Autonome Region Kurdistan

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هه‌رێمی کوردستان (kurd.)
Herêma Kurdistanê (kurd.)
إقليم كردستان (arab.)
Flagge Kurdistans
Wappen der Region Kurdistan
Flagge Wappen
Amtssprache Kurdische Sprachen (Sorani, Kurmandschi) und Arabisch
zudem regionale anerkannte Minderheitensprachen: Armenisch, Syrisch, Aserbaidschanisch
Hauptstadt Erbil (Hewlêr)
Regierungssystem parlamentarische Demokratie
Staatsoberhaupt Präsident Masud Barzani
Regierungschef Nêçîrvan Barzanî
Fläche 46.861,41 km² (inkl. umstrittener Gebiete: 78.736)[1] km²
Einwohnerzahl 5.472.436[2] zusätzlich beherbergt Kurdistan noch ca. 2 Millionen Flüchtlinge[3]
Bevölkerungsdichte 114 Einwohner pro km²
Bevölkerungs­entwicklung +3 % (2014) pro Jahr
Bruttoinlandsprodukt
  • Total (nominal)
  • BIP/Einw. (nominal)
(2011)[4]
  • 23,6 Mrd. USD
  • 4,452 USD
Human Development Index 0,642 (120.)[5]
Währung Irakischer Dinar
Gründung Weg zur Autonomie
  • 11. März 1970: Teilautonomie
  • Oktober 1991: De facto Autonomie
  • 4. Juli 1992: Gründung der Regionalregierung
  • 30. Januar 2005: Anerkennung in der irakischen Verfassung
Nationalhymne Ey Reqîb
Zeitzone UTC+3
ISO 3166 IQ-SU, IQ-AR, IQ-DA
Internet-TLD .krd
Telefonvorwahl +964
Iraqi Kurdistan on world map.png
Offizielle GrenzenGebiete unter kurdischer KontrolleVon der kurdischen Regionalregierung beanspruchte GebieteRest des Irak
  • Offizielle Grenzen
  • Gebiete unter kurdischer Kontrolle
  • Von der kurdischen Regionalregierung beanspruchte Gebiete
  • Rest des Irak

Koordinaten: 36° 0′ N, 45° 0′ O

Die autonome Region Kurdistan (kurdisch هه‌رێمی کوردستان Herêma Kurdistanê, arabisch إقليم كردستان Iqlīm Kurdistān) ist die autonome Region des Irak. Die kurdische Selbstverwaltung beinhaltet eine eigene Regionalregierung, ein eigenes Parlament mit Sitz in Erbil und eigene Streitkräfte (Peschmerga). Außerdem hat die Autonomieregion eine eigene Flagge und eine Hymne.

Im Jahr 1970 wurde der kurdischen Bevölkerung im Nordirak von der Zentralregierung in einem Abkommen erstmals de jure Teilautonomie zugesichert. Die kurdische Teilautonomie konnte sich jedoch in dieser von zahlreichen ethnisch-politischen Konflikten geprägten Zeit zunächst nicht etablieren. Die Einrichtung eines Regionalparlaments 1992 nach dem Irakkrieg gilt als wichtiger Schritt zu einer allmählichen politischen Stabilisierung des Gebiets, die jedoch beispielsweise durch islamistischen Terror und innerkurdische Spannungen immer wieder Rückschläge erfährt.[6] In der irakischen Verfassung von 2005 wurde eigens für die Region Kurdistan, die vor der Verkündung der Verfassung per Sondergesetz anerkannt wurde, die Gebietskörperschaft der Region geschaffen, worin die bis dahin errungenen Autonomierechte gesichert und konsolidiert wurden. Gegenwärtig handelt es sich bei der Region Kurdistan jedoch um die einzige Region des als föderal definierten Irak.

Das offizielle Gebiet der Region Kurdistan setzt sich aus den irakischen Gouvernements Dahuk, Erbil, as-Sulaimaniyya und Halabdscha zusammen. Darüber hinaus werden Teile der angrenzenden Gouvernements beansprucht, die teilweise auch faktisch von der kurdischen Regionalregierung kontrolliert werden.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name der Region lautet gemäß der irakischen Verfassung Region Kurdistan (arabisch إقليم كردستان, DMG Iqlīm Kurdistān). Auf kurdisch هه‌رێمی کوردستان Herêma Kurdistanê. Die Regionalverwaltung tritt im deutschsprachigen Raum als Region Kurdistan-Irak[7][8][9] auf und folgt damit dem Sprachgebrauch des Auswärtigen Amtes und österreichischen Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres. In den Massenmedien hingegen finden die Bezeichnungen Irakisch-Kurdistan und Nordirak eine breite Anwendung.[10][11] Die kurdische Regionalverwaltung bzw. -regierung selbst, die manchmal als Synonym für die Region benutzt wird, heißt auf kurdisch حكومه‌تى هه‌رێمى كوردستان Hikûmetî Herêmî Kurdistan, bzw. auf englisch Kurdistan Regional Government (KRG).

Kurdische Aktivisten verwendeten für alle kurdisch besiedelten Gebiete im Irak über die Grenzen der Region hinaus auch den Ausdruck Südkurdistan (kurdisch باشووری کوردستان Başûrê Kurdistanê).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet der autonomen Region Kurdistan liegt im Norden des Irak und besteht aus den Gouvernements Sulaimaniyya, Erbil, Dahuk und Halabdscha. Es grenzt an drei Staaten: im Westen an Syrien, im Norden an die Türkei und im Osten an den Iran. Die nördlichste Stadt der Region ist Zaxo, die östlichste ist Halabdscha und die westlichste Dohuk.

Landschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dukansee in der Nähe der Stadt Sulaimaniyya
Der Große Zab im Gouvernement Erbil

Die Landschaft in Kurdistan ist größtenteils gebirgig. Im Nordosten befindet sich das Zāgros-Gebirge, mit dem höchsten Berg Cheekha Dar (3.611 m) des Iraks. Die Flüsse fließen zumeist von Nord nach Süd und teilweise von Ost nach West. Die wichtigsten Flüsse sind der Große Zab und der Kleine Zab. Der Große Zab entspringt in der südöstlichen Türkei, der Kleine Zab im nordwestlichen Iran. Beide Flüsse münden in den Tigris.

In der Nähe der Stadt Ranya befindet sich der Dukandamm mit dem zugehörigen Dukansee, dem größten See der autonomen Region Kurdistan.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kurdistan herrscht ein teilarides Klima. Die Sommer sind niederschlagslos und heiß. In den Monaten Juni bis September erreichen die Temperaturen durchschnittlich 39 °C bis 44 °C, wobei an vereinzelten Tagen auch Werte von annähernd 50 °C erreicht werden. Die Winter sind insgesamt mild, mit Temperaturtiefen von 2 °C bis 7 °C und Temperaturhöhen von 7 °C bis 13 °C. In den Gebirgsregionen mit ihren Flüssen und einer reichen Vegetation ist das Klima kühl und regenreich. Der März weist durchschnittliche Temperaturen zwischen 13 °C und 18 °C auf. Im darauf folgenden Monat steigen die Temperaturwerte drastisch, mit Durchschnittswerten von 27 °C bis 32 °C. Der Herbst hat vergleichbare Temperaturen wie der Frühling von durchschnittlich 24 °C bis 29 °C. Er ist allerdings von starken Niederschlägen geprägt, die auch den mittleren jährlichen Wert von 375–724 mm erklären.[12]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesamteinwohnerzahl der autonomen Region Kurdistan lag im Jahr 2015 bei ca. 5,5 Millionen Menschen. Etwa 36 % der Bevölkerung sind jünger als 15 Jahre und 60 % zwischen 15 und 64 Jahren. Nur 4 % der Bevölkerung ist 65 Jahre oder älter.[13] Das Durchschnittsalter liegt bei 20 Jahren und die Lebenserwartung bei 70 Jahren.[14] Die Geburtenrate liegt bei 3,1 Kindern pro Frau, mit der höchsten Rate im Gouvernement Dahuk (3,9) und der niedrigsten im Gouvernement Sulaimaniyya (2,3).[15] Die autonome Region Kurdistan ist seit dem Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges und dem Vormarsch der Terrororganisation Islamischer Staat in Syrien und Irak auch Heimat von über zwei Millionen Flüchtlingen. Allein im Flüchtlingscamp Kawergosk in der Provinz Erbil sind in 2.000 Zelten rund 10.000 Menschen untergebracht.[16]

