Nizza

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Nizza (Begriffsklärung) aufgeführt.
Nice (dt. Nizza)
Wappen von Nice
Nice (Frankreich)
Nice
Region Provence-Alpes-Côte d’Azur
Département Alpes-Maritimes (Präfektur)
Arrondissement Nice
Kanton Chef-lieu von 9 Kantonen
Gemeindeverband Métropole Nice Côte d’Azur
Koordinaten 43° 42′ N, 7° 16′ OKoordinaten: 43° 42′ N, 7° 16′ O
Höhe 0–520 m
Fläche 71,92 km²
Einwohner 342.295 (1. Jan. 2013)
Bevölkerungsdichte 4.759 Einw./km²
Postleitzahl 06000, 06100, 06200, 06300
INSEE-Code
Website www.nice.fr

Nizza (französisch Nice [nis], nissart Nissa/Niça, italienisch Nizza) ist eine Hafenstadt im Südosten Frankreichs in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur (PACA), 30 Kilometer entfernt von der Grenze zu Italien zwischen Cannes und dem Fürstentum Monaco an der Côte d’Azur am Mittelmeer gelegen. Nizza ist Sitz der Präfektur des Départements Alpes-Maritimes. Zusammen mit 48 weiteren Gemeinden bildet Nizza die Métropole Nice Côte d’Azur. Nizza ist mit 342.295 Einwohnern (Stand 2013) die nach Marseille zweitgrößte Stadt der provenzalischen Region PACA und die fünftgrößte Stadt Frankreichs. Die Bevölkerungszahl mit Umland beträgt 930.000 Einwohner.[1]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftaufnahme von Nizza
Strandboulevard von Nizza bei Nacht
Blick über den Hafen von Nizza zum Observatorium

Nizza liegt im Südosten Frankreichs und in der direkten Verlängerung des Mercantour-Massivs (Seealpen), im Westen vom Var-Tal und im Osten vom Mont Boron begrenzt. Die Entfernung zum Fürstentum Monaco beträgt etwa 10 Kilometer, die Entfernung zur italienischen Grenze 30 Kilometer.

Sprache und Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohner Nizzas werden als Nizzaer bezeichnet, im Französischen Niçois. Im Nizzardischen Land wird noch teilweise ein okzitanischer bzw. provenzalischer Dialekt gesprochen, das sogenannte Nissart oder Niçard, standardsprachlich Niçois, das zuletzt wohl auf eine Vermischung des einheimischen ligurischen Dialekts mit dem Latein der römischen Eroberer zurückging.[2]

Klima und Lokalgeographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die geschützte Lage ist Nizza auch im Winter einer der wärmsten Orte an der französischen Côte d’Azur. Die angenehmsten Reisemonate sind der Mai und Mitte September bis Mitte Oktober. Im Allgemeinen liegen die Temperaturen in Nizza einige Grad über den Temperaturen in Deutschland. Die Monate Juni bis August können sehr heiß werden. Die Winter sind mild, es gibt in Nizza kaum Frost. Deshalb war diese Stadt im 19. Jahrhundert ein beliebtes Winterquartier für Briten und Russen, darunter auch die Zarenfamilie. Noch heute zeugen die großen Hotels und Gärten sowie die orthodoxe Kirche von diesem Umstand.[3] Nizza hat keinen Sand-, sondern einen Steinstrand. Das milde Klima begünstigt den Weinbau, das Weinbaugebiet um Nizza trägt den Namen Bellet.

