Noimuti

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Die Enklave von Noimuti in Westtimor im Jahre 1911. Orange: Niederländisch-Timor; Grün: Portugiesisch-Timor

Noimuti (Noemuti) ist ein Ort im Norden Westtimors, der früher das kleine Reich eines Liurai bildete. Heute teilt sich Noimuti in die Distrikte (Kecamatan) Noimuti und Ostnoimuti im Regierungsbezirk (Kabupaten) Nordzentraltimor.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich war Noimuti kein eigenständiges Reich. Ein Teil gehörte zu Amanuban, die andere Hälfte zu Miomaffo. Noimuti wurde an die Römisch-Katholische Kirche geschenkt, die die Verwaltung übernahm. Menschen aus der Umgebung siedelten in dem Gebiet. Schließlich übernahm Portugal die Verwaltung.

1752 griffen die Niederländer unter Führung des Deutschen Hans Albrecht von Plüskow, dem Kommandanten von Kupang, das Topasse-Reich von Noimuti an.[2] Plüskow nahm hier 400 Gefangene und eroberte 14 Kanonen.[3] Noimuti blieb aber zunächst eine Enklave unter portugiesischer Oberhoheit im niederländischen Westtimor, die über einen Korridor mit dem portugiesischen Oe-Cusse Ambeno und so mit dem Meer verbunden war. Später wurde der Korridor von den Niederländern und einheimischen Herrschern blockiert.

Portugiesische Karte von Oe-Cusse Ambeno und Noimuti (1914)

Ende des 18. Jahrhunderts floh Prinz Richardus oder Richardus Sonbai nach Noimuti. Er war der Sohn des Liurais Neno Sonbai (Dom Pedro von Sonba’i) und Bruder des Liurai Bau. Die Familie gehörte zu den Topasse, Mestizen, die von Portugiesen und Einwohnern der Inseln Flores und Solor stammen. Er ließ sich in Noimuti nieder und wurde Liurai von Noimuti. Nach einigen Quellen wurde er auch symbolischer Liurai von Oecussi, eventuell auch von weiteren Gebieten in Westtimor. Zumindest heiratete Richardus eine Prinzessin von Oe-Cusse. Er starb um 1800. Dom Matheus da Costa wurde der neue Herrscher von Noimuti. Sein Bruder Dom Domingos III. da Costa herrschte danach von 1879 bis 1896. Nach der Abdankung Dom Domingos folgte Dom Domingos IV. Er war der letzte Liurai mit wirklicher Regierungsmacht. Die Nachfolger waren nur noch kulturelle Herrscher und religiöse Führer der Bevölkerung.[4]

Herrscher Regierungszeit
Leu Sonbai alias Alfonso Salema 1749–1752
António da Costa ab 1757
Richardus Sonbai bis etwa 1800
Dom Domingos I. (?) ?
Dom Domingos II. (?) ?
Dom Matheus I. da Costa bis 1879
Dom Domingos III. da Costa 1879–1896
Dom Domingos IV. da Costa 1896–1915
Fettor Koko Salem 1915 - ?
Dom Matheus V. 1940–1953
Dom Michael 1953-?
Dom Antonius ?

Im Vertrag von Lissabon hatten die Niederlande 1859 die portugiesische Oberhoheit über Noimuti und Oecussi-Ambeno anerkannt. Im Ostteil Timors existierte dafür die niederländische Exklave Maucatar. Versuche der Herrscher Oe-Cusses scheiterten, Ansprüche auf den Bikomistreifen zu erheben, um eine Landverbindung nach Noimuti zu erhalten.[5]

Am 17. August 1916 wurde in Den Haag der Vertrag auf Grundlage eines Urteils des Internationalen Gerichtshofs von 1913 (Sentenca Arbitral) unterzeichnet, der weitgehend die heute noch bestehende Grenze zwischen Ost- und Westtimor festlegte. Die Enklaven Noimuti und Maucatar wurden zwischen den Kolonialmächten ausgetauscht.[6] Dom Domingus IV. da Costa wurde bereits 1915 durch seinen Stellvertreter Fettor Koko Salem ersetzt, da Domingus zu sehr auf der portugiesischen Seite stand. Noimuti wurde Teil Miomafos ab dem 25. April 1917. Die Fettor-Familie hatte das Amt bis 1940 inne. 1940 bis 1953 war Matheus V. Liurai von Noimuti. Die Japaner besetzten Timor zwischen 1942 und 1945 (siehe Schlacht um Timor), danach kamen die Niederländer wieder. Doch die lokalen Herrscher hatten wieder an Einfluss gewonnen. 1949 wurde Westtimor Teil des unabhängigen Indonesiens. 1953 folgte Dom Michael, der Bruder Matheus V. Später kam Dom Antonius, Sohn von Matheus V. Der heutige Kronprinz ist Muda Francisco da Costa.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Liste der Verwaltungseinheiten Indonesiens bis runter auf die Desas 2010 (Memento vom 6. April 2013 im Internet Archive) (englisch; PDF; 5,9 MB)
  2. James J. Fox: “The Paradox of Powerlessness: Timor in Historical Perspective”, 9. Dezember 1996, Department of Anthropology, Research School of Pacific and Asian Studies, The Australian National University (Memento vom 6. Juli 2007 im Internet Archive) (PDF; 70 kB)
  3. Frédéric Durand: Three centuries of violence and struggle in East Timor (1726-2008), Online Encyclopedia of Mass Violence
  4. a b Royal Timor - Noimuti. Archiviert vom Original am 21. Dezember 2010; abgerufen am 8. Januar 2016.
  5. Laura Suzanne Meitzner Yoder: Custom, Codification, Collaboration: Integrating the Legacies of Land and Forest Authorities in Oecusse Enclave, East Timor, S. 84 ff., Dissertation, Yale University, 2005 (PDF-Datei; 1,46 MB (Memento vom 7. März 2007 im Internet Archive)).
  6. CAVR-Report von 2005: Part 3: The History of the Conflict (PDF; 1,4 MB)

Koordinaten: 9° 34′ S, 124° 28′ O