Noctiluca scintillans

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Noctiluca scintillans
Noctiluca scintillans unica.jpg

Noctiluca scintillans

Systematik
ohne Rang: Alveolata
ohne Rang: Dinoflagellaten (Dinoflagellata)
ohne Rang: Noctilucales
Familie: Noctilucaceae
Gattung: Noctiluca
Art: Noctiluca scintillans
Wissenschaftlicher Name
Noctiluca scintillans
(Macartney) Kofoid & Swezy, 1921

Noctiluca scintillans, Synonym Noctiluca miliaris, deutsch Meeresleuchttierchen genannt, ist ein freilebender, nicht parasitierender mariner Dinoflagellat, der zur Biolumineszenz fähig ist.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noctiluca scintillans ist kein typischer Dinoflagellat. Seine Zelle kann durch massive Vakuolisierung des Zellplasmas auf Größen zwischen 200 µm und 2 mm im Durchmesser anschwellen und ist dann rund bis bohnenförmig. Die Art hat keine Theka.

Noctiluca scintillans hat eine ventrale Furche mit einer Geißel. Die Geißel treibt die Zelle nicht an. Der Einzeller kann sich nur bewegen, indem er seinen statischen Auftrieb im Wasser anpasst. Damit kann er langsam steigen, oder sinken. Außerdem besitzt Noctiluca scintillans eine „Zahn“ genannte Bildung der Zellwand und eine für den Beutefang benutzte Tentakel. Mindestens eine Studie konnte zeigen, dass ein Strang klebrigen Schleims von der Tentakel ausgeworfen wird, an dem dann Futterpartikel hängen bleiben.

Die Biolumineszenz wird in vielen sehr kleinen, runden Organellen erzeugt. Nicht-leuchtende Stämme besitzen diese „Scintillions“ nicht.

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noctiluca scintillans ist heterotroph und nimmt die Futterpartikel durch Phagozytose auf. Die Beute besteht allgemein aus Plankton, darunter Kieselalgen, Dinoflagellaten, Bakterien und auch Fischeier. Die robusten Schalen der Kieselalgen sind in den Vakuolen der fast durchsichtigen Zelle von Noctiluca miliaris gut sichtbar und können auch nach dem Fressen noch bestimmt werden.

Noctiluca scintillans wird in allen Ozeanen gefunden, oft entlang der Küsten und in Ästuaren, also Gebieten, die durch hohe Nährstoffkonzentration ein starkes Wachstum der phototrophen Beute ermöglichen. Hohe Konzentrationen dieser Nahrungsquelle führen auch bei Noctiluca scintillans zur Massenvermehrung und Bildung von Algenblüten. Noctiluca scintillans selbst ist nicht giftig, kann aber große Mengen von Ammonium freisetzen, das für Fische gefährlich ist.

Nomenklatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noctiluca scintillans wurde 1810 von Macartney unter dem Namen Medusa scintillans beschrieben.[1] Der Einzeller wurde damals noch als kleine Qualle angesehen. Schon Slabber hatte ihn 1778 als Medusa marina bezeichnet und in seinem Buch über Mikroskopie auf einer Tafel dargestellt.[2] Slabbers Benennung entsprach aber nicht den Intentionen von Linnés binomialer Nomenklatur. Jean Baptiste Lamarck verwendete 1816 den Namen Noctiluca miliaris aus einem Manuskript von Suriray für seine Darstellung in Animaux sans vertebres. Seither wurde der Dinoflagellat meist als Noctiluca miliaris bezeichnet. Nur Christian Gottfried Ehrenberg erkannte 1834 in seinem Buch Das Leuchten des Meeres die Priorität Macartneys an. 1921 veröffentlichten Kofoid und Sweze eine neue Beschreibung von Noctiluca scintillans und eine Zusammenstellung aller Synonyme, aus der ebenfalls die Priorität des Artnamens scintillans hervorging.[3] Noctiluca miliaris wurde aber weiterhin dem wenig bekannten Namen Noctiluca scintillans vorgezogen. Erst seit Taylors 1976 veröffentlichtem Vorschlag, trotz aller Probleme die Priorität des Artepithetons scintillans anzuerkennen,[4] setzt sich dieses langsam durch.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. J. Macartney: Observations upon Luminous Animals. Philosophical Transactions of the Royal Society of London, S. 258-293, 1810, S. 264-65 (Online, englisch)
  2. M. Slabber, M. (1778). Natuurkundige verlustigingen, behelzende microscopise waarneemingen van in- en uitlandse water- en land-dieren. J. Bosch, Haarlem 1778, pl. 8, figs. 4-5, zee-kwal (Abbildung)
  3. C. A. Kofoid & O. Swezy: The free-living unarmored Dinoflagellata. Memoirs of the University of California, 5, S. 1-562, 1921 (Online, englisch)
  4. F. J. R. Taylor: Dinoflagellates from the International Indian Ocean Expedition. A report on material collected by the R. V. "Anton Bruun" 1963-1964. Bibl. Bot. 132, Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1976
  5. Noctiluca scintillans im Marine Species Identification Portal (siehe: Remarks)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eckert R & Reynolds GT. 1967. "The Subcellular Origin of Bioluminescence in Noctiluca miliaris". In: J Gen Physiol. 50 (5): 1429-58.
  • Elbrächter, M. and Y. Z. Qi. 1998. "Aspects of Noctiluca (Dinophyceae) population dynamics." In: D. M. Anderson et al., Physiological Ecology of Harmful Algal Blooms. NATO ASI Series, Vol. G 41. Berlin: Springer-Verlag, pp. 315-335.
  • Hausmann, K.; Hülsmann, R.; Radek, R.: Protistology. 3. kompl. überarb. Aufl., E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung. Berlin, Stuttgart 2003, ISBN 3-510-65208-8.
  • Lenaers, Guy; Christopher Scholin, Yvonne Bhaud, Danielle Saint-Hilaire and Michel Herzog. 1991. "A molecular phylogeny of dinoflagellate protists (Pyrrhophyta) inferred from the sequence of 24S rRNA divergent domains D1 and D8." Journal of Molecular Evolution. Volume 32: 1; pp. 53-63
  • Shauna Murray, Marten Flø Jørgensen, Simon Y.W. Ho, David J. Patterson, and Lars S. Jermiin: Improving the Analysis of Dinoflagellate Phylogeny based on rDNA. Protist., Vol. 156, S. 269–286, 2005
  • Jefferey D. Palmer: The Symbiotic Birth and Spread of Plastids: How Many Times and Whodunit? J. Phycol., 39, S. 4–11, 2003
  • Kuninao Tada, Santiwat Pithakpol, Rumiko Yano and Shigeru Montani. 2000. "Carbon and nitrogen content of Noctiluca scintillans in the Seto Inland Sea, Japan. Journal of Plankton Research. Vol.22 no.6 S. 1203–1211, 2000
  • Thomas Kiørboe and Josefin Titelman: Feeding, prey selection and prey encounter mechanisms in the heterotrophic dinoflagellate Noctiluca scintillans. Journal of Plankton Research, 20, 8, S. 1615–1636, 1998
  • S. Fonda Umani, A. Beran, S. Parlato, D. Virgilio, T. Zollet, A. De Olazabal, B. Lazzarini and M. Cabrini: Noctiluca scintillans in the Northern Adriatic Sea: long-term dynamics, relationships with temperature and eutrophication, and role in the food web. Journal of Plankton Research, 26, 5, S. 545–561, 2004

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]