Noordwijk

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Gemeinde Noordwijk
Flagge der Gemeinde Noordwijk
Flagge
Wappen der Gemeinde Noordwijk
Wappen
Provinz Südholland Südholland
Bürgermeister Jan Rijpstra
Sitz der Gemeinde Noordwijk
Fläche
 – Land
 – Wasser
51,86 km²
36,02 km²
15,84 km²
CBS-Code 0575
Einwohner 25.765 (1. Apr. 2016[1])
Bevölkerungsdichte 497 Einwohner/km²
Koordinaten 52° 14′ N, 4° 27′ OKoordinaten: 52° 14′ N, 4° 27′ O
Vorwahl 071 und 0252
Postleitzahlen 2202–2203
Website www.noordwijk.nl
Lage von Noordwijk in den Niederlanden
Topografische Karte der Gemeinde Noordwijk (2011)
Noordwijk, Kirche: de Sint Jeroenskerk

Die niederländische Gemeinde Noordwijk ( anhören?/i) liegt in der Provinz Südholland, zwischen Katwijk und Zandvoort, im Zentrum der Bollenstreek (Deutsch: Blumenzwiebelgegend). Noordwijk ist seit 150 Jahren ein international bekanntes Seebad und auch international bekannt als „Blumenbadeort Europas“.

Die Gemeinde Noordwijk besteht aus den Orten Noordwijk aan Zee und Noordwijk-Binnen. Neben der Bekanntheit als Badeort ist Noordwijk auch wegen seiner großen Blumenzwiebelfelder (Tulpenzüchtung) international bekannt. Hier hat das Europäische Weltraumforschungs- und Technologiezentrum (ESTEC) der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) seinen Sitz.

Noordwijk als Seebad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Seebad kennzeichnet Noordwijk aan Zee ein breiter, 13 km langer schöner Sandstrand, sowie ein sehr großes Dünengebiet. Strand und Dünen erstrecken sich nach Norden bis Zandvoort und im Süden bis Katwijk aan Zee. Weitere Attraktionen sind die Promenade mit zahlreichen Restaurants, das alte Zentrum und zahlreiche Kneipen und Diskotheken. Noordwijk verfügt als Seebad über eine große Anzahl von Hotels (darunter das Grandhotel Huis ter Duin), Ferienhäuser und Pensionen mit über 3400 Betten und verzeichnet jährlich über 1 Mio. Übernachtungen. Noordwijk ist mit über 250 Kongressen jährlich die zweitwichtigste Kongressdestination der Niederlande und das drittgrößte Seebad der Niederlande.

Blumenbadeort Europas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noordwijk, welches zum Bollenstreek gehört, wird auch wegen seiner großen Blumenzwiebel- und Tulpenfelder als der Blumenbadeort Europas bezeichnet. Jährlich startet in Noordwijk einer der bekanntesten Blumenkorsos (Bloemencorso van de Bollenstreek) der Welt, der aus über zwanzig Prunkwagen und gut dreißig üppig mit Blumen geschmückten Limousinen besteht, zu seiner ca. 40 km langen Tour, die auch an dem international bekannten Keukenhof vorbeikommt. Der rund 7 km entfernte Keukenhof (in Lisse) ist einer der größten Blumenparks der Welt und hat sich zu einer der größten niederländischen Touristenattraktionen entwickelt.

In Noordwijk (Huis ter Duin) endet in der Regel die Internationale Tulpenrallye, die mit fast 60 Jahren als älteste, längste und bekannteste Rallye für historische Fahrzeuge in den Niederlanden gilt.[2]

