Noahidismus

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Der Regenbogen ist ein modernes Symbol von Noahidismus

Noahidismus oder Noachidismus ist eine monotheistische Ideologie, die auf den Noachidischen Geboten und deren rabbinische Interpretation basiert. Gemäß Jüdischem Recht müssen Nichtjuden (Goi) nicht konvertieren, um einen Platz in der kommenden Welt (Olam ha-Bah) erhalten, sollen sich aber an die Nachidischen Gebote halten.[1][2] Personen, die sich den Geboten unterordnen, werden Kinder Noahs (B'nei Noach, Hebräisch בני נח) Noahiden oder Noahiten genannt. Weltweit entstanden in den letzten Dekaden einige Organisation für Noahiden.

Historisch betrachtet wurde der Begriff B'nei Noach für alle Nichtjuden als Nachkommen Noahs verwendet. Heute wird der Begriff eher im Zusammenhang mit Personen gebraucht, die die Noahidischen Gebote befolgen.

Die Noahidischen Gebote und Gottes Bund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß dem Buch Genesis retteten Gott Shem, Ham und Jafet die Sintflut in der Arche Noah, zusammen mit ihren Frauen. Als einzige Überlebende sind sie die Stammeseltern der Menschheit. Als die Katastrophe vorüber war, schloss Gott einen Bund mit ihnen und allen Tieren, dass er die Erde nie wieder zerstören würde, fasst aber auch die Noahidischen Gebote in eine rechtliche Form.[3] Daraufhin spricht man von den Noahidischen Geboten, obwohl einige davon bereits Adam bekannt waren.

Maimonides[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maimonides sammelte alle talmudischen und halachischen Entscheide seiner Zeit (1135) und legte sie in seinem vierzehnbändigen Werk Mischne Tora aus. Eine weitere Sammlung mit Erklärung und Auslegung der noahidischen Gebote lässt sich in Sefer Schoftim, im letzten Teil Hilchot Melachim U'Milchamot, („Die Gesetze der Könige und der Kriege“) finden.[4] Einige Details dieser Gesetze lässt sich auch in midraschischer Literatur wiederfinden.

Moderner Noahidismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige jüdische Gruppen waren besonders aktiv, die Noahidischen Gesetze zu vertreten. Darunter fallen Angehörige der Chabad-Bewegung (Hebräisch: חב"ד), eine chassidische Gruppierung des orthodoxen Judentums, deren Rabbi Menachem Mendel Schneerson eine globale Noahidische Kampagne startete.[5]

Eine weitere Noahidisch assoziierte Gruppe ist die Dor Daim Bewegung (Hebräisch דרדעים).[6]

Ein Konzil der B'nei Noah wurde 2006 gegründet, um die B'nei Noah Gemeinden der Welt zu repräsentieren und wurde von einer selbsternannten Gruppe der neuen Sanhedrin „anerkannt“.[7][8]

Anerkennung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1980er Jahren wurde von Rabbi Meir Kahane eine der ersten Noahidischen Konferenzen durchgeführt. In 1990 war Kahane ein Referent an der First International Conference of the Descendants of Noah in Fort Worth, Texas.[9]

Die Chabad-Bewegung war bisher eine der aktivsten in der Öffentlichkeitsarbeit des Noahidismus. Das folgt vor allem aus der Überzeugung, dass die Anerkennung – mehr noch die Einhaltung und Akzeptanz – der Gebote gesellschaftlichen und spirituellen Wert mit sich bringt, auch für Nichtjuden. Im Jahr 1991 wurden die Gebote in der Proklamation 5956 vom damaligen U.S. Präsident George H. W. Bush erwähnt.[10][11]

Im April 2006 traf der geistliche Führer (Qādī) der Drusen den Scheich Muwaffak Tarif, einen Repräsentanten der Chabad Bewegung, um eine Deklaration zu unterschreiben, die alle Nichtjuden in Israel dazu aufruft, die Noahidischen Gebote einzuhalten. Der damalige Bürgermeister von Schefar’am, einer kleinen arabischen Stadt östlich von Haifa, wo Muslimen, Christen und Drusen nebeneinander koexistieren, unterschrieb das Dokument ebenfalls.[12]

Im März 2007 sammelte eine Delegation der Chabad-Bewegung Ambassadoren von sechs Ländern – Polen, Lettland, Mexiko, Panama, Ghana und Japan – um mit ihnen die Unterstützung der universellen Werte der Noahidischen Gebote zu verkünden. Das Programm wurde von Rabbi Boaz Kali organisiert.[13]

Im selben Jahr im April unterzeichnete der Bürgermeister von Abu Gosch, Salim Jaber, die Gebote als Teil einer Massenkundgebung im Bloomfield Stadium in Tel Aviv. Im Mai traf sich der zur Zeit neu gewählte Präsident von Frankreich Nicolas Sarkozy mit dem Chabad Rabbi Dovid Zaoui, welcher jenem Literatur zu den Lehren des Noahidismus überreichte.[14]

Im Jahr 2016 lehrte der Rabbi Yitzhak Yosef, dass Nichtjuden, die in Israel wohnen würden, Noahiden sein müssten: „According to Jewish law, it’s forbidden for a non-Jew to live in the Land of Israel – unless he has accepted the seven Noahide laws“. Die Anti-Defamation League verurteilte Yosefs Statements stark und hieß ihn an, sie zurückzuziehen.[15]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mischne Tora, Hilchot Melachim 8:14
  2. Encyclopedia Talmudit (Hebräische Edition, Israel, 5741/1981, Eintrag Ben Noah)
  3. Samuel Atlas, Dimensions 1,2 ; 1967; S. 22.
  4. Maimonides’ Law of Noahides. In: WikiNoah.
  5. The Rebbe and President Ronald Reagan.
  6. Noahide Laws. In: New World Encyclopedia.
  7. Sanhedrin Moves to Establish Council For Noahides
  8. Arutz Sheva
  9. Meir Kahane: Rabbi Meir Kahane spricht an der First International Conference of the Descendants of Noah.
  10. Thomas. LoC. Abgerufen am 22. August 2017.
  11. Presidency. UCSB. Abgerufen am 22. August 2017.
  12. Druze Religious Leader Commits to Noachide "Seven Laws". 18. Januar 2004. Abgerufen am 22. August 2017. 
  13. Ambassadors Sign 7 Mitzvos Declaration, chabadjapan.org; abgerufen am 22. August 2017.
  14. French President Sarkozy Discusses Sheva Mitzvos, chabad.info; abgerufen am 22. August 2017
  15. "Non-Jews in Israel must keep Noahide laws, chief rabbi says", The Jerusalem Post, 28. März 2016