Norman Manea

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Norman Manea (2008)

Norman Manea (* 19. Juli 1936 in Burdujeni, Suceava) ist ein rumänischer Schriftsteller, der in den Vereinigten Staaten lebt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1941 wurde Manea als Jude nach Transnistrien in ein rumänisches Konzentrationslager deportiert, das er mit seiner gesamten Familie überlebte.[1]

Manea arbeitete als Wasserbau-Ingenieur. In den 1960er Jahren wurde er Schriftsteller; er debütierte als 30-Jähriger in einer avantgardistischen Zeitschrift.[1] Er beschrieb das Leben in einem totalitären Regime, ohne jedoch das kommunistische Regime direkt zu kritisieren. In seiner Erzählung Der Trenchcoat lässt er den Leser die beklemmende Atmosphäre der Ceaușescu-Diktatur spüren und schildert, wie der Verdacht, vom Anderen bespitzelt zu werden, die Beziehungen zueinander vergiftet.[1]

Im Jahr 1986 verließ er aus politischen Gründen Rumänien. Nach einem Jahr in West-Berlin siedelte er in die USA über. Sein Aufsatz Felix Culpa. Erinnerung und Schweigen bei Mircea Eliade über das antisemitische Denken Mircea Eliades und dessen Nähe zum Faschismus löste 1991 im postkommunistischen Rumänien eine Schmähkampagne gegen ihn aus.[1] 1997 und 2008 besuchte er Rumänien. Die 1991 erfolgte Ermordung des Exilrumänen Ioan Petru Culianu von der Universität Chicago, der Mircea Eliade eine faschistische Orientierung nachgewiesen hatte, behandelt Manea in indirekter Form in seinem Roman Die Höhle (deutsch: 2012).

Manea lebt in New York City und ist dort Professor für European Studies and Culture am Bard College. Er publiziert regelmäßig in der Zeitschrift Sinn und Form. Seine Werke wurden in insgesamt zwanzig Sprachen übersetzt.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roboterbiographie und andere Erzählungen. Steidl, Göttingen 1987.
  • Fenster zur Arbeiterklasse. Steidl, Göttingen 1989.
  • Training fürs Paradies. Steidl, Göttingen 1990.
  • Der Trenchcoat. Steidl, Göttingen 1990.
  • Trennwand. Erzählungen. Steidl, Göttingen 1992.
  • Das Gutachten des Zensors. In: Sinn und Form 1/1996, S. 109–123 [autobiographischer Bericht über die Zensurtätigkeit der Securitate].
  • Der schwarze Briefumschlag. Hanser, München 1998.
  • Nachwehen der Wahrheit. Anmerkungen zur Holocaust-Debatte. In: Sinn und Form 2/1999, S. 268–274.
  • Über Clowns. Essays. Hanser, München 2002.
  • Anmerkungen zur exilierten Sprache. In: Sinn und Form 2/2003, S. 181–200.
  • Die Rückkehr des Hooligan. Selbstporträt. Hanser 2004. Neuausgabe: Berliner Taschenbuch Verlag 2006, ISBN 3-8333-0294-1.
  • Oktober, acht Uhr. Erzählungen. Hanser, München 2007, ISBN 978-3-446-20921-3.
  • Fünfzig Jahre Nouvelle Revue Française in Bukarest. Die Cioran-Noica-Debatte. In: Sinn und Form 3/2010, S. 326–330.
  • Begegnung mit Cioran. In: Sinn und Form 6/2010, S. 725–738.
  • Gespräche im Exil (mit Hannes Stein). Matthes & Seitz, Berlin 2011, ISBN 978-3-88221-608-0.
  • Die Höhle. Hanser, München 2012, ISBN 978-3-446-23985-2.
  • Wir sind alle im Exil. Essays. Hanser, München 2015, ISBN 978-3-446-24953-0.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mara Delius: Wer modern ist, ist einsam. Rezension, in: Die Literarische Welt, 14. November 2015, S. 7.
  • Olivier Guez: Oh weh! Kein Witz. Interview. Übersetzung Michael Ebmeyer. In: der Freitag, 28. Juli 2016, S. 25.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Norman Manea – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Hans-Peter Kunisch: Ein Trenchcoat zu viel. Der rumänische Schriftsteller Norman Manea wird 80. In: Süddeutsche Zeitung vom 19. Juli 2016, S. 12.
  2. Norman Manea erhält FIL-Literaturpreis – Rumänischer Autor ausgezeichnet, boersenblatt.net, 30. August 2016, abgerufen am 30. August 2016