Nora-Eugenie Gomringer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Nora Gomringer, 2008
Arbeitsort seit 2010: Villa Concordia in Bamberg
Nora Gomringer

Nora-Eugenie Gomringer (* 26. Januar 1980 in Neunkirchen/Saar) ist Schweizerin und Deutsche, Lyrikerin und Rezitatorin. Sie lebt in Bamberg, wo sie das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia, eine Dienststelle des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, seit 2010 als Direktorin leitet. Ihr vorwiegend lyrisches Werk erscheint unter dem Namen Nora Gomringer bei Voland & Quist, Leipzig/Dresden.

Leben[Bearbeiten]

Gomringers Eltern sind die Germanistin Nortrud Gomringer und der Schweizer Dichter und ehemalige Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie Eugen Gomringer. Sie ist die einzige Tochter des Paares und Schwester von sieben Halbbrüdern. Aufgewachsen ist Gomringer in Wurlitz bei Hof, 1996 zog sie nach Bamberg. Die Schulausbildung schloss sie 1998 mit dem amerikanischen High School Diplom in Lititz, Pennsylvania, und 2000 mit dem Abitur am Franz-Ludwig-Gymnasium Bamberg in Bamberg ab. Anschließend nahm Gomringer das Studium der Anglistik, Germanistik und Kunstgeschichte an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg auf, das sie 2006 abschloss. Praktika und Arbeitsaufenthalte absolvierte sie am Leo Baeck Institut in New York City (2001 und 2004) und am Archiv der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, Los Angeles (2000). Im April 2010 hat Gomringer die Leitung des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia in Bamberg als Direktorin übernommen. Das Künstlerhaus wird von einem Kuratorium beraten, Eigenbewerbungen sind ausgeschlossen. Auf Einladung von Sandra Kegel nimmt Gomringer am Ingeborg-Bachmann-Preis 2015 teil[1]

Werk[Bearbeiten]

Lyrik[Bearbeiten]

Als freie Schriftstellerin ist sie seit 2000 verlegt. Nach einem Band im Selbstverlag, wurde der Grupello Verlag Düsseldorf auf das Werk der Debütantin aufmerksam und veröffentlichte Silbentrennung 2002. Seit 2006 wird die Autorin bei Voland & Quist betreut. Es liegen sieben Lyrikbände und ein Essayband sowie zahlreiche Einzelveröffentlichungen vor. Zuletzt erschienen: Monster Poems mit Grafiken von Reimar Limmer. Zudem liegen zahlreiche Formen der Zusammenarbeit mit Musikern und Bildenden Künstlern vor. Musikalische Bühnenpartner: Günter Baby Sommer, Franz Tröger, Fiva, Mia Pittroff (die beiden Letztgenannten wurden 2005 mit Gomringer Gewinner im Team-Slam der Deutschen Poetry Slam Meisterschaften in Leipzig), Scratch Dee, Michael Stauffer, Wortart Ensemble und DJ Kermit u.v.a.

  • Gedichte. 2000
  • Silbentrennung. 2002
  • Sag doch mal was zur Nacht. Buch mit Audio-CD. Voland & Quist, Dresden/Leipzig 2006, ISBN 3-938424-13-3
  • Klimaforschung. Buch mit Audio-CD. Voland & Quist, Dresden/Leipzig 2008, ISBN 978-3-938424-32-2
  • Nachrichten aus der Luft. Voland & Quist, Dresden/Leipzig 2010, ISBN 978-3-938424-53-7
  • Ich werde etwas mit der Sprache machen. Voland & Quist, Dresden/Leipzig 2011, ISBN 978-3-86391-003-7
  • Mein Gedicht fragt nicht lange. Buch mit Audio-CD. Voland & Quist, Dresden/Leipzig 2011, ISBN 978-3-86391-004-4
  • Monster Poems. Mit Illustrationen von Reimar Limmer. Buch mit Audio-CD. Voland & Quist, Dresden/Leipzig 2013, ISBN 978-3-86391-028-0
  • Veröffentlichungen in Anthologien, Zeitschriften und Schulbüchern

Einzelne Lyrikbände sind ins Schwedische (Übersetzerin: Cecilia Hansson) und Französische (Übersetzer: Vincent Barras) übersetzt. Belarussische, englische und spanische Übertragungen erscheinen z.T. 2013. Einzelne Texte und kleine Zyklen sind ins Norwegische, Spanische, amerikanische Englisch, Letzeburgische, Holländische, Bretonische und in Farsi übersetzt.

