Nordkap

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Koordinaten: 71° 10′ 21″ N, 25° 47′ 4″ O

Reliefkarte: Norwegen
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Nordkap
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Norwegen

Das Nordkap (norwegisch Nordkapp) ist ein ins Nordpolarmeer hineinragendes Kap an der Nordseite der norwegischen Insel Magerøya. Es liegt in der nach ihm benannten Kommune Nordkapp auf 71° 10′ 21″ nördlicher Breite, 514 Kilometer nördlich des Polarkreises und rund 2100 Kilometer südlich des Nordpols.

Das Nordkap ist nicht der nördlichste Punkt Europas, es ist jedoch mit seinem Wahrzeichen, dem Globus, ein bedeutendes touristisches Reiseziel. Im Sommer gibt es für etwa zweieinhalb Monate die Mitternachtssonne, im Winter dagegen gelangt die Sonne etwa zweieinhalb Monate lang auch tagsüber nicht über den Horizont.

Geographische Lage und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Physische Karte eines Teils der nördlichen Finnmark mit Nordkap, Knivskjellodden und Kinnarodden
Blick von Südwesten auf die Aussichtsplattform auf dem Nordkapplateau bei selten klarer Sicht an einem Nachmittag im Frühsommer

Das Nordkap liegt in der Finnmark, dem nördlichsten Bezirk Norwegens.

Entgegen der weit verbreiteten Auffassung und den Behauptungen der Tourismusbranche ist das Nordkap nicht der nördlichste Punkt Europas:

  1. Das Nordkap befindet sich nicht auf dem Festland, sondern auf einer diesem vorgelagerten Insel. Der nördlichste Punkt des Festlandes ist die Landzunge Kinnarodden (71° 08′ 01″ nördlicher Breite) auf der Nordkinnhalbinsel.
  2. Auch auf der Insel Magerøya, auf der auch das Nordkap liegt, befindet sich auf 71° 11′ 08″ nördlicher Breite ein noch 1400 Meter weiter nördlich gelegener Punkt, nämlich die westlich benachbarte Landzunge Knivskjellodden.
  3. Auch unter den Inseln, die zu Europa zählen, gibt es diverse, die sich nördlich des Nordkaps befinden. Diejenigen des Spitzbergen-Archipels und die des Franz-Josef-Lands mit Kap Fligely sind die nördlichsten.

Das Nordkap ist seit dem Anschluss an das Straßennetz über die heutige Europastraße 69 im Jahr 1956 der nördlichste Punkt Europas, der auf Straßen vom europäischen Festland aus erreicht werden kann. Seit Juni 2013 beginnt hier an einer steinernen Wegmarke der 7000 Kilometer lange Europäische Fernwanderweg E1.

Der nächste Flughafen ist Honningsvåg Valan, der 31 Kilometer südöstlich über die E 69 erreicht wird. Er wird nur im Regionalverkehr angeflogen.

Auf der Ostflanke des Plateaus befindet sich die Felsformation Nordkaphorn.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Nordkap liegt, wie die gesamte Insel Magerøya, in den nördlichen Ausläufern der Skanden. Das Gestein, aus dem das Nordkapplateau aufgebaut ist, gehört zu einer großflächig auf der Insel ausstreichenden Metagrauwacken-Phyllit-Abfolge, deren turbiditische Ausgangsgesteine im Silur abgelagert wurden und deren Metamorphose am Übergang vom späten Silur zum frühen Devon, während der skandischen Phase der Kaledonischen Gebirgsbildung erfolgte.[1][2] Im späten Pleistozän, vor ca. 21.000 Jahren bedeckte der Fennoskandische Eisschild zuletzt das Nordkap.

Tourismus und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nordkap von der Seeseite, mehr oder weniger direkt von Norden aus gesehen, oben links das Panoramafenster der Nordkaphalle
Nordkapplateau vom Besucherzentrum aus gesehen

Der Tourismus zum Nordkap hat lange Tradition. Seiner peripheren Lage wegen wurde das Nordkap bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts meist nur von einer betuchten Oberklasse besucht. Heute ist es eine Touristenattraktion mit jährlich etwa 200.000 Besuchern und wird als der nördlichste Außenposten der Zivilisation in Europa bezeichnet.

Auf dem knapp 300 Meter steil aus dem Meer aufragenden Hochplateau des Nordkaps befindet sich ein Informationszentrum – die sogenannte „Nordkaphalle“. In dieser gibt es ein Restaurant, eine ökumenische Kapelle, historische Ausstellungen, Souvenirläden und ein Postamt, in dem man ein mit dem Tagesdatum abgestempeltes Nordkapdiplom erhält. Die dort abgegebene Post wird mit einem speziellen Nordkap-Poststempel abgestempelt. Als Kuriosität ist in der Nordkaphalle auch ein sogenannter Thai-Pavillon zu finden, der an den Besuch von König Chulalongkorn von Siam im Jahr 1907 erinnert. Die Nordkaphalle wurde 1988 erst erweitert und dann 1997 um weitere 750 m² vergrößert. Die Halle ist teilweise in den Felsen gebaut. Für den Eintritt in die Nordkaphalle und zeitweise auch für das Parken auf dem Nordkapplateau wird eine Gebühr verlangt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als sich die Gletscher am Ende der letzten Eiszeit vor 8.000 bis 10.000 Jahren zurückzogen, kamen Menschen der Komsa-Kultur in die Region. Sie lebten vom Fang von Fischen, Robben und Vögeln. Die samische Bevölkerung ist seit fast 2000 Jahren in der Finnmark. Es ist nicht sicher, wann sich die ersten Norweger hier niederließen. Die ersten schriftlichen Dokumente, die auf eine norwegische Besiedlung hinweisen, stammen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, als ein Mann in Honningsvåg sein gesamtes Eigentum seiner Tochter hinterließ. Norweger, die Fisch verkauften, und Russen, die Mehl verkauften, trieben miteinander Handel.