Ballungsräume[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Urbanisierungsrate liegt über dem irakischen Durchschnitt von 68,9 % bei etwa 81,6 %. Es gibt in der autonomen Region zehn Großstädte. Die Gouvernement-Hauptstädte Sulaimaniyya, Erbil und Dahuk sind mit Abstand die bevölkerungsreichsten Städte der Region, und in diesen drei Städten lebt mehr als 50 % der Bevölkerung.[17]

Autonome Region Kurdistan (Autonome Region Kurdistan)
Sulaimaniyya
Sulaimaniyya
Koi Sanjaq
Koi Sanjaq
Erbil
Erbil
 Zaxo
Zaxo
Duhok
Duhok
Halabdscha
Halabdscha
Ranya
Ranya
Rawanduz
Rawanduz
Schaqlawa
Schaqlawa
Städte der Region

Hawler Castle.jpg
Erbil
Slemani.jpg
Sulaimaniyya

Stadt Einwohner Gouvernement

Zakho City.jpg
Zaxo


City of Duhok.jpg
Dohuk

1 Erbil 1.400.000 Erbil
2 Sulaimaniyya 807.614 as-Sulaimaniyya
3 Dahuk 500.000 Dahuk
4 Zaxo 350.000 Dahuk
5 Schaqlawa 124.628 Erbil
6 Rawanduz 102.399 Erbil
7 Ranya 61.300 as-Sulaimaniyya
8 Halabdscha 57.000 Halabdscha
9 Semile 50.000 Dahuk
10 Koi Sanjaq 44.987 Erbil

Völker und Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung besteht mehrheitlich aus Kurden. Minderheiten bilden Chaldäer, Assyrer, Turkmenen, Armenier und Araber. Die kurdischen Sprachen sind in der Region Amtssprache und werden intensiv in den Medien und als Schriftsprachen verwendet. Die arabische Sprache ist formell ebenfalls eine Amtssprache, jedoch wird sie nur selten gesprochen. In den Distrikten Sulaimaniyya und Erbil wird überwiegend das Sorani gesprochen und in Dahuk das Kurmandschi. Durch den intensiveren Gebrauch von Medien und der erhöhten Mobilität der Bevölkerung, beherrschen inzwischen nahe zu alle Einwohner Kurdistans beide kurdische Sprachen. Im äußersten Südosten der Region gibt es außerdem Sprecher des Gorani.[18] Des Weiteren werden regionale Minderheitensprachen, wie beispielsweise Armenisch, Syrisch oder das Aserbaidschanisch der Turkmenen, anerkannt.[19]

In der Region Kurdistan werden zwei Schriftsysteme verwendet. Zur Schreibung des Sorani, das in der autonomen Region Kurdistan am meisten gesprochen wird[20], wird die Persische Schrift mit Sonderzeichen verwendet.[21] Das Kurmandschi, welches von der Mehrheit aller Teile Kurdistans gesprochen wird[22], verwendet sowohl das kurdisch-lateinische Alphabet als auch die Persische Schrift zur Schreibung.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mehrheit der Bevölkerung gehört dem sunnitischen Islam an. Daneben gibt es bedeutende Minderheiten der Jesiden, Juden, Christen und Yarsan. Diese Minderheiten können in der Region ihre Religion weitgehend frei ausleben. Zahlreiche Anschläge auf Kirchen und kirchliche Einrichtungen im restlichen Irak sorgten für eine Flucht von Angehörigen der irakisch-christlichen Minderheiten in die Region.[23] Ein Großteil der Jesiden, deren Hauptsiedlungsgebiet sich im Distrikt Sindschar befindet, flüchteten aufgrund der Irakkrise 2014 ebenfalls in die Region.[24] Einige der geflüchteten Jesiden beklagten sich aber über Diskriminierungen und fehlenden Schutz durch die kurdische Regionalregierung.[25] Die Zahl der Zoroastrier steigt in den vergangenen Jahren wieder an, insbesondere durch Konversionen ehemaliger Muslime.[26] Derzeit suchen die Zoroastrier die Anerkennung eines offiziellen Status.[27]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Untergang des Osmanischen Reiches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Vilâyet Mossul auf dem Gebiet der heutigen autonomen Region Kurdistan im Nordirak

Der heutige Nordirak war als Vilâyet Mossul Teil des Osmanischen Reiches. Nach dessen Niederlage im Ersten Weltkrieg übertrug der Völkerbund Großbritannien das Mandat über Mesopotamien. Im Vertrag von Sèvres und gemäß dem 14-Punkte-Programm von Woodrow Wilson war das Selbstbestimmungsrecht aller Kurden im ehemaligen Osmanischen Reich festgeschrieben worden. 1921 wurde aus dem Gebiet von Mossul sowie aus den ehemaligen Vilâyets Bagdad und Basra das Königreich Irak gegründet, das aber zunächst unter britischer Kontrolle stand. Mehmûd Berzincî, der kurdische Gouverneur von Sulaimaniyya, rief 1922 das Königreich Kurdistan, welches international nicht anerkannt wurde. Zwei Jahre später wurde Berzanci von den Briten militärisch besiegt. Die politische Zugehörigkeit des Mossul-Gebietes blieb in der Folgezeit umstritten, da die junge Türkei Ansprüche darauf erhob. Diese Mossul-Frage wurde erst 1926 durch den Völkerbund entschieden, der das Gebiet endgültig dem Irak zusprach. Seit den späten 1920ern setzten sich die Barzani-Familie für die Unabhängigkeit der Kurden im Nordirak ein, zunächst unter Ahmed Barzani. Dieser führte mehrere Aufstände gegen die irakische Herrschaft an, die aber keinen dauerhaften Erfolg hatten.

Konflikt seit 1961 und Teilautonomie 1970/74[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurdisches Autonomiegebiet 1970–1975

1958 endete die irakische Monarchie nach einem Militärputsch unter Abd al-Karim Qasim. Seit 1958 definiert sich der Irak als Staat zweier Nationen – der Araber und Kurden. Die Kurden im Nordirak unter Führung von Mustafa Barzani forderten Autonomie, was 1961 zu einem Aufstand gegen die Zentralregierung führte. Dieser endete erfolgreich, als im Abkommen vom 11. März 1970 die Kurdische Autonome Region vom Irak gegründet und anerkannt wurde.

Ein kurdischer Legislativrat (Parlament) und ein kurdischer Exekutivrat (Regierung) in Erbil sollten teilautonom diese Region regieren. De facto war der Legislativrat und damit die Region unter der Kontrolle Bagdads. Es sollte zudem eine kurdische Akademie der Wissenschaften gegründet werden. Die Gesundheitsversorgung und das Erziehungswesen sollte in weniger erschlossene Gebiete, die unter den vorherigen Kämpfen gelitten hatten, ausgeweitet werden. Der Irak war seitdem das einzige Land, in dem Kurden ihre Sprache auch als Amtssprache verwenden durften.

Vorsitzende des Exekutivrates

Vorsitzende des Legislativrates

Bis 1975 und während des Irakisch-Iranischen Krieges 1980 bis 1988 stand der Großteil der drei Provinzen nicht unter Kontrolle der Regierung, faktisch nur in den großen und Provinzhauptstädten hielten sich irakische Garnisonen. Ab 1983 eroben sich die Kurden ein weiteres Mal. Die irakische Zentralregierung unter Saddam Hussein reagierte darauf mit der Anfal-Operation, welche die systematische Tötung und Deportation zahlreicher Kurden zur Folge hatte. 1988 wurde ein Giftgasangriff auf die Stadt Halabdscha geführt.