Nizza
Klimadiagramm
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Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: Météo-France
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Nizza
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 13,1 13,4 15,2 17,0 20,7 24,3 27,3 27,7 24,6 21,0 16,6 13,8 Ø 19,6
Min. Temperatur (°C) 5,3 5,9 7,9 10,2 14,1 17,5 20,3 20,5 17,3 13,7 9,2 6,3 Ø 12,4
Niederschlag (mm) 69 45 39 69 45 34 12 18 73 133 104 93 Σ 734
Sonnenstunden (h/d) 5,1 5,9 7,0 7,5 8,6 10,2 11,2 10,2 8,1 6,6 5,2 4,9 Ø 7,6
Regentage (d) 7 6 6 6 5 4 2 3 4 6 7 6 Σ 62
Wassertemperatur (°C) 13 12 13 14 16 20 22 23 21 19 16 14 Ø 16,9
Luftfeuchtigkeit (%) 67 67 69 73 76 75 74 73 74 74 71 67 Ø 71,7
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Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nizza in der augusteischen Zeit als Teil Liguriens
Ruinen der öffentlichen Bäder von Cemenelum

Die Gegend des heutigen Nizza war bereits vor 400.000 Jahren vom Homo erectus besiedelt. 1965 stieß man bei Ausschachtungsarbeiten auf zahlreiche Artefakte, die heute im Museum Terra Amata ausgestellt sind. Vor 190.000 bis 130.000 Jahren lebten hier Neandertaler, deren Überreste man in der Grotte du Lazaret ausgegraben hat.

Im vierten Jahrhundert v. Chr. (wohl um 350 v. Chr.) besiegten die Phokäer aus der Gegend um Marseille die Ligurer und gründeten Nikaia („die Siegreiche“, nach der Siegesgöttin Nike). Im Jahre 154 v. Chr. setzten sich die Römer in der Gegend fest, nachdem die griechischen Siedlungen Nikaia und Antipolis, das heutige Antibes, von Ligurern aus der Gegend von Biot und Cannes angegriffen worden waren. Zur Sicherung der Region wurde daraufhin von den Römern neben Nikaia eine zweite Siedlung, Cemenelum, auf den Bergen von Cimiez errichtet. Die erhaltenen Ruinen deuten für Cemenelum (der heutige Stadtteil Cimiez) eine Bevölkerungszahl von 15.000 bis 20.000 Einwohnern an. Der Ort war damit ein regionaler Verwaltungsmittelpunkt und erlebte insbesondere durch den Bau der Via Iulia Augusta (7 v. Chr.) einen Aufschwung, sodass etwa zu dieser Zeit der Stützpunkt zur Stadt anwuchs.

Reichsitalien und seine Regionen im zehnten Jahrhundert

Im fünften Jahrhundert wurde Cemenelum zugunsten von Nikaia aufgegeben. Die Provence fiel 508 an die Ostgoten, 536 an das Frankenreich. 813, 859 und 880 wurde Nizza von sarazenischen Angreifern geplündert, die vom Meer her kamen. Auch in der Folgezeit (z. B. im Jahr 943) war die Stadt den Angriffen der Muslime ausgeliefert. Diese hatten sich von 888 bis um 975 im nahen Fraxinetum festgesetzt, ehe Graf Wilhelm von der Provence sie vertreiben konnte.

Nizza im Herzogtum Savoyen im Italien des Jahrs 1494

1144 wird ein Stadtrat („Consulat“) erwähnt, 1176 eine erste Stadtverfassung. Nizza blieb allerdings weiter der Grafschaft Provence unterstellt, sodass die Stadt im 12. Jahrhundert aragonesisch war und ab 1246 zum Haus Anjou gehörte. Im 13. Jahrhundert machte sich zunehmend die Konkurrenz zu Genua bemerkbar, das um 1215 sogar kurzzeitig die Oberhoheit über die Stadt erlangte. Als Reaktion ließ der Graf der Provence um 1250 in Nizza eine Flotte stationieren. 1295 erfolgte die Gründung der Stadt Villefranche (so viel wie Freie Stadt) nahe bei Nizza mit einem Stützpunkt zur Bekämpfung der Piraterie. 1385 kam es nach dem Tod der Landesherrin Johanna I. zu Erbfolgewirren, als Karl von Anjou und dessen Vetter Karl von Durazzo die Grafschaft Provence für sich beanspruchten. In dieser Situation wandte sich Nizza auf Anstiften des Herren Jean Grimaldi gegen die Anjous, woraufhin im Jahre 1388 Herzog Amadeus VII. von Savoyen den östlichen Teil der Provence als Terre Neuve de Provence und später als Grafschaft Nizza (frz. Comté de Nice) seinem Herzogtum einverleibte, das somit einen Zugang zum Meer erlangte. Aufgrund seiner strategischen Lage wurde die Stadt stark befestigt und war in der Folge immer wieder umkämpft.

