Northwest Airlines

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Northwest Airlines
Logo der Northwest Airlines
Boeing 747-400 der Northwest Airlines
IATA-Code: NW
ICAO-Code: NWA
Rufzeichen: NORTHWEST
Gründung: 1926
Betrieb eingestellt: 2010
Fusioniert mit: Delta Air Lines
Sitz: Eagan, Minnesota,
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Drehkreuz:
Heimatflughafen:

Minneapolis/St.Paul

Unternehmensform: Aktiengesellschaft
Fluggastaufkommen: 54,89 Mio.(2007)
Allianz: SkyTeam
Flottenstärke: 302 (+ 25 Bestellungen)
Ziele: National und international
Northwest Airlines ist 2010 mit Delta Air Lines fusioniert. Die kursiv gesetzten Angaben beziehen sich auf den letzten Stand vor der Übernahme.

Northwest Airlines, kurz nwa (zeitweise auch Northwest Orient Airlines), war eine amerikanische Fluggesellschaft mit Sitz in Eagan sowie Mitglied der Luftfahrtallianz SkyTeam. Im Oktober 2008 wurde sie von Delta Air Lines übernommen, die sie zum 31. Dezember 2009 in ihr eigenes AOC integrierte und zum Frühjahr 2010 schließlich die Nutzung der Marke nwa einstellte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung und erste Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Northwest Airlines wurde am 1. August 1926 unter dem Namen Northwest Airways gegründet. Die Gesellschaft erwarb die von Charles Dickenson gehaltenen Streckenrechte für den Postflugverkehr auf der CAM-Route 9 von Chicago nach Minneapolis und nahm ihren Flugbetrieb am 1. Oktober 1926 mit einer Curtiss Oriole auf.[1] Der erste Passagierflug folgte am 1. Juni 1928 mit einer Stinson SB-1; 1931 folgte der erste internationale Flug nach Winnipeg. Infolge des Luftpost-Skandals wurde die Gesellschaft am 16. April 1934 zur Northwest Airlines umfirmiert.

Am 22. April 1939 wurde die erste Douglas DC-3 von insgesamt 36 Maschinen dieses Typs geliefert. Nach dem Krieg bestellte Northwest Airlines Boeing B-377 Stratocruiser, die bald von Lockheed L-188 Electra ersetzt wurden, dem ersten Turboprop-Flugzeug der Gesellschaft.

Im Jet-Zeitalter als Northwest Orient Airlines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lockheed L-188 Electra der Northwest Airlines
Boeing 707 der Northwest Airlines
Boeing 727-200 der Northwest Airlines

Am 18. Mai 1960 wurde das erste reine Düsenflugzeug, die Douglas DC-8-32, geliefert. Northwest Airlines war auch die erste Fluggesellschaft, die mit diesem Typ den Pazifik überquerte.

Ende 1970 wurde die erste Boeing 747-100 ausgeliefert und auf der Strecke von New York nach Minneapolis eingesetzt. Im Jahre 1980 nahm die Fluglinie – damals noch als „Northwest Orient Airlines“ geführt – ihren Linienverkehr nach Deutschland (Hamburg) auf. Im Oktober 1989 erhielt die Airline als Erstkunde die neue Boeing 747-400.

Entwicklung seit 2000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Auslieferung der ersten Airbus A330-300 im Juni 2003 wurde auch ein neues Corporate Design eingeführt.

Am 5. Mai 2005 bestellte die Airline bei Boeing 18 Maschinen (plus 50 Optionen) des Typs 787-8 „Dreamliner“ zur Lieferung ab 2009. Am 14. September desselben Jahres beantragte Northwest Insolvenz nach Chapter 11. Nach US-Recht kann ein Unternehmen dabei den laufenden Betrieb aufrechterhalten, ist jedoch vor Forderungen von Gläubigern geschützt.

Für das Jahr 2006 meldete NW zum ersten Mal seit 2000 einen operativen Gewinn von 300 Mio. Dollar. Jedoch meldete die Fluggesellschaft einen reinen Verlust von 2,8 Milliarden, bedingt durch die Restrukturierungsmaßnahmen in Zusammenhang mit der Insolvenz.

Am 28. Februar 2007 stimmte das Insolvenzgericht zu, dass Northwest Airlines den Regionalpartner Mesaba Aviation aufkaufen darf.
Zum 1. Juni 2007 konnte Northwest nach gut 20 Monaten den Gläubigerschutz nach Chapter 11 verlassen. Damit war zum ersten Mal seit Dezember 2002 keine der sogenannten US-amerikanischen „Legacy“-Gesellschaften mehr im Gläubigerschutz. Als „Legacy-Carrier“ gelten die großen US-Gesellschaften mit internationalem Streckennetz, neben Northwest Airlines namentlich American Airlines, Continental Airlines, Delta Air Lines, United Airlines und US Airways.

