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Nordkettenbahn

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Seegrube und Hafelekar
Hafelekarbahn und Stationsgebäude

Die Innsbrucker Nordkettenbahnen in Tirol erschließen die Nordkette, die südlichste Gebirgskette des Karwendel.

Sie führen in drei Sektionen von der Innenstadt von Innsbruck über den Stadtteil Hungerburg zur Station Seegrube (1905 m ü. A.) und weiter auf die Bergstation Hafelekar (2269 m ü. A.). Die Sektion 1, von der Innsbrucker Altstadt zur Hungerburg, ist erschlossen durch die SchienenseilbahnHungerburgbahn“, die Sektionen 2 und 3, zur Station Seegrube und zum Hafelekar, durch zwei Luftseilbahnen mit insgesamt drei Kabinen.

Erste Vorkonzessionen für einen Seilbahnbau von der Hungerburg auf das Hafelekar wurden schon Anfang des 20. Jahrhunderts erteilt. Im Jahr 1925 erörterte Karl Innerebner sein Projekt einer Luftseilbahn auf das Hafelekar.[1] Doch erst 1927 fasste die damals noch selbstständige Gemeinde Hötting einen Baubeschluss. Am 15. Juli 1927 konnte mit dem Bau der Pendelbahn durch die Fa. Adolf Bleichert & Co. und der Simmeringer Maschinen- und Waggonfabrik begonnen werden, am 9. Juli 1928 wurde die erste, 2.885 m lange Teilstrecke Hungerburg–Seegrube (1905 m ü. A.) eröffnet. Am 21. Juli desselben Jahres wurde die zweite, obere, 752 m lange Teilstrecke Seegrube–Hafelekar eröffnet. In der unteren Teilstrecke verkehrten zwei Kabinen im Pendelbetrieb, in der oberen Teilstrecke eine Kabine. Die Stationsgebäude wurden vom Architekten Franz Baumann geplant.[2]

In den Jahren 1929 bis 1932 wurden 297.028 Fahrgäste befördert und ein Gewinn von 204.481 Schilling erwirtschaftet.[3] Im Jahr 1937 wurde eine Zusteigstelle bei Stütze 3 errichtet.[4][5] Diese wurde bis 1966 betrieben und nach einer Zerstörung durch Lawinen aufgelassen.[6] 1940 übernahmen die Innsbrucker Stadtwerke die Bahn. 1945 wurden durch die Jenbacher Werke neue Kabinen geliefert.[6][7] In den 1950er Jahren kam es zu einem mehrmaligen Umbau der Bahn, um die Beförderungsleistung anzuheben, darunter ein Generalumbau der Bahn 1958–1960.[6] 1979 übernahmen die Innsbrucker Verkehrsbetriebe die Nordkettenbahn.[6] 1996 übernahmen die Zeller Bergbahnen die Nordkettenbahn, die jedoch nach Differenzen über Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung von der Stadt Innsbruck zurückgekauft wurde. Die mit der Zeit veralteten technischen Anlagen führten über einen längeren Zeitraum zu Plänen über einen Umbau oder Neubau der Bahn.

Erneuerung der Nordkettenbahn 2004

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Die Erneuerung der Anlagen wurde im Jahr 2004 als internationaler Wettbewerb ausgeschrieben, welcher im Dezember dieses Jahres mit dem realisierten Siegerprojekt abgeschlossen wurde. Die Federführung bei der architektonischen Ausgestaltung übernahm dabei die britisch-irakische Architektin Zaha Hadid, welche auch die neue Bergiselschanze in Innsbruck entworfen hatte. Ab Ende 2005 wurden die Arbeiten an dem geringfügig modifizierten Entwurf im Rahmen einer Public Private Partnership durchgeführt. Beteiligt waren die Innsbrucker Nordkettenbahnen GmbH als Tochtergesellschaft der Stadt Innsbruck, STRABAG und die Leitner AG. Die STRABAG wird die Bahn über einen limitierten Zeitraum betreiben, danach fallen die Anlagen an die Stadt Innsbruck zurück.[8][9][10]

Das gesamte Projekt war in drei Abschnitte gegliedert: die Neutrassierung und der Neubau der Hungerburgbahn sowie die Erneuerung der Bahnen zwischen der Hungerburg und der Station Seegrube bzw. der Station Seegrube und der Bergstation Hafelekar. Bei der technischen Ausgestaltung der Abschnitte der Nordkettenbahn waren neben der Steigerung der Beförderungskapazität auch denkmalschützerische Aspekte zu berücksichtigen. Die in den 1920er Jahren von Franz Baumann gestalteten Stationsgebäude blieben dabei weitestgehend erhalten, die notwendigen Veränderungen wurden unter der Leitung der Architekten Schlögl und Süß durchgeführt. Die Hafelekarbergstation (Gebiet Mühlau), das Betriebsgebäude und Hotel Seegrube (Gebiet Hötting) wie auch die Talstation Hungerburg (Gebiet Mühlau) stehen unter Denkmalschutz.[8][10]