Nizza im Jahre 1624

1524 durchquerte Franz I. von Valois-Angoulême die Grafschaft Nizza, um die französischen Ansprüche in der Lombardei gegen die Habsburger zu erkämpfen. Er geriet in der Schlacht von Pavia jedoch in die Gefangenschaft Karls V., der ihn 1525 von Villefranche mit dem Schiff nach Spanien bringen ließ. 1536 zog sich der Herzog von Savoyen vor dem König von Frankreich in die Grafschaft Nizza zurück. Zwei Jahre später wurde in Nizza unter Vermittlung von Papst Paul III. ein Waffenstillstand zwischen Franz I. und Karl V. ausgehandelt. 1543 erfolgte die Belagerung und Plünderung von Nizza durch die französischen Truppen und die Flotte von Khair ad-Din Barbarossa; die Zitadelle konnte gehalten werden. Der lokalen Überlieferung nach war es eine Wäscherin, Catherine Ségourane, die als eine „Jeanne d’Arc von Nizza“ den Abzug der Türken erzwungen haben soll.

Nizza im Königreich Sardinien im Jahr 1796

Im Jahre 1600 ließ Heinrich IV. die Stadt belagern. Anlässlich des Friedens von Lyon von 1601 verblieb Nizza beim Herzogtum Savoyen, das hier 1614 einen der drei Gerichtshöfe des Landes errichtete. 1631 wurde Nizza von einer Pestepidemie heimgesucht. 1642 wurden die Spanier aus Nizza vertrieben. 1691 nahm Ludwig XIV. Nizza und die Region ein, zugleich übernahm er den Titel eines Grafen von Nizza. 1693 besichtigte der Militärarchitekt Sébastien le Prestre de Vauban die Region um Nizza zur Organisation der Instandsetzung der Festungsanlagen. Zwei Jahre später erlangte der Herzog von Savoyen die Grafschaft Nizza durch die Heirat seiner Tochter mit einem Enkel Ludwigs XIV. zurück. Im Spanischen Erbfolgekrieg kam es erneut zu Kämpfen in der Region, da sich Savoyen auf die Seite der Habsburger gegen Frankreich stellte. Ein französischer Angriff unter General Catinat führte allerdings zur weitgehenden Zerstörung der Festung.

1744, im Rahmen des Österreichischen Erbfolgekriegs, eroberten französisch-spanische Truppen die Grafschaft, die allerdings im Aachener Frieden von 1748 erneut Savoyen zugesprochen wurde. 1749 wurde das Bassin Lympia, der heutige Hafen, angelegt. Nach einer Volksabstimmung wurde 1793 die Grafschaft an Frankreich angegliedert und zum 85. Département mit dem Namen Alpes-Maritimes erhoben.