Northwest Airlink[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Betrieb von Zubringerflügen wurde 1984 die Marke Northwest Airlink gegründet.[2] Als erste Fluggesellschaft wurde Mesaba Airlines unter Vertrag genommen; sie betrieb für Northwest die Typen Fokker F27 Friendship, Fairchild Swearingen Metro und später auch de Havilland Canada DHC-8-100 sowie Saab 340.

Etliche weitere kleinere Gesellschaften wie Business Express Airlines, Compass Airlines, Express Airlines I (ab 1987; neuer Name ab 2002: Pinnacle Airlines) und Trans States Airlines führten diese Flüge mit den Flugzeugtypen BAe 146 (Avro RJ85), BAe Jetstream 31, Bombardier CRJ, Convair 580, Embraer 175 und Saab 340 im Auftrag von Northwest Airlines durch.[3]

Aufgrund der bevorstehenden Fusion wurden die Flüge von Northwest Airlink ab 2009 auf den Markennamen Delta Connection umgestellt.

Fusion mit Delta Air Lines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. April 2008 wurde bekannt, dass Northwest Airlines und Delta Air Lines einen Zusammenschluss planen, bei dem die größte Fluggesellschaft der Welt entstehen würde. Die neue Gesellschaft sollte den Namen Delta Air Lines tragen und vom bisherigen Northwest Airlines -Chef Richard Anderson geleitet werden.[4] Nach Zustimmung der Aktionäre und der US-Kartellbehörde wurde der Zusammenschluss am 29. Oktober 2008 beschlossen.[5] Bis zur vollständigen Integration in Delta (bei der auch die Marke "Northwest" verschwand) agierte Northwest als deren hundertprozentige Tochtergesellschaft.

Vor der Übernahme war Northwest die älteste verbliebene Fluggesellschaft der Vereinigten Staaten und hinter American, Delta, Southwest und United Airlines die fünftgrößte Fluggesellschaft der USA.

Seit dem 31. Dezember 2009 verfügt Northwest Airlines nicht mehr über ein eigenes Luftverkehrsbetreiberzeugnis (AOC - Air Operator Certificate). Seit dem 1. Januar 2010 werden alle Aktivitäten nur noch unter einer gemeinsamen Zulassung durchgeführt, die auf Delta Air Lines lautet. Seit dem 1. Quartal 2010 werden firmenweit alle Reservierungen und Tickets nur noch über das Delta-System abgewickelt. Die Northwest Airlines-Webseite wurde inzwischen geschlossen. Damit, sowie mit der Umlackierung der letzten verbleibenden Flugzeuge, verschwand die Marke Northwest Airlines vollständig, und die bis dato größte Fluggesellschafts-Übernahme der USA war abgeschlossen.[6]

Flugziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltweite Verkehrsverbindungen wurden durch eigene sowie Codesharing angeboten. Die Schwerpunkte in den USA waren der Mittlere Westen und der Nordwesten, im internationalen Verkehr die transpazifische Route USA-Asien sowie die transatlantische Verbindung nach Europa. In Deutschland wurde Frankfurt am Main ein- bis zweimal täglich sowie Düsseldorf von Detroit aus angeflogen.

Die US-amerikanischen Luftfahrt-Drehkreuze (engl. Hubs) befanden sich in Minneapolis, Detroit und Memphis, die internationalen in Tokio-Narita und Amsterdam (mit KLM). Northwest war darüber hinaus Mitglied der Luftfahrtallianz SkyTeam, der unter anderem auch Delta Air Lines, Air France und Alitalia angehören.

Flotte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Douglas DC-9-30 der Northwest Airlines
Eine Boeing 757-200 der Northwest Airlines

Vor der Integration in die Flotte der Delta Air Lines bestand die Flotte der NWA mit Stand Dezember 2009 aus 305 Flugzeugen,[7] von denen zu diesem Zeitpunkt bereits über 180 die Bemalung von Delta trugen.

Flugzeugtyp aktiv bestellt[8][9] Anmerkungen
Airbus A319-100 057 005
Airbus A320-200 068 002
Airbus A330-200 011 Erste Auslieferung am 21. Juli 2004
Airbus A330-300 021 Erste Auslieferung am 8. Juli 2003
Boeing 747-200FSCD 005 Frachtmaschinen; erste Auslieferung am 3. Juli 1975
Boeing 747-400 016 Erste Auslieferung am 26. Januar 1989; sollten zu Frachtmaschinen konvertiert werden
Boeing 757-200 041 Erste Auslieferung am 28. Februar 1985
Boeing 757-300 016 Erste Auslieferung am 20. Juli 2002
Boeing 787-8 018
Douglas DC-9-30 027 24 von diesen waren zur Ausmusterung vorgesehen.
Douglas DC-9-40 007
Douglas DC-9-50 033
Gesamt 305 025