Die Erneuerung umfasste geringfügige Umbauten an den Gebäuden der Station, den Rückbau von Einrichtungen, welche seit der Erbauung 1927/28 eingefügt wurden sowie einen vollständigen Austausch der technischen Anlagen. Die neuen Bahnen haben eine Transportkapazität von 800 Personen pro Stunde zwischen der Talstation Hungerburg und der Mittelstation Seegrube und 620 Personen pro Stunde zwischen der Seegrube und der Bergstation Hafelekar. Im Dezember 2006 wurde die Pendelbahn auf die Seegrube eröffnet, im Januar 2007 die Bahn auf das Hafelekar. Im Jahr 2007 wurde auch die Standseilbahn Hungerburgbahn eröffnet. Sie wurde ebenfalls von der Architektin Zaha Hadid geplant und verbindet die Innsbrucker Innenstadt mit der Hungerburg.[2][11]

Eigentümerstruktur

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An der Innsbrucker Nordkettenbahnen GmbH hält Stand März 2026 die Innsbrucker Verkehrsbetriebe und Stubaitalbahn GmbH 56 %, die Stadt Innsbruck 35 % und der Tourismusverband Innsbruck und seine Feriendörfer 9 %.[12] Betrieben werden die Hungerburgbahn und die Nordkettenbahnen Stand März 2026 von der Innsbrucker Nordkettenbahnen Betriebs-GmbH, die zu 51 % der Firma A-Way Infrastruktur-projektentwicklungs- und -betriebs GmbH, zu 49 % der Firma SMI Smart Mobility Investments GmbH gehört.[13]

Die Seegrube und besonders die Hafelekarspitze sind Aussichtspunkte auf die Stadt Innsbruck und das Inntal sowie das Karwendel. Auch die Messstation Hafelekar, ein Höhenstrahlungsobservatorium der Universität Innsbruck, ist über die Nordkettenbahn von der Innsbrucker Innenstadt aus erreichbar.

Im Sommer ist das Gebiet Ausgangspunkt von Wanderungen auf der Nordkette und im Karwendel. Wenige Meter westlich der Station Hafelekar befindet sich der Einstieg zum Innsbrucker Klettersteig, unterhalb der Sektion Hungerburg – Seegrube der Nordkettenbahn verlief bis 2019 der Nordkette-Singletrail für Freeride-Mountainbiker. Danach wurde er geschlossen, da die naturschutzrechtliche Genehmigung ausgelaufen war.[14] Seit 2022 wird eine Neueröffnung geprüft.[15] Der Goetheweg verläuft vom Hafelekarhaus der Nordkettenbahn zur Pfeishütte nördlich der Rumer Spitze. Die Nordkettenbahn kann auch als Teil des Weitwanderwegs Adlerweg genutzt werden.[16][17][18]

Von der Station Seegrube aus ist der Perspektivenweg erreichbar, ein 2,8 Kilometer langer Rundweg, der vom norwegischen Architekturbüro Snøhetta mit zehn architektonischen Elementen versehen wurde.[19][20]

Im Winter bildet die Bahn zusammen mit zwei Sesselliften ein Wintersportgebiet mit einem Snowpark für Snowboarder und Freeskier. Skirouten vom Gipfel des Hafelekars werden von Freeridern genutzt. Zum Wintersaisonausklang wird im Bereich der Seegrube Firngleiten betrieben.[21][22] Nach einer zwischenzeitlichen Umbenennung in Nordpark trägt das Skigebiet seit 2009 den Namen Innsbrucker Nordkette.[23]

Bei der Station Seegrube befindet sich auch der Rundfunksender Seegrube.

Das Kleine Seilbahnmuseum

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Kleines Seilbahnmuseum auf der Hungerburg

Seit Mai 2011 zeigt das Kleine Seilbahnmuseum die Geschichte der Nordkettenbahn. Das Museum ist auf 15 m² im ehemaligen Kassenraum der Talstation auf der Hungerburg untergebracht und zu Betriebszeiten der Bahn geöffnet und frei zugänglich. Das Museum bietet Informationen über die Entwicklung der Seilbahntechnik in den vergangenen 100 Jahren, und es gibt eine originalgetreue Nachbildung der ersten Gondel zu sehen, die auf der Nordkettenbahn fuhr.[24][25][26]