Ancien port de Nice, gemalt von Isidore Dagnan (1788–1873), Collections du musée municipal d’Orange
Italien im Jahr 1843
Promenade am Palais de la Jetee, Photographie um 1880

Von hier aus begann Napoleon Bonaparte 1796 seinen Italienfeldzug, der zur Besetzung des Piemont führte. 1800 wurde die Region kurzfristig durch österreichische Truppen besetzt, jedoch nach dem Sieg Napoleons in der Schlacht bei Marengo wieder der französischen Herrschaft unterstellt. 1804 erkannte Nizza das Empire mit 3.488 zu 2 Stimmen an. Im Jahre 1814 fiel im Ersten Pariser Frieden die Grafschaft Nizza an Piemont zurück, das mittlerweile Teil des Königreichs Sardinien geworden war. Die Grenzen von 1760 wurden damit wiederhergestellt. 1859 unterstützte Frankreich die gegen die Habsburger errungene nationale Einigung Italiens unter der Herrschaft des Königs von Sardinien-Piemont, der Napoleon III. dafür im Vertrag von Turin die endgültige Angliederung Savoyens und Nizzas an Frankreich zugestehen musste. Das wurde von der Bevölkerung Nizzas in einem Plebiszit mit rund 25.000 gegen gerade einmal etwa 200 Stimmen gebilligt. Die Eisenbahn (PLM – Chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée) erreichte 1864 die Stadt. Da der Bahnhof weit außerhalb der Stadt auf freiem Feld gebaut wurde, verlagerte sich die Bautätigkeit auf das Gebiet jenseits des Flusses Paillon. Die Altstadt blieb dadurch gut erhalten. 1882 erbaute der französische Architekt Charles Garnier das Observatorium von Nizza.

Italien im Jahr 1860

Mittlerweile war die Stadt als Sommerfrische der Briten so sehr etabliert, dass Alexandre Dumas 1851 erklärte, Nizza sei im Grunde eine englische Stadt, in der man hin und wieder auch einen Einheimischen treffen könne. Zunehmend logierte hier auch der europäische Hochadel, so der russische Zar und Victoria von Großbritannien. Verbrachten um 1890 hier etwa 22.000 Gäste den Winter, so waren es um 1910 bereits 150.000.

Der Aufschwung als Touristenziel wurde von einer entsprechenden Industrialisierung begleitet, die im 20. Jahrhundert zunehmend italienische Gastarbeiter anzog, die sich überwiegend in den Vierteln Riquier und Madeleine niederließen. Im Zweiten Weltkrieg blieb die Stadt, die zunächst italienisch und später deutsch besetzt war, weitgehend unbeschädigt; in den Bergen oberhalb der Stadt befanden sich Widerstandszentren der Résistance. Während der Anteil der Briten in der Stadt nach und nach zurückging, stieg der von Immigranten aus den früheren französischen Kolonien besonders nach dem Zweiten Weltkrieg an. Im Jahr 2000 wurde in der Stadt der Vertrag von Nizza verabschiedet.

Anschlag am 14. Juli 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag am Abend des 14. Juli 2016 fuhr ein LKW rund zwei Kilometer in eine Menschenmenge auf der Promenade des Anglais. Dabei wurden mindestens 84 Menschen getötet und mehr als 200 Personen zum Teil schwer verletzt. Der Fahrer, ein 31-jähriger Einwohner Nizzas mit tunesischer Staatsbürgerschaft, wurde bei einem Schusswechsel von der Polizei getötet.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beschreibung: In Silber ein gänzlicher roter Adler mit roten Kleestängeln auf den Flügeln steht auf einem schwarzen Dreiberg, der aus einem blauen Wellenschildfuß hervorragt und dachziegelförmige Wellen zeigt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infolge ihrer wechselhaften Vergangenheit wurde in der Stadt Nizza ein reiches architektonisches Erbe angehäuft. Durch die Konzentration der Bautätigkeit auf die Stadterweiterung im Zweiten Kaiserreich blieb der Altstadtkern im Wesentlichen intakt. Auch viele Villen, Paläste und Barockkirchen wurden schon zur Zeit der Savoyer errichtet und blieben erhalten. Eine Besonderheit stellt die in mehreren historischen Etappen ab 1868 durchgeführte Einwölbung des Flusses Paillon dar. Sie ermöglichte es, im heutigen Zentralbereich der Stadt bedeutende Grünflächen zu schaffen und ein Teil der so gewonnenen Flächen diente auch als Bauplatz großer öffentlicher Gebäude. Die Belle Époque vor 1914 hinterließ in Nizza ebenfalls deutliche Spuren.

