Noie Werte

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Noie Werte
Noie Werte.png
Allgemeine Informationen
Genre(s) Rechtsrock
Gründung 1987
Auflösung 2010
Gründungsmitglieder
Gesang
Steffen Hammer
Leadgitarre
Oliver Hilburger (bis 2008)
Bassgitarre
Michael Wendland
Letzte Besetzung
Gesang
Steffen Hammer
Bassgitarre
Patrick
Schlagzeug
Andy
Leadgitarre
Andreas "Mucke" Graupner

Noie Werte war eine der ältesten und bekanntesten deutschen Rechtsrock-Bands.

Bandgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Band wurde 1987 in der Nähe von Stuttgart gegründet und stieg in den 1990er Jahren zu einer der Kultgruppen der Rechtsrock-Szene auf. Sänger und Kopf der Band war seit 1988 der Rechtsanwalt Steffen Hammer aus Reutlingen, der auch solo als „nationaler Liedermacher“ auftrat. Der erste Auftritt als Band fand zusammen mit Boots & Braces in Schwäbisch Gmünd statt.[1]

Zur Gründungsbesetzung der Band gehörten Michael Wendland und Oliver Hilburger. Der langjährige Gitarrist Wendland war zeitweise Landesvorsitzender der NPD in Baden-Württemberg. Die anderen Mitglieder der Band wechselten häufig. Hammer entließ den Schlagzeuger Ende 1998 angeblich wegen der Herkunft seiner Freundin. Die Band stand danach vor der Auflösung und musste sogar über Anzeigen in Fanzines einen neuen Schlagzeuger suchen.

Der Bassist und spätere Gitarrist Hilburger war ehrenamtlicher Richter beim Arbeitsgericht Stuttgart (auf Vorschlag der Christlichen Gewerkschaft Metall) sowie gewählter Betriebsrat für die CGM im Daimler-Werk Untertürkheim. Außerdem war er im Landesvorstand der CGM als Beisitzer tätig. Im Mai 2007 wurde bekannt, dass Hilburger Mitglied der Band ist, und er musste auf Druck der Betriebsöffentlichkeit zurücktreten.[2] Obwohl er sein Amt als Arbeitsrichter behalten wollte, enthob ihn das Landesarbeitsgericht Baden Württemberg im Januar 2008 dieses Amtes. Das Gericht kam in Auseinandersetzung mit den Liedtexten von Noie Werte und dem Auftreten der Band zu dem Schluss, dass diese Assoziationen zum nationalsozialistischen Regime weckten, gewaltverherrlichend seien und von einer verfassungsfeindlichen Ideologie zeugten. Eine Beschwerde gegen die Amtsenthebung vor dem Bundesverfassungsgericht hatte keinen Erfolg,[3] woraufhin Hilburger Noie Werte verließ.

Bei den Betriebsratswahlen des Daimler-Werkes Untertürkheim im März 2010 trat Hilburger mit der neu gegründeten Liste Zentrum-Automobil an.[4] Bei der Vorstellung auf einer Betriebsversammlung bezeichnete Hilburger seine rechtsextreme Vergangenheit als „Jugendsünde“ und erklärte, „dass es z. T. widersprüchliche, irritierende und unklare Stationen in meiner Biographie speziell aus der Zeit als junger Erwachsener Anfang der 1990er Jahre gibt, welche offensichtlich geeignet sind, zu einer irreführenden Einschätzung bezüglich meiner Person zu gelangen. Diesem Bild entspreche ich heute nicht mehr“.[5]

In den Publikationen von Zentrum Automobil ist vom „Irrweg des Internationalismus“, der „Stärkung des Nationalgedankens“ und einer „gegenseitigen Abhängigkeit von Arbeitnehmer und Arbeitgeber“ die Rede, während weitere Zuwanderungen abgelehnt werden.[6] Die Kandidatur stieß auf Kritik vonseiten der IG Metall und veranlasste Mitarbeiter mit T-Shirts den Satz „Kein Applaus für Nazis“ zu bilden. Hilburger und ein weiterer Zentrum-Kandidat wurden in den Betriebsrat gewählt.[7]

Die rechtsextremistische terroristische Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund nutzte im März 2001 die Titelstücke der Alben Am Puls der Zeit (2000) und Kraft für Deutschland (1991) zur musikalischen Unterlegung des ersten ihrer Bekennervideos.[8][9] In dem unveröffentlichten Video verherrlicht der Nationalsozialistische Untergrund die Ermordung von Enver Şimşek am 9. September 2000 in Nürnberg, die der terroristischen Vereinigung zur Last gelegt wird.[10] Am 18. Dezember 2011 distanzierte sich Oliver Hilburger von den Taten des Nationalsozialistischen Untergrundes und erklärte, sich seiner Verantwortung als ehemaliges Mitglied der Band Noie Werte zu stellen. In seiner Stellungnahme heißt es weiter:

