Norsk Hydro

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Norsk Hydro ASA
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Rechtsform Allmennaksjeselskap
ISIN NO0005052605
Gründung 1905
Sitz Oslo, NorwegenNorwegen
Leitung Svein Richard Brandtzæg
Mitarbeiterzahl 35.700 (2018) [1]
Umsatz 77,91 Mrd. NOK (2014)[1]
8,63 Mrd. EUR[2]
Branche Aluminium
Website www.hydro.com

Norsk Hydro ASA ist ein internationaler Aluminiumproduzent mit Sitz in Oslo. Das Unternehmen ist im OBX Index gelistet.

Kerngeschäft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Abspaltung der Sparte Erdöl & Energie zum 1. Oktober 2007 (diese fusionierte mit dem Statoil-Konzern zu StatoilHydro) konzentriert sich Hydro auf sein Aluminium­geschäft. Hydro gehört 2013 zu den größten Aluminiumproduzenten der Welt.[3] 2002 erwarb Hydro den führenden deutschen Aluminiumproduzenten VAW vom deutschen Versorgungsunternehmen E.ON. Im Oktober kaufte die Norsk Hydro das Tochterunternehmen SAPA, an dem zuvor bereits 50 % der Anteile gehalten worden waren. Norsk Hydro unterhält Geschäftsaktivitäten in 40 Ländern der Erde, auf allen Kontinenten. Der norwegische Staat hält 43,8 Prozent der Firmenanteile. Der Konzern beschäftigt mittlerweile rund 35.700 Mitarbeiter (Stand: 2013).[4] Der Vorstandsvorsitzende ist seit März 2009 Svein Richard Brandtzæg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Firma wurde am 2. Dezember 1905 von Sam Eyde und Kristian Birkeland gegründet, um eine neue – von Birkeland entwickelte – Technologie zur Produktion von Mineraldünger durch Bindung von Luftstickstoff kommerziell zu nutzen. Hydros erste Fabrik entstand in Notodden, gefolgt von einer weiteren in Rjukan.

„Schweres Wasser“ von Norsk Hydro

Ab ca. 1929 verwendete Norsk Hydro zur Herstellung von Stickstoffdünger das Haber-Bosch-Verfahren, welches gegenüber dem Birkeland-Eyde-Verfahren deutliche Vorteile aufweist.

Chemie- und Wasserkraftwerk Vemork von Norsk Hydro bei Rjukan mit Schwerwasser-Produktionsanlage im Frontgebäude, 1935

Für die Produktionsanlagen in Rjukan stand ab 1934 der für das Haber-Bosch-Verfahren in großen Mengen benötigte Wasserstoff aus der neuerrichteten Fabrik am Kraftwerk Vemork zur Verfügung. Die Fabrik stellte Wasserstoff durch die Elektrolyse von Wasser her und benötigte dazu viel elektrische Energie. Um die Energieverluste möglichst gering zu halten, wurde die Wasserstoffelektrolyse daher direkt neben dem Kraftwerk errichtet. Der erzeugte Wasserstoff wurde über eine Rohrleitung zu den Anlagen nach Rjukan transportiert. Als Nebenprodukt der Wasserelektrolyse fällt schweres Wasser an, wodurch die Wasserstofffabrik in Vemork seinerzeit der einzige Herstellungsort für hochkonzentriertes schweres Wasser in Europa war. Nach der Okkupation Norwegens durch die deutsche Besatzungsmacht im April 1940 wurde die Produktion des schweren Wassers, das dem Uranprojekt zugutekommen sollte, vorangetrieben. Die Fabrik wurde Ziel einer der spektakulärsten Widerstandsaktionen des Zweiten Weltkrieges, als es zwölf in England ausgebildeten Norwegern am 27. Februar 1943 gelang, große Teile der Anlage in die Luft zu sprengen. Diese Ereignisse lieferten den Hintergrund für den englischen Spielfilm Kennwort „Schweres Wasser“ (The Heroes of Telemark, 1965) und die norwegische TV-Miniserie Saboteure im Eis (Kampen om tungtvannet, 2015). An dem Angriff war auch Knut Haugland beteiligt, der 1947 durch die Kon-Tiki-Expedition bekannt wurde. Dem raschen Wiederaufbau folgten Bombenangriffe der Alliierten.

Siehe auch: Norwegische Schwerwasser-Sabotage

Zum 100-jährigen Jubiläum von Norsk Hydro im Jahre 2005 erschien eine von unabhängigen Historikern ausgearbeitete dreibändige Firmengeschichte, die unter anderem die intensive Zusammenarbeit mit der deutschen Besatzungsmacht kritisch hinterfragt. So beschäftigte die Firma im Werk Porsgrunn im Sommer 1943 auch zirka 1000 Zwangsarbeiter sowie 300 jugoslawische und sowjetische Kriegsgefangene. Die Werksanlagen wurden zeitweise von norwegischen SS-Soldaten bewacht. Hydro kooperierte außerdem eng mit dem deutschen Chemiekonzern I.G. Farben.

Zu Beginn der 1970er Jahre machte sich die Firma einer massiven Umweltverschmutzung, vor allem in der Nähe des Standorts Porsgrunn, schuldig. Erst 1974 entspannte sich die Lage aufgrund neuer gesetzlicher Vorschriften. Dennoch wurde Norsk Hydro noch in den 1980er Jahren mehrfach das Ziel von Protestaktionen durch Umweltschützer.