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nizza verfügt über viele Museen für Kunst, Geschichte oder lokale Traditionen. Die Vielfalt der verschiedenen Museen festigen Nizzas Ruf als Kunstmetropole. Der Eintritt in die städtischen Museen war seit dem 1. Juli 2008 bis 2014 frei. Dies gilt mittlerweile nur noch für Bewohner der Region Provence-Alpes-Cotes d'Azur. Touristen zahlen beispielsweise im Musée de Matisse 10 € Eintritt.

Museen für Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Musée des Beaux-Arts

Das Musée des Beaux-Arts in der Avenue des Baumettes bietet Sammlungen vom späten 16. Jahrhundert bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Es wurde 1878 eröffnet und beheimatet vor allem Gemälde von französischen Künstlern, unter anderem von dem in Nizza verstorbenen Jules Chéret. Ausgestellte Stilrichtungen sind der Manierismus (Bronzino), Rokoko (van Loo, Fragonard), Impressionismus (Sisley, Monet), Post-Impressionismus (Vuillard, Bonnard) und Fauvismus (van Dongen, Dufy).[4]

Das Musée Matisse in Cimiez

In einer genuesischen Residenz des 17. Jahrhunderts auf dem Berg Cimiez befindet sich das Musée Matisse mit der Privatsammlung von Henri Matisse, der von 1917 bis zu seinem Tod 1954 hier die meiste Zeit seines Lebens verbrachte. Es wurde 1963 eröffnet und beherbergt seitdem eine ständige Sammlung von 218 Drucken, 57 Skulpturen, 68 Gemälde, 95 Fotos, 236 Zeichnungen, 14 illustrierte Bücher und 187 Objekte, die in Matisse’ Eigentum waren, wie Serigrafien, Tapisserien, Keramik, Glasfenster und Dokumente.[5]

Das Musée Message Biblique Marc Chagall in Cimiez beherbergt eine Sammlung von 17 Werken von Marc Chagall, die schon zu Lebzeiten des Künstlers erstellt wurde. Sie befasst sich mit biblischen Themen und zeigt Genesis, Exodus und das Hohelied. Es wurde 1973 eingeweiht.

Das 1990 eröffnete Musée d’Art Moderne et d’Art Contemporain (MAMAC) vereinigt Werke von Neuen Realisten (Yves Klein, Jean Tinguely, Christo und Jeanne-Claude, Niki de Saint Phalle, César, Arman, Martial Raysse), Pop Art-Künstlern (Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Tom Wesselmann, Robert Indiana, Jim Dine) und Vertretern der amerikanischen Abstraktion (Frank Stella, Sol LeWitt). Auch für Wechselausstellungen wird das Museum oft genutzt.[6]

Im Geschäftsviertel L’Arenas an der Promenade des Anglais liegt gegenüber dem Flughafen das Musée des Arts Asiatiques, ein moderner Bau des Architekten Kenzō Tange. Es verfügt über Sammlungen der buddhistischen Kunst und Ausstellungen über die Kunst Asiens. Sein Ansatz ist historisch, künstlerisch und ethnologisch.[7]

Das Musée International d’Art Naif Anatole Jakovsky mit Werken der Volkskunst aus dem 17. bis zum 20. Jahrhundert wurde 1982 eingeweiht. Die Sammlung stammt aus Spenden von Anatole und Renée Jakovsky.

Museen für Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Place Masséna

Das Musée de Paléontologie Humaine de Terra Amata beherbergt die zu den ältesten bisher bekannten Behausungen Westeuropas zählenden Artefakte mit einem Alter von etwa 400.000 Jahren, die 1965 bei Ausschachtungsarbeiten über dem alten Hafen gefunden wurden.

