Ninozminda

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Ninozminda
ნინოწმინდა
Flagge
Flagge
Staat: GeorgienGeorgien Georgien
Region: Samzche-Dschawachetien
Munizipalität: Ninozminda
Koordinaten: 41° 16′ N, 43° 35′ O41.26666666666743.58751930Koordinaten: 41° 16′ N, 43° 35′ O
Höhe: 1.930 m. ü. M.
 
Einwohner: 6.100 (2009)
 
Zeitzone: Georgian Time (UTC+4)
 
Gemeindeart: Stadt
Ninozminda (Georgien)
Ninozminda
Ninozminda
In der Umgebung von Ninozminda

Ninozminda (georgisch ნინოწმინდა, armenisch Նինոծմինդա; russisch Ниноцминда) ist eine Stadt im Süden Georgiens, in der Region Samzche-Dschawachetien.

Sie ist Verwaltungssitz der gleichnamigen Munizipalität Ninozminda und hat etwa 6100 Einwohner (2009).[1] Knapp 96 % der Einwohner der Munizipalität sind Armenier, nur 1,4 % sind ethnische Georgier.[2]

Lage[Bearbeiten]

Ninozminda liegt etwa 110 Kilometer Luftlinie südwestlich der Landeshauptstadt Tiflis und 65 Kilometer südöstlich der Regionshauptstadt Achalziche auf dem Achalkalaki-Plateau, einer Hochebene, die sich südwestlich des bis 3300 m hohen Samsara-Gebirgszuges des Kleinen Kaukasus erstreckt. Durch die Stadt fließt der Agritschai, der den gut zwei Kilometer westlich des Ortes gelegenen, teilweise trockengelegten See Chantschali entwässert und fünf Kilometer nordöstlich in den rechten Kura-Nebenfluss Parawniszqali (Parawani) mündet. Etwa 20 Kilometer südwestlich von Ninozminda befindet sich das Dreiländereck Georgiens mit Armenien und der Türkei.

Auf Grund der Lage in fast 2000 m Höhe ist das Klima rau – die mittlere Januartemperatur beträgt −10,6 °C, die mittlere Julitemperatur nur 13,1 °C – und dabei mit durchschnittlich 733 mm Niederschlag pro Jahr relativ feucht.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gegend der heutigen Stadt war bereits in der Mitte des 6. Jahrhunderts besiedelt; es sind Ruinen einer großen steinernen Kirche aus dieser Zeit erhalten.

Geschäft in Ninozminda mit dreisprachiger Ladenbeschriftung (Russisch, Armenisch, Georgisch)

Später gehörte das Gebiet zum Osmanischen Reich. Der Ort war als Altınkale (auch Altunkale) bekannt, Türkisch für „Goldene Burg“. Im Krieg von 1828/29 wurde das Gebiet vom Russischen Reich erobert, das dort in den 1840er-Jahren die Ansiedlung von Angehörigen der Religionsgemeinschaft der Duchoborzen gestattete. Diese gründeten in der aus diesem Grunde im Russischen später Duchoborje genannten Gegend insgesamt 18 Dörfer, darunter 1842 an Stelle des heutigen Ninozminda das wegen seiner zentralen Lage bedeutende Bogdanowka (russisch Богдановка, von Russisch „von Gott gegeben“).[3][4]

Ein Teil dieser Duchoborzen wanderte noch im 19. Jahrhundert nach Kanada aus und gründete dort unter Anderem zwei Dörfer namens Bogdanovka bei Langham und Pelly in Saskatchewan.[5] Andere blieben in Bogdanowka und Umgebung; viele ihrer Nachkommen waren dort bis in die 1990er-Jahre ansässig, als sie nach der Erlangung der Unabhängigkeit durch Georgien faktisch alle nach Russland übersiedelten.

In der sowjetischen Periode wurde Bogdanowka 1930 Verwaltungszentrum eines gleichnamigen Rajons und erhielt in den 1960er-Jahren den Status einer Siedlung städtischen Typs.[6] 1983 wurden die Stadtrechte verliehen. 1991 erfolgte nach der „Erleuchterin Georgiens“, der Heiligen Nino (georgisch Zminda Nino) die Umbenennung in Ninozminda.

Einwohnerentwicklung
Jahr Einwohner
1959 1658
1970 2824
1979 3826
1989 7285
2002 6287
2009 6100

Anmerkung: 1969–2002 Volkszählungsdaten, 2009 Berechnung

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

In Ninozminda gibt es kleinere Betriebe der Lebensmittel- und Leichtindustrie. Der Ort ist von einem Landwirtschaftsgebiet umgeben.

Die Stadt liegt an der mit 3000 Volt Gleichstrom elektrifizierten Eisenbahnstrecke, die bei Marneuli (Station Marabda) von der Strecke Tiflis – Gjumri – Jerewan abzweigt und nach Achalkalaki führt (Streckenkilometer 142). Deren Bau begann in den 1980er-Jahren; wegen politischer und wirtschaftlicher Schwierigkeiten konnte die Strecke jedoch erst nach dem Jahr 2000 den regulären Betrieb aufnehmen. Es ist geplant, sie als Teilstück des Bahnprojektes Kars–Baku auszubauen.

Durch Ninozminda führt die Europastraße E 691, die im türkischen Horasan von der E 80 abzweigt, südlich Wale die Grenze nach Georgien überquert und weiter nach Armenien verläuft, wo sie über Gjumri bei Aschtarak die E 117 erreicht und somit die kürzeste Straßenverbindung zwischen der Türkei und Armenien darstellt, deren direkte Grenze geschlossen ist. In Ninozminda zweigt eine auf weiten Abschnitten der Bahnstrecke folgende Straße über Zalka nach Tiflis ab, die kürzeste Verbindung in die Landeshauptstadt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ninozminda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistical Yearbook of Georgia 2009 (ZIP; 1,1 MB) (englisch, georgisch)
  2. Verteilung der Ethnien nach Verwaltungseinheit, Ergebnisse der Volkszählung 2002 (englisch)
  3. Hedvig Lohm: Dukhobors in Georgia: A Study of the Issue of Land Ownership and Inter-Ethnic Relations in Ninotsminda rayon (Samtskhe-Javakheti) (2006, englisch/russisch)
  4. Ninozminda auf der Doukhobor Genealogy Website (englisch)
  5. [1], [2] auf der Doukhobor Genealogy Website (englisch)
  6. Artikel Ninozminda in der Großen Sowjetischen Enzyklopädie (BSE), 3. Auflage 1969–1978 (russisch)