De facto Autonomie ab 1991[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurdisches Autonomiegebiet ab 1991
Hauptartikel: Raperîn

Nach der Niederlage des Baath-Regimes im Zweiten Golfkrieg erhoben sich die Kurden im Aufstand von 1991. Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Türkei errichteten im Nordirak mit der Operation Northern Watch eine Flugverbotszone für die irakische Luftwaffe. Die kurdische Bevölkerung konnte durch den Schutz vor den Ein- und Übergriffen der Bagdader-Zentralregierung sich weiter gegenüber diese emanzipieren. Am 19. Mai 1992 wurden Parlamentswahlen durchgeführt, die zu fast gleicher Sitzverteilung zwischen der Patriotischen Union Kurdistans (PUK, 51 Sitze) und der Demokratischen Partei Kurdistans (DPK, 49 Sitze) führten. Die DPK kontrollierte in der Folgezeit den Norden der Autonomen Region, die PUK den Süden. Das Verhältnis zwischen den beiden Parteien war angespannt und führte 1994 zu einem kurdischen Bürgerkrieg, in den auch Bagdad sowie der Iran involviert waren. Folge dieses Konflikts war die Schaffung von zwei kurdischen Verwaltungen – eine in Erbil und eine in Sulaimaniyya.[28]

Irakkrieg und Konsolidierung der Autonomierechte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufteilung Kurdistans nach dem Krieg

2003 beteiligte sich die kurdische Regionalregierung am Irakkrieg auf Seiten der Gegner der irakischen Zentralregierung und konnten so ihren Einfluss und damit den der Region vergrößern. Vor der Verabschiedung der neuen Verfassung wurde die Region von der Zentralregierung durch ein Sondergesetz anerkannt. In der neuen Verfassung des Iraks wurde allgemein die Gebietskörperschaft der Region geschaffen und mit nahezu vollständiger Souveränität ausgestattet. Hierdurch wurden die erworbenen Autonomierechte der Region Kurdistan verfassungsrechtlich gesichert. Die endgültige Größe der Region Kurdistan sollten in den folgenden Jahren geklärt werden. Am 30. Januar 2005 fanden neben den Wahlen zur irakischen Nationalversammlung auch Wahlen zum neuen kurdischen Parlament statt, letzteres auch mit dem Ziel, den DPK-PUK-Konflikt zu überwinden und die Verwaltungen in Erbil und Sulaimaniyya zu vereinen.

Am 13. Juni 2005 wurde nach monatelangen Verhandlungen über die Art und die Besetzung des Präsidentenamtes das Parlament in Erbil zusammengerufen und Masud Barzani zum Präsidenten der Region gewählt. Ministerpräsident wurde sein Neffe Nêçîrvan Idrîs Barzanî.

Am 21. Januar 2006 konnten sich die beiden großen Parteien endlich über die Zusammenlegung der beiden von ihnen kontrollierten Verwaltungen einigen. Dabei wurde Masud Barzani als Präsident und sein Neffe Nêçîrvan Barzani als Ministerpräsident bestätigt. Die Ministerposten wurden unter den Parteien aufgeteilt. Zum Kabinett gehören und gehörten ein Minister für die Landesverteidigung und ein Minister für auswärtige Angelegenheiten. Am 7. Mai 2006 trat zum ersten Mal das wiedervereinigte Parlament in Erbil zusammen.[6]

Im August 2006 verkündete Barzani in einem Dekret, dass in der gesamten Region an öffentlichen Gebäuden nur die Flagge der Autonomieregion gehisst werden soll. Seiner Meinung nach repräsentierte die damalige irakische Fahne eine Vergangenheit voller Gewalt, Krieg und Tod für die kurdische Bevölkerung im Irak. Dieses Dekret führte zu einem „Fahnenstreit“, der viele davon überzeugt, dass die kurdische Regierung keine Föderation sondern einen eigenen Staat anstrebt. Doch mit der Zustimmung des irakischen Parlamentes für eine Interimsflagge für den Irak, ließ Barzani verkünden, dass von nun auch zusätzlich zur kurdischen auch die irakische Flagge an allen offiziellen Gebäuden gehisst werden wird. Ein Grund für die Annahme der Interimsflagge war die Tatsache, dass der Gipfel der Arabischen Liga Anfang 2008 in Erbil tagen sollte und daher ein Flaggenstreit vermieden werden sollte.[29]

Türkischer Eingriff 2007[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nordirak ist seit dem zweiten Golfkrieg 1991 ein Rückzugsgebiet der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Die Türkei besteht seit Jahren darauf, dass die Verantwortlichen vor Ort die PKK bekämpfen sollen. Die USA und die kurdische Regierung kamen dem nicht nach. Nachdem das türkische Parlament in einer Resolution im Oktober 2007 dem Militär freie Hand gab, wurden PKK-Stellungen im Dezember 2007 mehrmals mit Flugzeugen und Kanonen bombardiert. Dieser Konflikt schadet den Beziehungen zwischen der Türkei und der Regionalregierung und könnte unter Umständen eskalieren.[30]

Unter der gegenwärtigen Regierung von Recep Tayyip Erdoğan wurden einige diplomatische Kontakte geknüpft. So besuchte im Oktober 2009 Ahmet Davutoğlu als erster türkischer Außenminister die Region.[31]

Proteste ab 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 17. Februar 2011 brachen zunächst in Sulaimaniyya Proteste aus, die überwiegend von Jugendlichen getragen wurden. Anlass war eine Brandstiftung im Büro der Partei Gorran in Erbil.[32] Überwiegend junge Leute protestierten gegen die Korruption der beiden herrschenden Parteien, fehlende öffentliche Versorgung und die fehlende freie Berichterstattung der Journalisten. Das Hauptquartier der DPK wurde mit Steinen beworfen, anschließend wurden drei junge Männer von den Sicherheitskräften durch Schüsse getötet. Die Unruhen weiteten sich auf andere Städte aus und hielten über mehrere Wochen an. In Erbil und Dahuk wurden alle Demonstrationen verboten. Insgesamt wurden 10 Demonstranten im Verlauf der Proteste getötet und etwa 500 verwundet.[33] In Erbil versuchten am 25. Februar 2011 2000 Menschen eine Protestaktion gegen die Regionalregierung durchzuführen. Viele Menschen wurden dabei festgenommen. Masud Barzani kündigte daraufhin Reformen an.[34]

Irakkrise 2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peschmerga bei der Einnahme Kirkuks im Juni 2014

Durch den Vormarsch der Organisation Islamischer Staat und dem Ausbruch der Irakkrise 2014 konnte die kurdische Regionalregierung viele der von ihr beanspruchten Gebiete nach dem Rückzug der irakischen Armee einnehmen. So kam die umstrittene Stadt Kirkuk im Juli 2014 unter kurdische Kontrolle.[35] Der Streit zwischen Erbil und Bagdad über nicht umgesetzte Volkszählungen, Referenden und Probleme mit den Ölverkäufen verschärfte sich dadurch. In der Folge gab Masud Barzani die Ausarbeitung eines Referendums über die Unabhängigkeit der kurdischen Region in Auftrag.[36] Dadurch erhöhte sich der politische Druck auf den damaligen irakischen Premierminister Nuri al-Maliki.

Durch ihre jahrzehntelange Kampferfahrung gelten die Peschmerga im Krieg gegen den IS als zuverlässige Verbündete. Sie kämpfen sowohl im irakischen Teil Kurdistans als auch im syrischen, u.a. in der im Jahre 2015 stark umkämpften Stadt Ain al-Arab (kurdisch: Kobanê).[37] Die Jesiden werfen den Peschmerga jedoch vor, sie bei der Einnahme des Sindschar-Gebirges durch den IS im Stich gelassen und nicht gegen die Terrororganisation gekämpft zu haben.[38]

Mitte Dezember 2014 startete die kurdischen militärischen Verbände die bisher größte Bodenoffensive des Nahen Osten gegen den IS. Hierbei wurden nach Angaben Barzanis vor allem die Regionen um das Sindschar-Gebirge befreit, darunter auch Gebiete in der Nähe der für die Religionsminderheit der Jesiden wichtigen Stadt Sindschar (Şengal).[39] Ein Vertreter der Jesiden vor Ort erklärte jedoch, von der Ankunft der Peschmerga noch nichts bemerkt zu haben.

2015 war Sindschar immer noch umkämpft. Auf kurdischer Seite beteiligten sich mehrere unterschiedliche Milizen, die untereinander zerstritten waren. Masud Barzani kündigte am 3. August 2015 an, die Region Sindschar solle Teil der autonomen kurdischen Region werden.[40] Nach einer neuen Großoffensive (Operation Free Shingal) im Herbst 2015 teilten Kreise der kurdischen Autonomieregierung am 13. November 2015 mit, es seien Peschmerga von allen Seiten nach Sindschar eingedrungen und dass es gelungen sei, zentrale Gebäude zu befreien.[41] Noch im Laufe des Tages wurde die Stadt, mit Ausnahme einiger Bereiche im Süden, aus der Hand des IS befreit. Neben den Peschmerga, die sich ihrerseits zum großen Teil aus jesidischen Kämpfern zusammensetzten, waren an der Aktion auch Mitglieder von YBS, HPS, YPG und PKK beteiligt.[42] Der Verlust Sindschars war für den IS ein empfindlicher strategischer Rückschlag, da die beiden für sie wichtigen und durch sie kontrollierten Städte Ar-Raqqa (Syrien) und Mossul (Irak) durch den Highway entlang des Dschabal Sindschar verbunden sind.