Das Musée Archéologique de Cimiez zeigt die Funde der archäologischen Grabungen in der römischen Siedlung von Cimiez.[8]

Das Musée de la Résistance azuréenne ist dem Widerstand der Region Alpes-Maritimes gegen die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg gewidmet.[9]

Das Musée Masséna zeigt die abwechslungsreiche Geschichte von Nizza.

Andere Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Musée d’Histoire Naturelle de Nice, das im Jahre 1846 eröffnet wurde, ist das älteste Museum in der Stadt. Es verfügt über Sammlungen aus dem neunzehnten Jahrhundert, die durch lokale Naturforscher zusammengetragen wurde. So werden unter anderem Vögel, Muscheln, Mineralien, Fossilien und blühende Pflanzen und Pilze aus Nizza gezeigt. Das Museum soll zukünftig in die Cité des Sciences et de la Nature verlagert werden. Mit einer Öffnung wird für Mitte 2013 gerechnet.

Das Musée de la Marine, das sich im Turm Bellanda befindet, bewahrt Gemälde, Schiffsmodelle und Navigationsinstrumente von Schiffen auf.

Das Musée Prieuré du Vieux-Logis beherbergt eine Sammlung von gotischen und Renaissance-Möbel und Objekte der religiösen Kunst.

Kulturelle Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Orchestre Philharmonique de Nice in der Oper Nizza

Orchestre Philharmonique de Nice[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Orchestre Philharmonique de Nice (Nizza Philharmoniker) ist das Orchester der Stadt Nizza und gilt als eines der führenden Opern- und Symphonieorchester in Frankreich. Offiziell wurde es im Jahr 1945 als „L’Orchestre Symphonique Municipal de la Ville de Nice“ (Sinfonieorchester der Stadt Nizza) gegründet.

Centre Cinématographique[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Centre Cinématographique in Nizza zählt neben dem Philharmonischen Orchester zu den wichtigen kulturellen Einrichtungen der Stadt. Ziel des Filmzentrums ist es, eine Brücke zwischen der theoretischen Ausbildung an den Hochschulen und den Anforderungen im Produktionsalltag zu schlagen. Daneben verwaltet es einen Bestand audiovisueller Medien zu historischen Themen, politischer Bildung, Wirtschaft, Kunst und Kultur.

Cathédrale Sainte Réparate
Der Turm Saint-François
Russisch-orthodoxe Kathedrale Saint-Nicolas

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der gut erhaltenen Altstadt finden sich zahlreiche barocke Profan- und Sakralbauten, wie die Kathedrale Sainte-Réparate aus dem 17. Jahrhundert, deren Fassade allerdings aus dem Jahr 1825 stammt, die Verkündigungskirche (Sainte-Rita), die Église du Gésu, die Kirche Saint-Martin-Saint-Augustin, die Église la Miséricorde oder die Präfektur, einst Sitz der Herzoge von Savoyen. Das Palais communal stellt das ehemalige Rathaus dar. Es wurde 1580 erbaut und im 17. Jahrhundert von Marc’Antonio Grigho um ein monumentales Portal erweitert. Oberhalb der Altstadt liegt der Schlosshügel (Colline du Château) mit Ruinen der 1706 geschleiften Zitadelle.

Die Place Garibaldi und die Place Masséna, beide einheitlich gestaltete Platzanlagen nach Turiner Vorbildern, bilden den Übergang zur Neustadt. Sie ist charakterisiert durch zahlreiche Luxushotels, Appartementhäuser und Villen aus der Belle Epoque. Das berühmteste Hotel ist das Negresco. An der Südseite der Neustadt befindet sich die Promenade des Anglais, eine zwischen 1822 und 1824 angelegte Prachtstraße.