Sehenswürdigkeiten und Attraktionen in Noordwijk und Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der 13 km lange Sandstrand am Bollenstreek.
  • Die Noordwijker Dünen haben europäische Bedeutung, unter anderem Coepelduynen, Noordduinen (Nadelwald und Vogelbrutgebiet) und Langeveld, und wurden daher als Natura-2000-Gebiete ausgewiesen.
  • Kunst in den Dünen – Parkplatz am Anfang des Duindamseslag. Länge der Kunstroute: 4 km
  • Jährlicher Blumenkorso – (Bloemencorso van de Bollenstreek)
  • Der Noordwijker-Leuchtturm und die beiden Strandpromenaden
  • Space Expo Noordwijk
  • Altes Stadtzentrum Noordwijk-Binnen
  • Turm Oude Jeroenskerk – der Turm hat 110 Stufen, ist 40 Meter hoch und die Wände sind 2 Meter dick. Von oben gibt es einen wunderschönen Blick auf Noordwijk, Umgebung und die Nordsee.
  • Keukenhof
  • Adventure Park De Rollygolf
  • Indoor-Spielplatz KidsZoo (Noordwijkerhout)
  • Golf Centrum Noordwijk
  • Museum Noordwijk (Heimatmuseum)
  • Atlantikwall Museum Noordwijk
  • Heimatmuseum Veldzicht (ehem. Bauernhaus)
  • Landgut Leeuwenhorst (altes Waldgebiet, in der Gemeinde Noordwijkerhout)
  • Amsterdamer Waterleidingduinen
  • Die Hoogewegse Molen (Poldermühle) und Reichsmonument
  • Die Universitätsstadt Leiden

Persönlichkeiten in Noordwijk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Max Liebermann (1906): Düne bei Noordwijk mit Kind – Privatbesitz

Persönlichkeiten, die in Noordwijk lebten oder Erholung suchten, waren unter anderem Thomas Mann, Maria Montessori (in Noordwijk begraben), der Unternehmer Alfred Heineken, Ex-Kaiserin Soraya,[3] die Dichterin Henriette Roland Holst, der Psychoanalytiker Sigmund Freud, der Schriftsteller Stefan George, die Pianistin Pia Beck, der Tenor Jacques Urlus, die Schriftstellerin Margriet de Moor sowie zahlreiche Maler und Künstler wie zum Beispiel Max Liebermann[4], Jan Hillebrand Wijsmuller[5] und bekannte Filmdarsteller.

Der Landschaftsmaler Ludolph Berkemeier (in Noordwijk begraben) siedelte 1896 nach Noordwijk über und ist durch seine Gemälde in der Stilrichtung der Haager Schule[6] bekannt.

Noordwijk ist auch Wohnsitz von Fußballtrainer Louis van Gaal. Im März 2014 übernachten der US-Präsident Barack Obama und der Staatspräsident der Volksrepublik China Xi Jinping in Noordwijk.[7]

Nachhaltiger Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2012 wurde Noordwijk die Auszeichnung QualityCoast Gold für besondere Anstrengungen in der nachhaltigen Entwicklung verliehen. Daher wurde Noordwijk in den weltweiten Atlas für nachhaltigen Tourismus, DestiNet, aufgenommen.[8]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichtliche und römische Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlauf des Limes von Köln nach Katwijk als nördlichster Endpunkt
Römische Trireme, wie sie auch zum Küstenschutz eingesetzt wurde

In Noordwijk gibt es Fundorte aus frühgeschichtlicher und insbesondere der römischen Zeit. Hier existiert einer der beiden niederländischen Fundstellen für ein Haus aus der Frühen Bronzezeit.

Das römische Kastell und der dazugehörige Seehafen Lugdunum Batavorum (Brittenburg) am Oude Rijn lag zwischen Katwijk aan Zee und Noordwijk aan Zee und ist in der römischen Tabula Peutingeriana verzeichnet. Dieser Stützpunkt hatte die Aufgabe, den Nordzipfel des Limes vor Übergriffen aus Germainen zu schützen. Die von hier aus operierende kleine Flottille der Provinz GERMANIA INFERIOR sollte auch den Seeweg nach Britannien überwachen. Von den Ruinen des ehemaligen Römerkastells wurden nach den Stürmen von 1520, 1552[9] und 1562 am Strand Grundmauern freigespült. Die wieder verschwundenen Mauern werden heute einen Kilometer westlich des ESTEC Zentrums vermutet; derzeit gibt es archeologische Bestrebungen, diesen geschichtsträchtigen Ort wiederzufinden.[10]

Geschichte Noordwijks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursprünge von Noordwijk[11] gehen auf 856 zurück, als der Priester und Missionar Jeron als Märtyrer durch die Normannen umgebracht wurde. Daraufhin wurde eine romanische Kapelle errichtet, welche zum Wallfahrtsort wurde.

