Nordische Filmtage Lübeck

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Die Nordischen Filmtage Lübeck (Abkürzung: NFL) wurden 1956 vom Lübecker Filmclub zum ersten Mal veranstaltet und zählen zu den traditionsreichsten Filmfestivals weltweit. Sie sind das einzige Festival in Deutschland und neben dem später entstandenen Festival du cinéma nordique im französischen Rouen das einzige in Europa, das sich ganz auf die Präsentation von Filmen aus dem Norden und dem Nordosten des Kontinents spezialisiert hat.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Filmtage finden seit 1956 alljährlich an sechs Tagen über das erste Novemberwochenende statt. Sie sind seit 1971 in städtischer Trägerschaft und werden von der Hansestadt Lübeck zusammen mit den Filminstituten der nordischen und baltischen Länder veranstaltet. Die Schirmherrschaft haben die Botschafter der nordischen Länder in Deutschland. Die künstlerische Leitung hatte bis zum Jahr 2000 Hauke Lange-Fuchs. Anschließend übernahm Linde Fröhlich ab Ende 2000 die künstlerische Leitung. Ihr zur Seite steht als weiterer Festivalleiter der Nordischen Filmtage Lübeck seit 2017 Festivalmanager Florian Vollmers. Ehrenpräsidentin des Festivals ist die norwegische Schauspielerin und Regisseurin Liv Ullmann. Medienpartner sind der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und die Lübecker Nachrichten (LN).

Alljährlich werden in Lübeck die aktuellen Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme aus Skandinavien, dem Baltikum, Finnland und Island vorgestellt. Daneben gibt es ein umfangreiches Kinder- und Jugendprogramm, seit 2016 eine Sektion für Serien und eine Retrospektive, die wichtigen Epochen, bestimmten Genres oder bedeutenden Persönlichkeiten der Filmgeschichte gewidmet ist. Im Filmforum sind neue Produktionen mit Bezug zu Schleswig-Holstein und Hamburg zu sehen. Seit 2016 werden 360°-Filme in einem mobilen Fulldome-Kino gezeigt. Begleitend finden Seminare, Diskussionen, Gesprächsrunden, Panels, Ausstellungen und Konzerte statt.

Die Nordischen Filmtage Lübeck sind mit zuletzt etwa 36.000 Besuchern (2019) ein großes Publikumsfestival und ein wichtiger Treffpunkt für die Filmbranche aus Deutschland sowie Nord- und Nordosteuropa. Viele der Regisseure, die in Lübeck ihre Debütwerke vorstellten, haben mittlerweile Weltruhm erlangt – wie Bille August, Lasse Hallström, Aki Kaurismäki oder Fridrik Thór Fridriksson.

Derzeit werden bei den NFL neun Filmpreise vergeben: der mit 12.500 € dotierte Spielfilmpreis des NDR, der Publikumspreis der Lübecker Nachrichten (5.000 €), der Baltische Filmpreis (2.500 €) für einen nordischen Spielfilm, der Kirchliche Filmpreis Interfilm (5.000 €), der Dokumentarfilmpreis des DGB Bezirk Nord (5.000 €), der Preis der Kinderjury (5.000 €), der Kinder- und Jugendfilmpreis der Nordischen Filminstitute (5.000 €) und der CineStar-Preis (5.000 €) für einen in Norddeutschland hergestellten Kurzfilm; 2018 kam der Preis des Freundeskreises für das beste Spielfilmdebüt (7.500 €) hinzu.[1] Die Preise mit einem Gesamtwert von 52.500 Euro werden auf einer Filmpreisgala am vorletzten Abend der Filmtage verliehen.

2018 fanden das ganze Jahr über Jubiläumsveranstaltungen anlässlich der 60. Nordischen Filmtage Lübeck statt, die vom 30. Oktober bis 4. November des Jahres veranstaltet wurden.

Festival 2006[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das auf fünf Veranstaltungstage verlängerte Festival verzeichnete mit 20.500 Besuchern einen Zuschauerrekord. Aus Anlass des 100-jährigen Bestehens wurde die Nordisk Film A/S mit einer Retrospektive geehrt. Erstmals wurden in der von den NFL und der schleswig-holsteinischen Filmförderung MSH gemeinsam veranstalteten „Filmpreisnacht“ fünf NFL-Preise sowie der mit 55.000 Euro dotierte Schleswig-Holstein-Filmpreis der MSH in vier Kategorien vergeben.

Festival 2007[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 49. Festival fand vom 31. Oktober bis 4. November 2007 statt. Das Filmforum Schleswig-Holstein, die Sektion der Filmtage für Produktionen aus Deutschlands nördlichstem Bundesland, feierte 20-jähriges Bestehen.

Festival 2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 50. Nordischen Filmtage fanden vom 29. Oktober bis 2. November 2008 statt und wurden mit dem dänischen Spielfilm Der Tanz von Pernille Fischer Christensen eröffnet.[2]

Festival 2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 51. Nordischen Filmtage fanden vom 4. bis 8. November 2009 statt und wurden mit dem norwegischen Spielfilm Das Orangenmädchen eröffnet. Der Film von Eva Dahr basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jostein Gaarder.

Festival 2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 52. Nordischen Filmtage fanden vom 3. bis 7. November 2010 statt und wurden mit dem schwedischen Spielfilm Sound of Noise eröffnet, einer Krimikomödie von Ola Simonsson und Johannes Stjärne Nilsson. Als Stargäste begrüßte man unter anderem Stellan Skarsgård.