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Martin 202 der Northwest Airlines
Eine Douglas DC-7C der Northwest Airlines
  • Am 16. Januar verunglückte eine Martin 2-0-2 der Northwest Orient Airlines (N93054) nahe Reardan, Washington, auf dem Flug von Spokane nach Wenatchee. Nach einem Notruf stürzte die Maschine steil zu Boden. Alle sieben Passagiere und drei Crewmitglieder an Bord starben.[11]
  • Am 24. November 1971 wurde eine Boeing 727-051 der Northwest Orient Airlines vom legendären Flugzeugentführer und Banditen D. B. Cooper entführt. Die Passagiere durften in Seattle das Flugzeug verlassen. Cooper forderte den Piloten auf nach Mexiko zu fliegen. Während des Flugs in der Nacht und bei Gewitter sprang dieser mit 200.000 US$ Lösegeld aus der 727. Der Crew passierte nichts. Die Ermittlungen des FBI wurden am 13. Juli 2016 endgültig eingestellt.[13]
  • Am 3. Dezember 1990 kollidierten zwei Verkehrsmaschinen der Northwest Airlines auf dem Flughafen Detroit im Nebel am Boden, eine Douglas DC-9 auf dem Weg nach Pittsburgh und eine Boeing 727 auf dem Weg nach Memphis. Die Piloten der DC-9 waren versehentlich auf die Startbahn gerollt. Bei dem Zusammenprall mit über 150 km/h wurde bei jeder Maschine eine Tragfläche abgerissen und bei der DC-9 brach Feuer aus. 8 Menschen starben, 198 Menschen überlebten.
  • Am 1. Dezember 1993 schlug eine British Aerospace 3101 Jetstream 31 (Luftfahrzeugkennzeichen N334PX) der Northwest Airlines, die durch deren Tochterfirma Northwest Airlink betrieben wurde, im Anflug auf den Flughafen Range Regional, Minnesota mit sehr hoher Sinkgeschwindigkeit gut 5 km vor dem Flughafen auf. Alle 18 Insassen an Bord wurden getötet. Als Ursache wurde der Zusammenbruch der Koordination innerhalb der Cockpitbesatzung festgestellt, bedingt durch das sehr dominante, provozierende und einschüchternde Verhalten des Kapitäns.[15]
  • Am 19. August 2005 kollabierte während der Landung auf dem Flughafen Guam/Won Pat das Bugfahrwerk einer Boeing 747-200 (N627US). Die Flugbesatzung hatte beim Abarbeiten der Checklisten mehrfach das betreffende rote Warnlicht übersehen. Alle 334 Insassen überlebten; das Flugzeug wurde irreparabel beschädigt.[16]
  • Am 25. Dezember 2009 versuchte ein 23-jähriger Nigerianer während des Northwest-Airlines-Flug 253 mit 289 Menschen an Bord einen Sprengsatz zu zünden, wobei er von einem anderen Passagier überwältigt wurde.[17]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Northwest Airlines – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerald N. Sandvick: Enterprise in the Sky, The Early Years of Air Commerce in Minnesota (PDF)
  2. Geoff Jones: Northwest Airlines: The First Eighty Years. Arcadia Publishing, Charleston SC 2005, ISBN 0-7385-3415-3.
  3. Ulrich Klee, Frank Bucher et al.: jp airline-fleets international. Zürich-Airport 1984 bis 2007.
  4. http://www.tagesanzeiger.ch/dyn/news/newsticker/861290.html
  5. Neuer Luftfahrt-Riese startet durch (Memento vom 1. August 2012 im Webarchiv archive.is)
  6. Flightglobal.com: Delta, Northwest receive single operating certificate
  7. ch-aviation.ch - Flotte der Northwest Airlines (englisch) abgerufen am 16. Dezember 2009
  8. airbus.com - Bestellungen der Northwest Airlines (englisch) abgerufen am 31. März 2008
  9. boeing.com - Bestellungen der Northwest Airlines (englisch) abgerufen am 29. April 2008
  10. Unfallbericht NC93044, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 21. Januar 2016.
  11. Unfallbericht N93054, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 19. Januar 2016.
  12. Unfallbericht N290, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 17. Dezember 2015
  13. Fall Dan Cooper: FBI gibt Suche nach Flugzeugentführer nach 45 Jahren auf. In: Spiegel Online. 13. Juli 2016, abgerufen am 14. Juli 2016.
  14. Unfallbericht N312RC, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 19. Januar 2016.
  15. Unfallbericht N334PX, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 24. März 2016.
  16. Unfallbericht N627US, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 16. Januar 2016.
  17. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network