Norbert Bisky

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Norbert Bisky (* 10. Oktober 1970 in Leipzig) ist ein deutscher Maler. Er gilt als einer der wichtigen zeitgenössischen deutschen Künstler und Vertreter eines Neuen Realismus der Postmoderne.

Leben[Bearbeiten]

Norbert Bisky ist der Sohn des Linkspartei-Politikers Lothar Bisky (1941–2013) und von dessen Frau Almuth. Er ist der jüngere Bruder des Journalisten und Schriftstellers Jens Bisky.[1] Sein jüngerer Bruder Stephan Bisky verstarb 2008 im Alter von 25 Jahren.[2][3] Norbert Bisky wuchs in der DDR auf. 1990 begann er ein Studium der Germanistik und Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität in Berlin. Drei Jahre später besuchte er die Freie Kunstschule Berlin und entschloss sich zu einem Kunststudium. Er studierte von 1994 bis 1999 an der dortigen Hochschule der Künste bei Georg Baselitz. 1995 verbrachte er ein Jahr in Madrid und wurde besonders durch die Werke Francisco de Goyas, Francisco de Zurbaráns und Jusepe de Riberas geprägt.[4] Er nahm an der Salzburger Sommerakademie in der Klasse von Jim Dine teil und absolvierte bei Baselitz 1999 ein Meisterschülerstudium. Von 2008 bis 2010 war Bisky Gastprofessor an der Genfer Kunstakademie HEAD.[5]

Norbert Bisky lebt in Berlin.

Werk[Bearbeiten]

In seinen Anfangsjahren malte Bisky helle lichte Bilder in Öl. Er selbst bezeichnete sie einmal als „mit Lenor gewaschen“. Er fertigte Werke an, in welchen gleißend hell gemalte junge, schöne, glückliche und vor Kraft strotzende Männer sowie reine unberührte Natur zentrale Motive waren. Der Grand-Guignol-Stil, in dem die Bilder gemalt sind, unterstützt den Blick auf eine nur scheinbar heile Welt: Weiche, schmeichelnde, an Wattebausche erinnernde Formen zeigen Kinder, die gefressen werden und abgerissene Glieder, von denen das Blut tropft – die Idylle trügt. Bereits die Titel der Bilder wie „Übung im Gelände“ (2002), „Lazarett im Paradies“ (2005) oder „Fernzünder“ (2005) legen eine unterschwellige Bedrohung nahe.

In späteren Bildern transformierte Bisky seine eigenen Ikonen. Das Magazin Stern schrieb hierzu: „Die fröhliche sozialistische Welt seiner frühen Bilder ist vorbei – jetzt lauern Kannibalen und Brandstifter, es wird gekotzt und uriniert.“[6] Die künstlerischen Verweise von Renaissance bis Pop Art bleiben allerdings bestehen. Der Kunstkritiker Christoph Tannert beobachtete eine Zunahme brutaler Leinwandszenen und ein rasantes Verschleudern von Körperflüssigkeiten. Er konstatierte einen untrüglichen Sinn des Künstlers für Körperkult und Körperkritik. Dabei verzichte Bisky auf einen Leidenschaftssog und jegliche Empfindsamkeit, so Tannert.[7] Neuere Bildtitel lauten „Bukkake Tsunami“ (2007), „Sputum“ (2007), „Solaris“ (2006) und „Torera“ (2006).

Darüber hinaus wurden Einfluss und ikonographische Referenzen bei Francisco de Goya insbesondere an Arbeiten wie „Allesfresser“ (2005) oder „Ich war’s nicht“ (2003) deutlich. Aber auch durch die Verwendung von bestimmten Farben verwiesen die Bilder dieser Zeit auf subtile Art auf alte spanische Meister wie Jusepe de Ribera.[8]

In neueren Werken seit 2010 verarbeitete Bisky "persönliche Erfahrungen von erlebtem Terror, Reisen nach Brasilien sowie Einflüsse aus der Medienwelt (...) mit farbintensiven Tönen zu Szenen von Schönheit, Sexualität, Gewalt und Zerstörung."[9] Insgesamt erinnern die Arbeiten an den sozialistischen Realismus, an Maler wie Alexander Alexandrowitsch Deineka, an die Ästhetik Leni Riefenstahls[10][11][12], aber auch an die Werbebildnisse der 50er und 60er Jahre und an Werke der Pop Art.[13] Seine Protagonisten bieten nach Einschätzung mancher „Projektionsflächen für explizit schwule und sadistische Praktiken.“[14]

Für das Stück "Masse" des Staatsballetts Berlin, das im Mai 2013 in der Halle am Berghain uraufgeführt wurde, entwarf Bisky erstmals ein Bühnenbild.[15][16]

Kritik[Bearbeiten]

Die Kritik an seinen Bildwelten, die eine Nähe zur Ästhetik Leni Riefenstahls und damit zur NS-Kunst konstatiert, weist Bisky vehement von sich. So äußerte er in einem Interview, er habe mit dieser „Nazi-Scheiße [...] nichts zu tun.“[17] In einem anderen Interview führte er aus: „Ich bin schwul, ich stamme von Kommunisten ab – ich bin, glaube ich, der erste, den man sofort an der Laterne aufhängen würde, ich bin deshalb auch der erste, der sich ganz klar gegen Nazis und gegen Rechts und alles, was da so an ekelhaftem Zeugs so rumkriecht, äußert und sagt, damit habe ich nichts zu tun.“[18]