„Jedenfalls möchte ich mein Wirken in dieser Gesellschaft so verstanden wissen, dass für mich absolut klar ist, dass Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt gegenüber Mitmenschen keinen Platz in meinem Leben finden und ich mich von jenen deutlich distanziere, die dies nicht können. Weder will ich mit solchen Leuten etwas zu tun haben, noch möchte ich, dass solche Leute Dinge die ich tue für ihre Zwecke missbrauchen.“

Oliver Hilburger: Presseerklärung[11]

Steffen Hammer arbeitet als Rechtsanwalt in der gleichen Kanzlei in Stuttgart und Rastatt wie die Anwältin Nicole Schneiders, die den der Unterstützung des NSU verdächtigten Ralf Wohlleben verteidigt und dessen Stellvertreterin im Vorsitz des Jenaer NPD-Kreisverbandes sie bis 2003 war.[12]

Im Dezember 2010 gab Noie Werte ihre Auflösung über die eigene Website bekannt.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Band hat sieben Alben auf ihrem eigenen Label G.B.F. Records veröffentlicht. Die Themen der Lieder gehen von Wikinger-Mythen über Skinhead-Kult, Deutschnationalismus und Ausländerfeindlichkeit bis zu Balladen über deutsche Heimatvertriebene. Die 1991 erschienene CD/LP Kraft für Deutschland (veröffentlicht auf dem französischen Rechtsrocklabel Rebelles Européens) wurde am 28. November 1992 durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert.

2004 veröffentlichte die Band zusammen mit der rechtsextremen Liedermacherin Annett Moeck unter dem Namen Faktor Widerstand die CD Wir sind dabei ebenfalls bei G.B.F Records. Die Texte der musikalisch an Ina Deter angelehnten CD sind rechtsextrem, vor allem sozialchauvinistisch und verherrlichen den Nationalsozialismus. Noie Werte und Faktor Widerstand sind auch auf der von Neonazis aus dem Umfeld der Freien Kameradschaften 2004 zu Propagandazwecken erstellten Schulhof-CD mit dem Titel Anpassung ist Feigheit. Lieder aus dem Untergrund und den beiden Schulhof-CDs der NPD 2004 und 2005 vertreten, dabei mit Textzeilen wie „Ich kenne deinen Namen, ich kenne dein Gesicht. Du bist die Faust nicht wert, die deine Nase bricht“. 2008 erschien nach über 8 Jahren wieder ein neues Album der Band, dieses trug den Namen Zwanzig. Im Jahr 2010 veröffentlichte die Band ihr letztes Album mit dem Titel Verraten & Verzockt.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noie Werte zählte zu den erfolgreichsten rechtsextremen Bands der deutschen Szene. Laut eigenen Angaben setzten sie von ihren ersten drei Alben jeweils mehr als 15.000 Exemplare ab. Sie war auch international erfolgreich und spielten weltweit Konzerte.[1] Steffen Hammer, Oliver Hilburger und weitere Mitglieder der Band führten das Plattenlabel und den Versand German-British Friendship (G.B.F. Records), das ab Mitte der 90er Jahre maßgeblich zur Ausweitung des Neonazi-Musiknetzwerkes Blood and Honour von Großbritannien nach Deutschland beitrug.

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

CD[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1991: Kraft für Deutschland (indiziert) (LP)
  • 1996: Sohn aus Heldenland (Album)
  • 2000: Am Puls der Zeit (Album)
  • 2004: Noie Werte – live (Album)
  • 2008: Zwanzig (Album)
  • 2009: Noie Werte – Unplugged (Album)
  • 2010: WIR! (Maxi-CD)
  • 2010: Verraten & Verzockt (Album)

DVD[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2009: Noie Werte – Die Besessenen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Anton Maegerle: „Lieder für die Ewigkeit“. Blick nach rechts, 6. Januar 2011, abgerufen am 8. Januar 2011.
  2. Unerträgliches Schweigen. In: ScheibenWischer, Nr. 243, September 2007, S. 3.
  3. Der Beschluss im Volltext
  4. http://www.zentrum-automobil.de/ Zentrum Automobil
  5. Genug ist Genug! In: Zentrum Automobil e.V., 3. März 2010 (PDF).
  6. http://www.zentrum-automobil.de/component/option,com_docman/task,cat_view/gid,33/Itemid,73/ Publikationen Zentrum-Automobil
  7. Jan Riebe: Rechtsaußen im Betriebsrat. In: Netz gegen Nazis, 19. März 2010.
  8. Nazi-Band "Noie Werte" liefert Musik für NSU. In: Stuttgarter Nachrichten, 14. Dezember 2011.
  9. Hans-Jörg Conzelmann: Mit sofortiger Wirkung geschlossen. In: Reutlinger General-Anzeiger, 22. Dezember 2011.
  10. Birger Menke: Ermittler rekonstruieren Totenkopf-Botschaft. Spiegel Online, 14. Dezember 2011.
  11. Oliver Hilburger: Presseerklärung. Zentrum Automobil e.V., 18. Dezember 2011, abgerufen am 21. Dezember 2011.
  12. Meinrad Heck: Von Rechts wegen. In: Kontext:Wochenzeitung, 8. Dezember 2011.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]