Der Bürgermeister Sindschars äußerte, von etwa 10.000 Bewohnern fehle jede Spur; man nehme an, dass die meisten ermordet wurden.[43] So fand man beispielsweise nach der Rückeroberung Sindschars ein Massengrab mit den Leichen von 78 jesidischen Frauen.[44]

Präsidentschaftskrise 2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der gegenwärtige Regionalpräsident, Masud Barzani, hat nach zwei Amtszeiten aufgrund der Irakkrise eine außerordentliche Verlängerung seines Amtes erhalten, die allerdings im August 2015 auslief. Bis dahin sollte im Parlament eine Einigung über das weitere Geschehen erzielt werden. Barzani und seine Partei, die DPK, wollen - solange die Bedrohung durch die IS besteht - weiter regieren. Barzanis Rivalen von der PUK und Gorran drängen auf einen politischen Machtwechsel. Durch die kriegsbedingte schlechte Wirtschaftslage, die hohen Flüchtlingszahlen und dem Zahlungsverzug der Beamtenlöhne kam es im Oktober 2015 zu mehreren, teilweise gewalttätigen, Protesten gegen Barzani.[45] Dabei wurden in Sulaimaniyya und anderen Städten mit traditioneller PUK-Mehrheit Einrichtungen der DPK verwüstet. Wenig später entließ Barzani den Parlamentssprecher und die Gorran-Minister aus der Koalitionsregierung.[46]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Region Kurdistan hat weitgehende Autonomierechte. So darf kein Soldat der irakischen Armee ohne Erlaubnis die kurdischen Gebiete betreten. Die Mannschaftsstärke der Streitkräfte der kurdischen Regionalregierung wurde bereits 2007 auf 110.000 Mann beziffert.[47] Sie dürfen auch im übrigen Irak operieren.

Regierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derzeit regiert das Kabinett Barzani II, welches am 18. Juni 2014 vereidigt wurde.[48] Premierminister ist Nêçîrvan Idrîs Barzanî, der Enkel des PDK-Gründers Mustafa Barzani und Neffe des derzeitigen Präsidenten.

Präsident[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präsident der Region Kurdistan ist seit 2005 Masud Barzani.

Parlament[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ergebnis der Parlamentswahl 2013
Hauptartikel: Parlament Kurdistans

Das Parlament Kurdistans wurde am 19. Mai 1992 zum ersten Mal gewählt. Die Wahlen finden im Vier-Jahres-Turnus statt. Das letzte Mal wurde im Jahre 2013 gewählt. Von den 111 Sitzen sind elf den Minderheiten der Region vorbehalten. Es gibt eine Frauenquote von 30 %.[14]

Außenbeziehungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die kurdische Regionalregierung bemüht sich unabhängig von der Zentralregierung des Iraks darum, sich alternative Zugänge zum Meer sowie Transport- und Kommunikationswege, zu schaffen.[49] In der autonomen Region gibt es – zusätzlich zu den Botschaften in Bagdad – ausländische Vertretungen in Erbil. Die betreffenden Staaten sind unter anderem die USA, Italien, China, Russland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Niederlande, Brasilien, Weißrussland, Türkei, Iran, Tschechien und Südkorea. Deutschland eröffnete am 18. Februar 2009 ein Generalkonsulat in Erbil.[50] Außerdem existieren Vertretungen der kurdischen Regionalregierung im Ausland, so auch in Berlin, Wien und Bern.[51]

Beziehung zu Israel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Ebenfalls bisschen belegarm, wie auch der folgende Abschnitt. Zumindest Aussagen wie „große Teile der kurdischen Bevölkerung befürworten engere Beziehungen zu Israel“ sollten mit Zahlenquellen untermauert werden.

Bis zum Ende der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts lebten an die einhunderttausend kurdische Juden in den Gebieten, die heute die irakische Region Kurdistan ausmachen. Durch die Gründung des Staates Israel und den darauffolgenden Kriegen zwischen arabischen Staaten einerseits und Israel andererseits gab es eine große Massenabwanderung von Juden aus den arabischen Staaten. Die kurdischen Juden ließen jedoch ihre Beziehungen zur alten Heimat nicht abreißen und traten im noch jungen Israel als Fürsprecher der Kurden auf. Dies spiegelte sich auch in der Außenpolitik Israels. Ab spätestens den 1960er Jahren intensivierte Israel seine Kontakte zu den Kurden, einerseits durch die erfolgreiche Lobby-Arbeit der kurdischstämmigen Israelis, andererseits auch aus der Hoffnung heraus, neue Verbündete im Kampf gegen die Araber zu gewinnen.[52]

Nach dem kurdischen Aufstand gegen die Zentralregierung in Bagdad im Jahre 1961, intensivierten sich die Beziehungen zwischen Israel und den irakischen Kurden. Der damalige Anführer des kurdischen Widerstandes, Mustafa Barzani, konnte vom Historiker Îsmet Şerîf Wanlî davon überzeugt werden, Kontakte mit Tel Aviv aufzunehmen. Führende israelische Politiker, wie Schimon Peres oder Levi Eschkol, waren große Befürworter dieser kurdisch-israelischen Beziehungen. Schon zu dieser Zeit entsandten sie israelische Vertreter nach Kurdistan. Weitaus enger wurden die israelisch-kurdischen Beziehungen nach der Machtübernahme durch die Baath-Partei, zu welcher auch Saddam Hussein gehörte, im Irak. Der gemeinsame Feind führte zu einer engeren Kooperation zwischen Kurden und Israelis und führte dazu, dass auch kurdische Vertreter in dieser Zeit vermehrt nach Israel entsandt wurden. Durch massive Waffenlieferungen durch Israel an die Kurden vermutete die arabische Presse, dass sich mehrere tausend israelische Agenten in den kurdischen Regionen des Irak aufhielten. Laut der Historikerin Ofra Bengio jedoch, waren es gerade mal eine Handvoll.

Große Teile der kurdischen Bevölkerung befürworten engere Beziehungen zu Israel, so belegen Umfragen der vergangenen Jahre. Die Tendenz ist steigend. Jedoch befindet sich die kurdische Regierung derzeit in einem Dilemma. Einerseits würde sie gerne engere und offizielle Beziehungen zu Israel aufbauen, andererseits wird sie von den proiranischen Schiiten im Irak des Verrates am Irak bezichtigt. Auch der mächtige Nachbar Iran übt, in dieser Hinsicht, großen Druck auf die Regierung in Erbil aus.

Beziehung zur Türkei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Beziehung der irakischen Kurden zur Türkei mit ihrem hohen kurdischen Bevölkerungsanteil war stets ambivalent. Die Türkei befürchtete, dass jeder politische Fortschritt der Kurden im Irak zu weitgehenden politischen Forderungen der Kurden in der Türkei führen würde. Auf der anderen Seite waren die kurdischen Parteien im Irak als Partner zur Bekämpfung der PKK wichtig, da die irakische Regierung seit 1991 faktisch keine Kontrolle im Nordirak besaß.

Gemäß der nationalistischen Politik der damaligen türkischen Regierungen wurden die Kurden in der Türkei bis in die frühen neunziger Jahren schlicht ignoriert und zur Assimilation gedrängt. Als Folge wurde die kurdische Frage stets als „Terrorproblem“ bezeichnet und entsprechend bekämpft. Kurdische Führer wie Barzani und Dschalal Talabani wurden schlicht als Stammesführer tituliert und so politisch kleingeredet. Mit dem zweiten Golfkrieg und der damit verbundenen Massenflucht irakischer Kurden in die Türkei sah sich die türkische Regierung gezwungen, sich mit der kurdischen Frage auseinanderzusetzen. Die damalige Regierung unter Turgut Özal verlieh Barzani und Talabani Diplomatenpässe, und es fanden erste Besuche der beiden in Ankara statt.

Im offiziellen türkischen Sprachgebrauch wird die autonome Region Kurdistan als „Regionale Verwaltung Kurdistan“ („Kürdistan Bölgesel Yönetimi“) bezeichnet.