Eine andere Lesart von Biskys Stil sieht eher eine Orientierung am sozialistischen Realismus.[19] Der Künstler selbst verweist darauf, dass er Elemente in seinen Bildern verarbeite, mit denen er groß geworden sei. „Das war der sozialistische Realismus und das war die Malerei der Russen.“[20]

Ausstellungen[Bearbeiten]

2014

2013

  • „Norbert Bisky: Special Report“, MEWO Kunsthalle, Memmingen [21]
  • „Paraisópolis“, Galerie Crone, Berlin

2012

  • „Stampede“, Leo Koenig Inc., New York

2011

  • „A Retrospective. Ten Years Of Painting“, Kunsthalle Marcel Duchamp, Cully, Schweiz
  • „Decompression“, Galerie Daniel Templon, Paris

2010

  • „befall“, Galerie Crone, Berlin[22]
  • „Maudit“, Galerie Charlotte Moser, Genf

2009

  • „Mandelkern“, Kunstverein Dortmund
  • „crossing jordaan“, Cokkie Snoei, Rotterdam und Amsterdam
  • „Nefasto Máximo“, Galería Espacio Mínimo, Madrid
  • „Norbert Bisky: Paintings“, Haifa Museum of Art, Israel

2008

  • „cloud cuckoo land“, Galerie Mirchandani + Steinruecke, Mumbai
  • „privat“, Galerie Crone, Berlin
  • „minimental“, Cokkie Snoei, Rotterdam

2007

  • „Ich war’s nicht“, Haus am Waldsee, Berlin
  • „what’s wrong with me“, Leo Koenig Inc., New York
  • „Behind Innocence“, Gallery Hyundai, Seoul

2006

  • „Total Care“, Contemporary Art Center, Vilnius
  • „es tut mir so leid“, Galerie Michael Schultz, Berlin

2005

  • „Norbert Bisky“, Studio d´Arte Cannaviello, Milan
  • „Déluge“, Galerie Suzanne Tarasiève, Paris
  • „Malerei“, Künstlerhaus Bethanien, Berlin

2004

  • „The Proud, the Few“, Leo Koenig Inc., NYC
  • „Abgesagt“, Mannheimer Kunstverein
  • „Opkomst en Verval“, Cokkie Snoei Gallery, Rotterdam

2003

  • „Schlachteplatte“, Galerie Michael Schultz, Berlin

2002

2001

  • „Wir werden siegen“, Galerie Michael Schultz, Berlin
  • „Almauftrieb“, Kulturbrauerei, Prenzlauer Berg, Berlin
  • „Vorkämpfer“, Chelsea Kunstraum, Köln

Öffentliche Sammlungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christoph Amend: Diese Biskys In: Die Zeit vom 23. September 2004
  2. Simone Reber: Norbert Bisky: Weicher Tod tagesspiegel.de, 22. Mai 2010, abgerufen am 28. Oktober 2013
  3. Norbert Bisky: Das Schlimmste ist Gleichgültigkeit ww-asset.com, 13. Januar 2011, abgerufen am 31. Oktober 2013
  4. Sabine Küchler: Ich kam aus New York wieder und war immer noch der Ossi. Interview mit Bisky, zeit.de, 28. Januar 2011, abgerufen am 29. August 2013
  5. arte.tv: Alles für die Kunst - Die Mentoren der Masterclass, abgerufen am 14. November 2013
  6. Almut F.Kaspar: Albtraum in der Idylle unter stern.de
  7. Christoph Tannert, Kunstwerkstatt Norbert Bisky, Prestel Verlag 2007, S.9.
  8. Mark Gisbourne: The sacred and the profane, art.es Nr.23, 2007; Katja Blomberg: Ich war’s nicht, Verlag der Buchhandlung Walther Koenig, 2007.
  9. Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg, Kursangebot für 2013, abgerufen am 14. November 2013
  10. Oliver Koerner Von Gustorf: Moderne Katastrophen unter barockem Himmel: Das Berliner Haus am Waldsee zeigt die neuen Werke Norbert Biskys, Die Welt, 4. November 2007, online unter welt.de
  11. vgl. z.B. Tanja Hoffmann: Zeitgenössische Malerei: Auseinandersetzung mit NS-Kunst,19. August 2004, online unter lehrer-online.de
  12. Michael Loeckle: Politclowns, Staatsnieten, Kabinettsluschen - Vom Niedergang der politischen Kultur, online unter [1]
  13. Max Henry: Norbert Bisky, New York, 2004.
  14. welt.de: Nobert Biskys himmlisch schwule Fantasien, 3. November 2007
  15. http://www.staatsballett-berlin.de/de_DE/calendar/detail/11311691
  16. welt.de: Ich war viel öfter im Ballett als im Berghain, 4. Mai 2013, abgerufen am 14. November 2013
  17. Meine Bilder sind Fremdkörper Interview Spiegel, 29. Oktober 2007, S. 211.
  18. Wer braucht diese ganze Massenproduktion? Interview Deutschlandradio, 3. Mai 2013, abgerufen am 31. Oktober 2013.
  19. Judka Strittmatter: Nicht immer nur politisch berliner-zeitung.de, 27. März 1999, abgerufen am 31. Oktober 2013.
  20. Norbert Bisky: Das Schlimmste ist Gleichgültigkeit ww-asset.com, 13. Januar 2011, abgerufen am 31. Oktober 2013.
  21. http://www.mewo-kunsthalle.de/ausstellungen/bisky-specialreport.html
  22. http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/norbert-bisky/

Weblinks[Bearbeiten]