Niuron

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Die Niuron (Namensvarianten Nubiloni, Nuironi, Neuroni und Neurone) waren eine ursprünglich aus dem Tessin stammende, zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert in Schlesien, Mitteldeutschland und der Schweiz sowie in Savoyen aktive Baumeister- und Künstlerfamilie. Um 1290 lebten Vorfahren der Familie in Riva San Vitale und siedelten im 14. Jahrhundert ins unweit gelegene Lugano um.

Das Schloss in Oels

Die Brüder Peter Niuron (* 1541 in Lugano; † 1618 in Dessau) und Bernhard Niuron († um 1608 in Brieg) und deren Cousin Franz Niuron († um 1616 in Zerbst) begannen ihre Tätigkeit vermutlich um 1550 im deutschsprachigen Raum innerhalb der italienischen Künstlerkolonie von Brieg im Herzogtum Brieg. Das Schloss der Herzöge von Oels in Oels gilt als das am besten erhaltene Bauwerk Bernhard Niurons. Peter Niuron arbeitete parallel in anhaltinischen Diensten und in Berlin, so etwa am Berliner Schlossbau.

Die Niurons arbeiteten als frühe Bauunternehmer, die als Architekten den Entwurf fertigten und als Unternehmer auch alle weiteren Phasen der Realisierung eines Bauauftrages („schlüsselfertig“) übernahmen.

Wegbereiter für die Niurons in Brandenburg, Dresden und dem Fürstentum Anhalt war vermutlich der italienische Festungsbaumeister Rocco Guerrini di Linari, der nach Arbeiten in Dresden und Dessau vor allem durch die Spandauer Zitadelle und die Festung Peitz bekannt wurde.

Das Renaissanceschloss der Schlesischen Piasten in Brieg

Zu den Bauwerken Bernhard Niurons in Brieg gehören die Schlossbauten, das Rathaus und die Befestigungsanlagen. Außerdem die evangelische Pfarrkirche Ohlau sowie das dortige Herzogsschloss, Bauten in Nimptsch sowie das Ohlauer Tor in Breslau. In Dresden konnten ihre Arbeiten am Dresdner Stadtschloss nachgewiesen werden. Danach traten sie in anhaltische Dienste und errichteten verschiedene Bauwerke in Dessau, so etwa das Kalandhaus, das fürstliche Ballhaus und in Zusammenarbeit mit Rochus Graf Lynar das Schloss und die Brunnenanlagen. Auch der Schlossbau in Harzgerode wurde von ihnen errichtet. Danach war Franz Niuron als Hauptbaumeister des Langen Hauses im Schloss Köthen tätig, Peter Niuron entwarf die Friedhofsanlage vor dem Zerbster Heidetor, die Elbebrücke in Roßlau und die Muldebrücke in Dessau sowie die Saalmühle in Bernburg.

Andere Mitglieder der Familie Niuron dienten im 17. und 18. Jahrhundert als Soldaten der Republik Venedig. Künstlerisch tätig waren ein Giuseppe Cesare Neuroni, der 1683/1684 zahlreiche Bildwerke im königlichen Schloss von Turin und im Palast Carignano schuf, Pietro von Lugano arbeitete von 1680 bis 1684 als Stuckateur in der Abtei Einsiedeln, Giovanni Battista Neuroni arbeitete ebenfalls von 1706 bis 1709 als Stuckateur in Einsiedeln und ist 1710 als Mitarbeiter am Neubau der Kirche in Lachen nachweisbar.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oda Michael: Die Werkmeisterfamilie Bernhard, Peter und Franz Niuron – Ihr Wirken in Schlesien, Brandenburg, Sachsen und im Fürstentum Anhalt im Spiegel historischer Quellen. Phil. Diss. Halle-Wittenberg 2006 (online).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]