Seit 2013 haben sich die diplomatischen Beziehungen zwischen der autonomen Region und der Türkei weitestgehend stabilisiert. Auch die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Region Kurdistan und der Türkei wurden ausgebaut: Viele Waren werden nun aus der Türkei in die Region exportiert. Im Gegenzug wird Erdöl über die im Jahre 2013 gebaute Öl-Pipeline in die Türkei gepumpt.

Im Zuge von Verhandlungen soll in Erbil ein türkisches Generalkonsulat eröffnet werden. Des Weiteren soll zwischen der Türkei und der autonomen Region eine Freihandelszone eingerichtet werden.

Gebietsansprüche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Autonomieabkommen vom 11. März 1970 sah ein Gebiet, das aus den Provinzen Erbil, Dahuk und as-Sulaimaniyya bestehen sollte, vor. Dies umfasste eine Fläche von ca. 37.000 km². Die heutige Größe der autonomen Region liegt bei etwa 40.000 km². Weitere 38.000 km² sind faktisch unter kurdischer Kontrolle.

Es bestehen größere Gebietskonflikte zwischen der kurdischen Regional- und der irakischen Zentralregierung, bei denen es um die territoriale Zugehörigkeit sowohl der Provinzen Kirkuk und Mossul als auch um verschiedene Distrikte anderer Gouvernements geht.[49]

Teile der geforderten Gebiete wurden von der kurdischen Regionalregierung nach dem dritten Golfkrieg besetzt (siehe Karte). Die Forderungen der kurdischen Regionalregierung, umstrittene Gebiete ebenfalls der autonomen Region einzugliedern, wurden von der Zentralregierung bislang abgewiesen. Dieser Prozess sollte durch ein im Artikel 140 der irakischen Verfassung festgelegtes Referendum Ende 2007 geklärt werden, wurde jedoch sowohl von kurdischer Seite als auch von der irakischen Zentralregierung[53][54] bis auf weiteres vertagt. Während der Irakkrise 2014 besetzten Peschmerga-Truppen Kirkuk und schufen dadurch weitere Fakten.[55]

In den Entwürfen der kurdischen Regionalverfassung werden folgende Distrikte zusätzlich als zur Autonomen Region Kurdistan zugehörig erklärt:

  1. Provinz Ninawa: Distrikte Akrê, Sindschar und Teile der Distrikte von Tal Afar und al-Baʿādsch; und die Stadt Mossul selbst[56][57][58]
  2. Provinz Erbil: Distrikt Machmur
  3. Provinz Kirkuk (in den Provinzgrenzen von 1968)
  4. Provinz Diyala: Distrikte Chanaqin und Baladruz
  5. Provinz Wasit: Distrikt Badra

Militär und Sicherheitskräfte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurdischer Streifenwagen in Sulaimaniyya
Hauptartikel: Peschmerga

Das Rückgrat der Sicherheitskräfte bilden die Peschmerga, welche vor Jahrzehnten als Milizen- und Guerillatruppe gegründet wurden. Seit 2003 gibt es seitens der Bagdader Zentralregierung Bestrebungen, sie in die irakische Armee einzugliedern. Sie übernehmen die Aufgabe der Grenzsicherung in der autonomen Region. Ihre Mannstärke beläuft sich auf ca. 190.000[59]. Ihre Ausrüstung stammt vor allem aus Russland, jedoch wurde ab 2003 und verstärkt seit 2014 die Ausrüstung durch Lieferungen aus den EU-Ländern modernisiert. Vor allem Deutschland, Tschechien und Kroatien stellen die Hauptlieferanten dar.

Die Region unterhält mit der Asayîş, der Zaniyarî und der Parastin auch regionale Nachrichtendienste. Die Asayesh unterhält zwei Hauptquartiere, eines in Erbil und eines in Sulaimaniyya. Die Zaniyarî und Parastin sind die parteieigenen Nachrichtendienste der PUK und der DPK.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Region Kurdistan gab es seit der de facto Abspaltung 1991 einen wirtschaftlichen Boom, auch durch die Aussicht auf die Erschließung größerer Ölfelder, was westliche Investitionen und Ölunternehmen anlockte. Auch die Parallelwährung, der Schweizer Dinar, war von 1991 bis 2003 erfolgreich und inflationsstabil. Die Region Kurdistan galt auch mit seiner westlichen Orientierung als weitestgehend politisch stabil, was einen zusätzlichen Anreiz für ausländische Investoren darstellte. Hinzu kam ein Zustrom von Kurden aus der Diaspora, die mit westlichen Kenntnissen, Kapital und Ideen für Investitionen zurückkehren. Daher ist in diesen Jahren eine neue Mittelschicht entstanden - im deutlichen Gegensatz zum Rest des Iraks.[60]

Die Wirtschaft der Region Kurdistan operiert in verstärktem Maße losgelöst vom Rest des Irak. Teile Kurdistans waren einst die „Kornkammer des Mittleren Ostens“, es hat fruchtbare Ebenen auf einer weiten, wasserreichen Hochebene, und die Landwirtschaft ist eine traditionelle Stütze der Wirtschaft. Sie wurde jedoch durch die Kriege empfindlich beeinträchtigt. Seit 2003 erholt sie sich langsam wieder.[60]

Nach dem Fall von Saddam Hussein im Jahr 2003 konnte sich die Wirtschaft Kurdistans anfangs nur langsam stärken. Dies spiegelte sich vor allem im nominalen Bruttoinlandsprodukt der Region wieder: Ein Jahr nach dem Sturz Husseins betrug das Bruttoinlandsprodukt noch 2.420 Mrd. ID, zwei Jahre darauf ließ sich ein Wirtschaftswachstum von 364 % feststellen, bei einem BIP von 8.818 Mrd. ID im Jahr 2006. Die größte jährliche Wachstumsrate konnte von 2007 auf 2008 verzeichnet werden; hier wurde ein Wachstum von etwa 248 % erreicht (24.726 Mrd. ID).[61]

Entwicklung des nominalen Bruttoinlandsprodukts von 2004 bis 2008 in Mrd. Irakischer Dinar:

Die Region hatte 2013 eine Wirtschaftswachstumsrate von über 8 %.[14] Nach den Worten von Masud Barzani soll aus der Region nach dem Vorbild Dubai eine Freihandelszone entstehen. In der Region sind bereits mehr als 200 türkische Unternehmen tätig. Der Handel mit der Türkei belief sich 2006 auf mehr als 2 Milliarden US-Dollar. Das gegenwärtige Handelsvolumen mit der Türkei, inklusive Ölverträge und Bauaufträgen, beläuft sich zur Zeit auf 5 Milliarden US-Dollar. Ab Mitte 2007 nahm die Dominanz türkischer Produkte, wie bspw. Lebensmittel, ab. Man findet jetzt vermehrt Waren aus Syrien, Jordanien und Europa. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Handel mit der Türkei in letzter Zeit erschwert wurde. Auch ist eine Abnahme der Anzahl und Bauprojekte türkischer Unternehmen zu erkennen, was wiederum auf die jüngsten Anschläge im Nordirak und dem nachlassenden Geldfluss von der Zentralregierung zurückzuführen ist. Im Jahr 2013 waren 2300 ausländische und 15.000 inländische (kurdische) Unternehmen in Kurdistan tätig.[62]

Die Region Kurdistan ist – wie der Restirak – seit der Irakkrise 2014 und dem seit 2015 immer stärker werdenden Ölpreisverfall zunehmend wirtschaftlich betroffen. 95 % der Einnahmen der Regionalverwaltung stammen aus dem Verkauf von Erdöl. Mögliche Transferzahlungen der irakischen Zentralregierung werden aufgrund eines Konfliktes zwischen den beiden Regierungen blockiert. Transferzahlungen wären nur möglich, wenn die Regionalregierung das Erdöl mit der Zentralregierung verkaufen würde. Da 70 % der Beschäftigten im öffentlichen Dienst arbeiten und in den letzten vier Monaten des Jahres 2015 keine Löhne ausgezahlt wurden, kam es in der Folge zu einer schweren wirtschaftlichen Krise. Ausländische Investoren zogen sich daraufhin zurück und viele Infrastrukturprojekte wurden gestoppt. Viele junge Kurden zogen aus der Region gen Europa (siehe Flüchtlingskrise in Europa ab 2015).[63]

Erze & Mineralien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor allem seit den 2000er Jahren bemühte sich die kurdische Regionalregierung, neben der Öl- und Gaswirtschaft auch andere Wirtschaftszweige aufzubauen, um damit die Abhängigkeit vom Rohöl zu reduzieren. Zu diesen Wirtschaftszweigen gehört auch die Erschließung und Ausbeutung von verschiedenen Erzvorkommen innerhalb der kurdischen Region. Laut dem kurdischen Minister für Natürliche Ressourcen, Aschti Hewrami, sind die politischen und rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass in naher Zukunft Bodenschätze wie Eisen, Kupfer, Chrom, Gold, Platin und verschiedene weitere Mineralien in großem Ausmaß abgebaut werden können. Es wurden zwei Gesetze für diesen Sektor, ausgefertigt und verabschiedet. Eines legt die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Abbau von metallischen Mineralien fest. Der andere behandelt nicht-metallische Mineralien.[64] Vorgesehen ist, dass die Industrie sich privat, jedoch mit bestimmten Auflagen und Regulierungen, entwickelt.