Das Anwachsen der russischen Gemeinschaft seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zog den Bau religiöser Kultstätten nach sich. Die erste russische Kirche Saint-Nicolas-et-Sainte-Alexandra wurde 1858 vom Architekten Antoine-François Barraya erbaut. 1912 schuf der Architekt Preobrajensky im Auftrag des Zaren Nikolaus II. die russisch-orthodoxe Kathedrale Saint-Nicolas, die größte außerhalb Russlands.[10] Sie befindet sich an dem Ort, an dem 1865 der Zarewitsch Nikolai Alexandrowitsch Romanow gestorben war.

Am Berg Cimiez sind die Ausgrabungen der römischen Stadt zu besichtigen. Dort befindet sich außerdem ein Franziskanerkloster mit Gemälden von Jacques Bréa sowie das Musée Matisse und der Friedhof, auf dem Henri Matisse begraben ist.

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jährlich im Februar findet anlässlich des Karnevals auf Nizzas Renommierstraße der Promenade des Anglais der auch im übrigen Europa bekannt gewordene Blumenkorso mit festlich geschmückten Motivwagen und unzähligen Blütenarrangements statt. Aufgrund von Sicherheitsbedenken während des Afrika-Frankreich-Gipfels 2010 in Nizza wurde die Tagung des 37. G8-Gipfels (26. bis 27. Mai 2011) nach Deauville verlegt.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt ist Heimat des Fußballklubs OGC Nice, der in der Ligue 1 spielt. Der Traditionsklub gewann viermal die französische Fußballmeisterschaft und dreimal den französischen Pokal. Gespielt wurde noch bis September 2013 im Stade Municipal du Ray, bis es dann durch den Neubau der Allianz Riviera im Westen der Stadt ersetzt wurde.

Nizza ist außerdem die Hochburg des Wasserballs in Frankreich. Der ONN (Olympique Nice Natation) gewann die Meisterschaft zwölfmal in den letzten 15 Jahren.

Bis 2001 war Nizza auch eine Stadt des traditionellen Rugbys, doch der Racing Rugby Club de Nice (RRCN) musste wegen finanzieller Probleme zwangsabsteigen.

Nizza ist Zielpunkt des Radrennens Paris-Nice, Startort des Marathon des Alpes-Maritimes, sowie Austragungsort der ATP Nice Tennis Open, des Ironman France und der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft in den Jahren 2000 und 2012.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fähre nach Korsika im Hafen von Nizza

Die Wirtschaft wird durch den Tourismus und die Hochtechnologie dominiert. Das Technologiezentrum Sophia Antipolis befindet sich ca. 20 km westlich der Stadt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenbahn der Lignes d’Azur

Etwa sieben Kilometer westlich des Stadtzentrums liegt der internationale Flughafen Nizza, der mit zwölf Millionen Passagieren (2015) der drittgrößte Frankreichs ist (siehe Liste von Flughäfen in Frankreich). Es bestehen regelmäßige Fährverbindungen zur Insel Korsika. Die Stadt ist an das Fernverkehrsnetz der SNCF angeschlossen. Der Fernverkehrsbahnhof Nice-Ville befindet sich im Stadtzentrum, 500 m nördlich der Bahnhof der Chemins de Fer de Provence, der die Städte Nizza und Digne-les-Bains verbindet. Der öffentliche Personennahverkehr in der Agglomeration wird durch die Betreibergesellschaft Lignes d’Azur durchgeführt. Zusätzlich bestehen zahlreiche regionale Busverbindungen (TAM, Transports des Alpes-Maritimes) in das angrenzende Umland.

Seit November 2007 verkehrt in Nizza nach langer Unterbrechung wieder eine Straßenbahn; in Bau ist die Ergänzung um eine weitere Linie, die entlang der Rue de France, also parallel zur Promenade des Anglais an der Mittelmeerküste verläuft. Sie sollte ursprünglich bis 2012 fertiggestellt werden. Da ein Teil der Strecke unterirdisch verläuft, sind durch zahlreiche nicht vorhergesehene Teuerungen im Tunnelbau erhebliche Verzögerungen aufgetreten. Weitere Strecken (Linien 3 und 4), unter anderem um das voraussichtlich 2014 fertiggestellte neue Stadion anzubinden, sind bereits vorgesehen, aber noch nicht in der Planungsphase.