1553 verließen drei englische Schiffe London, um die Nordostpassage nach China zu finden. Die Schiffe wurden im Sturm voneinander getrennt, und eines von ihnen, die Edward Bonaventura des Kapitäns Richard Chancellor, passierte Mitte August den Felsen mit dem Namen „Knyskanes“. In der Annahme, es handele sich um norwegisches Festland, gab Richard Chancellor dem Schieferplateau den Namen „Nordkap“.

Der Niederländer Jan Huygen von Linschoten verewigte das Nordkap 1594 in einem Kupferstich. Zu dieser Zeit waren die Niederländer den Basken nachgefolgt und hatten eine Walfangstation in der Umgebung errichtet. Später kamen auch andere Europäer hinzu. Schließlich verbot die dänisch-norwegische Regierung allen Ausländern, die keine Fanglizenz gekauft hatten, den Walfang.

Francesco Negri, ein Priester aus Ravenna in Italien, soll 1664 der erste Tourist am Nordkap gewesen sein. Er wollte herausfinden, wie die Menschen so weit im Norden überleben konnten. Auf seiner Reise war er allein und schrieb seine Erfahrungen nieder. Der französische Prinz Ludwig Philipp I. kam 1795 auf seiner Flucht vor der französischen Revolution ans Nordkap. In der Nacht vom 18. auf den 19. Juli 1799 erreichten die Reisenden Giuseppe Acerbi und Anders Fredrik Skjöldebrand das Nordkap. Beide veröffentlichten Reiseschilderungen.[3] König Oskar II. besuchte das Nordkap 1873, hieran erinnert die Oscarsäule.

Das Plateau wurde 1828 als erstes vom Norweger Baltazar Mathias Keilhau von der Bucht Hornvika aus bestiegen. Am 9. Juli 1845 begann mit der Ankunft der ersten Ferienreise des Dampfschiffs „Prinds Gustav“ aus Hammerfest zum Nordkap der organisierte Tourismus. 1861 begründete Carl Vogt die Tradition, am Nordkap Champagner zu trinken, um die Ankunft zu feiern. Die ersten organisierten Gruppenreisen aus London veranstaltete das Reisebüro Cook 1875. Der große Durchbruch für das Nordkap als Touristenziel kam, als die Hurtigrute 1893 feste Schiffsverbindungen entlang der Küste nach Norden einrichtete.

Nach der 1879 errichteten Postlinie um das Nordkap herum nach Vadsø eröffnete 1898 das erste Postamt, ein achteckiges Gebäude mit Champagnerausschank, auf dem Nordkap.

1907 besuchte König Chulalongkorn von Siam (dem heutigen Thailand) mit seinem Gefolge das Nordkap. Der Monarch aus Ostasien segelte von Kopenhagen aus mit der gecharterten Yacht „Albion“. Sein Besuch wurde dokumentiert mit Datum und der Signatur des Königs, eingemeißelt in einen Stein, der heute in der Nordkap-Halle steht.

Die Nordkapps Vel AS (Gesellschaft zum Wohle des Nordkaps) wurde 1927 gestiftet, um den Fremdenverkehr zu regulieren und die Umwelt zu bewahren. 1956 wurde die Straße von Honningsvåg zum Nordkap eröffnet, und damit begann der moderne Nordkaptourismus mit Autos und Bussen bis zum Nordkapfelsen. Daraufhin wurde 1958 die erste Nordkaphalle errichtet. Die Plastik der Weltkugel, der Globus, wurde 1978 aufgestellt.

Mit der Enthüllung des Mitternachtssonnenstraßen-Denkmals auf dem Nordkap am 7. Juni 1984 wurde die Gelegenheit genutzt, einen Club ausschließlich für die Besucher des Nordkaps zu gründen: den The Royal North Cape Club. Die Mitgliedschaft ist denen vorbehalten, die die Reise zur nördlichsten Spitze Europas gemacht haben. 1989 wurde südöstlich der Nordkaphalle das Denkmal der Kinder der Welt errichtet.

König Harald eröffnete am 15. Juni 1999 den Nordkaptunnel. Dieser Tunnel ist 6875 m lang und unterquert mit einer maximalen Tiefe von 212 m den Magerøysund. Damit war die Zeit des Fährverkehrs zwischen Magerøya und dem Festland vorbei. Honningsvåg, die kleine Hafenstadt im Süden von Magerøya, wird aber weiterhin von den Schiffen der Hurtigruten angelaufen.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nordkap – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Donald M. Ramsey, Brian A. Sturt: The syn-metamophic emplacement of the Magerøy nappe. Norsk Geologisk Tidsskrift. Bd. 56, Nr. 3, 1976, S. 291–307 (online)
  2. Allan G. Krill, John Rodgers, Bjørn Sundvoll: Alternative to the Finnmarkian-Scandian interpretation on Magerøya, northern norway. Norsk Geologisk Tidsskrift. Bd. 68, Nr. 3, 1988, S. 171–185 (online)
  3. Kjersti Skavhaug, Zum Nordkap, Berühmte Reisen von der Wikingerzeit bis zum Jahr 1800, Nordkapplitteratur A/S, Honningsvåg, 2. Auflage 1994, ISBN 82-7579-0069, Seite 49