Öl- und Gasvorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Irak besitzt die weltweit drittgrößten Ölvorkommen. Davon liegen in der Region Kurdistan schätzungsweise 45 Milliarden Barrel Öl. Damit liegt diese weltweit auf Rang 6. Eines der größten Ölfelder der Welt ist das Kirkuk-Ölfeld. Schätzungen gehen davon aus, dass 1930 etwa 38 Milliarden Barrel Öl im Feld lagerten.[65] Wie Bohrergebnisse aus den Jahren 2007–2009 zeigen, befinden sich in der Region weitere Felder mit mehr als 1 Mrd. Barrel Öl. Die erzielten Testförderraten an den durchgeführten Bohrungen von bis zu 40.000 Barrel pro Tag (bpd) zählen zu den höchsten der Welt.

Diese Ölvorkommen sind auch ein Grund für den jahrelangen Streit zwischen der kurdischen Regionalregierung und der Zentralregierung in Bagdad. Die kurdische Regierung hat seit 2003 mit 24 westlichen Ölgesellschaften (u.a. DNO ASA, Genel Enerji, Heritage Oil, KNOC, MOL, Dana Gas, OMV, Hunt, WesternZagros Resources, Sinopec, Gulf Keystone Petroleum, Vast Exploration, Groundstar Resources, Talisman Energy, Niko Resources) Verträge zur Erforschung und Ausbeutung von Ölfeldern geschlossen.

Anfang Mai 2009 vermeldete Heritage Oil den Fund eines gewaltigen Ölvorkommens. Die 710 m dicke ölführende Schicht enthält zwischen 2,3 und 4,2 Milliarden Barrel Öl.

Kirkuk–Ceyhan Öl-Pipeline

Am 8. Mai 2009 erteilte die Regierung in Bagdad eine Genehmigung zum Export von kurdischen Öl. Ab dem 1. Juni 2009 flossen 60.000 bopd vom Tawke-Feld über Pipelines zum am Mittelmeer gelegenen Ölverladehafen nach Ceyhan in der Türkei. Ende Juni 2009 begann dann auch der Export vom Taq-Taq-Feld mit 40.000 bpd. Im September 2009 stellte die Regionalregierung den Export jedoch wieder ein, da mit Bagdad keine Einigung über die Bezahlung der Exporte erzielt werden konnte. Weder die Regionalregierung noch die Ölförderer erhielten Geld. Nach den irakischen Wahlen Anfang 2010 und der Regierungsbildung Ende 2010 wurden neue Verhandlungen zur Beilegung dieses Konflikts aufgenommen, mit dem Ergebnis, dass am 3. Februar 2011 der Export mit 10.500 bpd aufgenommen wurde. Bereits 3 Tage später sollten 50.000 bpd erreicht werden und eine weitere Erhöhung auf 100.000 bpd folgen.

Der Verkauf erfolgt durch die staatseigene „State Oil Marketing Organization“ (SOMO) in Bagdad. Das Tawke-Feld wird von der DNO entwickelt. Genel Enerji (Türkei) und Sinopec (China) betreiben das Taq-Taq-Feld.[66][67][68]

Am 17. Mai 2009 erwarben die österreichische OMV und die ungarische MOL Anteile an den Gasfeldern Khor Mor und Chemchemal. Ab 2014/15 sollen aus diesen Feldern täglich 3 Milliarden Kubikfuß Gas nach Europa strömen.

Ende 2013 baute die Regionalregierung Kurdistans zusammen mit der Türkei und entgegen dem Willen der irakischen Zentralregierung eine eigene Ölpipeline, die einen Export von Erdöl über den Mittelmeerhafen Ceyhan nach Europa und weiteren Staaten ermöglichen soll. Im Mai 2014 begann der Erdölexport.[69] In der Folge erfolgte der Verkauf von Erdöl unabhängig von der irakischen Zentralregierung und war ein erster Schritt zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit von Bagdad.

Am 11. Juni 2014 übernahm die Regionalregierung Kurdistans die Kontrolle über die Ölfelder Kirkuk und Bai Hassan und exportiert seither 120.000 Barrel pro Tag über die Kirkuk-Ceyhan-Pipeline.[65]

Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurdische Arbeiter im Norden der Region

Kurdistan besitzt trotz zahlreicher Gebirge etwa 3,49 Millionen Hektar bzw. ca. 35 % der Landfläche an fruchtbarem Boden.[70] Die meisten Erzeugnisse in der Landwirtschaft sind Weizen, Reis, Sonnenblumen, Gurken und Früchte, wie zum Beispiel Feigen oder Granatäpfel. Der Anteil der Landwirtschaft am BIP der autonomen Region Kurdistan beträgt 17,5 %. Vor allem die Regionen Sulaimaniyya und Dahuk tragen einen hohen Anteil zur Landwirtschaft bei.[14]

Ein Wandel der Wirtschaftsstruktur von der Landwirtschaft zur Industrie konnte, wie in vielen Ländern dieser Region, ebenfalls festgestellt werden. Während die Erdölförderung in dem letzten Jahrzehnt rasant zunahm, sank die Beteiligung in der Landwirtschaft erheblich. Im Jahr 2000 arbeiteten 45 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft. Im Jahr 2003 bestritten noch etwa 35 % der Einwohner ihren Lebensunterhalt mit agrarischen Erzeugnissen. Nach neun Jahren waren nur noch 9 % in der Landwirtschaft erwerbstätig.[70][71]

Bewässerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Erbil und Sulaimaniyya wird die Wasserversorgung zum größten Teil durch Karezes (Qanat) hergestellt. Diese Art der Bewässerung erfolgt auf neun Ebenen. Allerdings laufen in Erbil sowie in Dahuk derzeit mehrere Bewässerungsprojekte, um in Zukunft Wasser einzusparen.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Delal-Brücke in Zaxo stammt aus der römischen Antike und ist ein beliebtes Ausflugsziel

Der Tourismus in der Region Kurdistan wird seit einigen Jahren massiv gefördert. Neben zahlreichen Luxushotels und verschiedenen Vergnügungsparks, mit unter anderem dem größten Riesenrad des Nahen Ostens in Sulaimaniyya, sollen Investoren mit Steuererleichterungen und Subventionen in die Region gelockt werden.

Zahlreiche Einkaufspassagen in vergleichsweise gigantischer Größe, wie zum Beispiel die Majidi-Mall[72] oder das City-Center,[73] eröffneten ab dem Jahr 2010 in Erbil und Sulaimaniyya.

