Nontron

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Nontron
Wappen von Nontron
Nontron (Frankreich)
Nontron
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Dordogne
Arrondissement Nontron
Kanton Périgord Vert Nontronnais (Hauptort)
Gemeindeverband Périgord Nontronnais
Koordinaten 45° 32′ N, 0° 40′ OKoordinaten: 45° 32′ N, 0° 40′ O
Höhe 152–308 m
Fläche 24,67 km2
Einwohner 3.085 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 125 Einw./km2
Postleitzahl 24300
INSEE-Code
Website http://www.nontron.fr/

Stadtansicht Nontron

Nontron, okzitanisch Nontronh, ist eine Stadt in der französischen Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016 Aquitanien) im Département Dordogne mit 3085 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016). Die Stadt ist Sitz der Unterpräfektur (frz. Sous-préfecture) des Arrondissements Nontron und Hauptort des Kantons Périgord Vert Nontronnais (bis 2015 Kanton Nontron).

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ursprung des Stadtnamens ist etwas diffus. Angeblich soll die Namensentwicklung von Natadun über Nattun, Nantrun und Nontroun nach dem jetzigen Nontron verlaufen sein, wobei Natadun angeblich aus dem Phönizischen stammt (Nata = Tal, Dun = Berg).

Andere Erklärungsmöglichkeiten berufen sich auf gallorömische Eigennamen wie beispielsweise Nantirius, Nantironius oder Nantirionius.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nontron über der Flussschleife des Bandiat

Nontron ist nördlich hoch über einer Flussschleife des Bandiat erbaut, der hier eine bedeutende Richtungsänderung in seinem Lauf von Nordost-Südwest nach Südost-Nordwest vollzieht. Der Fluss fließt auf etwa 160 Meter Höhe und hat sich dabei bis zu knapp 150 Meter tief in die umliegenden Gesteine eingeschnitten. Die Altstadt von Nontron überragt den Fluss um gut 50 Meter. Neben dem Bandiat als Hauptfluter sind vorwiegend nur kleinere rechte Nebenflüsse wie beispielsweise der Ruisseau de Vergnes zu nennen, welcher nach Südwest abfließt und die Gemeindegrenze zu Saint-Martin-le-Pin bildet.

Die Gemeinde befindet sich auf einer durchschnittlichen Meerhöhe von 230 Meter über N. N., ihr tiefster Punkt mit 152 Meter liegt am Bandiat direkt südlich unterhalb der Stadt, ihr höchster Punkt mit 308 Meter nördlich vom Weiler Brégout im Osten.

Nontron wird von folgenden sieben Gemeinden umgeben:

Das Gemeindegebiet Nontrons umfasst zahlreiche verstreut liegende Weiler, allein liegende Höfe, Mühlen, einstige Ziegeleien und Geländepunkte wie beispielsweise Azat, Balassou, Barouffières, Bois d’Azat, Bord, Brégout, Brouillac, Chez le Maire, Chez Pouge, Chez Roderie, Fonladier, Gaumondières, Goulat, Goulières, Gourbelières, La Bardinie, La Chapoulie, La Côte, La Francherie, La Maladrerie, La Mothe, La Paulinie, La Petite Tuilière, La Picaudie, La Roderie de Bord, La Serve Verte, La Truffière de Bord, La Tuilière de Bord, La Tuilière, Lacaud, Lafarge, Lamandeau, Le Centre Aéré, Le Chatenet, Le Mas de la Roche, Le Meynissou, Le Moulin Blanc, Le Moulin du Bord, Le Pic, Le Puy, Le Reclaud, Les Belles Places, Le Vieux Manoir, Les Champs, Les Farges, Les Fourneaux, Les Granges, Les Justices, Les Loges, Les Mines du Puy, Les Nouailles, Les Petites Granges, Les Salles, Papelebre, Poperdu und Puyrigard.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Massiver Bleiglanz aus einem Quarzgang im feinkörnigen Piégut-Pluviers-Granodiorit. Mine du Cantonnier, südöstlich von Nontron

Nontron gehört geologisch noch zum Grundgebirge des Massif Central. Die Stadt liegt unmittelbar am Nordwestrand des Variszikums. Direkt unterhalb der Stadt beginnt das jurassische Kalkgestein des Aquitanischen Beckens. Diese sehr unterschiedlichen Gesteinsformationen sind der Grund für die abwechslungsreiche Landschaft um die Stadt herum.

