No Man’s Land

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Dieser Artikel beschreibt den Film. Für weitere Bedeutungen siehe Nomans Land.
Filmdaten
Deutscher Titel No Man’s Land
Originaltitel Ničija zemlja
Produktionsland Bosnien-Herzegowina, Slowenien, Großbritannien, Italien, Belgien, Frankreich
Originalsprache Bosnisch
Französisch
Deutsch
Englisch
Erscheinungsjahr 2001
Länge 98 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Danis Tanović
Drehbuch Danis Tanović
Produktion Marc Baschet
Frédérique Dumas-Zajdela
Cédomir Kolar
Musik Danis Tanović
Kamera Walther van den Ende
Schnitt Francesca Calvelli
Besetzung

No Man’s Land (bosnisch/kroatisch/serbisch Ničija zemlja) ist ein Kriegsfilm aus dem Jahr 2001. Regie bei der europäischen Koproduktion führte Danis Tanović, der auch das Drehbuch schrieb und die Filmmusik komponierte.

Die „Kriegssatire“ veranschaulicht durch die Erlebnisse eines serbischen und zweier bosnischer Soldaten, die in einem Schützengraben im Niemandsland gefangen sind, die Absurdität des Krieges.[1] Der Film beleuchtet dabei auch die Rolle der Friedenstruppen der Vereinten Nationen und beschreibt die Auswüchse der medialen Berichterstattung während des Jugoslawienkrieges.

No Man’s Land ist einer der meistausgezeichneten Filme der bosnischen und ex-jugoslawischen Filmgeschichte und erhielt eine Vielzahl von Preisen, darunter 2001 die Auszeichnung Bestes Drehbuch beim Europäischen Filmpreis und bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes. 2002 gewann der Film den Golden Globe und den Oscar jeweils in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film erzählt die Geschichte von drei jugoslawischen Soldaten, zwei davon Bosniaken, einer Serbe. Die Soldaten geraten während des Bosnienkriegs zwischen die Fronten und müssen in einem Schützengraben im „Niemandsland“ auf Hilfe wartend ausharren. Hierbei versuchen sich beide Parteien zu Beginn umzubringen. Cera, einer der Bosniaken, wurde fälschlicherweise zunächst für tot gehalten und als Falle für Helfer auf eine Schrapnellmine gelegt, die bei Aufhebung des Druckes explodieren würde und so alle drei Männer bedroht. Deshalb müssen die beiden anderen Soldaten nun notgedrungen zusammenarbeiten und finden so fast schon freundschaftlich zueinander, z. B. erinnern sich beide an eine gewisse Sanja aus Banja Luka. Als schließlich Hilfe durch französische Blauhelmsoldaten der Vereinten Nationen, die zu Beginn auftragsgemäß neutral bleiben müssen, naht, eskaliert die Situation.

Die Blauhelme bringen einen deutschen Minenexperten zum Schützengraben, um die Mine zu entschärfen, nachdem sie sich ein erstes Mal auf Befehl ihrer Vorgesetzten zurückziehen mussten, auf Druck von Journalisten hin aber wieder vor Ort geschickt wurden. Als feststeht, dass die Mine nicht entschärft werden kann, wird der Schützengraben geräumt und abgesperrt. Für die Journalisten inszeniert man die angebliche Rettung des Bosniers, indem man die Gerätschaften des Entschärfers auf einer mit einem Tuch bedeckten Bahre in einem Helikopter davonfliegt. Kurz nach dieser Inszenierung wird der Serbe vom Bosniaken getötet, der wiederum von einem französischen Blauhelm erschossen wird. Der Film endet mit einer Einstellung, die Cera zeigt, der immer noch im Schützengraben auf der Mine liegt, während die Sonne untergeht.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Als kammerspielartige Farce inszenierter Film, der den Mikrokosmos des Bosnienkrieges als Metapher über den Krieg im Allgemeinen nutzen will, über gut gemeinte Bekenntnisse und atmosphärische Betroffenheit aber nicht hinaus kommt.“

Lexikon des Internationalen Films[2]

„Danis Tanovic hat aus den endlosen Wirren von damals eine geradezu klassische Konfrontation herauspräpariert, sehr vorsichtig und intelligent. Der Krieg: ein Dilemma, eine Tragödie.“

Die Zeit[3]

„Tanovic inszenierte ein klassisches Drama, setzte Humor ein, um das Groteske, ja Absurde nicht nur der Situation im Schützengraben, sondern dieses ganzen Krieges und des so genannten Friedensprozesses zu veranschaulichen. Da sticht kein Heldentum hervor, kein Pathos, keine erzwungene Illusion [...] das steht auch für die Hilflosigkeit und das Scheitern jedes Filmes über den Krieg, jener Gewalt, die „nur“ das Eingeständnis des bodenlosen Scheiterns darstellt.“

Filmstarts[4]

„Regiedebütant Danis Tanovic, der auch das Buch und die Musik verantwortete, erarbeitet in seinem packenden Antikriegs-Drama ein makaber-absurdes Szenario, das die Sinnlosigkeiten des Krieges verdeutlicht. In Cannes für das beste Drehbuch, in San Sebastian mit dem Publikumspreis ausgezeichnet, sowie einem Golden Globe und dem Auslands-Oscar bedacht, zählt dieses schonungslose und kritische Werk zu den herausragendsten Filmen der letzten Jahre. Nicht nur am Weltgeschehen interessierte Cineasten sollten hier zugreifen.“

VideoWoche

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film gewann bei der Oscarverleihung 2002 als Bester fremdsprachiger Film und konnte sich in dieser Kategorie unter anderem gegen Jean-Pierre Jeunets Die fabelhafte Welt der Amélie durchsetzen. Den Golden Globe und den Satellite Award gewann der Film in derselben Kategorie.

Auf den Filmfestspielen von Cannes 2001 erhielt der Film eine Auszeichnung für das Beste Drehbuch und war für den Hauptpreis des Festivals, die Goldene Palme, nominiert. Auf dem kroatischen Motovun Film Festival wurde der Film mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet, auf dem niederländischen International Film Festival Rotterdam und dem spanischen San Sebastián International Film Festival mit dem Publikumspreis. Auf dem Sarajevo Film Festival gewann der Film den Publikumspreis und in der Kategorie Bester Debütfilm.

Bei der Verleihung des französischen Filmpreises César 2002 wurde der Film als Bestes Erstlingswerk ausgezeichnet und in der Kategorie Bestes Drehbuch nominiert. Im selben Jahr folgte die Auszeichnung des Syndicat Français de la Critique de Cinéma als Bester ausländischer Film. Für den David di Donatello war No Man’s Land in der Kategorie Bester ausländischer Film nominiert. Den Europäischen Filmpreis 2001 gewann der Film in der Kategorie Bestes Drehbuch. Branko Đurić war als Bester Darsteller nominiert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amy Cobin: No Man’s Land. In: Film Quarterly. University of California Press, Herbst 2006, Band 60, Nr. 1, abgerufen am 12. Juni 2015 (englisch).
  2. No Man's Land (2001). Website Zweitausendeins. Abgerufen am 22. August 2014.
  3. Merten Worthmann: Fortgesetztes Feuerwerk. Wie viel Abstand braucht ein Kriegsfilm? Zu Besuch auf dem Filmfestival in Sarajevo. In: Die Zeit, 30. August 2001. Abgerufen am 22. August 2014.
  4. Ulrich Behrens: No Man's Land. In: Filmstarts. Abgerufen am 22. August 2014.