Noordwijk wurde in mittelalterlichen Dokumenten als Northogo (in unterschiedlichen Schreibweisen) bezeichnet. Im Frühmittelalter war Northogo fränkisches Königsgut, dann gehörte es zur Grafschaft Holland (885–1299), von 1299 bis 1354 zur Grafschaft Hennegau, von 1354 bis 1433 den Wittelsbachern, von 1522 bis 1482 dem Haus Burgund und von 1482 bis 1581 zu Habsburg. Ab 1198 treten erstmals die Herren van Noordwijk auf. Albrecht I. von Bayern verlieh Noordwijk 1398 die Stadtrechte, welche aber 1399 wieder entzogen wurden. Noordwijk wurde wieder eine Niedere Herrlichkeit (Ambachtsherrlichkeit).[11] 1429 wurde Noordwijk Pilgerort. 1500 hatte Noordwijk etwa 1500 Einwohner.

Eine besondere Rolle spielte seit dem Mittelalter das Landgut Offem, welches im 18. Jahrhundert in seiner heutigen Form errichtet wurde. Es ist seit 2009 Reichsmonument. Auch entwickelte sich ein reiches Kirchen- und Klosterleben, insbesondere um das St. Babarakloster, welches 1572 aufgegeben wurde. In der Umgebung von Noordwijk wurde 1261 das große Zisterzienserkloster Leeuwenhorst in Noordwijkerhout gegründet, welches große Ländereien (über 1263 ha) besaß, davon viele in der Gemarkung Noordwijk. Es wurde 1571 aufgegeben, fiel dann Brandstiftung zum Opfer und ist heute Kongresszentrum.

Der ehemalige Fischerort Noordwijk aan Zee wurde um 1200 gegründet. Üblich war die Abgabe des Zehnten des Fangs an den jeweiligen Landesherren. Im Jahre 1444 erhielt Noordwijk einen Leuchtfeuer – eine erhöhte Feuerstelle trifft es eher. Um 1474 besaß Noordwijk 38 große und kleine Fischerboote, die immer vom Strand aus ablegten und anlandeten. Die Fischerei war bis Ende des 19. Jahrhunderts eine der Haupteinnahmequellen für Noordwijk-Binnen. Der letzte Bomschit lege im Jahre 1913 ab.

Im 18. und 19. Jahrhundert war Noordwijk das wichtigste Kräuterzentrum der Niederlande und belieferte vornehmlich Amsterdam. Um 1880 wurde dieses durch die Blumenzwiebelzucht abgelöst. Etwa ab 1819 wurde Noordwijk exklusiver Badeort für die Oberschicht. Mit der Eröffnung des ersten Hotels, des Grandhotels Huis ter Duin 1885, wurde der Grundstein für Noordwijk als zukünftiges Seebad gelegt. Es folgte ein starkes Anwachsen der Bevölkerung von 5.000 Einwohnern um 1900 auf über 25.000 Einwohnern zum Ende des 20. Jahrhunderts.

Noordwijk im 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein typisches Fischerboot, wie es vor der Küste Noordwijks anzutreffen war, genannt „Bomschuit“

Es folgte im 20. Jahrhundert der Bau von zahlreichen Hotels wie dem Palace Hotel, dem Hotel Nordzee, dem Poolstar und wenigen Privathäusern entlang des Nordboulevard, sowie der Bau von Hotels und Villen entlang und hinter dem Südboulevard.[11][12] 1923 wurde der 33 m Hohe Leuchtturm gebaut, der als eines der Wahrzeichen von Noordwijk gilt. Im Zweiten Weltkrieg wurden als Teil des Atlantikwalls kolossale Betonmauern als Panzersperren auf den Boulevards errichtet und durchzogen den gesamten Strand- und Dünenbereich. Zeugnisse des Atlantikwalls, insbesondere Bunkerbauten finden sich noch heute in den Dünen.[13] Südlich des Langevelderslag wurde Anfang des 20. Jahrhunderts eine Radio- und Funkempfangsstation (Radio Nora / Noordwijk Radio) errichtet, welche im Zweiten Weltkrieg als wichtigste Funkstation zum Kontakt mit U-Booten diente. Auch ein Landeplatz wurde angelegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Station weiterhin militärisch genutzt, ist heute aber unbemannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bis Anfang der 1980er bestand der Noordboulevard aus drei- maximal vierstöckigen Gebäuden. Ende der 1970er Jahre erfolgte dann der Abriss zahlreicher Hotels und Privathäuser auf den Noordboulevard und der Bau von mehrstöckigen Appartementhäusern und Luxushotels wie dem neuen Hotel Orange (Fünf Sterne), welche das Ortsbild der Strandpromenade des Königin Wilhelminaboulevard bis heute prägen. 1976 brannte das ortsprägende alte Palace Hotel vollständig ab und wurde abgerissen. Auch das Grandhotel Huis ter Duin brannte 1990 ab und wurde zusammen mit einem großen Appartementkomplex wiedererrichtet. Mit dem Abriss der legendären Diskothek Boule 7,[14] einer der ältesten Diskotheken der Niederlande, endete 1994 auch das Nachtleben auf dem Nordboulevard. Das südliche Königin Astridboulevard blieb nahezu unverändert.