1999 erwarb Norsk Hydro den norwegischen Öl- und Gasproduzenten Saga Petroleum. Hydros Düngemittelgeschäft, das in der Tochtergesellschaft Hydro Agri gebündelt war, wurde am 26. März 2004 in die börsennotierte Firma Yara International, mit Produktionsstätten u. a. in Brunsbüttel, Rostock, Porsgrunn und Glomfjord, ausgegliedert. Norsk Hydro gab seine Yara-Aktien an Hydros-Aktionäre ab und hält heute keine Anteile mehr an Yara.

Norsk Hydro war bis zur Abspaltung der Erdöl- und Energie-Sparte der zweitgrößte Öl- und Gasförderer auf dem norwegischen Kontinentalschelf. Diese fusionierte am 1. Oktober 2007 mit dem ebenfalls norwegischen Statoil-Konzern. Norsk Hydro arbeitet seitdem als reine Aluminiumgesellschaft weiter. 2002 erwarb Norsk Hydro die VAW Aluminium für 3,1 Mrd EUR von E.ON.[5]

Im Jahr 2009 verkaufte das Unternehmen seine Sparte Automotive Structures mit zirka 1200 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 260 Millionen Euro an den Paderborner Automobilzulieferer Benteler Automobiltechnik GmbH.[6]

Umweltschäden im Brasilianischen Regenwald 2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 2018 wurden nach starken Regenfällen Teile des Amazonasgebietes um Para mit giftigem Rotschlamm der Aluminiumwerke Hydro AluNorte und Albras überschwemmt. Die Anlagen in der Region Barcarena, rund 15 Kilometer von der Millionenstadt Belem an der Flussmündung des Amazonas gelegen, werden von Alumínio Brasileiro, einem brasilianischen Partner von Hydro Norsk, betrieben und gehören zur Hälfte den Norwegern. Am 20. März 2018 gab Hydro Norsk zu, verunreinigtes Wasser ungeklärt in einen Fluss abgeleitet zu haben. Das Unternehmen hatte diesen Fakt zuerst zurückgewiesen. Svein Richard Brandtzæg, Präsident des Unternehmens sagte, man habe ungeklärtes Wasser aus den Auffangbecken in den Para-Fluss abgelassen und er entschuldige sich für das Vorgehen. Er kündigte eine interne Untersuchung an, für die das Unternehmen 52,6 Millionen Euro investieren wolle.[7][8] Das Werk AluNorte - nach eigenen Angaben größte Aluminiumoxid-Raffinerie der Welt - wurde in Folge des Vorfalls vom Gericht angewiesen, seine Produktion um 50 % zu verringern.[9]

In dem Schlamm der übergelaufenen Rotschlamm-Becken wiesen örtliche Behörden neben Bauxit in Flüssen der Region auch Aluminiumrückstände, Phosphor, Fluoride und Nitrat in hohen Konzentrationen nach. In der Nähe der Becken leben 5.000 Menschen; viele klagten über Übelkeit, Hautjucken und Durchfälle.[7]

Joint Ventures[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alumínio Brasileiro: Joint Venture zwischen Norsk Hydro und Nippon Amazon Aluminium Co. Ltd. (NAAC)
  • Qatar Aluminium: Joint Venture zwischen Qatar Petroleum und Hydro Aluminium AS, einer Tochter der Norsk Hydro.
  • Aluminium Norf GmbH: Joint Venture zwischen Novelis und Hydro Aluminium AS, einer Tochter der Norsk Hydro. AluNorf mit Sitz im Neusser Stadtteil Norf ist das größte Aluminium-Walzwerk der Welt mit einer mittleren Walzleistung von 1,5 Millionen Tonnen Aluminium pro Jahr.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ketil Gjølme Andersen (u. a.), 'Hydros historie 1905-2005', 3 Bde., Oslo: Pax, 2005 ISBN 82-530-2835-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Norsk Hydro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Norsk Hydro 2014 Annual Report
  2. Umgerechnet zum Kurs am Bilanzstichtag, den 31. Dezember 2014
  3. world-aluminium.org: The Global Aluminium Industry - 40 years from 1972
  4. http://www.hydro.com/en/Investor-relations/Reporting/Annual-report-2013/Hydro-in-figures-2013/
  5. https://www.eon.com/de/presse/news/pressemitteilungen/2002/1/7/e-dot-on-verkauft-vaw-aluminium-an-norsk-hydro.html
  6. Hydro verkauft Automotive Structures an Benteler, Meldung vom 27. Oktober 2009
  7. a b Umweltskandal in Brasilien - Norsk Hydro räumt Verantwortung ein. In: Deutschlandfunk. (deutschlandfunk.de [abgerufen am 26. März 2018]).
  8. Umweltskandal in Brasilien - Norsk Hydro räumt Verantwortung ein. In: Deutschlandfunk. (deutschlandfunk.de [abgerufen am 26. März 2018]).
  9. https://www.reuters.com/article/norsk-hydro-brazil/update-1-brazil-federal-court-upholds-output-cut-at-norsk-hydros-alunorte-idUSL1N1S81NG