Geschichte der Republik China

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Die Geschichte der Republik China begann mit ihrer Gründung als Nachfolgestaat des Chinesischen Kaiserreichs im Jahr 1912. Bis 1949 umfasste ihr Staatsgebiet ganz China, seit 1945 einschließlich des vorübergehend japanischen Taiwans. Nach ihrer Niederlage im Chinesischen Bürgerkrieg zog sich die von der Kuomintang geführte Regierung der Republik China nach Taiwan zurück.

Republik China bis 1949[Bearbeiten]

Sturz der Qing-Dynastie[Bearbeiten]

Chinesische Mutter, 1917

Seit Ende des 19. Jahrhunderts gab es in China revolutionäre Bestrebungen, die Mandschudynastie zu stürzen. Die treibende Kraft dieser Bestrebung kam vor allem aus den westlich erzogenen Intellektuellenschichten in den kolonialisierten Gebieten wie zum Beispiel Hongkong, Kanton und Shanghai.

Dazu gesellte sich noch eine nationalistische Strömung, die die Qing-Dynastie als Fremdherrschaft ansah und eine von Han-Chinesen etablierte Herrschaftsform sehen wollte. Vor allem in der sogenannten „neuen Armee“ fanden die revolutionären Ideen großen Anklang; hier konnten die Revolutionäre die meisten Anhänger rekrutieren. Die Neue Armee wurde ironischerweise von den Qing-Herrschern ins Leben gerufen, um eine nach westlichem Vorbild organisierte Armee zu errichten, als besonders während des ersten chinesisch-japanischen Kriegs die Unzulänglichkeit der traditionellen chinesischen Armee sichtbar wurde. Unter anderen hatte Sun Yat-sen, der seine Ausbildung in Japan genossen hatte und bekennender Christ war, bereits vor 1911 mehrere Umsturzversuche hauptsächlich in den Südprovinzen organisiert.

Der Sturz der Qing-Dynastie erfolgte, als am 10. Oktober 1911 in Wuhan die dort stationierten Neuen Armeen revoltierten. Der Gouverneur floh Hals über Kopf und gab so den Revolutionären die Gelegenheit, ihre Stellung zu festigen. Die Revolution in Wuchang fand bald großen Anklang im gesamten Bereich des Jangtsekiang-Laufs, es kam zur massiven Verfolgung der Mandschu. Der Prinzregent Chun II. sah sich gezwungen, den 1908 verbannten Yuan Shikai zurückzurufen und als obersten Militärmachthaber einzusetzen. Yuan hatte bereits vor seiner Verbannung diese Stellung eingenommen. Seine Beiyang-Armee war die einzige Armee, auf die sich die Qing-Regierung noch stützen konnte. Sie war die erste Neue Armee und Yuan Shikai war der Mann, der diese Armee gegründet, trainiert und aufgebaut hatte. Selbst in seiner Verbannung besaß er die volle Kontrolle über diese Armee.

Yuan Shikai setzte nach seiner Rückkehr sofort seine Armee in Bewegung. Er fuhr eine Doppelstrategie: Einerseits setzte er die Revolutionäre am Yangtse stark unter Druck, andererseits verhandelte er mit Sun Yat-sen über eine „friedliche Lösung“.

Am 1. Januar 1912 wurde unter Sun Yat-sen die Republik mit einer provisorischen Verfassung und einem Ministerium aus Jungchinesen ausgerufen. Um einen Bürgerkrieg Süd gegen Nord zu vermeiden, willigte Sun unter den folgenden Bedingungen in einen Frieden ein:

  1. Die Dynastie wird abgeschafft, China wird eine Republik.
  2. Das alte Kaiserhaus erhält eine Vorzugsbehandlung.
  3. Yuan Shikai erkennt die provisorische Verfassung an und
  4. Sun Yat-sen verzichtet zugunsten von Yuan Shikai.
  5. Die Hauptstadt der Republik, Sitz der Regierung und des Parlaments soll Nanjing werden.

Am 14. Februar 1912 wurde Yuan Shikai neuer Präsident.