Opern- und Hörprojekte[Bearbeiten]

2013 feiert das Opernprojekt Drei fliegende Minuten (Musik: Helga Pogatschar, Inszenierung: Peter Schelling) Premiere in Basel. Von Nora Gomringer stammt das Libretto. Häufig begleiten kleine Film- und Videoprojekte ihre Arbeit. Als Beispiele sind ihre Lyrikbände mit Audio-CDs zu nennen, oder auch die Videoinstallationen zu den 2013 erschienenen Monster Poems. Im Herbst 2013 ist die 3-teilige Radio-Essay-Reihe „Nora Gomringer sieht fern“ beim Nachtstudio des BR zu hören.

Zusammenarbeit mit Wortart Ensemble[Bearbeiten]

Seit ca. 2010 arbeitet die A-Cappella-Formation Wortart Ensemble mit Texten aus dem Werk Nora Gomringers und nutzt diese für Vertonungen und für die aktive Gestaltung von Workshops mit sängerischem Nachwuchs und professionellen Sängern. Seit 2011 arbeiten die fünf Sängerinnen und Sänger mit Nora Gomringer auf der Bühne zusammen und treten mit einem abendfüllenden Programm auf. 2012 war das Programm „Nora Gomringer meets Wortart Ensemble“ zum 50. Jubiläums des Goethe Instituts in Toronto eingeladen. Nach einer USA- und Kanada-Tour folgte auch eine Deutschland-Tour an und 2013 ein eigenes Album über diese Zusammenarbeit entstehen.

Poetry Slam[Bearbeiten]

In den Jahren 2001–2006 gestaltete Nora Gomringer die Poetry-Slam-Szene in Deutschland aktiv mit, u. a. durch den Bamberger Poetry Slam, den sie 2001 mit Stefankai Spörlein und Keith Kennetz gründete. Seit mehreren Jahren hat der Poetry Slam in Bamberg seinen festen Veranstaltungsort im Morph Club und wird vom mehrfach ausgezeichneten Slammer und Autor Christian Ritter betreut. Der Umstand, dass sich Gomringer 2006 nahezu gänzlich aus der Poetry Slam Szene verabschiedete, gab der Autorin die Freiheit, zu ihren lyrischen Wurzeln zurückzukehren, ausgestattet mit dem Erfahrungsrüstzeug der Spoken-Word-Szene, nun aber – wie in ihrem Falle – dem vor dem Vortrag schriftlich niedergelegten Text verpflichtet.

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Nora Gomringer hatte Poetikdozenturen der Universitäten Sheffield, Koblenz-Landau (zusammen mit Prof. Eugen Gomringer) und Kiel inne. Aufenthaltsstipendien, Lesereisen und Beteiligungen an internationalen Festivals führten sie nach Nowosibirsk, Toronto, in die USA, Neu Delhi, Göteborg, vielfach in die Schweiz, Buenos Aires, Peking und Medellín.

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Sie ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschlands, des Rotary Clubs, ist Stiftungsratsmitglied des Museums Buchheim sowie Mitglied des Kuratoriums ihrer Alma Mater.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kathrin B. Buchert: Poesie around Noon. Nora-E. Gomringer über die Poesie, die Sprache und das Leben. In: Forsch und Lēr – Zeitung des Bamberger Germanistenclubs 14 (2001), S. 7–10.
  • Denise Dumschat: „Ich binz.“ – Zur Problematik der Identität in der Lyrik Nora-Eugenie Gomringers. In: Verbalträume. Beiträge zur deutsch-sprachigen Gegenwartsliteratur. Hg. v. Andrea Bartl. Augsburg 2005 (= Germanistik und Gegenwartsliteratur, Bd. 1), S. 205–230.
  • Denise Dumschat: Rezension zu: Nora-Eugenie Gomringer: Sag doch mal was zur Nacht. In: Deutsche Bücher. Forum für Literatur. Autorengespräch – Kritik – Interpretation. 37 (2007), Heft 1. S. 35–40.
  • Kathrin Wimmer: Gefährlich und gefährdet: Das Wort. Nora-Eugenie Gomringer im Gespräch mit Kathrin Wimmer über Heimat, Erinnerung und das Liebesverhältnis zur Sprache. In: Transitträume. Beiträge zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Hg. v. Andrea Bartl. Augsburg 2009 (= Germanistik und Gegenwartsliteratur, Bd. 4), S. 407–425.
  • Anja Ohmer: Gomringer hoch 2: Konkrete Poesie gibt Laut! In: orte – Schweizer Literaturzeitschrift. Nr. 167, Mai/Juni 2011, Sag was zur Nacht – oder: die Gomringers sind hier, S. 36–43.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nora-Eugenie Gomringer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://bachmannpreis.orf.at/tags/autoren/
  2. Helmut Glück, Walter Krämer, Eberhard Schöck (Hrsg.): Kulturpreis Deutsche Sprache 2011 – Reden und Ansprachen. Paderborn 2011, ISBN 978-3-942409-16-2.