Festival 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 53. Nordischen Filmtage fanden vom 2. bis 6. November 2011 statt und wurden mit dem norwegischen Spielfilm Happy, Happy eröffnet, eine Tragikomödie von Anne Sewitsky. Nach fünf Jahren wurde der Norddeutsche Filmpreis eingestellt und das Festival konzentriert sich auf das skandinavische und baltische Kernprogramm.

Festival 2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 54. Nordischen Filmtage fanden vom 31. Oktober bis 4. November 2012 statt. Das Filmforum, Sektion für den norddeutschen Film, feierte 25. Jubiläum. Thema der Retrospektive waren skandinavische Gruselfilme.

Festival 2013[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 30. Oktober bis 3. November 2013 fanden die 55. Nordischen Filmtage Lübeck statt. „Nord!wärts im Film: Spitzbergen und der Weg zum Pol“ war das Thema der Retrospektive; eröffnet wurde das Festival mit dem isländischen Film Von Menschen und Pferden von Benedikt Erlingsson.

Festival 2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 56. Nordischen Filmtage Lübeck (29. Oktober – 2. November 2014) konnten einen neuen Besucherrekord verzeichnen mit fast 30.000 Besuchern. Eröffnet wurden sie mit 1001 Gramm des norwegischen Regiestars Bent Hamer.

Festival 2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 57. Ausgabe der Nordischen Filmtage Lübeck fand vom 4. bis 8. November 2015 statt. Zur Eröffnung wurde der Film Sture Böcke (Hrútar) des Isländers Grímur Hákonarson gezeigt. Die Retrospektive widmet sich in diesem Jahr dem Thema „Nordlandreisen. Travelogues & Roadmovies“.

Festival 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 58. Nordischen Filmtage Lübeck (2. – 6. November 2016) stellten mit über 32.000 Besuchen einen neuen Rekord auf. Eröffnet wurden die Filmtage mit der norwegischen Produktion Rosemari von Sara Johnsen. Das Spielfilmdebüt Herzstein von Guðmundur Arnar Guðmundsson gewann den mit 12.500 Euro dotierten NDR-Filmpreis.

Festival 2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 59. Nordischen Filmtage Lübeck (1. – 5. November 2017) stellten mit über 33.000 Besuchen erneut einen Rekord auf. Eröffnet wurden die Filmtage mit der schwedischen Produktion Träum' weiter (Dröm vidare) von Rojda Sekersöz. Das Spielfilmdebüt Der Charmeur (Charmøren) von Milad Alami aus Dänemark gewann den mit 12.500 Euro dotierten NDR-Filmpreis.[3]

Festival 2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 60. Jubiläumsjahr präsentierten die Nordischen Filmtage Lübeck vom 30. Oktober bis 4. November 199 Filme an sechs Tagen. Moonika Siimets Film Die kleine Genossin (Seltsimees laps) aus Estland war der Eröffnungsfilm.[4] Großer Gewinner war der isländische Streifen Gegen den Strom (Kona fer í stríd) von Benedikt Erlingsson, der vier Preise erhielt: neben dem mit 12.500 Euro dotierten NDR-Filmpreis und dem Publikumspreis der Lübecker Nachrichten (5.000 Euro) auch den Baltischen Filmpreis (2.500 Euro) sowie den Kirchlichen Filmpreis Interfilm (5.000 Euro).[5]

Festival 2019[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der 61. Auflage der Nordischen Filmtage vom 29. Oktober bis 3. November 2019 wurden an sechs Tagen 196 Filme gezeigt. Zur Eröffnung lief das schwedische Liebesdrama Feuer und Flamme (Eld och Lågor) von Måns Mårlind und Björn Stein. Den NDR-Filmpreis erhielt erneut ein Beitrag aus Island, Hlynur Pálmasons Werk Weisser weisser Tag (Hvítur, Hvítur Dagur).

Prämierte Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auswahl NDR-Filmpreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auswahl Publikumspreis der Lübecker Nachrichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jochen Steffen: „Forum des Nordischen Films“. Zur Entwicklung der Nordischen Filmtage. In: Hans Günther Pflaum (Hrsg.): Jahrbuch Film 81/82. Berichte/Kritiken/Daten. Carl Hanser Verlag, München/Wien 1981, ISBN 3-446-13456-5, S. 116–122.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Preise. Abgerufen am 3. November 2019.
  2. Vgl. Nordische Filmtage: Festival mit "Der Tanz" eröffnet. In: fr-online.de. 30. Oktober 2008, abgerufen am 19. Dezember 2014.
  3. 59. Nordische Filmtage Lübeck ziehen positive Bilanz […]. 6. November 2017, abgerufen am 19. Oktober 2018.
  4. Im 60. Jubiläumsjahr präsentieren die Nordischen Filmtage Lübeck neue Filme […]. 10. Oktober 2018, abgerufen am 19. Oktober 2018.
  5. a b c dpa: 60. Nordische Filmtage: Isländische Komödie großer Sieger. In: t-online.de. 3. November 2018, abgerufen am 4. November 2018.
  6. a b Preisträger der 59. Nordischen Filmtage Lübeck […]. 4. November 2017, abgerufen am 19. Oktober 2018.
  7. a b Preisträger der 61. Nordischen Filmtage Lübeck […]. 2. November 2019, abgerufen am 3. November 2019.