Die Beiyang-Zeit[Bearbeiten]

Flagge der Republik Taiwan von 1895
Flagge der Republik China 1912–1928. Siehe Liste der chinesischen Flaggen.

Yuan Shikai war kein Republikaner, und er verachtete Begriffe wie Demokratie. Für ihn war die Revolution die Gelegenheit, seine eigene Dynastie zu gründen. Er verkannte allerdings, dass die Zeit der Kaiserhäuser vorbei war.

Kurz nach seinem Amtsantritt ließ er seine eigene Beiyang-Armee in Peking revoltieren. Unter dem Vorwand, dass er in dieser brenzligen Situation Peking nicht verlassen könne, um die Situation nicht außer Kontrolle geraten zu lassen, begann er seine Abmachung mit Sun Yat-sen zu revidieren. Denn Peking war seine Machtbasis, hier stand die Armee, die ihm loyal ergeben war, während er in Nanjing auf fremdem Terrain gestanden hätte. Er köderte die Führer der Revolution mit Ämtern wie Vizepräsident, Minister etc. nach Peking und setzte sie so fest. Als Sun Yat-sen Mitte 1913 erkannte, dass er von Yuan hintergangen wurde, gründete er im Juli 1914 die Chinesische Revolutionspartei (中華革命黨) als eine politische Kraft und initiierte eine zweite Revolution (1919 wurde diese Partei in Kuomintang umbenannt). Yuan setzte sofort seine Beiyang-Armee in Bewegung und eroberte alsbald bis auf wenige Provinzen im äußersten Süden fast das gesamte China. Sun Yat-sen musste ins Exil gehen.

Yuan glaubte, die Zeit sei reif und ließ sich am 11. Dezember 1915 zum Kaiser einer konstitutionellen Monarchie proklamieren. Sofort rebellierten die wenigen Südprovinzen außerhalb seiner Kontrolle (die 3. Revolution). Doch noch schwerwiegender war, dass seine eigene Beiyang-Armee ihm die Treue versagte. Alle seine ranghohen Generäle gaben bekannt, dass sie gegen die Wiedereinführung der Monarchie seien. Im März 1916 musste Yuan abdanken, im Juni desselben Jahres starb er.

Sofort nach Yuans Tod brach ein Machtkampf innerhalb der Beiyang-Armee aus. Die Beiyang-Armee spaltete sich in vier größere Gruppen, die miteinander in wechselnden Konstellationen Bündnisse schlossen oder einander bekämpften. Je nach der Lage auf dem Schlachtfeld wechselte die Regierung in Peking. In diesen 10 bis 15 Jahren, in denen die Beiyang-Warlords („Nördliche Militaristen“) das Sagen hatten, wechselte der Ministerpräsident in Peking nicht selten fünf Mal pro Jahr.

Zugleich versuchte Sun Yat-sen in seiner Heimat Guangdong, zum Teil gestützt auf opportunistische Warlords, eine Basis für eine demokratische Republik aufzubauen. Seine Vorstellungen ruhten auf seinen „Drei Prinzipien des Volkes“: Nationalismus, Demokratie und Volkswohl. Er sammelte die öffentliche Meinung auf Seiten der Demokratie, gegen Despotie und Korruption und behielt eine makellose Reputation. Als Regierungschef Chinas wurde er aber nie erprobt.

Seit dem Boxeraufstand waren alle Westmächte in China vertreten und versuchten, auch hier ihre Privilegien, aber auch die Balance untereinander zu erhalten. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges jedoch änderte sich die Lage. Die europäischen und amerikanischen Mächte konzentrierten ihre Ressourcen und Aufmerksamkeit auf Europa, so dass Japan sich bei dieser Gelegenheit in China einmischen konnte. So übernahm Japan die deutsche Kolonie in Qingdao und zwang die chinesische Regierung in einem geheimen Abkommen dies anzuerkennen.