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nizza hat ein weites Netz von Partnerschaften geknüpft. Die Stadt unterscheidet dabei aktive und andere Partnerschaften.[11]

Aktive Partnerschaften
Städtefreundschaft
Andere Partnerschaften
Das Garibaldi-Denkmal für den in Nizza geborenen Freiheitskämpfer, Place Garibaldi

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berühmte, aus Nizza stammende Persönlichkeiten sind unter anderem der italienische Guerillakämpfer Giuseppe Garibaldi, die Politikerin und Präsidentin des Europäischen Parlamentes Simone Veil, der Literatur-Nobelpreisträger Jean-Marie Gustave Le Clézio, die Schauspielerin Michèle Laroque sowie der Fußballnationaltorhüter Hugo Lloris.

Wissenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1860 wird jeden Tag um Punkt 12 Uhr eine Kanone vom Château östlich der Altstadt in voller Lautstärke abgefeuert. Diese Tradition geht auf Sir Thomas Coventry zurück, der mit Unterstützung des Bürgermeisters hierdurch ein pünktliches Mittagessen der Bewohner fördern wollte.[12]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reiseführer
  • Ralf Nestmeyer: Côte d’Azur. Reisehandbuch. Michael-Müller-Verlag, 7. Auflage, Erlangen 2012, ISBN 978-3-89953-680-5.
  • Jens Rosteck: Gebrauchsanweisung für Nizza und die Côte d’Azur. Piper, München 2007. 3. Auflage, München 2013, ISBN 978-3-492-27554-5.
  • Britta Sandberg: Côte d’Azur. Mit Karten. Dumont Reise-Verlag. Köln 2002, ISBN 3-7701-5970-5.
  • Barbara F. Freed und Alan Halpern: Artists and their museums on the riviera. Harry N. Abrams, New York 1998, ISBN 0-8109-2761-6 (pbk.). Mit zahlreichen Abbildungen und Bibliografie. (Englischsprachiger Führer zu allen Museen, Kirchen, Kapellen, Sammlungen, Kunstwerken und Wohnhäusern sowie Gärten der Künstler an der Côte d’Azur mit der Kunst des 20. Jahrhunderts von Cocteau, Picasso, Léger, Renoir, Chagall, Matisse, Jakovsky.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weiterführende Informationen in den
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Wiktionary Wörterbucheinträge
Wikisource Quellen und Volltexte
Wikivoyage Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zahl des Statistischen Amtes Frankreichs, abgerufen am 2. Februar 2012
  2. Zur Bevölkerungsentwicklung siehe http://cassini.ehess.fr/, abgerufen am 5. Oktober 2013.
  3. Frankreich: Eine russische Kathedrale in Nizza
  4. Homepage des Musée des Beaux-Arts de Nice
  5. Musée Matisse, nice.fr, abgerufen am 11. Februar 2013 (frz.)
  6. Le Musée d'Art Moderne et d'Art Contemporain (frz.)
  7. Homepage des Musée départemental des Arts Asiatiques (frz.)
  8. Website des Musée Archéologique de Cimiez (frz.)
  9. Le Musée de la Résistance Azuréenne
  10. Le Guide Vert Michelin, Côte d’Azur Monaco, 2007, S. 300.
  11. Villes jumelées avec la Ville de Nice. In: Website Stadt Nizza. Archiviert vom Original, abgerufen am 3. April 2010 (französisch).
  12. Vgl. den Beitrag der englischsprachige Informationsplattform francemonthly.com: Nice – French Riviera: Noon on the Dot. Abgerufen am 11. Februar 2013.