Im Jahr 2013 wurden 950 Millionen Dollar in die Tourismus-Branche investiert und eine Milliarde Dollar an Einnahmen erzielt. Bei einer Besucherzahl von 2,2 Millionen Touristen im Jahre 2012 und anvisierten 7 Millionen bis 2025 sollen die sowohl die Investitionen als auch die Einnahmen enorm steigen. Bereits 2014 waren 75 % der Hotels in Kurdistan ausgelastet.[14]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strombedarf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor allem der massive Energiebedarf macht der Region zu schaffen. Durch den aufkommenden Tourismus und dem Wirtschaftsboom hat sich der Energiebedarf zwischen 2004 und 2012 nahezu verdreifacht. Bis 2016 soll der Energiesektor von Privatunternehmen bedient werden.[14] Aufgrund der wirtschaftlichen Krise ab Ende 2015 traten Stromausfälle regelmäßig auf.[74]

Telekommunikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mobilfunk wird von 90 % der Bevölkerung genutzt. Mobilfunk-Anbieter sind Zain Iraq, Asiacell und Korek Telecom. Nur 7–10 % der Bevölkerung haben jedoch derzeit Zugang zum Internet. Von der Regierung wurde daher ein Plan aufgelegt, welcher vorsieht, bis 2018 mindestens 50 % der Bevölkerung mit Zugang zum Internet zu versorgen bzw. zumindest jedes Jahr weiteren 5 % der Bevölkerung Internet-Zugänge zu ermöglichen.[14]

Flughäfen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Region Kurdistan im Nordirak verfügt über zwei internationale Flughäfen:

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Statue des auf dem Kopf stehenden Dichters vor der National-Bibliothek in Sulaimaniyya

Die Vorschule kann in der Altersklasse zwischen 4 und 5 Jahren besucht werden. Die Primärausbildung dauert 6 Jahre und ist für 6- bis 11-Jährige obligatorisch. Die Sekundärausbildung besteht aus 2 Zyklen von jeweils 3 Jahren; höhere Ausbildungen dauern 2-6 Jahre pro Zyklus.

Unterrichtssprache ist Kurdisch. Arabisch, obwohl Amtssprache des Irak, wird nur als Fremdsprache gelehrt.[60] Durch die forcierten Bemühungen der irakischen Zentral- und Regionalregierung im Bereich der Bildung soll von 2011 bis 2015 die Analphabetismusrate von 20–25 % erheblich gesenkt werden.[75] Der Anteil am Gesamtbudget der Regierung für die Bildung betrug im Jahr 2013 16 %.[64]

Neben der allgemeinen Bekämpfung des Analphabetismus ist es das Ziel der Regionalregierung, allen Schülern in ihrem Wirkungsbereich die bestmögliche Bildung zu ermöglichen. Langfristiges Ziel ist die Stärkung der eigenen Wirtschaft und die Erhöhung der Innovationsfähigkeit. Öffentliche Primär- und Sekundarschulen sind darum ebenso wie die staatlichen Universitäten kostenfrei.

Im Jahr 2013 kamen auf einen Professor 62 Studierende. Erklärtes Ziel des Bildungsministeriums ist es, das Verhältnis auf 1 zu 30 zu reduzieren.[62] Bis 2020 sind daher 3,4 Milliarden Dollar von der Regierung für Bildungsprojekte vorgesehen.[14]

Hochschulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt insgesamt 15 staatliche und 14 private Hochschulen in der Region.[76]

Die erste Universität, die Universität Sulaimaniya, wurde 1968 in Sulaimaniyya gegründet. 1981 wurde die Universität vom irakischen Regime nach Erbil verlegt und in Salahaddin-Universität umbenannt. Die Ursache lag in dem starken Rückhalt der kurdischen Widerstandsbewegung bei der Bevölkerung von Sulaimaniyya. Die Universität Sulaimaniyya wurde 1992 von der Regionalregierung wiedererrichtet. Diese unterhält auch einen Standort in Dschamdschamāl.

Zwei Hochschulen neueren Datums befinden sich in Koya, die Universität Koya, und in Erbil, die Hawler Medical University. 2006 nahm die University of Kurdistan Hewlêr in Erbil ihren Lehrbetrieb auf. Einzige Unterrichtssprache ist Englisch. In Sulaimaniyya eröffnete ebenfalls die englischsprachige Hochschule The American University of Iraq - Sulaimani.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kurdische Musik

Die kurdische Musik hat ihre Wurzeln in einer epischen Gesangstradition. In dieser werden Geschichtenerzähler (Çîrokbêj), Sänger (Stranbêj) und Barden (Dengbêj) unterschieden. Charakteristisch für die kurdische Musik sind einfache Melodien mit einem Umfang von nur drei oder vier Tönen, strophische Lieder mit derselben Dichtung und Musik am Ende jeder Strophe. Daneben gibt es auch Tanzmusik (Govend), die häufig auf Hochzeiten gespielt wird.

Das Tembûr ist eines der meistgenutzten Musikinstrumente in Kurdistan. Daneben werden weitere traditionelle Musikinstrumente, wie Bilûr (Flöte), Duduk (Oboe), Dahol (Trommel) und Zurna (Schalmei) oft genutzt. In der Ahl-e Haqq- und alevitischen Religion wird bei Zeremonien häufig die Langhalslaute Tembûr eingesetzt. Durch die Digitale Revolution änderte sich auch in Kurdistan die Verwendung traditioneller Musikinstrumente. Die moderne, kurdische Popmusik nach der Jahrtausendwende verwendet nun überwiegend elektronische Instrumente, wie zum Beispiel Verstärker und Keyboard, um den Klang und Ton von traditionellen Instrumenten zu imitieren. Vereinzelt findet man heute noch digitalisierte Tembûr auf Hochzeiten und Feiern.

Während der Herrschaft von Saddam Hussein waren kritische Musiktexte gegen das Baath-Regime sowohl privat, als auch öffentlich verboten. Viele Musiker, die sich dieser Unterdrückung widersetzten, wurden mit dem Tod bestraft. Trotzdem entschlossen sich einige kurdische Musiker, darunter Erdewan Zaxoyi und Eyaz Zaxoyi, für die Peschmerga zu musizieren. Die Musikstücke produzierten sie heimlich und provisorisch. Dabei wurde der Gesang, meistens begleitet vom traditionellen Tembûr, auf eine Kompaktkassette aufgenommen. Da der Verkauf von Musik dieser Art verboten war, entwickelte sich ein Schwarzmarkt für die aufgenommenen Kassetten. Einige dieser Musiker verließen wegen der Verfolgung durch das Baath-Regime das Land und veröffentlichten in Ländern wie Iran und Syrien weiterhin kritische Musikstücke und Motivationsgesänge für die Peschmerga-Einheiten.[77]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kurdische Literatur

Der größte Teil der kurdischen Erzählungen wurde und wird mündlich überliefert und weitergegeben. Die schriftliche Literatur bestand bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts größtenteils aus Poesie. Aufgrund von politischen und sozialen Entwicklungen wurde der Anteil der Prosa größer. Die kurdische Literatur war im 20. Jahrhundert jahrzehntelang in ihrer Heimat Restriktionen und Verboten ausgesetzt. Mit der Auswanderung nach Europa entwickelten die Kurden hier eine Exilliteratur, die für die Entwicklung in den Heimatländern nicht unbedeutend war.

Bekannte kurdische Schriftsteller sind unter anderem Pîremêrd, Ibrahim Ahmed oder die adelige Mastura Ardalan. Vor allem die kurdische Stadt Sulaymaniyya gilt als das bedeutendste Zentrum der kurdischen Literatur.

Malerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vertreter der zeitgenössischen Malerei aus der Region sind u. a. Sardar Kestay und Baldin Ahmad.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die am häufigsten betriebene Sportart in der Region Kurdistan ist Fußball. Am 11. Januar 2006 wurde der kurdische Fußballverband Kurdistan Football Association mit 24 Mannschaften aus verschiedenen Städten - u.a. Erbil, Sulaimaniyya und Kirkuk - gegründet. Des Weiteren wurde eine kurdische Fußballauswahl aufgestellt, die Mitglied des NF-Board ist. Im Jahr 2008 nahm die Mannschaft am Viva World Cup teil und erreichte den vierten Platz. In den Turnieren von 2009 in Padanien sowie 2010 in Gozo belegte die kurdische Mannschaft je den zweiten Platz. 2012, als der Viva World Cup in Kurdistan stattfand, kamen die Kurden erneut bis ins Finale, wo sie auf die Türkische Republik Nordzypern trafen. Das Spiel endete 2:1 und Kurdistan wurde zum ersten Mal Meister des Viva World Cup.