Die Offenbarung dieses Geheimdokuments am Ende des Ersten Weltkrieges führte zu der ersten großen Studentenbewegung in der chinesischen Geschichte, der Bewegung des vierten Mai. Als Folge dieser Bewegung verweigerte die chinesische Delegation auf der Pariser Friedenskonferenz 1919 die Unterzeichnung des Versailler Vertrags, in dem die Okkupation Shandongs durch Japan festgeschrieben wurde.

In dieser Zeit änderte sich das Gesicht des Landes. Die Intellektuellen Chinas wurden zu radikalen Denkern, die den Konfuzianismus und die chinesische Schrift als Mittel der Kaiserherrschaft ablehnten und stattdessen Werte wie Wissenschaft und Demokratie, aber auch Körperertüchtigung und Individualismus propagierten. Allerdings bestanden zwischen den Intellektuellen und den armen, meist schriftunkundigen Bauern sowie den Industriearbeitern unüberbrückbare Gegensätze.

An dieser Stelle hakte das kommunistische Gedankengut ein, das mit der Russischen Revolution von 1917 herüberschwappte und einen weiteren Weg aufzuzeigen schien, mit dem die außerordentlichen wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten in China überwunden werden könnten. Im Juli 1921 wurde die Kommunistische Partei Chinas gegründet. Im Norden Chinas blieb die Arbeiterbewegung jedoch schwach. Im Februar 1923 kam es zu einem großen Streik der Arbeiter der Eisenbahnlinie Peking-Hankou, die von den Warlords der Nördlichen Militaristen kontrolliert wurde. Eine kurz vor ihrer Gründung durch Li Tachao stehende Eisenbahnergewerkschaft wurde gewaltsam zerschlagen. Am 7. Februar 1923 setzte Wu Peifu massiv Militär ein und ließ mehrere Arbeiter und Funktionäre ermorden.[1]

Der Nordfeldzug[Bearbeiten]

Nach dem Tode Sun Yat-sens am 12. März 1925 begann Chiang Kai-shek im Sommer 1926 den Nordfeldzug gegen die Beiyang-Warlords. Dieser Feldzug war lange von Sun geplant, jedoch nie verwirklicht worden, weil sich die Warlords, auf die er sich bislang gestützt hatte, als unzuverlässig herausstellten. Chiang baute in der Whampoa-Militärakademie eine eigene Armee nach Suns Ideologie auf.

Chiangs Nordfeldzug erwies sich als großer Erfolg. Binnen eines halben Jahres konnte er bereits bis zum Gelben Fluss vorstoßen und dabei mehrere, als Eliteeinheiten angesehene Beiyang-Truppen zerschlagen.

Innerhalb der Kuomintang gab es schon seit langem unterschiedliche Meinungen, wie mit den Kommunisten umgegangen werden sollte. Der linke Flügel, als dessen prominenteste Vertreterin Song Qingling, die Witwe von Sun, zu nennen ist, wollte mit den Kommunisten und damit auch mit der Sowjetunion zusammenarbeiten, während der rechte Flügel den Kommunisten eher ablehnend gegenüberstand und eher den Amerikanern und Engländern zugeneigt war. Der große Erfolg des Nordfeldzuges stärkte Chiangs Stellung in der Kuomintang, und so konnte sich der rechte Flügel durchsetzen. Als im Mai/Juni 1925 die Briten mit der blutigen Niederschlagung von zwei antiimperialistischen Demonstrationen eine gewaltige Streik- und Boykottbewegung provozierten, setzten sich die Kommunisten an die Spitze dieser Bewegung.

Am 20. März 1926 ergriff Chiang Kai-shek die Initiative, entmachtete die Kommunisten in Kanton und begrenzte den Einfluss der sowjetischen Berater. 1927 begann Chiang, die Kommunisten offen zu verfolgen. Als Reaktion darauf richteten die Kommunisten Widerstandsbasen in den ländlichen Gebieten ein. Dieser Strategiewechsel markierte zugleich den Führungswechsel bei den Kommunisten von den eher westlich-theoretisch angehauchten Führern zu den pragmatischen, chinesisch-bäuerlichen Führern wie Mao Zedong.

