Nora Sternfeld

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Nora Sternfeld (geboren 1976 in Wien) ist eine österreichische Kunsthistorikerin, Kuratorin und Hochschullehrerin. Sie hält eine Professur an der Aalto-Universität in Helsinki.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sternfeld studierte Philosophie an der Universität Wien und erlangte ein Doktorat in Kunst- und Kulturwissenschaften an der Akademie der bildenden Künste Wien. Sie bezeichnet sich selbst als „Kunstvermittlerin und Kuratorin“, zu ihren Arbeitsschwerpunkten zählen Ausstellungstheorie und -praxis, Geschichtspolitik und Antirassismus. Sie war Mitbegründerin und ist Teilhaberin des Frauenbüros trafo.K, welches seit 1999 an Forschungs- und Vermittlungsprojekten „an der Schnittstelle von Bildung, Kunst und kritischer Wissensproduktion“ arbeitet. In trafo. K arbeitet sie gemeinsam mit Ines Garnitschnig, Renate Höllwart und Elke Smodics.[1][2]

Sie hatte Lehraufträge an der Wiener Kunstschule, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Kunsthochschule Kassel und der Zürcher Hochschule der Künste, an der Pädagogischen Hochschule in Wien und ab dem Sommersemester 2004 an der Akademie der bildenden Künste Wien. Seit 2006 zählt sie zum Leitungsteam des Masterstudiengangs ecm – educating/curating/managing für Ausstellungstheorie und -praxis an der Universität für angewandte Kunst in Wien.[3] Darüber hinaus ist sie im Kernteam des Netzwerks schnittpunkt. ausstellungstheorie & praxis,[4] wurde in den Vorstand der IG Bildende Kunst berufen und gehört dem Herausgebergremium der Zeitschrift Bildpunkt an. Sie publiziert regelmäßig sowohl im Internet, als auch in Zeitschriften und in Buchform.

In ihrem Buch Das pädagogische Unverhältnis (Lehren und lernen bei Rancière, Gramsci und Foucault), erschienen 2009 bei Turia und Kant in Wien, versucht Sternfeld, die politischen Diskurse von Antonio Gramsci, Michel Foucault und Jacques Rancière für eine kritische Positionsbestimmung der Pädagogik zu nutzen. Ihre Argumentation ist poststrukturalistisch. Sie kritisiert darin die inflationäre Verwendung sowohl des Begriffs der Chancengleichheit, als auch den Ruf nach Lebenslangem Lernen. Ersterer diene als Ablenkung „von der Realität gesellschaftlicher Ungleichheit“, letzterer nivelliere statt zu differenzieren. Sophie Glotz kommt in ihrer Besprechung des Buches zur Conclusio, es biete „Lernenden wie Lehrenden einen differenzierten Blick […] auf die in Anlehnung an Foucault gestellte Forderung, „nicht dermaßen regiert zu werden“ – weder durch Bildung noch durch deren Ökonomisierung.“[5]

Kuratorische Projekte entstanden unter anderem in Zusammenarbeit mit der IG Bildende Kunst, dem museum in progress und der Hauptbücherei Wien.[6][7][8] Sternfeld ist auch international vernetzt und gehört Freethought an, einer transnationalen Plattform für Forschung, Lehre und Produktion mit Sitz in London, der auch die namhaften Kuratoren Stefano Harney, Adrian Heathfield, Massiliano Mollona,Louis Moreno und Irit Rogoff angehören. In diesem Kontext wurde sie auch als Co-Kuratorin für die Bergen Assembly 2016 bestellt.[9][10]

Ihre Hauptaktivität derzeit gilt ihrer Professur für Curating and Mediating Art an der Aalto-Universität in Helsinki.

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Sind Ausstellungskontexte Zufluchtsorte für kritisches Lehren und Lernen, VorreiterInnen von deren totaler Ökonomisierung, oder beides? Und was bedeutet das für eine kritische Vermittlungspraxis?“

Nora Sternfeld: Museum of Burning Questions, 2016[11]

Kuratorin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Autorin
  • gem. mit Ljubomir Bratić und Hannah Stippl: Alles möglich, 2000 Inserate: Angebote für Dienstleistungen, [Innsbruck]: [Tiroler Künstlerschaft], 2006, ISBN 978-3-902002-10-5
  • Das Pädagogische Unverhältnis. Lehren und Lernen bei Rancière, Gramsci und Foucault, Turia + Kant, Wien 2009 ISBN 978-3-85132-530-0.
  • Kontaktzonen der Geschichtsvermittlung. Transnationales Lernen über den Holocaust in der postnazistischen Migrationsgesellschaft, Zaglossus, Wien 2013, ISBN 978-3-902902-02-3
Als Herausgeberin
  • Beatrice Jaschke, Charlotte Martinz-Turek, Nora Sternfeld: Wer spricht? Autorität und Autorschaft in Ausstellungen (= Ausstellungstheorie & Praxis. Bd. 1). Herausgegeben von Schnittpunkt. Turia + Kant, Wien 2005, ISBN 3-85132-418-8.
  • Belinda Kazeem, Charlotte Martinz-Turek, Nora Sternfeld: Das Unbehagen im Museum. Postkoloniale Museologien (= Ausstellungstheorie & Praxis. Bd. 3). Herausgegeben von Schnittpunkt. Turia + Kant, Wien 2009, ISBN 978-3-85132-548-5.
  • Nora Sternfeld, Luisa Ziaja: Fotografie und Wahrheit, Bilddokumente in Ausstellungen, Turia + Kant, Wien 2010, ISBN 978-3-85132-610-9

Internet (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kulturen des Kuratorischen: Nora Sternfeld, abgerufen am 11. Juni 2016.
  2. Wina, das jüdische Stadtmagazin (Wien): „Es ist eben keine Schutzimpfung“, Interview mit Nora Sternfeld, 15. November 2015, abgerufen am 12. Juni 2016.
  3. Universität für angewandte Kunst (Wien): Leitungsteam des Masterlehrgangs für Ausstellungstheorie und -praxis, abgerufen am 12. Juni 2016.
  4. schnittpunkt: ausstellungstheorie & praxis, abgerufen am 12. Juni 2016.
  5. Sophie Goltz: Nora Sternfeld: Das pädagogische Unverhältnis, In: Kulturrisse, Zeitschrift für radikaldemokratische Kulturpolitik, 02/2009, abgerufen am 17. Juni 2016.
  6. Nora Sternfeld: Raus aus dem Mainstream! Rein in den Mainstream! Hegemonie erringen oder vermeiden?, abgerufen am 12. Juni 2016.
  7. Verborgene Geschichte/n –remapping Mozart, abgerufen am 11. Juni 2016.
  8. translate.eipcp.net: Let it be known! Counter histories of the African diaspora in Austria, Hauptbibliothek am Gürtel Wien, 17.. Mai bis 31. August 2007, abgerufen am 12. Juni 2016.
  9. .freethought .infrastructure, abgerufen am 12. Juni 2016.
  10. Bergen Assembly, abgerufen am 12. Juni 2016.
  11. TransArt und Universität für angewandte Kunst Wien: Plattform »Un–Universität«, abgerufen am 12. Juni 2016.