Commons: Nordkettenbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Artikel in: Allgemeiner Tiroler Anzeiger / Tiroler Anzeiger / Tiroler Anzeiger. Mit der Beilage: „Die Deutsche Familie“ Monatsschrift mit Bildern / Tiroler Anzeiger. Mit den illustrierten Beilagen: „Der Welt-Guck“ und „Unser Blatt“ / Tiroler Anzeiger. Mit der Abendausgabe: „IZ-Innsbrucker Zeitung“ und der illustrierten Wochenbeilage: „Weltguck“ / Tiroler Anzeiger. Tagblatt mit der illustrierten Wochenbeilage Weltguck, 17. Jänner 1925, S. 9, rechte Spalte (online bei ANNO).
  2. 1 2 Tamara Kainz: Nordkettenbahnen feiern 90-Jahr-Jubiläum. In: Mein Bezirk. 16. Juli 2018, abgerufen am 26. Januar 2026.
  3. Erfolge der österreichischen Wirtschaft: Die Seilschwebebahnen Österreichs. In: Neue Klosterneuburger Zeitung, 19. Jänner 1935, S. 2 (online bei ANNO).
  4. Zusteigstelle der Nordkettenbahn betriebsbereit. In: Tiroler Anzeiger, 18. Oktober 1937, S. 7 (online bei ANNO).
  5. Nordkettenbahn in neuer Einrichtung. In: Tiroler Anzeiger, 25. Oktober 1937, S. 8 (online bei ANNO).
  6. 1 2 3 4 Walter Kreutz: Strassenbahnen, Busse und Seilbahnen von Innsbruck. Steiger, Innsbruck 1982, ISBN 3-85423-008-7, S. 270–271.
  7. Nordkettenbahn erhält neue Leichtmetallkabinen. In: Oberösterreichische Nachrichten, 20. Februar 1946, S. 4, zweite Spalte, Mitte (online bei ANNO).
  8. 1 2 Konzept Innsbrucker Nordkettenbahn Neu: Große Chance auf Verwirklichung. In: Seilbahn. Abgerufen am 26. Januar 2026.
  9. Auftrag für Nordkettenbahn in Innsbruck an Zaha M. Hadid. In: Der Standard. 18. Juni 2004, abgerufen am 26. Januar 2026 (österreichisches Deutsch).
  10. 1 2 Nordkettenbahn-Neu ist abgesegnet. In: Der Standard. 23. Dezember 2004, abgerufen am 26. Januar 2026 (österreichisches Deutsch).
  11. 85 Jahre Innsbrucker Nordkettenbahnen. In: Mountain Manager. 5. Februar 2019, abgerufen am 26. Januar 2026.
  12. Innsbrucker Nordkettenbahnen GmbH in Innsbruck. Abgerufen am 11. März 2026.
  13. Innsbrucker Nordkettenbahnen Betriebs GmbH in Innsbruck. In: Firmenabc. Abgerufen am 26. Januar 2026.
  14. Steffen Arora: Innsbrucks Nordkette-Singletrail bleibt vorläufig geschlossen. In: Der Standard. 30. Juni 2020, abgerufen am 26. Januar 2026 (österreichisches Deutsch).
  15. Faktencheck MTB-Trails: Geschlossen, in Fertigstellung oder in Planung. 22. April 2024, abgerufen am 11. März 2026.
  16. Ein Naturjuwel über der Stadt: Wandergebiet Nordkette. In: Kronen Zeitung. 19. September 2021.
  17. 20 Jahre Adlerweg: Weitwandern auf den Schwingen des Adlers. In: Tiroler Tageszeitung. 12. September 2025.
  18. Tirol – das weltweit schönste Bundesland Österreichs. In: Die Welt. 30. August 2021.
  19. Perspektivenweg. In: Kurier. 8. August 2020.
  20. Architektur: „Kooperation statt Meisterdenken“. 19. Juli 2021, abgerufen am 10. März 2026.
  21. Christian Schreiber: Frühling, Firngleiten, Filme und Festivals. In: Tages-Anzeiger. 24. März 2024.
  22. Nur Figln ist schöner. In: sueddeutsche.de. 6. April 2011, abgerufen am 11. März 2026.
  23. „Nordpark ade!“ Krone.at, 4. Dezember 2009, abgerufen am 5. April 2011.
  24. Eröffnung „Das Kleine Seilbahnmuseum“. In: Innsbruck Informiert. 13. Mai 2011, abgerufen am 27. Juli 2017.
  25. Seilbahnmuseum. Innsbrucker Nordkettenbahnen, abgerufen am 27. Juli 2017.
  26. Seilbahnmuseum: Herzensangelegenheit für Bergfexe. In: Der Standard. 17. Mai 2011, abgerufen am 26. Januar 2026 (österreichisches Deutsch).

Koordinaten: 47° 17′ 10,3″ N, 11° 23′ 56,4″ O