Der spanische Fußballclub Real Madrid eröffnete im April 2012 mehrere Fußballschulen, sogenannte Akademien.[78]

Feiertage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fällt ein arbeitsfreier Tag auf einen Freitag oder Samstag, dann wird der folgende Werktag als arbeitsfreier Tag deklariert.[79]

Arbeitsfreie Tage sind:

Festtage sind unter anderem:

  • 18. Februar: Tag der Kurdischen Studenten Union
  • 7. März: Befreiung von Sulaimaniyya
  • 1. April: Assyrisches Neujahr
  • 22. April: Tag der Presse. An diesem Tag 1898 erschien die erste kurdische Zeitung Kurdistan
  • 17. Dezember: Tag der kurdischen National-Flagge[80]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brendan O’Leary (Hrsg.): The future of Kurdistan in Iraq. University of Pennsylvania Press, Philadelphia 2005, ISBN 0-8122-3870-2.
  • Mahir Aziz: The Kurds of Iraq: Nationalism and Identity in Iraqi Kurdistan. I. B. Tauris, 2014, ISBN 9781784532734.
  • Awat Asadi: Der Kurdistan-Irak-Konflikt: der Weg zur Autonomie seit dem Ersten Weltkrieg. Schiler, 2007, ISBN 9783899300239.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Autonome Region Kurdistan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. KRSO (tatistikbehörde von Kurdistan)
  2. Kurdistan Region Statistics Office (KRSO). Statistikbehörde der Region Kurdistan.
  3. http://www.deutschlandfunk.de/erbil-zwischen-fluechtlingselend-und-unabhaengigkeit.799.de.html?dram:article_id=300697 Zwischen Flüchtlingselend und Unabhängigkeit. Deutschlandfunk.de
  4. Kurdistan Region Statistics Office. Krso.net, November 2013, abgerufen am 8. Juli 2014.
  5. Human Development Report Office, abgerufen am 27. Dezember 2014
  6. a b Contemporary history. Kurdistan Regional Government (Regionalregierung Kurdistans), abgerufen am 1. Mai 2016 (englisch).
  7. http://austria.krg.org/category/news/ Internetpräsenz der Regionalregierung Kurdistan-Irak in Österreich
  8. Länderinfo Irak, AA, abgerufen am 1. Mai 2016
  9. Reiseinformationen Irak, BMEIA, abgerufen am 1. Mai 2016
  10. Markus Bickel: Kurden im Nordirak: Eine lange Front und wenig Feuerkraft. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 1. Mai 2016]).
  11. Guido Steinberg: Die neue Kurdenfrage: Irakisch-Kurdistan und seine Nachbarn. Stiftung Wiss. und Politik, Dt. Inst. für Internat. Politik und Sicherheit (google.com [abgerufen am 1. Mai 2016]).
  12. Kurdistan's geography and climate. In: cabinet.gov.krd. Kurdistan Regional Government, archiviert vom Original am 10. April 2015, abgerufen am 29. November 2015 (englisch).
  13. Kurdistan Region is a young society Statistikamt der Region Kurdistan. Abgerufen am 14. September 2014.
  14. a b c d e f g h The Kurdistan Region FACTS & FIGURES 2013 investingroup.org
  15. Alexander Whitcomb: In Kurdistan, Birth Rates Lower than in Rest of Iraq. In: Rudaw. Rudaw Media Group, 9. Mai 2014, archiviert vom Original am 26. Juni 2015, abgerufen am 8. Oktober 2015 (englisch).
  16. Peter Prantner: Gestrandet auf der Flucht vor IS. Der triste Alltag in einem „sicheren Hafen“. In: orf.at. 24. Februar 2015, archiviert vom Original am 21. August 2015, abgerufen am 8. August 2015.
  17. A Brief Report of Kurdistan Region Statistikamt der Region Kurdistan. Abgerufen am 8. Oktober 2015.
  18. GURĀNI – Encyclopaedia Iranica. In: www.iranicaonline.org. 15. Dezember 2002, archiviert vom Original am 17. November 2015, abgerufen am 8. Oktober 2015 (englisch).
  19. The Kurdish language. Kurdistan Regional Government, abgerufen am 8. Oktober 2015 (englisch).
  20. Die Sorani Kurden im Irak. Forum Unerreichte Völker c/o AIMS Deutschland, abgerufen am 3. Mai 2016.
  21. The Kurdish language. In: gov.krd. Kurdistan Regional Government, abgerufen am 4. Mai 2016.
  22. Aspekte der kurdischen Sprache. Universität Duisburg-Essen, abgerufen am 3. Mai 2016.
  23. Christen im Irak. Irak: Hilfe für die Opfer des Konflikts. In: caritas-international.de. Caritas international, 21. Juli 2015, archiviert vom Original am 26. Juni 2015, abgerufen am 8. Oktober 2015 (de-de).
  24. "Großteil der Jesiden konnte flüchten" Abgerufen am 23. August 2014.
  25. Patrick Franke, Waffen für die Falschen?, Süddeutsche Zeitung, 29. August 2014
  26. Die Anti-IS-Religion. FAZ, 6. September 2015, abgerufen am 19. Mai 2016.
  27. Zoroastrianism in Iraq seeks official recognition. Al-Monitor, 17. Februar 2016, abgerufen am 19. Mai 2016.
  28. The 1991 Uprising in Iraq And Its Aftermath. Human Rights Watch, Juni 1992, abgerufen am 2. Mai 2016 (englisch, ISBN 1-56432-069-3).
  29. Dr Alex Danilovich: Iraqi Federalism and the Kurds: Learning to Live Together. Ashgate Publishing, Ltd., ISBN 978-1-4094-7404-3, The Politics of Flag Hoisting (google.com [abgerufen am 1. Mai 2016]).
  30. SPIEGEL ONLINE, Hamburg Germany: Kampf gegen die PKK: Die heimliche Invasion der Türken im Irak. In: SPIEGEL ONLINE. Abgerufen am 1. Mai 2016.
  31. Andreas Wenger, Alex Wilner: Deterring Terrorism: Theory and Practice. Stanford University Press, ISBN 978-0-8047-8347-7, S. 238 (google.com [abgerufen am 1. Mai 2016]).
  32. Thomas Schmidinger: Neue Spielräume. Wie die KurdInnen in Irak und Syrien den Arabischen Frühling für sich nutzen, iz3w, Nr. 330, Mai/Juni 2012, PDF
  33. Calender of February 17 (17 Shubat), 2011 Martyrs in the Kurdistan Region, Kurdish News Network, 17. Februar 2014
  34. Gewalttätige Proteste in Irakisch-Kurdistan. Alsharq, 23. Februar 2004, abgerufen am 6. Mai 2011.
  35. Markus Bickel: Die neuen Herren der Ölfelder. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 8. Oktober 2015]).
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  38. Gastbeitrag von Patrick Franke: Jesiden und Kurden im Irak: Waffen für die Falschen? In: sueddeutsche.de. ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 29. November 2015]).
  39. Kurden erobern IS-Gebiete im Irak zurück. In: tagesschau.de. 18. Dezember 2014, archiviert vom Original, abgerufen am 8. Oktober 2015 (de-de).
  40. http://www.al-monitor.com/pulse/originals/2015/08/kurdistan-yazidis-armed-forces-influence-sinjar.html#
  41. Kurden erobern Sindschar von IS zurück, Artikel der Zeit vom 13. November 2015
  42. Thomas Pany: Kurden erobern Sindschar zurück. Telepolis, 13. November 2015, abgerufen am gleichen Tage
  43. spiegel.de 29. Dezember 2015
  44. spiegel.de 15. November 2015
  45. Wieland Schneider: Irak: Gefährlicher Machtkampf in Kurdistan. In: DiePresse.com. Die Presse, 12. Oktober 2015, archiviert vom Original, abgerufen am 29. November 2015.
  46. Kurdenpräsident Barzani entlässt Minister. In: derStandard.at. 13. Oktober 2015, archiviert vom Original, abgerufen am 29. November 2015.
  47. ''Milliyet''. Milliyet.com.tr, 20. Juni 2007, abgerufen am 6. Mai 2011.
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  51. Auslandsvertretungen der kurdischen Regionalregierung auf der Website der KRG, abgerufen am 1. Mai 2016
  52. Joseph Croitoru: Israelisch-Kurdische Beziehungen: Die Landkarte des Nahen Ostens verändern. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 21. Mai 2016]).
  53. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKurden-Präsident Barsani: Der Irak fällt auseinander! In: BILD.de. 24.06.2014, abgerufen am 8. Oktober 2015.
  54. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatÖlstadt Kirkuk, das irakische Pulverfass. In: ZEIT ONLINE. 07.01.2010, abgerufen am 8. Oktober 2015.
  55. Die neuen Herren der Ölfelder. Abgerufen am 21. Februar 2015.
  56. A NATION AT WAR: KURDS; In Newly Occupied Mosul, U.S. Colonel Faces 1.7 Million Added Responsibilities, The New York Times. Abgerufen am 26. Juni 2015.
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