10 km vor der Küste (außerhalb der niederländischen Hoheitsgewässer) wurde 1964 das REM-eiland errichtet, welches Basis für einen Piratensender (TV Noordzee) war. Hier wurde 1976 der Fernsehfilm „Trimmel und der Tulpendieb“ (Tatort) gedreht. Die Station wurde 2006 demontiert.

Zunächst 18 km vor der Küste (dann 14 km, sichtbar) soll ein großer Windpark errichtet werden, wo nach massiven Protest der Abstand auf 23 km ab der Küste verlängert wurde[15]. Der Windpark ist in Betrieb.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jeroen Salman: Aan zee en op de geest: Een nieuwe geschiedenis van Noordwijk, Stichting Geschiedschrijving Noordwijk, Noordwijk, 2011, ISBN 978-90-816502-2-9.
  • Noordwijk: Webster's Timeline History, 1398–2007, by Icon Group International, 2010.
  • E.W. Petrejus: De Bomschuit, een verdwenen scheepstype, 1954, Museum voor Land- en Volkerkunde enhet Maritiern Museum „Prins Hendrik“, Nr. 2.
  • Norma Broude (1990): World Impressionism: The International Movement – 1860–1920, Harry N. Abrams, inc. ISBN 0-8109-1774-2.
  • Ronald de Leeuw, John Sillevis, Charles Dumas (1983): The Hague School, Dutch Masters of the 19th Century. – Exhibition-Catalogue, Weidenfeld and Nicolson, London, ISBN 0-297-78069-7.
  • Terry van Druten, Maite van Dijk, John Silveris: De aquarel – Nederlandse meesters van de negentiende eeuw. THOT, Teylers Museum und De Mesdag Collectie, Bussum 2015, ISBN 978-90-6868-673-9.
  • Willem Bastian Tholen: Hollandsche Teekenmaatschappij. Den Haag 1914.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Noordwijk, South Holland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevolkingsontwikkeling; regio per maand April 2016Centraal Bureau voor de Statistiek, Niederlande
  2. Tulpenrallye (englisch)
  3. Ex-Kaiserin Soraya in Noordwijk (niederländisch)
  4. Max Liebermann war der bedeutendste Vertreter des Deutschen Impressionismus.
  5. Jan Hillebrand Wijsmuller wird von seinem Œuvre sowohl der Haager Schule als auch dem Amsterdamer Impressionismus zugerechnet.
  6. Die Haager Schule als Niederländischer Impressionismus gilt als eine dieser internationalen Kunstströmungen, die von 1860 bis 1920 gedauert hatte.
  7. http://www.leidschdagblad.nl/regionaal/duinenbollen/article27082862.ece
  8. Sustainable Tourism Destination EUCC [1] (PDF; 13,0 MB)
  9. Bei der Flut vom 13. Februar 1552, die sich am 14. wiederholt hatte, handelt es sich um die Pontiansflut, die die niederländische Küste stark getroffen hatte.
  10. Leidsch Dagblad: Eindelijk op zoek naar castellum Brittenburg (niederländisch). 26. April 2012. Abgerufen am 17. November 2015. 
  11. a b c Stichting Geschiedsschrijving Noordwijk: Noordwijk. Aan Zee en op de geest. En nieuwe geschiedenis van Noordwijk. Noordwijk 2011
  12. Fotos altes Noordwijk aan Zee (niederländisch)
  13. Atlantikwall Museum Noordwijk
  14. Volnieuws: Back to Boule 7, 19. Juli 2012.
  15. http://www.omroepwest.nl/nieuws/22-05-2015/nieuw-windmolenpark-op-noordzee-al-bijna-klaar