Währenddessen konnte Chiang 1928 das Riesenreich China zumindest formal unter der Flagge der Republik einen. Gegen den letzten Warlord musste er nicht antreten. Der Herrscher der Mandschurei, der junge Zhang Xueliang schwor der Nationalregierung die Treue und ließ die Flagge der Republik vor seinem Hauptquartier hissen. Allerdings wich Chiangs Republik stark vom Ideal Suns ab und glich mehr einer Militärdiktatur. Nachdem er einige opponierende Generäle ins Exil schicken konnte, begann er seinen Feldzug gegen die Basen der Kommunisten. 1934 sahen sich die Kommunisten in den Südprovinzen gezwungen, ihre Basen zu verlassen. In einem „Langen Marsch“, der innerhalb eines Jahres 1934/1935 elf Provinzen durchquerte, konnte sich der „Kern“ der Kommunistischen Partei Chinas nach Yan’an in der Provinz Shaanxi retten.

Japanisch-Chinesischer Krieg[Bearbeiten]

Bereits nach dem Russisch-Japanischen Krieg wähnte Japan China als seine Machtsphäre. Durch mehrere Abkommen hatte sich Japan beträchtliche Privilegien (inklusive der Stationierung von Armeen und der Alleinherrschaft über wichtige Eisenbahnlinien) in der Mandschurei gesichert. Als Zhang Xueliang kampflos in das republikanische Lager wechselte, musste Japan um Machtverlust fürchten. Im September 1931 gab es eine militärische Konfrontation mit den dortigen chinesischen Truppen. Chiang, der seinen Einigungsprozess noch nicht gefestigt sah, befahl Zhang, freiwillig aus der Mandschurei abzuziehen. Ein Jahr darauf setzten die Japaner den letzten Qing-Kaiser Puyi als ihre Marionette und Kaiser Mandschukuos ein.

Chiang war fest davon überzeugt, dass er sich keine Konfrontation mit den Japanern leisten konnte, bevor er absolute Macht erlangt und jeden Widerstand innerhalb Chinas gebrochen hatte. Doch seine Rückzugspolitik und die erneute Provokation Japans erregten immer größeren Widerstand in China. Auch dies konnten die mittlerweile nach Nordchina exilierten Kommunisten bestens propagandistisch ausschlachten. Als Chiang 1936 Zhang in Xi’an besuchte, setzte Zhang ihn fest und erzwang von ihm das Versprechen, mit den Kommunisten zusammenzuarbeiten und gegen die Japaner vorzugehen. Am 7. Juli 1937 provozierte die japanische Armee vor Peking den Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke, der den Japanisch-Chinesischen Krieg auslöste.

Der Krieg verlief für die Chinesen katastrophal. Innerhalb eines Jahres verloren sie die Kontrolle in fast sämtlichen Küstengebieten. Die Nationalregierung musste ins Landesinnere flüchten. Obwohl japanische Flugzeuge zahlreiche Städte im Binnenland bombardierten, konnten sie die dortige Nationalregierung nicht zur Aufgabe zwingen. Auch war die Kopfstärke der japanischen Armee zu gering, um das gesamte Land zu besetzen. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und vor allem nach dem Angriff auf Pearl Harbor erhielt die Nationalregierung zunehmend materielle und militärische Hilfe aus den USA. Mehrere Versuche Japans, die Materiallieferung über Birma und Indien zu unterbinden, schlugen fehl. Bis zum Kriegsende herrschte an der chinesischen Front eine Pattsituation.

Die Japaner machten sich dabei zahlreicher Kriegsverbrechen schuldig, insbesondere bei der Eroberung der damaligen Hauptstadt Nanjing im Dezember 1937, die sechs Wochen lang erbarmungslos terrorisiert wurde, was als das Massaker von Nanjing in die Geschichtsbücher einging. Der Krieg forderte in China über 19 Millionen Tote. Erst am Tag ihrer Kapitulation, am 14. August 1945, verließen die Japaner Nanjing.

