Nordfeldzug

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Der Nordfeldzug war eine militärische Operation der Guomindang und ihrer Verbündeten gegen die Nördlichen Militaristen. Sie dauerte mit Unterbrechungen vom Juli 1926 bis Ende 1928. Ziel der Operation war die Zerschlagung der Kriegsfürsten als eigenständiger Machtfaktor in der Republik China und die Schaffung eines zentralisierten Staates nach den Zielen der Guomindangbewegung. Die Nationalisten wurden dabei von der Kommunistische Partei Chinas und der Sowjetunion unterstützt. Während der Militärkampagne kam es zu mehreren politischen Krisen. In der Guomindang kam es zum Machtkampf zwischen der Fraktion um Chiang Kai-shek und der von Wang Jingwei. Nachdem Chiang diesen Machtkampf für sich entschieden hatte, versuchte er die Kommunisten als Machtfaktor auszuschalten und riskierte den Bruch mit seinen sowjetischen Unterstützern. Die Kampagne verlief nach mehreren Rückschlägen erfolgreich und endete in der Eroberung von Peking und der Errichtung einer KMT-Regierung in Nanjing mit Jiang an der Spitze.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Xinhai-Revolution einigte sich der Nationalistenführer Sun Yat-sen und der Heerführer der Qing-Dynastie Yuan Shikai auf ein Ende der Monarchie. Sun verzichtete zu Gunsten von Yuan Shikai auf das Präsidentenamt der Republik China. Während des Ersten Weltkriegs errichtete Yuan basierend auf seine militärische Macht als Befehlshaber der Nordmeerarmee eine Diktatur und versuchte sich erfolglos zum Monarchen eines neuen Kaiserreichs aufzuschwingen. Nach seinem Tod 1916 entstand ein Machtvakuum, das von hohen Offizieren die ihre Einheiten und Regierungsbereiche wie persönliche Lehen führten. Diese als Warlords bezeichneten Machthaber schlossen sich lose Koalitionen zusammen, welche sich gegenseitig bekämpften. Die nationalistische Bewegung der Guomindang konnte sich nur in Canton in Südchina an der Macht halten.

Militärische Kräfteverhältnisse und Planungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1926 kontrollierte die Fengtian-Clique unter Zhang Zuolin die Nordchina und die Mandschurei mit einem Heer von 130.000 – 350.000 Soldaten. Die Zhili-Clique kontrollierte Zentralchina mit ihren führenden Kriegsherrn Wu Peifu in Wuhan und Sun Chuanfang in Nanjing. Wu befehligte 135.000 – 200.000 Mann. Suns Armee umfasste 200.000–225.000 Mann. Im Kampf mit Wu Peifus Truppen befand sich der Warlord Feng Yuxiang, der seine Basis in Gansu hatte. Die Nationalrevolutionäre Armee der Guomindang verfügte 1926 über rund 100.000 Soldaten sowie 6.000 von den Sowjets an der Whampoa-Militärakademie ausgebildete Offiziere. Die Sowjetunion unterstützte die Nationalisten ebenso durch den Verkauf von Schusswaffen, Artillerie und einigen wenigen Militärflugzeugen. Neben Beratertätigkeiten taten sowjetische Offiziere auch als Piloten im Notfall als Frontoffiziere Dienst.[1]

In Kreisen der KMT-Führung waren militärische Aktionen zur Wiedervereinigung des Landes lange vorbereitet und diskutiert worden. Im März 1926 lieferte ein Aufstand gegen den von Wu Peifu eingesetzten Gouverneur in Hunan den Anlass, als sich der Führer der Aufständischen Tang Shenzi Chiang und der Guomindang unterstellte, nachdem er die Provinzhauptstadt Changsha kurzzeitig eingenommen hatte. Im Mai traf das Zentralkomitee der Guomindang die Entscheidung einen großangelegten Feldzug gegen die Warlords zu führen. Der von Chiang und Wassili Konstantinowitsch Blücher entwickelte Kriegsplan sah vor mit 65.000 Soldaten zunächst auf Wuhan gegen Wu Peifu vorzugehen. 35.000 Soldaten sollten in Guangdong verbleiben um dies gegen mögliche Gegenangriffe abzusichern. Die Führung der Operation im militärischen Sinne sollte Blücher übernehmen. Der militärische Einsatz sollte von politischen Kampagnen und Massenmobilisierung begleitet werden. Durch die Erste Volksfront unterstützten die Kommunisten die Operationen der KMT und fanden sich auch in deren Reihen wieder.[2]

