben sowie die Neuverfilmung der Actionserie Miami Vice von 2006 hatten eine Variante von Simones Sinnerman als Titelsong. In der BBC-Serie Sherlock war in der dritten Folge der zweiten Staffel („Sherlock – Der Reichenbachfall“) ebenfalls ihre Version von Sinnerman zu hören.
  3. Videogamer.com: The Saboteur Review. 3. Dezember 2009; abgerufen am 6. November 2010.
  4. 100 Greatest Singers of All Time. Rolling Stone, 2. Dezember 2010; abgerufen am 9. August 2017 (englisch).
  5. Your official Rock Hall class of 2018 roster. Website der Hall of Fame, abgerufen am 14. Dezember 2017 (englisch)
  6. Zoë Saldanas umstrittene Rolle in Spiegel Online, abgerufen am 4. März 2016
  7. Chartquellen: DE AT CH UK US US 2