Der Bürgerkrieg[Bearbeiten]

Trotz mehrfacher Versuche der USA, einen Waffenstillstand in China zu verwirklichen, brach letztlich doch der Bürgerkrieg erneut aus. Obwohl anfangs die republikanische Armee Erfolge verbuchen und kurzfristig Yan’an besetzen konnte, überschätzte Chiang seinen Rückhalt im Land. Die Kommunisten waren weniger korrupt und freundlicher zu den Bauern, so dass sie ihr Vertrauen gewinnen konnten. Während Chiang Kai-shek nach schnellen Erfolgen große Teile seiner Truppen zur Absicherung in den Garnisonen zurücklassen musste, konzentrierten sich Mao und seine Militärs auf die Vernichtung seiner kämpfenden Kräfte, nicht auf die Behauptung bestimmter Orte. In mehreren großen Feldzügen und mit stillschweigender Hilfe der Sowjetunion erlangten die Kommunisten zuerst die Kontrolle über die Mandschurei und darauf über Nordchina. Selbst der Jangtsekiang als natürliches Hindernis konnte sie nicht aufhalten.

Am 1. Oktober 1949 wurde von Mao Zedong in Peking die Volksrepublik China ausgerufen. International, besonders von den westlichen Ländern, wurde sie erst in den 1970er-Jahren anerkannt.

Westanbindung[Bearbeiten]

Die Außenpolitik der Republik China wurde durch das Fehlen innerer Einigkeit erschwert, da verschiedene konkurrierende Zentren die Legimitation beanspruchten. Dies wurde durch äußere Einflüsse verstärkt, da Japan, das Vereinigte Königreich, Frankreich, Italien, Deutschland, Russland sowie weitere Großmächte Anspruch auf Teile Chinas erhoben. Während der Gründungszeit der Republik erkannten alle übrigen Großmächte die „Kriegsherren-Regierung“ von Yuan Shikai in Beijing an. Hierfür gab die Republik gezwungenermaßen ihre Ansprüche auf die äußere Mongolei und Tibet auf. Die Republik war weiterhin Oberherr dieser Gebiete, jedoch wurden Russland in der Mongolei und dem Vereinigten Königreich in Tibet weitestgehend freie Hand gelassen. Auch entsandte die Republik Repräsentanten für die Unterzeichnung des Friedensvertrags von Versailles, die von der studentischen Bevölkerung mit der Bewegung des vierten Mai beantwortet wurde.

Nach dem Sieg der nationalistischen Kuomintang über die Beiyang-Regierung in Beijing und durch die anti-kommunistischen Säuberungsaktionen erreichte die nationalistische Regierung in Nanjing weltweite Anerkennung. Diese Anerkennung blieb bis zum chinesischen Bürgerkrieg beziehungsweise dem Zweiten Weltkrieg erhalten, die einzige Ausnahme bildete die japanische Marionettenregierung, die von den Achsenmächten anerkannt wurde. In diesem Zuge kämpfte die Republik zusammen mit den Alliierten und wurde Gründungsmitglied der Vereinten Nationen und Ständiges Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.

Unter der Führung Chiang Kai-sheks verbesserten sich die Beziehungen zu Japan und zur sowjetischen Schutzpatronats-Macht wesentlich. Gleich nach Ende des Zweiten Weltkrieges handelte er mit den USA die Unterstützung durch Leih-Pacht-Hilfsstoffe aus. Enorme Mengen an Waffenhilfen, militärischer Ausrüstung und administrativer Hilfe wurden geleistet sowie Geld, das noch nach der Flucht nach Taiwan geflossen ist.[2]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Anleihe von Sun Yat-sen um die Revolution zu finanzieren.

Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Wirtschaft der Republik China, also ganz Chinas, kapitalistisch mit großer international-wirtschaftlicher Interaktion. Eine Entwicklung wurde jedoch durch konstante Kriege und interne sowie externe Kämpfe behindert.

Die schwache Regierung versuchte, die Wirtschaft durch die Gründung der „Industrial Bank of China“ (Banque Industrielle de Chine) mit Zweitsitz in Paris voranzutreiben. Weitere Wirkungen blieben durch eine hohe Inflation gering, da die Regierung für den Krieg gegen Japan und die Kommunisten Geld druckte. Auslandsschulden machten die Wirtschaft zudem vom internationalen Markt beeinflussbar. Nationalisten wie Yuan Shikai waren durch Schuldscheindarlehen bei den USA verschuldet.