Die Unterstadt und ein Teil der Altstadt wurden auf Paragneis errichtet, eine der ältesten geologischen Formationen im westlichen Massif Central aus dem Neoproterozoikum. Der Rest der Altstadt und das nördlich anschließende Industriegebiet liegen meist auf dem oberkarbonischen Piégut-Pluviers-Granodiorit mit seinen recht unterschiedlichen Fazies, vereinzelt aber auch auf Sedimentresten des auflagernden Unteren Jura.

Die Schichtenfolge des unteren Jura setzt mit Arkosen des Hettangiums ein, die aus der Basistransgression des Jurameeres über das kristalline Grundgebirge hervorgegangen sind. Darüber folgen dann Dolomite (meist stark rekristallisiert) und verkieselte Oolithe des Sinemuriums. Über graue Tone und Mergel des Aaleniums legen sich schließlich bioklastische und oolithische Kalke des Doggers, die aufgrund ihrer Nähe zur Randstörung oft sehr stark verkieselt vorliegen.

Die Hanglagen im Westen der Stadt und bei Barouffières im Osten werden von pleistozänem Kolluvium (geröllführenden Alteriten) verdeckt. Im Tal des Bandiat wurde nacheiszeitliches Alluvium abgelagert.

Das variszische Grundgebirge wird von zahlreichen Störungen, Apliten und Pegmatiten durchzogen, unter anderem auch von der Randstörung des Massif Central bei Les Mines du Puy und La Côte, an der die Pultscholle des Grundgebirges gegenüber dem Aquitanischen Becken angehoben wurde. Hauptrichtungen dieser Brüche sind Nordwest-Südost, Nordost-Südwest, untergeordnet auch Nordnordost-Südsüdwest, Ostnordost-Westsüdwest und Ostsüdost-Westnordwest.

Bei Nontron wurde früher in Erzgängen, die diesem typisch variszischen Bruchsystem folgen, nach Blei, Silber und Zink geschürft, auch Mangan und Baryt wurden abgebaut. Der Bergbau ist aber bereits seit geraumer Zeit zum Erliegen gekommen, der Bleibergbau wurde 1939 und der Manganabbau 1959 eingestellt. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist das Auftreten zum Teil recht seltener Minerale wie Anglesit, Cerussit, Krokoit, Mimetesit, Pyromorphit, Wulfenit und andere. Das Mineral Nontronit wurde nach seiner Typlokalität Nontron benannt.

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nontron bildet Teil des Regionalen Naturpark Périgord-Limousin.

Die Talungen des Bandiat und seiner kleinen Nebenflüsse sind als ökologische Schutzzonen des Typus 1 (Französisch ZNIEFFzone naturelle d’interêt écologique, faunistique et floristique) ausgewiesen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtzentrum von Nontron im Jahre 1925

Das Stadtgebiet dürfte bereits in der ausgehenden Bronzezeit um 1100 v. Chr. besiedelt gewesen sein. Die Anwesenheit der Römer ist durch eine Villenanlage beim unweit gelegenen Nontronneau und durch Straßenreste bei Poperdu und bei La Roderie de Bord belegt. Im Stadtgebiet selbst entstand außerdem ein gallorömisches Castrum. Später siedelten hier die Westgoten und die Franken. Der Siedlungsplatz im Gebiet der heutigen Altstadt wurde durch die Sarazenen im 7. Jahrhundert und erneut durch die Normannen im 9. Jahrhundert zerstört.

Im 8. Jahrhundert kam das ehemalige Castrum (bzw. dessen Nachfolger, eine im Jahr 785 erwähnte Festungsanlage) unter den Einfluss der Grafen von Limoges, die es anschließend an die Abtei Charroux übergaben. Im Verlauf des Weiteren Mittelalters wechselte Nontron mehrmals seine Zugehörigkeit. Im Jahr 1198 wurde es von Richard Löwenherz belagert. In der ersten Phase des Hundertjährigen Krieges verweilte Bertrand du Guesclin 1377 in Nontron. In den Hugenottenkriegen 1562 bis 1598 bemächtigten sich die Hugenotten der Stadt, die Reste der alten Festungsanlage wurden im Verlauf des Krieges dabei endgültig zerstört. Auf den Überresten der Festung wurde dann in der Mitte des 18. Jahrhunderts ein Schloss errichtet. Es gehört jetzt dem Département und beherbergt ein Museum für Puppen und historische Spielsachen. Während der Französischen Revolution 1789 bis 1799 wurde Nontron schließlich Unterpräfektur im neugegründeten Département Dordogne.