Militärischer Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte der Vormarschrichtung der Guomindang und ihrer Verbündeten sowie territoriale Gliederung der Machtverhältnisse vor Beginn der Kampagne

Am 9. Juli eröffneten Truppen der Nationalrevolutionären Armee in Shaoguan an der Nordgrenze Guangdogs an der Grenze zu Hunan. Drei Tage später eroberten sie die Provinzhauptstadt Changsha. Wus Versuch bis zum Eintreffen von Verstärkung durch Suns Truppen aufzuhalten scheiterte trotz öffentlicher Hinrichtung zurückgegangener Offiziere. Im August ging Feng Xiuqan eine Allianz mit den GMD ein und unterstellte sich dem Oberkommando von Chiang Kai-shek. Am 6. September fiel Hankou an die Nationalisten. Im Oktober konnte die NRA mit Wuhan Wus Hauptstadt einnehmen. Im November eroberten die Nation Nanchang, nachdem sich seit September schwere Gefechte mit Suns Truppen dort geliefert hatten. Nach 20.000 Toten und 7.000 Verwundeten bei Nanchang zeigte Suns Armee Auflösungserscheinungen. 40.000 seiner Soldaten wurden von der Nationalrevolutionären Armee entwaffnet. Im Dezember erfolgte ein erfolgreicher Angriff der GMD aus Guangdong nach Fujian, bei der auch die Provinzhauptstadt an erobert wurde. Ende des Jahres 1926 hatten die Nationalisten die Kontrolle über die vier Provinzen Fujian, Hunan, Hubei und Jianxi übernommen. Einzig in Zhejiang konnte Sun sich nach einem gescheiterten Aufstandsversuch der örtlichen Zivilverwaltung behaupten. Die Warlords reagierten auf die militärischen Rückschläge gegen die GMD-Streitkräfte mit der Bildung eines vereinigten Kommandos im November 1926. Diesem stand Zhang Zuolin vor. Die vereinigte Reichsbefriedungsarmee der Warlords umfasste noch rund 300.000 Soldaten, wobei Zhang das größte Kontingent stellte.[3]

Politische Krise und Bruch mit den Kommunisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 1927 etablierten die Guomindang in Wuhan unter Wang Jingwei eine nationalistische Regierung mit dem Anspruch ganz China zu vertreten. Die neue Regierung wertete zunächst den Nordfeldzug für beendet und erfolgreich. Jiang plante ein weiteres militärisches Vorgehen mit dem Ziel Shanxi zu erobern. Im Februar 1927 gelang die Einnahme der Provinzhauptstadt von Zhejiang Hangzhou. Derweil entwickelte sich zwischen Wangs Regierung in Wuhan und Chiangs Fraktion im Militär ein Machtkampf. Die Kommunisten schlugen sich auf Wangs Seite und kritisierten in ihrer Presse den in ihrer Sicht neuen Warlord Chiang. Am 26. März eroberten die Kuomintang Shanghai mit der Unterstützung kommunistischer Guerillas, deren Erhebungen bereits mehrmals von Sun niedergeschlagen worden waren. Im selben Monat fiel Nanjing an die Guomindang. Die Niederlage führte zu einer Flucht von Suns Truppen nach Norden.[4]

Zwischen den nationalchinesischen Offizieren und ihren sowjetischen Beratern entwickelten sich Meinungsverschiedenheiten inwieweit die Kommunisten unterstützt werden sollen. Chiang Kai-shek sah die Aktivitäten der Kommunisten als Vorbereitung zu einem Putschversuch. Ab April begannen in der GMD Säuberungen gegenüber kommunistischen Mitgliedern. Chiang konnte sich im Machtkampf gegen Wang behaupten und errichtete eine ihm loyale Guomindangregierung in Nanjing. Diese setzte im Mai 1927 den Einparteienstaat der GMD durch. Ab Juli setzte er die gewaltsame Verfolgung der Kommunisten im Herrschaftsbereich seiner Regierung durch.[5] Beim Vorgehen gegen die Kommunisten wurden tausende Kader von ihren ehemaligen Verbündeten getötet.[6]

Ende August standen Truppen der Reichsbefriedungsarmee vor Nanjing. Sie wurden von nationalchinesischen Truppen zurückgeschlagen und hinterließen 10.000 Tote und 30.000 Gefangene. Die Kommunisten gingen zum Bürgerkrieg über und versuchten im Nanchang-Aufstand im April 1927, dem Herbsternte-Aufstand im September und dem Kanton-Aufstand den KMT-Staat destabilisieren. Infolgedessen kamen die Pläne der GMD für einen weiteren Vorstoß gen Norden zunächst zum Erliegen. In Folge setzte die GMD auch jede Zusammenarbeit mit der Sowjetunion aus.[7]

Fortsetzung der Militärischen Operationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Reorganisation befahl Chiang die Fortsetzung des Nordfeldzugs mit dem Ziel Zhang Zuolins Machtbasis zu zerschlagen und die Qing-Kaiserhauptstadt Peking einzunehmen. Die Nationalrevolutionäre Armee war mittlerweile auf rund 700.000 Soldaten angewachsen. Ihnen standen rund 400.000 Soldaten unter dem Kommando von Zhang entgegen. Zhang starb am 4. Juni bei einem Bombenattentat. Dieses war von seinen ehemaligen Unterstützern der japanischen Kwantung-Armee geplant worden mit dem Ziel eine führerlose Mandschurei besser kontrollieren zu können. Zwei Tage später besetzten die Nationalisten Peking. Sein Sohn und Nachfolger als Warlord Zhang Xueliang verkündete am 19. Juni 1928 den Krieg mit der Guomindang für beendet und zog sich in die Mandschurei zurück.[8]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Parteiplenum im August 1928 konnten die beiden verfeindeten Fraktionen der GMD eine Einigung unter der Führung Chiangs erzielen. Dies führte zur Einrichtung einer nationalen Regierung in Nanjing am 10. Oktober 1928.[9] Der erfolgreiche Nordfeldzug führte dazu dass erstmals seit dem Ende Tod Yuan Shikais wieder ein Staat die Mehrheit des chinesischen Staatsgebietes tatsächlich kontrollierte und beendete die Ära der Kriegsfürsten.[6]

Vollständige Zahlen der Todesopfer der Gefechte unter dem Militär beider Seiten und der Zivilbevölkerung sind nicht vorhanden. Die Kampfhandlungen trugen zu einer Hungersnot in Nordwestchina bei, welche 1927 rund 60 Millionen Menschen betraf. Die Zahl der Todesopfer aufgrund der Hungersnot wird auf drei bis sechs Millionen Menschen geschätzt.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dieter Kuhn : Die Republik China von 1912 bis 1937 - Entwurf für eine politische Ereignisgeschichte. 3. Auflage, Heidelberg, 2007 S. 340–347, S. 355
  2. Dieter Kuhn : Die Republik China von 1912 bis 1937 - Entwurf für eine politische Ereignisgeschichte. 3. Auflage, Heidelberg, 2007 S. 347–350
  3. Dieter Kuhn : Die Republik China von 1912 bis 1937 - Entwurf für eine politische Ereignisgeschichte. 3. Auflage, Heidelberg, 2007, S. 350 –356
  4. Dieter Kuhn : Die Republik China von 1912 bis 1937 - Entwurf für eine politische Ereignisgeschichte. 3. Auflage, Heidelberg, 2007, S. 360–371
  5. Dieter Kuhn : Die Republik China von 1912 bis 1937 - Entwurf für eine politische Ereignisgeschichte. 3. Auflage, Heidelberg, 2007 S. 386 – 394
  6. a b Michael Molina : Northern Expedition. In: Xiaobing Li (Hrsg.) : China at War - An Encyclopedia. London, 2012, S. 326–328
  7. Dieter Kuhn : Die Republik China von 1912 bis 1937 - Entwurf für eine politische Ereignisgeschichte. 3. Auflage, Heidelberg, 2007, S. 405–407
  8. Dieter Kuhn : Die Republik China von 1912 bis 1937 - Entwurf für eine politische Ereignisgeschichte. 3. Auflage, Heidelberg, 2007, S. 407f
  9. Dieter Kuhn : Die Republik China von 1912 bis 1937 - Entwurf für eine politische Ereignisgeschichte. 3. Auflage, Heidelberg, 2007, S. 409f
  10. S.C.M. Paine : The War for Asia - 1911-1949. Cambridge, 2012, S. 56f