Der Hauptwirtschaftssektor Chinas war die Agrarwirtschaft. Das meiste Land gehörte wenigen, wohlhabenden Grundbesitzern. Die Bevölkerung bestand größtenteils aus grundlosen Pächtern. Die Gründer beider Regierungsparteien der Republik China und der Volksrepublik China versprachen die Überwindung der ökonomischen Ungleichheiten. Die „Hungersnot von Henan“ in den Jahren 1943 bis 1944 förderte den Zusammenbruch der nationalistischen Regierung. Arbeitervereinigungen wurden von der Säuberungsaktion der Kommunisten gegen die Kuomintang überwältigt, was zu einer größeren Ungleichheit führte. Viele der wohlhabenden Grundbesitzer wurden ebenfalls Minister und Amtsträger der Regierung.

Republik China auf Taiwan nach 1949[Bearbeiten]

Eingang zur Chiang Kai-shek Memorial Hall in Taipeh

Nach der Niederlage 1949 im Chinesischen Bürgerkrieg gegen die Kommunisten unter Führung Mao Zedongs, die infolgedessen die Volksrepublik China ausriefen, bildete Taiwan den Rückzugsort für etwa zwei Millionen Anhänger der Kuomintang unter Generalissimo Chiang Kai-shek. Taiwan wurde – nachdem die Kommunisten 1950 auch Hainan eroberten – neben einigen kleineren Inseln anderer Provinzen zum alleinigen Hoheitsgebiet der Republik China. Die Republik China wurde danach - in Abgrenzung zum sozialistischen China auf dem Festland - oft als Nationalchina bezeichnet, mittlerweile ist auch die Bezeichnung Republik China auf Taiwan gebräuchlich.

Die Kuomintang beherrschte das Land, bedingt durch die besondere Konstruktion des Parlaments, bis 1992 praktisch wie eine undemokratische Einheitspartei, da sie sich als einzig legitimierte Regierung ganz Chinas sah und nur Wahlen von den Bürgern ganz Chinas akzeptieren wollte. Gegen Ende der 1980er-Jahre begann in Taiwan eine Demokratisierung. Die bis dahin geltenden Notstandsklauseln wurden aus der Verfassung entfernt und neue Parteien neben der Kuomintang zugelassen. 1992 wurde die Verfassung nach einer freien Parlamentswahl geändert, zugunsten einer Direktwahl durch das Volk verzichtete die Nationalversammlung auf das Recht der Präsidentenwahl. 1996 wurden erstmals direkte Präsidentschaftswahlen durchgeführt, die der seit 1988 amtierende Präsident Lee Teng-hui von der Kuomintang gewann.

Die Ergebnisse der bisherigen Präsidentenwahlen auf Taiwan.
  • Demokratische Volkspartei (DPP)
  • Kuomintang (KMT)
  • Qinmindang (ehemals KMT)
  • Unabhängiger (ehemals KMT)
  • Unabhängiger (ehemals KMT)

Die Republik China wird als Folge der Resolution 2758 der UN-Generalversammlung international nur noch von wenigen Staaten anerkannt. Im Jahr 1971 wurde mit Hilfe der Sowjetunion, Indiens und Albaniens in der UNO der Antrag gestellt, dass die Republik China durch die Vertretung der Volksrepublik China ersetzt werden sollte. Bevor der Antrag besprochen wurde, trat die Republik China aus Protest aus der UNO aus. Nach dem Ende des Kalten Krieges sah die damalige Kuomintang-Regierung einen Wechsel in der Weltpolitik und strebte wieder einen Sitz der UNO an. Dabei geht es Taiwan nicht mehr darum, den Sitz der Volksrepublik China zu übernehmen, sondern es möchte als zusätzliches Mitglied aufgenommen werden.

Viele Taiwaner wünschen für sich eine stabile, internationale Stellung, und dies verstärkt die Unabhängigkeitsbewegung. Die Regierung der Volksrepublik China jedoch betrachtet Taiwan als eine „abtrünnige Provinz“ und drohte eine militärische Besetzung der Insel an, falls Taiwan sich für unabhängig erklären sollte (siehe Anti-Abspaltungsgesetz). Die meisten westlichen Regierungen halten einerseits an der Ein-China-Politik fest und ächten andererseits jede militärische Drohung. Die USA erließen ein Gesetz (Taiwan Relations Act), wonach sie sich verpflichten, Taiwan Hilfe gegen jede militärische Bedrohung zu leisten. Das schließt jedoch nicht notwendigerweise eine militärische Intervention der USA ein – gemeint ist vor allem der Verkauf von Waffen mit Defensivcharakter an Taiwan. Des Weiteren existieren die Sechs Zusicherungen der USA an Taiwan von 1982:

  1. Die USA werden keinen Zeitpunkt setzen, um den Waffenverkauf nach Taiwan zu beenden.
  2. Die USA werden die Bedingungen des Taiwan Relations Act nicht ändern.
  3. Die USA werden nicht mit der Volksrepublik China verhandeln, bevor über einen Waffenverkauf nach Taiwan entschieden wird.
  4. Die USA werden nicht zwischen Taiwan und Volksrepublik China schlichten.
  5. Die USA werden ihre Meinung über die Unabhängigkeit Taiwans nicht ändern, und Taiwan nicht in Verhandlungen mit der Volksrepublik China zwingen. Die Meinung der USA ist, dass die Frage friedlich zwischen den Streitparteien geregelt werden muss.
  6. Die USA werden eine Staatshoheit der Volksrepublik China über Taiwan formal nicht anerkennen.

Die Präsidentschaftswahlen 2000 und 2004 gewannen die Pro-Unabhängigkeitsparteien, was in der Volksrepublik starken Unmut erzeugt hat. Die Regierung unter dem 2000 bis 2008 amtierenden Präsidenten Chen Shui-bian hat in Wahlprogrammen die Ausarbeitung einer neuen Verfassung versprochen, was die Abschaffung der alten, aus dem Festland stammenden, republikanischen Verfassung bedeuten würde, in der zum Beispiel der Name „Republik China“ sowie Staatsgrenze festgeschrieben waren. Unter internationalem, vor allem US-amerikanischem Druck verzichtete die Regierung darauf, diese Passage anzutasten und Chen Shui-bian proklamierte die Politik der fünf Neins. Trotzdem wurde der Wiedervereinigungsrat aufgelöst, was zu heftigen Drohungen seitens der Volksrepublik China führte. Die Parlamentswahlen in den Jahren 2008 und 2012 wurden durch die Kuomintang gewonnen, deren Kandidat Ma Ying-jeou auch die Präsidentschaftswahl im Jahr 2008 und im Jahr 2012 gewann, wodurch dieser Konflikt zunächst entschärft wurde.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Weyrauch: Chinas unbeachtete Republik. 100 Jahre im Schatten der Weltgeschichte. Band 1: 1911–1949. Longtai 2009, ISBN 978-3-938946-14-5.
  • Thomas Weyrauch: Chinas unbeachtete Republik. 100 Jahre im Schatten der Weltgeschichte. Band 2: 1950–2011. Longtai 2011, ISBN 978-3-938946-15-2.
  • Thomas Weyrauch: Chinas demokratische Traditionen vom 19. Jahrhundert bis in Taiwans Gegenwart. Longtai 2014, ISBN 978-3-938946-24-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Geschichte der Republik China – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ito Takeo, Life Along the South Manchurian Railway, M. E. Sharpe, 1988, S. 78
  2. Geheime Fernschreiber-Konferenz vom 27. Juni 1950 zwischen dem Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten und General Douglas MacArthur über die Autorisierung zu der Verschiebung von Marine- und Luftwaffeneinheiten nach Südkorea zur militärischen Unterstützung der Republik China, Letzter Zugriff am 7. Dezember 2007.