Zwischen 1891 und 1946 war Nontron über eine Eisenbahnlinie mit Thiviers und Angoulême verbunden. Der Güterverkehr auf dieser Strecke wurde 1970 eingestellt.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude ist noch vorhanden.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nontron ist bei weitem die bevölkerungsreichste Gemeinde im Kanton Périgord vert nontronnais.

Den Höhepunkt seiner Einwohnerzahl hatte Nontron im Jahr 1886 mit 4151 Einwohnern erreicht; der Tiefstand von 2943 Einwohnern im Jahr 1936 erreichte etwa die Werte des Jahres 1800. Es folgte ein erneuter Aufschwung auf 3954 Einwohner im Jahr 1975. Seitdem sind die Bevölkerungszahlen wieder rückläufig.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister in Nontron ist seit April 2014 der der PS angehörende Pascal Bourdeau.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Place du Canton

Neben den eingangs bereits erwähnten bergbaulichen Aktivitäten auf Blei und Silber wurde im Nontronnais bereits seit der gallorömischen Epoche Eisenerz gewonnen, welches in kleineren Hochöfen geschmolzen und in zahlreichen, an Flussläufen gelegenen Schmieden, weiterverarbeitet wurde. Die Eisenverarbeitung hielt bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts an.

Im 20. Jahrhundert etablierte sich in Nontron die Schuhindustrie, die mit mehreren Fabriken das örtliche Wirtschaftsgeschehen bestimmte. Darunter auch Unternehmen wie Adidas. Durch die Verlagerung der Produktion in der Schuhindustrie in Billiglohnländer erlebte Nontron Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger Jahre eine schwere wirtschaftliche Krise, die sich auch in einem deutlichen Rückgang der Bevölkerungszahlen bemerkbar machte.

Mittlerweile hat sich die Wirtschaft stark diversifiziert (insbesondere im tertiären Dienstleistungssektor) und sich dadurch wieder erholt. Unternehmen wie beispielsweise Hermès und mehrere Supermarktketten haben sich neu angesiedelt bzw. sich erweitert. Der Aufschwung erfolgte vor allem in der metall- und holzverarbeitenden Industrie, in den agrarischen Ernährungsprodukten, im Kunsthandwerk durch die Schaffung des Pôle expérimental métiers d'art, im Handel, im Baugewerbe und in der Tourismusbranche. Auch sehr spezialisierte Unternehmen sind zu erwähnen (Badezusätze, Reitsättel, Zinngegenstände, Ziermesser).

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nontron liegt abseits der großen Verkehrsachsen, fast gleich weit (etwa 50 Kilometer) von Périgueux, Angoulême und Limoges entfernt. Diese geographische Isolierung hat bisher immer den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt verhindert.

Über die D 675 von Brantôme nach Saint-Junien hat die Stadt Zugang nach Périgueux einerseits und in das Département Haute-Vienne andererseits.

Ferner zweigen von dieser Nord-Süd-Achse hier mehrere Départment-Straßen ab, so die D 75 nach Angoulême, die D 707 nach Thiviers und die D 85 nach Châlus und Limoges. Über die D 707 besteht Anschluss nach Mareuil und über die D 3 nach Villars. Es gibt außerdem noch einige kleinere Verbindungen zu umliegenden Nachbargemeinden.

Beschäftigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2012 betrug die erwerbsfähige Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren 1319 Personen bzw. 41,1 % der Gesamtbevölkerung. Seit 2007 ist die Zahl der Arbeitslosen von 160 auf 170 angestiegen und die Arbeitslosenrate liegt somit jetzt bei 12,9 %.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Dezember 2013 waren 457 Unternehmen in Nontron ansässig, davon 295 im Sektor Handel, Transport oder Dienstleistungen, 70 im Sektor Verwaltung, Bildung, Gesundheit oder Soziales, 50 im Baugewerbe, 31 in der Industrie und 11 in Landwirtschaft, Forsten und Fischerei.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rundturm und neuere Bebauung auf der ehemaligen Festungsanlage, Place Paul Bert
  • Die Fundamente der alten Festungsanlage in der Nähe des Place Paul Bert mit Gartenanlagen.
  • Das älteste Bauwerk, das Schloss Château de la Mothe, geht bis auf das Jahr 1478 zurück. Es wurde für Margarete von Navarra, die ältere Schwester von Franz I., erbaut.
  • Église des Cordeliers mit ehemaligem Klosterkonvent. Erhalten sind noch Reste des Eingangsportals.
  • Église Sainte-Claire, ebenfalls mit dazugehörigem Konvent.
  • Église Notre-Dame des Ronces, im neugotischen Stil zwischen 1873 und 1876 erbaut, mit Krypta, schönen Buntglasfenstern und sehenswerter Orgel.
  • Château de Nontron, Mitte 18. und 19. Jahrhundert. Das Schloss wurde auf den Fundamenten des einstigen Schlosses der Peytavi errichtet.
  • Das L'Hôtel de Ville (Rathaus), zwischen 1824 und 1830 erbaut.

Historische Bauwerke, zum Teil in Fachwerkbauweise, befinden sich in der Rue des Écoles, in der Rue Camille Chabanneau und in der Rue de Périgueux. Ein Renaissancehaus steht an der Place des Mobiles und Häuser aus dem 16. und 18. Jahrhundert sind in der Rue de la Croisette und an der Place des Mobiles zu sehen.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die karnevalsartige Mascarade des Soufflaculs im April. Der tiefere Hintergrund ist heidnischen Ursprungs und symbolisiert die Austreibung des Winters. Im Zusammenhang mit dieser Veranstaltung wurden zwei riesige Holzstatuen geschaffen, die so genannten Baboys, sie stehen am Parkplatz der Avenue Pasteur.
  • Das am ersten Wochenende im August stattfindende Fête du Couteau – ein Fest, bei dem die traditionsreichen Messer mit Buchsbaumgriff ausgestellt werden.
  • Eine normalerweise Ende August stattfindende Pferdeveranstaltung (Fête du Cheval).

Wochenmarkt

Jeden Samstagvormittag wird in der Altstadt von Nontron ein regional bedeutender Wochenmarkt abgehalten.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Photogalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nontrons Altstadt von Westen, Winteraufnahme
  • Dominique Beaudry, Dominique Beaudry, Serge la Barbera, Michel Mange, Daniel Marcadet (Hrsg.): Cahiers de Doléances du Nontronnais. Projet d'action éducative. Lycée Alcide Dusolier, Nontron 1989, ISBN 2-906379-19-0.
  • Jacques Lagrange (Hrsg.): Nontron & le Pays Nontronnais. 2 Bände. Éditions Pilote 24, Périgueux 1996–1997, ISBN 2-9509149-1-8 (Bd. 1), ISBN 2-9509149-5-0 (Bd. 2), („Quinze enfants du pays, parmi les plus titrés, ont livré leurs dernières études sur les différents aspects de leur terre“).
  • Hervé Lapouge: Les Maires de Nontron ou Deux Siècles de vie municipale. Préface de Frédéric de Saint-Sernin. Deltaconcept, Nontron 2005, ISBN 2-9520843-7-8.
  • Ribault de Laugardière: Monographie de la ville et du canton de Nontron (Dordogne). E. Laporte, Périgueux 1888, (Neuauflage. Laffitte, Marseille 1979).
  • Les minéraux de Nontron (Dordogne) In: Le Règne Minéral. Nr. 84, Novembre/Décembre 2008, ISSN 1259-4415.
  • Périgord, Quercy (= Le guide vert. 20). Michelin Éditions du Voyage, Paris 2000, ISBN 2-06-037005-1.
  • Dominique Richard (Hrsg.): Le Guide Dordogne-Périgord. Fanlac, Périgueux 1993, ISBN 2-86577-162-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nontron – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien