Nonnenfürzle

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Nonnenfürzle

Nonnenfürzle (auch: Nonnenfürzchen) bezeichnet ein Schmalzgebäck aus dem süddeutschen Raum, es ist vor allem in Schwaben und im Allgäu bekannt.

Traditionell vertilgt werden Nonnenfürzle zur Fastnacht, hergestellt werden sie aus Brandmasse: mit zwei Teelöffeln werden kleine Kugeln abgestochen und in heißem Fett schwimmend ausgebacken. Noch heiß wird das Gebäck in Zucker gewendet.

Ursprüngliche Rezeptur und Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zurzeit wird allgemein davon ausgegangen, dass der Name der gebackenen Nonnenfürzle von Furz abgeleitet wird (wohl wegen des luftigen Brandteigs).

Sprachforscher gehen aber sowohl bei der Namensherkunft als auch bei der Rezeptur der Nonnenfürzle von anderen Aspekten aus. Das Gebäck gab es schon in mittelhochdeutscher Schreibweise nunnen-vürzelîn[1] und war aus Pfefferkuchenteig. Auch Jacob und Wilhelm Grimm beschreiben in ihrem Wörterbuch die Nonnenfürzlein als "ein in nonnenklöstern übliches pfeffernuszartiges gebäck" (latein.globuli dulciarii piperati) und weisen auf die Wortherkunft vom französischen farce (Füllung) hin.[2]

Das „Neues Alamodisches Koch-Büchlein“ aus dem Jahr 1689 beschreibt im Rezept „Nonnen-Fürtzel zu machen“, wie aus einer mit Pfeffer, Zimt, Ingwer u. ä. gewürzten Marzipanfüllung Kügelchen geformt, in Teigstückchen gepackt und danach in einer Pfanne gebacken werden.[3] Der Bezug wird bei dieser Herstellung also zum Nonnenschleier gemacht.[4][5]

Die „klainen schwebischen Küchlen“ des Balthasar Staindl aus dem Jahr 1547 sind aus Brandteig, tragen aber keinen Namen in diesem Kochbuch („Ain künstlichs und nutzlichs Kochbuch“).[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine der frühesten schriftlichen Erwähnungen von "nunnen-förzlein" fand der Historiker Hartmann Joseph Zeibig in den Urkunden des Stiftes Klosterneuburg bei Wien, wo Küchenamtsrechnungen aus dem 14. Jahrhundert erhalten geblieben sind.[7]

Gebackene Nonnenfürzlein sind schon seit Jahrhunderten im ganzen deutschsprachigen Gebiet bekannt, werden aber der schwäbischen Kochkunst zugeschrieben.[8] Auch Martin Luther soll das „Kräpffel-Werck Nonnen-Fürtzel“ geschätzt haben, denn

er war ein sonderbarer Liebhaber und Kenner dergleichen Delicatessen, und führte überaus offt dieselbe in seinem praetendirten Christus-Mund.[9]

Der Begriff Nonnenfürzchen war überaus geläufig und kam auch in pikanten Schriften des 18. Jahrhunderts vor, wo das Leben der Nonnen als frivol geschmäht wurde.[10][11][8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Nonnenfürzle – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch: Zweiter Band: N-U. BoD – Books on Demand, 2017, ISBN 978-9925-05401-5 (google.de [abgerufen am 28. Dezember 2017]).
  2. Wörterbuchnetz - Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. Abgerufen am 27. Dezember 2017.
  3. SLUB Dresden: Neues Alamodisches Koch-Büchlein. S. 214, abgerufen am 28. Dezember 2017.
  4. Jahrbücher der Literatur. Gerold, 1824 (google.de [abgerufen am 28. Dezember 2017]).
  5. Theodor Heinsius: Volkthümliches Wörterbuch der deutschen Sprache: mit Bezeichnung der Aussprache und Betonung für die Geschäfts- und Lesewelt. L - R. Hahn, 1820 (google.de [abgerufen am 28. Dezember 2017]).
  6. Balthasar Staindl: Ain künstlichs und nutzlichs Kochbuch. Otmar, 1547, S. 33 (google.de [abgerufen am 27. Dezember 2017]).
  7. MDZ-Reader | Band | Urkundenbuch des Stiftes Klosterneuburg / Zeibig, Hartmann Joseph | Urkundenbuch des Stiftes Klosterneuburg / Zeibig, Hartmann Joseph. S. 45, abgerufen am 27. Dezember 2017.
  8. a b Karl Friedrich Wilhelm Wander: Bd. Lehrer bis Satte (der). F.A. Brockhaus, 1873 (google.de [abgerufen am 27. Dezember 2017]).
  9. Michael Kuen: Lucifer Wittenbergensis, Oder der Morgen-Stern von Wittenberg: Das ist: Vollständiger Lebens-Lauff Catharinae von Bore, Des vermeynten Ehe-Weibs D. Martini Lutheri, Meistentheils aus denen Bücheren Lutheri, aus seinen safftigen Tisch-Brocken, geistreichen (scilicet) Send-Schreiben, und anderen raren Urkunden verfasset, In welchem Alle ihre Scheintugenden, erdichtete Großtaten, falsche Erscheinungen und elende Wunder-Werck/nebst dem ganzen Canonisations-Prozeß, wie solcher von ihrem Herrn Gemahl noch bey ihren Lebs-Zeiten vorgenommen worden, weitläuffig erzehlet werden. Singer, 1749 (google.de [abgerufen am 27. Dezember 2017]).
  10. Modest Hahn: Unschuldiges Nonnen-Kapitel gehalten in dem Kloster Zankershausen. Bey dem Verleger, 1777, S. 27 (google.de [abgerufen am 27. Dezember 2017]).
  11. Anton Schrautzer: Klägliche Nonnenbriefe über ihr itziges Schicksal in Böhmen. 1782 (google.de [abgerufen am 27. Dezember 2017]).